VDS-Infobrief 347: 5/2017 Deutschsprachige Gemeinschaft besucht den VDS

1. Presseschau vom 27. Januar bis 2. Februar 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

1. Presseschau und Berichte vom 27. Januar bis 02. Februar 2017

Deutschsprachige Gemeinschaft besucht den VDS


Foto (VDS): Die belgische Delegation bestand aus dem Parlamentspräsidenten der DG, Alexander Miesen, der Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Myriam Pelzer sowie Nadja Düsseldorf aus der Sprachenabteilung der DG und wurde von Prof. Dr. Walter Krämer, Prof. Dr. Roland Duhamel und Dr. Holger Klatte empfangen. 

Seit 2010 ist die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien Mitglied im Verein Deutsche Sprache e. V. Diese institutionelle Partnerschaft nahm der Präsident des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen, Alexander Miesen, zum Anlass für einen Besuch in der VDS-Geschäftsstelle in Dortmund. Mit den beiden VDS-Vorsitzenden Prof. Dr. Walter Krämer und Prof. Dr. Roland Duhamel vereinbarte die Delegation aus Belgien eine engere Zusammenarbeit, um die Stellung der deutschen Sprache in den Einrichtungen der EU zu verbessern. Parlamentspräsident Miesen kündigte außerdem an, die Bedeutung des Deutschunterrichts sowie das Medienangebot in deutscher Sprache in seinem Einflussbereich zu stärken. Im Herbst soll eine gemeinsame öffentliche Veranstaltung mit Themen rund um die deutsche Sprache in Eupen organisiert werden.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) ist neben der Französischen Gemeinschaft und der Flämischen Gemeinschaft eine der drei Gemeinschaften des Königreichs Belgien. Sie umfasst neun Gemeinden im Osten Belgiens mit rund 76.600 Einwohnern. Der Verwaltungssitz ist in Eupen. (dglive.be)

Das Ideal robuster Zivilität

Kersten Knipp macht auf der Netzseite von Deutschlandradio Kultur auf das 2016 in deutscher Übersetzung erschienene Buch Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt des britischen Historikers Timothy Garton Ash aufmerksam. Der Brite fordert einen zivilen Dialog ohne Angst vor Tabus, damit die öffentliche, kritische Auseinandersetzung nicht erstarrt. Selbstzensur und Totschweigen, manchmal auch politische Korrektheit genannt, seien keine geeigneten Vorgaben für eine freie Meinungsbildung in einer offenen Gesellschaft. Garton Ash plädiert für das ständige, freilich anspruchsvolle Bemühen um eine Balance zwischen ungeschminkter Meinungsäußerung und taktvollem Schutz der Privatsphäre. Nicht alles, was rechtlich gesagt werden dürfe, müsse auch geäußert werden. Er nennt dies eine „robuste Zivilität“ und erläutert es am Beispiel der Glaubensfreiheit, wo wir alle Gläubigen respektieren sollten, durchaus aber nicht alle Glaubensinhalte.

Dr. Kurt Gawlitta (VDS-Vorstand) vermisst in dieser respektablen Anleitung für den rationalen, öffentlichen Dialog die Auseinandersetzung mit Emotionen und Interessen. Wie können wir es denn z. B. schaffen, dass einflussreiche Kreise gefasster und aufgeschlossener auf die Forderungen des VDS reagieren, unser Land müsse die deutsche Sprache als Merkmal unserer Identität begreifen und verteidigen? Wer kann das „Deutsche“ überhaupt als Wert akzeptieren, wenn man ihm von klein auf „eingebläut“ hat, dass man direkt Europäer, ja, Weltbürger zu sein habe und die nationale Identifikation nicht mehr brauche? Die emotionale Sperre, so Dr. Gawlitta, sei oft so stark, dass die oben beschworene robuste Zivilität mit ihren klugen Gründen den anderen einfach nicht erreicht. Im Kampf der Interessen um Macht und Geld ist mit vernünftiger, zivilisierter Argumentation anscheinend ebenso wenig auszurichten, wenn man, buchstäblich, nichts gegen den anderen in der Hand hat. (deutschlandfunk.de)

Erhalt der tschechischen Sprache

Eine Gesetzesinitiative in Tschechien will fremdsprachige Begriffe aus der Öffentlichkeit verbannen. Die Kommunisten im Abgeordnetenhaus fordern unter Androhung einer Geldstrafe, dass amtliche und sonstige Schriftzüge tschechisch geschrieben sein sollen. Die „Wechselstuben“ auf dem Weg in Richtung Prag würden dann beispielsweise „směnárna“ heißen und auf den Schildern mit der Aufschrift „Zimmer frei“ würden stattdessen „volné pokoje“ stehen. Die Initiative richtet sich besonders gegen Englisch, Deutsch und Russisch. Zustimmung von den anderen Parteien erhalten die Kommunisten für ihr Anliegen bisher nicht. (sz-online.de)

Vokalsystem der Paviane

Forscher der Universität Aix-Marseille in Aix-en-Provence haben bei einer akustischen Analyse von Paviangeräuschen Laute entdeckt, die den Vokalen der menschlichen Sprache ähnlich sind. Die Ergebnisse lassen die Vermutung zu, dass die menschliche Sprache deutlich früher als vor 100.000 Jahren entstanden sein könnte, wie häufig angenommen wird. Grundlage der Untersuchungen von Joël Fagot und seinen Kollegen waren aufgenommene Laute von 15 Guinea-Pavianen aus einem Primatenzentrum in Frankreich. Die Wissenschaftler verglichen die Lautbildung und ihre jeweilige Schallfrequenz mit denen von zwölfjährigen Kindern. Den Ergebnissen zufolge entsprechen bestimmte Schreie der Tiereden Vokalen [ɛ] und [o] und zwei Grunzlaute dem [u]. In einer anatomischen Untersuchung fand man zudem heraus, dass die Muskeln in der Zunge des Pavians denen des Menschen ähnlich sind. (augsburger-allgemeine.de)

2. Berichte

Neue Begriffe in der Informationstechnologie

Dr. Joachim Oelschlegel referierte am 31. Januar auf einer Veranstaltung des VDS in Dresden über das Thema: „Zusammenhang von Begriffsbildung und Sprache“. Begriffsbildung sei ein lebensnotwendiger Prozess und Grundlage für sprachlich formulierte Aussagen und Verständigung. Es wurde u.a. der Zusammenhang von Bedeutungswandel und Wortwandel an Beispielen dargestellt und die Bedeutung von Synonymen und Homonymen erläutert. Der Vortrag führte u.a. zu dem Ergebnis, dass Begriffsbildung das Geburtshaus des Sprachwandels ist.

3. VDS-Termine

8. Februar 2017 Region 24 (Kiel, Flensburg)
Regionalversammlung
Zeit: 18:30 Uhr
Ort: Ratskeller Kiel, Fleethörn 9-11, 24103 Kiel

8. Februar 2017 Region 97 (Sprachkultur Mainfranken)
Dr. Bernhard Sturn (Leiter der Regionalgruppe): „Deutsch im Ausland – weltweite deutsche Presseerzeugnisse“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Gasthaus „Am Stift Haug“, Textorstraße 22-24, 97070 Würzburg

9. Februar 2017 Region 79 (Breisgau)
Regionaltreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gasthaus „Schwanen“, Stadtstraße 87, Freiburg

22. Februar 2017 Region 23 (Lübeck, Wismar)
Mitgliedertreffen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Bootshaus der Lübecker Rudergesellschaft, Hüxtertorallee 4, 23564 Lübeck

4. Literatur

Beste Hörbücher

Am 7. März wird im WDR-Funkhaus in Köln der Deutsche Hörbuchpreis verliehen. Zu den Preisträgern zählen Bibiana Beglau für die Lesung des Romans „Die Unglückseligen“ von Thea Dorn, Ulrich Noethen für seine Lesung des Romans „Nackter Mann, der brennt“ und der Regisseur Leonhard Koppelmann sowie der Autor Frank Witzel für ihr Hörspiel „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ als „Bestes Hörspiel“. (deutschlandradiokultur.de)

5. Denglisch

Anglizismus des Jahres 2016

Die Initiative „Anglizismus des Jahres“ hat, unter der Leitung des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin, „Fake News“ zum Anglizismus des Jahres 2016 gekürt. Laut Jury habe der Begriff eine überwältigende und anhaltende öffentliche Präsenz. Mit „Fake News“ werden bewusste Falschmeldungen bezeichnet, die besonders seit November 2016 und den US-Präsidentschaftswahlen kursieren. Der Begriff werde zunehmend für politisch motivierte Falschmeldungen genutzt, so Stefanowitsch. Es handele sich somit um eine gezielte Manipulation von Menschen. Eine deutsche Entsprechung gebe es nicht, da eine einfache Falschmeldung nicht die bewusste Irreführung hervorhebt. Auf der Auswahlliste der Initiative standen auch „Darknet“, „Brexit“ und „Hate Speech“. (svz.de)


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Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Kurt Gawlitta, Lea Jockisch, Holger Klatte

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