VDS-Infobrief 355: 13/2017 Anglizismen überall

VDS-Infobrief 13. Woche

1. Presseschau vom 24. bis 30. März 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

1. Presseschau vom 24. bis 30. März 2017

Anglizismen überall

© fotolia / Elnur

Der Linguist Peter Eisenberg setzt sich kritisch mit Anglizismen und ihrem Einfluss auf die deutsche Sprache auseinander. In seiner Sprachkolumne für das Internetmagazin MERTON erklärt er differenziert die Nutzung und Vermehrung englischer Begriffe in der deutschen Sprache. So betont Eisenberg zwar, dass viele Anglizismen überflüssig und lästig sind, in Ausnahmen aber auch ergänzende Begriffe liefern, die „nur durch mehrere Verdeutschungen mit recht unterschiedlicher Bedeutung abzubilden“ wären. Eisenberg verweist hier auf den Anglizismen-Index des VDS. Außerdem könne weder von einer „Zerstörung der deutschen Grammatik durch Anglizismen“ gesprochen werden noch sei die „Verbreitung des Englischen mit der Zunahme von Anglizismen gleichzusetzen“. Dennoch sei eine vermehrte Nutzung von Anglizismen dann problematisch, wenn der Sprachgebrauch bestimmter Gruppe andere sozial ausgrenze oder aber – im Falle von Werbung – zur Verschleierung und somit zur Täuschung des Kunden verwendet werde. „Werden Anglizismen aus unlauteren Gründen verwendet, sind sie in keinem vernünftigen Sinn angemessen, sondern kritikwürdig“, lautet das Fazit Eisenbergs. (merton-magazin.de)

Unterstützung sorbischer Sprachen

Auf der Hauptversammlung des sorbischen Dachverbandes „Domowina“ hob Eva-Maria Stange (SPD), sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, die große Bedeutung der sorbischen Sprache hervor. Für die sorbische Minderheit in Deutschland sei diese besonders wichtig. Der Mangel an sorbischen Lehrkräften sowie Erzieherinnen bereite Sorgen. Daher müssen die sorbische Sprache und Kultur weiterhin gefördert und gestärkt werden. Auch die Kulturstaatssekretärin von Brandenburg, Ulrike Gutheil, stehe hinter diesem Vorhaben. 60.000 Sorben leben im östlichen Sachsen und im südöstlichen Brandenburg. (deutschlandradiokultur.de)

Darstellung von Sprache

Bis zum 20. August 2017 widmet sich die Ausstellung „SPRACHE: Welt der Worte, Zeichen und Gesten“ im Deutschen Hygiene Museum den vielfältigen Aspekten und Ausdrucksweisen von Sprache. Unterteilt in vier Abteilungen werden die körperliche Grundlage, die sinnliche Wahrnehmung, die „Macht und Magie“ der Sprache sowie Sprache als Ausdruck von Zugehörigkeit und Selbstbestimmung thematisiert. Im ersten Ausstellungsraum wird den Besuchern an einem übergroßen Modell eines Muskelkopfes beispielsweise vorgeführt, wie Muskeln und der Gesichtsausdruck der Laute das Gesagte unterstützen. Die Anatomie des Sprechens wird anhand von Chronofotografie (1902) und Magnetresonanz-Tomografie (2016) dargestellt. Auch die Sprachentwicklung und die damit verbundene Forschung werden in der Ausstellung aufgeführt. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ist Kooperationspartner der Ausstellung. (aerztezeitung.de)

Förderung des Luxemburgischen

Die Hälfte der rund 600.000 Einwohner des Großherzogtums Luxemburg beherrscht die Landessprache „Lëtzebuergesch“. In Krankenhäusern, in Arztpraxen und im Einzelhandel werde überwiegend französisch oder deutsch gesprochen. Dies ist auf die fast 200.000 Pendler und Grenzgänger aus Deutschland, Frankreich und Belgien zurückzuführen. 2016 unterschrieben bereits 14.000 Bürger eine Petition, die das Luxemburgische als erste Amtssprache forderte. Laut Bildungsminister Claude Meisch werde es soweit zwar nicht kommen, jedoch müsse man darauf achten, dass das Luxemburgische nicht zu kurz komme. Premierminister Xavier Bettel entwickelt daher zusammen mit der Regierung einen 20-Jahres-Plan zur Förderung der luxemburgischen Sprache. Angesetzt werden soll in den Kindertagesstätten, da nur noch ein Drittel der Kinder Luxemburgisch spreche. Bildungsminister Meisch fordert außerdem die Anerkennung des Luxemburgischen als offizielle Sprache in den Einrichtungen der EU. (swr.de)

 

2. Berichte

Schriftprüfung

Der Bund für deutsche Schrift und Sprache bietet eine Prüfung im Übertragen von Deutschen Handschriften in Lateinische Schrift an. In der Prüfung müssen drei Ausschnitte Deutscher Handschriften aus der Zeit ab 1850 übertragen werden. Die Prüfung ist bestanden, wenn alle drei Ausschnitte fehlerfrei übertragen worden sind. Wer besteht, erhält eine Bescheinigung. Das Entgelt für die Teilnahme beträgt 35 Euro. Nächster Prüftermin ist am 29. April 2017 in Heilbad Heiligenstadt (Thüringen). Zur Anmeldung geht es hier.

„English only“ an Hochschulen

2012 sorgte ein Beschluss der Technischen Hochschule Mailand für Aufruhr: Alle weiterführenden Studiengänge und Doktorandenprogramme sollten fortan nur noch auf Englisch stattfinden. Hochschullehrer und Studenten klagten gegen diesen Beschluss und bekamen Recht. Die Hochschule legte Berufung ein und bekam vom italienischen Verfassungsgerichtshof zugesprochen, dass fremdsprachige Angebote erlaubt seien, jedoch nur unter bestimmen Bedingungen, wie beispielsweise der Vorrang der italienischen Landessprache. Auch deutsche Hochschulen möchten ihr gesamtes Lehrangebot in Englisch abhalten. Der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache e.V. (ADAWIS) rät von diesem Vorhaben ab und bittet die Hochschulen stattdessen auf Mehrsprachigkeit, landessprachliche Lehre und fachlich differenzierte Sprachkurse zu setzen. (adawis.de)

3. VDS-Termine

31. März 2017 Region 67, 68, 69 (Rhein-Neckar)
Vortrag von Dr. John Goodyear (Deutsch-Britische Gesellschaft Rhein-Neckar e.V.): Auf Wiedersehen Deutsch – The decline of German as a foreign language in the English education system (in englischer Sprache)
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Ruderklubgaststätte Zum Achter, Neuenheimer Landstraße 3A, 69120 Heidelberg

1. April 2017 Region 96 (Bamberg, Oberfranken)
Mitgliederversammlung mit Wahl der Regionalleitung
Zeit: 16:00 Uhr
Ort: Restaurant „Tambosi“, Promenadenstraße 11, 96047 Bamberg

3. April 2017 Region 20,22 (Hamburg)
Jahres-Mitgliederversammlung
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hotel Ibis (HH-Wandsbek), Pappelallee 61, 22089 Hamburg

5. April 2017 Region 10-14, 16 (Berlin, Potsdam)
Mitgliedertreffen mit Wahl der Regionalleitung
Zeit: 18:30 Uhr
Ort: Restaurant Via Nova II, Universitätsstraße 2-3a, 10117 Berlin

5. April 2017 Region 97 (Sprachkultur Mainfranken)
Treffen, Dr. Sturn referiert über Bastian Sicks Aktivitäten mit Schwerpunkt auf seine neueren Bucherscheinungen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Am Stift Haug, Textorstraße 24, 97070 Würzburg

6. April 2017 Region 93 (Regensburg, Oberpfalz): Das Große Lalula – Gedichte fürs Gedächtnis – Lesung mit dem Schauspieler Michael Heuberger
Lyrik ist langweilig und altbacken – dieses verstaubte Bild möchte die Regionalgruppe Regensburg widerlegen und lädt zusammen mit der Stadtbücherei Regensburg zu einem kostenlosen Lyrikabend ein. Für die Veranstaltung konnte der Regensburger Schauspieler Michael Heuberger gewonnen werden, dem es durch seine Art des Sprechens gelingt, die Verse neu zu interpretieren. (focus.de)
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Stadtbücherei Regensburg, Haidplatz 8, 93047 Regensburg

 

4. Literatur

Lieber Handkäs´ als Worst Case

Unter diesem Titel veröffentlicht der Germanist Rolf Müller sein Buch mit „Sentimentalen Gedanken über eine wunderbare, anmutige Sprache in Not“. Neben der Kritik am wachsenden Denglischgebrauch liefert Müller auch historische Bezüge der Linguistik und Germanistik sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Entwicklungen. Die 128 Seiten umfassende Publikation versteht der Autor als „lieb gemeinte Streitschrift“ und zitiert Herder: „Wehe unserer Sprache, wenn Fremdwörter ein Muster des Geschmacks werden.“
Rolf Müller: „Lieber Handkäs´ als Worst Case“, BoD Norderstedt, 128 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-7412-7020-8.

Gemeinsames Lesen

Ein neuer Trend aus Großbritannien hält seit einiger Zeit auch in Deutschland Einzug: „Gemeinsames Lesen“ findet bereits in Berlin und Frankfurt großen Zuspruch. Organisiert werden die Treffen von zwei Berliner Literaturvermittlern: Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt. Beim „Gemeinsamen Lesen“ geht es darum, ausgewählte Texte gemeinsam in der Gruppe zu besprechen und mit dem eigenen Leben, Verhalten und Gefühlen zu verbinden. Eine britische Studie hat bereits nachgewiesen, dass das gemeinsame Lesen das Wohlbefinden und die Kommunikationsfähigkeit verbessert. (focus.de)

 

5. Denglisch

„Open for more“

Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem auf Plakaten für Zigaretten geworben werden darf. Die Zigarettenmarke „L&M“ wirbt in diesem Jahr mit neuen Plakat-Werbesprüchen auf Englisch: „Open for more“ (Offen für mehr) und „Money makes you happy, but people make you rich“ (Geld macht dich glücklich, aber Menschen machen dich reich). In Frankreich wäre ein rein englisches Plakat nicht möglich, denn dort müssen englische Werbesprüche übersetzt werden. (spiegel.de)

 


 

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