VDS-Infobrief 345: 3/2017 Worte der Liebe

VDS-Infobrief 3. Woche

1. Presseschau vom 13. bis 19. Januar 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

1. Presseschau vom 13. bis 19. Januar 2017

Worte der Liebe

Foto Briefkasten
© pixabay / CC0 1.0 / Anhangsgebilde

Seit Jahrhunderten schreiben die Menschen Liebesbriefe. Was diese Form des emotionalen Austausches über uns aussagt, hat die Germanistin Eva Wyss der Universität Zürich erforscht. Über 2500 Briefe aus den Jahren 1816 bis 2016 hat Wyss analysiert, um herauszufinden, „wie Liebeskonzepte sich geändert haben und welche Emotionen darin überhaupt thematisiert werden“, berichtet ze.tt. Das Ergebnis: Die Funktion der Briefe und somit auch ihre Sprache unterscheiden sich über die beiden Jahrhunderte stark. War der Liebesbrief zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch die einzige Möglichkeit, den zukünftigen Ehepartner ohne die Beeinflussung der elterlichen Überwachung kennenzulernen, wurde die Liebe im 20. Jahrhundert und somit auch die Sprache der Liebe freier. Besonders die 1970er-Jahre stellen einen Wendepunkt hinsichtlich der geäußerten Gefühle dar. Die Beschreibungen wurden ausführlicher und direkter, auch Konflikte, Wut oder Ängste sind Thema in Liebesbriefen. Der Abschluss eines Briefs mit den Worten „Ich liebe dich“ ist für Wyss hingegen weniger eine Liebesbekundung, sondern vielmehr „eine Scharnierstelle, die die Verabschiedung einleitet und es damit erlaubt, den Brief abzuschließen“. Die Zukunft der Liebesbriefe sei allerdings düster. Emotionale Worte würden heutzutage häufig nur noch als Kurznachricht verschickt und somit in den stetigen Nachrichtenaustausch eingebunden, ohne besonders hervorgehoben zu werden. Ein Brief hingegen sei abgeschlossen und wirke durch die Tatsache, dass der Austausch von zeitlichen und räumlichen Distanzen abhängig ist. (ze.tt)

 

„Sprachwandel“: Wissenschaftler rät, ganz unwissenschaftlich, zur Gelassenheit

Auf Merkur.de berichtet Simona Asam über eine statistische Auswertung über Anglizismen auf Startseiten deutscher Dax-Konzerne. Zugrunde liegt eine Studie von Murtaza Akbar, dem Leiter der Agentur Wortwahl und Dozent im Studiengang Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt. Das Ergebnis: Die BMW Group hat 251 Wörter auf ihrer Startseite, darunter 76 Anglizismen oder englische Wörter, also 30,27 Prozent. BMW ist damit auf Platz zwei der „Englisch-Verwender“ hinter Infineon mit 31,83 Prozent und vor The Linde Group (29,89 Prozent). Platz vier belegt die Deutsche Bank (26,75) vor Munich Re (25,23).
Akbar dazu: „Online- und Social-Media-Kommunikation beeinflussen die deutsche Sprache enorm“. Die deutsche Sprache sei mächtig im Wandel. Er plädiere jedoch für die Wertschätzung der deutschen Sprache und für Gelassenheit, stehe dieser Erfindungsvielfalt (?) positiv gegenüber.
Dr. Gawlitta (VDS-Vorstand) würde gern wissen, was den Wissenschaftler zu diesen gänzlich unwissenschaftlichen Beruhigungsfloskeln veranlasst. Bekommt er Drittmittel für diese Augenwischerei? Hat die Industrie ihm weitere Projektfinanzierungen in Aussicht gestellt? Er spricht vom „Wandel“, als ob da etwas naturhaft Unabwendbares passiert, verschweigt aber, dass dieser Wandel von den interessierten Milieus der Konzernwirtschaft seit Jahrzehnten massiv betrieben wird. Sie untergraben die kulturelle Identität einer (nicht-englischen) Sprachgemeinschaft, um sie den „Zwängen“ der globalisierten Weltwirtschaft und ihren Profitinteressen auszuliefern. (merkur.de)

 

Mehr und besseres Deutsch

Der stellvertretende Chefredakteur des Hamburger Abendblattes, Matthias Iken, wundert sich, dass Kunden in einem Hamburger Kaufhaus am Jungfernstieg „offenbar als Zugangsvoraussetzung fließendes Englisch oder ein Wörterbuch im Handtäschchen“ mitbringen müssen. Iken sieht die Stellung der deutschen Sprache jedoch nicht durch das Kaufhaus-Denglisch gefährdet. Es drohe „die sprachliche Entkernung durch eine Abwendung vom Deutschen“, wenn Zuwanderer selbst nach Jahrzehnten noch nicht die Sprache der Wahlheimat sprächen, aber auch, wenn der Nachwuchs der Bildungselite insbesondere mit dem Englischen aufwachse. Iken stellt fest: „Ein Plädoyer für mehr und besseres Deutsch ist keine Deutschtümelei – eher ist es das Gegenteil.“ (abendblatt.de)

 

Die schwersten Sprachen der Welt

Die deutsche Sprache gilt bei vielen Ausländern als schwer erlernbar. Tatsächlich befindet sich laut einer von der UNESCO veröffentlichten Liste der weltweit schwierigsten Sprachen die deutsche unter den ersten Zehn. Wie lange es dauert, eine Fremdsprache zu erlernen, hängt von der eigenen Sprachfamilie ab. Während ein Engländer durchschnittlich nur 30 Wochen zum Erlernen des Deutschen benötigt, bräuchte beispielsweise ein Russe 14 Wochen länger. Als schwierigste Sprache gilt jedoch Chinesisch. Personen mit germanischen Muttersprachen benötigen eine Lernzeit von ungefähr 88 Wochen. Denn neben anderen Schriftzeichen – rund 50.000 – ist vor allem die Betonung ungewohnt. Kleinste Varianzen in der Aussprache können einem Wort eine völlig neue Bedeutung geben. Da stoßen sogar professionelle Übersetzer häufig an ihre Grenzen. So kam es in den 1920er-Jahren bei dem amerikanischen Getränkeriesen Coca-Cola zu einem schweren Übersetzungsfehler. Denn der anfangs gewählte chinesische Name „Kou-ke-kou-la“ bedeutet „Kaulquappe beißt in Wachs“, das Kaufinteresse hielt sich dementsprechend zurück. Inzwischen heißt das Erfrischungsgetränk in China „Ke-kou-ke-le“ – das bedeutet „köstlich und erfreuend“. (giga.de, albanianz.de, interculturecapital.de, books.google.de)

 

2. Berichte

Sprechen, statt (falsch) schreiben

Für die Nachrichtensendung SAT.1 NRW hat sich VDS-Geschäftsführer Holger Klatte zur vermehrten Nutzung von Smartphones und den Folgen für den schriftlichen Spracherwerb geäußert. Demnach sei zu befürchten, dass sich das Wissen über Grammatik und Rechtschreibung vor allem in der jüngeren Generation reduziere, so Klatte. Auch die sozial-sprachliche Interaktion sei durch den Austausch über Nachrichtendienste gefährdet, was langfristig zu kommunikativen Einschränkungen führen könne. Anlass für das Interview waren die von einer Essener Café-Filiale eingeführten „Handy-Zellen“. In diese Boxen können die Kunden ihre Telefone ablegen und geraten so nicht in die Versuchung, sich während eines Gespräch durch das Internet und Nachrichten ablenken zu lassen. (sat1nrw.de)

 

Dialekt-Theater

Interesse am Theater und der Einsatz für Dialekte ist unter VDS-Mitgliedern sehr verbreitet. Manche verbinden sogar beides und nutzen ihre Auftritte zur Sprachkritik. VDS-Mitglied Elma Hoek aus Rhauderfehn ist hier bei einem Auftritt der Theatergruppe 550+ im Fehntjer Forum zu sehen: Auf Plattdeutsch gegen Denglisch (youtube.com)

 

3. VDS-Termine

16. – 23 Januar 2017, Region Frankreich
14. Ausgabe der Deutsch-Französischen Woche
Ort: Goethe-Institut in Toulouse (4 Bis Rue Clémence Isaure, F-31000 Toulouse)

20. Januar 2017, Nordwürttemberg (Region 70-74)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: „Trollingerstuben“, Rotebühlstraße 50, 70178 Stuttgart (Stuttgart-West, Haltestelle „Feuersee“)

23. Januar 2017, Dortmund (Region 44)
Vortrag Dr. Hartmut Nowacki: „Das gesprochene Wort. Aus dem Leben eines Rhetoriktrainers“
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gemeindehaus der Bonifatiusgemeinde, Bonifatiusstraße 3, 44139 Dortmund (Nähe U-Bahnstation „Markgrafenstraße“)

23. Januar 2017, Köln (Region 50, 51)
Stammtisch
Zeit: 18 Uhr
Ort: Hotel Cölner Hof, Hansaring 100 (Nähe Ebertplatz), 50670 Köln

25. Januar 2017, Sprachfreunde Cottbus (Region 03)
Treffen (an jedem letzten Mittwoch des Monats): Beratung des Arbeitsplans für 2017
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hotel „Zur Sonne“, Taubenstraße 7, 03046 Cottbus

 

4. Literatur

Was wir lesen

In den USA hat das Versandunternehmen Amazon nicht nur das Monopol über den Buchmarkt, inzwischen veröffentlicht der Internethändler auch selber Literatur. Somit wird er in Zukunft beeinflussen, was und wie wir lesen, meinen Experten. Zwar sind die Veröffentlichungen des Amazon-Verlags mit rund 1000 Titeln pro Jahr noch relativ gering, die seines Internetverlags „Kindle Direct Publishing“ mit einer Dunkelziffer von über einer Million Publikationen jährlich allerdings maßgeblich für die Literaturwelt. „Kindle Direct Publishing gestattet es Autoren, ihre eigenen Werke hochzuladen“, erklärt die NZZ. Dadurch bekommen zwar mehr Schriftsteller die Möglichkeit auf Erfolg. Eine Qualitätskontrolle, die sonst herkömmliche Verlagshäuser übernehmen, erfolgt allerdings nicht mehr. (nzz.ch)

 

5. Denglisch

Wenig Erfolg, viel Denglisch

Auch in diesem Januar schickt der Privatsender RTL mit der Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ zwölf „Prominente“ für zwei Wochen in den australischen Dschungel. Sie meistern herabwürdigende Prüfungen und sinnieren über einstige Karrieren und persönliche Lebensschicksale. Obgleich die Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten, eint sie zumindest ihre mediale Erfolgslosigkeit, ein enormes Honorar sowie die Aussicht auf eine wieder steigende Medienpräsenz – und das mit viel Denglisch. Obwohl der amerikanische Sänger Marc Terenzi seit Jahren in Deutschland lebt, wird er wiederholt von der RTL-Redaktion untertitelt, damit man seinem deutsch-englischen Kauderwelsch folgen kann. (n-tv.de)

 


 

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund

Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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