Infobrief 365 (23/2017): Journalist – ein aussterbender Beruf?

1. Presseschau vom 2. bis 8. Juni 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

1. Presseschau vom 2. bis 8. Juni 2017

Journalist – ein aussterbender Beruf?


Fotomek/Fotolia

Wer schon einmal versucht hat, einen ganzen Text mit Hilfe der Suchmaschine Google zu übersetzen, weiß, dass das Ergebnis meist unbrauchbar ist. Besser funktioniert das bei einzelnen Wörtern oder einfach strukturierten Sätzen. Die Technik ist noch nicht ausgereift genug, um die Feinheiten der menschlichen Sprache zu erfassen. Doch nicht nur automatische Übersetzungen werden immer weiter verbessert, mittlerweile verfassen Computerprogramme sogar Nachrichten oder andere journalistische Texte, z. B. in der Sportberichterstattung: Die Programme generieren aus statistischen Daten, Informationen über den Spielverlauf (Ecke, Elfmeter usw.) und einem Fundus an Textbausteinen ganze Berichte über Sportereignisse. Auch Fakten vom Börsengeschehen werden bereits heute automatisch in Texte verwandelt. Derzeit fehlt es den so entstandenen Texten aber noch an Natürlichkeit. Leser merken schnell, dass das Programm weder über Hintergrundwissen verfügt, noch Stimmungen einschätzen kann. Im Deutschlandfunk haben Journalisten entsprechende Texte bewertet.

Mit der Ersetzbarkeit des Menschen durch die Maschine beschäftigt sich auch das Philosophie-Festival „phil.cologne“, welches noch bis zum 13. Juni in Köln stattfindet. (deutschlandfunk.de, diepresse.com, deutschlandfunk.de)

Dylans Nobelpreisrede

Nachdem Bob Dylan im vergangenen Jahr (nicht unumstritten) als erster Musiker den Nobelpreis für Literatur bekommen hat, reichte er nun, kurz vor Ablauf der Frist am 10. Juni, die vorgeschriebene Nobelpreisrede als Tonaufnahme ein. Die Rede ist Voraussetzung für die Auszahlung des Preisgeldes von acht Millionen Kronen, also etwa 820.000 Euro. In seinem Vortrag beschreibt Dylan, welche Musik und Bücher ihn beeinflusst haben. Sara Danius, Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, bezeichnete die Rede als „außergewöhnlich“ und für den Literaturwissenschaftler Heinrich Detering gilt sie gar als „kleines Meisterwerk“. Sowohl die mit Klavierbegleitung unterlegte Audioaufnahme der (englischen) Rede als auch eine Abschrift sind auf der Internetseite der Schwedischen Akademie verfügbar. (svenskaakademien.se, deutschlandfunkkultur.de)

Verbotene Wörter im Unterricht

Japanische Grundschul-Übungsbücher setzen neuerdings darauf, das Interesse von Kindern an fäkalsprachlichen Ausdrücken im Unterricht auszunutzen. Die TAZ befragte dazu die Potsdamer Pädagogikprofessorin Agi Schründer. Sie führt das kindliche Interesse auf den Spaß an der Provokation sowie den Stolz auf die Beherrschung des Ausscheidungsprozesses zurück, hält es aber in keiner Weise für angemessen, solche Ausdrücke in Schulbüchern zu verwenden. Vielmehr plädiert sie dafür, dass Lehrkräfte ein positives Sprachvorbild sein müssen, um in der Schule eine „schulische Bildungssprache“ zu etablieren. Kinder müssen lernen, „ihre Alltagssprache in eine Sprache zu transformieren, die den Sachverhalt korrekt und angemessen beschreibe“. (taz.de)

Claus Peymann wird 80

„Imperialismus ist, wenn die eigene Kultur flöten geht. Jedes zweite Stück auf deutschen Spielplänen hat einen englischen Titel. Wir machen uns zu Sklaven, wir finden es schick, wenn die Internetsprache deutsche Bühnen bestimmt. Wenn wir so weitermachen, wird das Deutsche ‘ne Zwergensprache. Wir sind Deutsche durch Sprache, nicht durch Krupp oder die Bild-Zeitung“ – die Theaterlegende Claus Peymann ist stets ein Garant für deutliche Worte, besonders wenn es um die Sprache geht. „Niemand kämpft für eine gute Bühnensprache so leidenschaftlich wie er“, schreibt die Westfälische Rundschau. Am vergangenen Mittwoch feierte Peymann, der noch bis zum 2. Juli Intendant des Berliner Ensembles ist, seinen 80. Geburtstag. (faz.net, wr.de, derwesten.de)

Deutsch in Papua-Neuguinea

Der Bismarck-Archipel liegt im westlichen Pazifik und gehört heute zur Papua-Neuguinea. Dort sprechen noch einige Bewohner die Mischsprache „Unserdeutsch“, die ihren Ursprung in der deutschen Kolonialzeit in dieser Region hat. „Unserdeutsch“ entstand in der Nähe der heutigen Provinzhauptstadt Kokopo (damals Herbertshöhe). Es wurde von Kindern gesprochen, die (meist) einen deutschen Vater und eine einheimische Mutter hatten. Sie lernten Deutsch als Fremdsprache, insbesondere den deutschen Wortschatz, bildeten aber auf der Grundlage der einheimischen Sprache Tok Pisin eine eigene Grammatik aus. Ein Projekt an der Universität Augsburg hat das Ziel Daten und Tonaufzeichnungen von den letzten Gewährspersonen dieser untergehenden deutschen Sprachinsel zu sammeln. (br.de)

 

2. Berichte

Leselernhelfer in Dortmund

In Dortmund gibt es seit vergangener Woche einen eigenen Verein „Mentor – Die Leselernhelfer“. Rund 50 Mitglieder und Interessenten trafen sich in der Rotunde des Dortmunder Museums für Kunst und Kulturgeschichte, darunter auch die Schuldezernentin Daniela Schneckenburger. Der Verein sucht nun nach ehrenamtlichen Lesepaten, die zusammen mit Kindern bis zu einem Alter von 16 Jahren das Lesen üben. Interessenten aus Dortmund können sich in der Mentor-Geschäftsstelle anmelden unter: 0221 16844744 oder info@mentor-bundesverband.de.

Der Mentor-Bundesverband bekam 2015 den Initiativpreis Deutsche Sprache von der Eberhard-Schöck-Stiftung und vom VDS.

3. VDS-Termine

12. Juni, Region 42 (Wuppertal, Remscheid)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gaststätte „Kaiser-Treff“, Hahnerberger Straße 260, 42329 Wuppertal-Cronenberg

14. Juni, Region 14 (Berlin, Potsdam)
Mitgliedertreffen, Vortrag Dr. Corina L. Petrescu (University of Mississippi) über ihre Erfahrungen im Erlernen und Unterrichten der deutschen Sprache
Zeit: 08:00 bis 18:30 Uhr
Ort: Restaurant „Dame am Kamin“, Oderberger Straße 61, 10435 Berlin Prenzlauer Berg

15. Juni, Region 42 (Wuppertal, Remscheid, Solingen)
Jubiläumssendung im Radio RSG, UKW (FM): 107.9 MHz, 92,2 MHz oder 94,3 MHz
Internet: radiorsg.de („Webradio“)
Zeit: 19:00 bis 20:00 Uhr

15.-17. Juni Deutsche Sprachtage 2017 in Kusel
Programm: Bildungsfahrt „Deutsch und Latein in der Pfalz“ (15.6.), Rahmenprogramm mit Ausflug und Draisinenfahrt (16.6.), Fortbildungsveranstaltungen (16./17.6.), Feierliche Eröffnung auf Burg Lichtenberg (16.6.), Delegiertenversammlung (17.6.)

 

4. Literatur

Neuübersetzung: „Hundert Jahre Einsamkeit“

Vor 50 Jahren erschien der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ des 2014 verstorbenen kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. Aus diesem Anlass veröffentlicht der Verlag Kiepenheuer & Witsch nun eine Neuübersetzung des berühmten Buches. Diese sei nötig, da Übersetzung auch immer Interpretation bedeute, so Übersetzerin Dagmar Ploetz. Darauf wirke sich die Zeit aus, in der die Übersetzung entsteht. (deutschlandfunkkultur.de)

Neues vom Zwiebelfisch

Am 8. Juni erschien „Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen“, der sechste Band aus Bastian Sicks Buchreihe „Happy-Aua“. Darin präsentiert der Autor von „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, der auch Mitglied im VDS ist, das Neueste aus der Feder des Fehlerteufels. Sick greift u.a. Fehler aus Werbung und Journalismus auf. Schon kleine Buchstabendreher können die Bedeutung eines Satzes verdrehen. Beispielsweise wird aus einem Brautkleid mit Pailletten eines mit Paletten. (kiwi-verlag.de)

 

5. Denglisch

Neue Technik, neue Namen

Seit Anfang 2016 gibt es auf einem drei Kilometer langen Straßenabschnitt südlich von Hannover ein Pilotprojekt, mit dem der Einsatz neuer Technik gegen Autoraser getestet wird. Das Verfahren hieß bisher zumeist „Section Control“. Weil das aber kaum ein Autofahrer verstand, setzte sich „Streckenradar“ bzw. „Langstreckenradar“ durch. Doch diese Bezeichnung stieß auf Kritik, denn Radartechnik gibt es bei der Methode gar nicht. Deswegen spricht man neuerdings von „Abschnittsmessung“. Dies kommt auch dem Vorschlag im VDS-Anglizismen-Index nahe, in dem bisher „Abschnittskontrolle“ stand. (zeit.de, bussgeldkatalog.org)

 


 

 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

RECHTLICHE HINWEISE

Bitte antworten Sie nur dann auf diesen Infobrief, wenn Sie ihn abbestellen oder eine neue E-Post-Adresse angeben wollen. Zur Diskussion bietet sich das VDS-Internet-Forum an: http://rundbrief.vds-ev.de.

Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Lea Jockisch, Holger Klatte, Ann-Sophie Roggel

Der Verein Deutsche Sprache e. V. nimmt den Schutz Ihrer persönlichen Daten ernst. Ihre Daten werden ausschließlich für den Versand dieses Infobriefs gespeichert.

© Verein Deutsche Sprache e. V.