VDS-Infobrief 356: 14/2017 Gendergerechte Straßenschilder

1. Presseschau vom 31. März bis 6. April 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

 

1. Presseschau vom 31. März bis 6. April 2017

Gendergerechte Straßenschilder


pixabay / CC0 1.0 / Hans

Die Landesregierung möchte eine Bundesratsinitiative auf den Weg bringen, die sich mit der Gendergerechtigkeit von Straßenschildern beschäftigt. Dies ging aus einem Entwurf der Verkehrsverwaltung unter Verkehrssenatorin Regine Günther hervor, der jedoch noch nicht endgültig verabschiedet wurde. Beispielsweise solle in Zukunft von „Verkehrshelfenden“ statt von „Verkehrshelfern“ die Rede sein. Auch die „Bewohner“ sollen den „Bewohnenden“ weichen. Neben inhaltlichen Veränderungen würden auch optische Anpassungen stattfinden. Der Wildwechsel solle zukünftig von einer Hirschkuh symbolisiert werden, denn „gerade auch Hirschkühe verdienen die Rücksicht der Autofahrenden“, so die Gleichstellungsbeauftragte der Verkehrsverwaltung Almut Hopf-Gantenbrink. (tagesspiegel.de)

 

Volksinitiative für Primarschule in Österreich

Die Volksinitiative „Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule“ und das Zürcher Ja-Komitee zur Fremdsprachen-Initiative fordern nur eine, statt zwei Fremdsprachen für die Primarschule. Bislang wurde die erste Fremdsprache Englisch bereits in der zweiten Klasse gelehrt. Französisch folgt als zweite Fremdsprache ab der fünften Klasse. Vertreter der Initiative sind sich einig, dass mit dieser Vorgehensweise weder die Lernziele der ersten noch der zweiten Fremdsprache erreicht werden können. Die Initiative strebe jedoch keine Abkehr von der Volksschule an. Die Volksinitiative wird vom Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV), der Zürcher Kantonale Mittelstufe (ZKM) und dem Sekundarlehrerverband (SekZH) unterstützt. ZLV-Präsidentin Lilo Lätzsch kritisierte, dass sich die Politik mit der Problematik nicht beschäftige und zeitliche sowie finanzielle Ressourcen fehlen. Der Zürcher Regierungsrat und der Kantonsrat haben sich gegen die Forderung ausgesprochen. (tagesanzeiger.ch)

 

Nach Deppen-Apostroph nun auch Deppen-Bindestrich?

Einen Mann aus dem englischen Bristol, der anonym bleiben will, erzürnten falsch gesetzte Apostrophe so sehr, dass er vor 13 Jahren begann, nachts Ladenschilder zu korrigieren. Mit einem langen Stab gerüstet, überklebt er die falschen Satzzeichen mit auffälligen Aufklebern und macht so auf die Verbreitung des sogenannten Deppen-Apostrophs in seinem Land aufmerksam.

Zu dem auch in Deutschland nicht unbekannten Deppen-Apostroph gesellt sich seit der Wahlbenachrichtigung Anfang April des Landes Schleswig-Holstein nun offenbar der Deppen-Bindestrich. Denn in der Absicht, das Schreiben zur Landtagswahl in leichter Sprache zu verfassen und so auch Menschen mit Lernschwierigkeiten ansprechen zu können, trennte die „Gemeinde-Wahl-Behörde“ konsequent alle zusammengesetzten Wörter mit einem Bindestrich. Selbst der Vorname blieb nicht verschont und wurde zum „Vor-Namen“. „Diese WahlMinusBenachrichtigung zeigt, wie sehr unsere Landesregierung über die Köpfe der Bürger hinweg sieht, und wie wenig man die Inklusion verstanden hat. Wie wäre es mit ein wenig gesundem Menschenverstand?“, kritisierte ein Leser der Kieler Nachrichten. (spiegel.de, abendblatt.de, kn-online.de)

 

„Icke“ in den Duden

Am 1. April projizierten unbekannte Künstler die Aufforderung „Icke muss in den Duden“ an das Kanzleramt sowie an das Schloss Bellevue und stießen damit eine Debatte zur „Rettung der Berliner Schnauze“ an. Bereits am 3. April startete die Bewegung eine Unterschriftenaktion, zu deren Unterstützern auch Prominente und Politiker wie Frank Zander und Gregor Gysi zählen. Auch der Berliner Kurier forderte, dass das Personalpronomen aus der Berliner Mundart in den Duden aufgenommen werden soll und verweist auf die Bevorzugung anderer Dialekte wie das Bairische und das Schwäbische im Duden. Der Begriff „Icke“ sei weit über die Grenzen von Berlin und Brandenburg bekannt und stehe sinnbildlich für eine ganze Region. Schon bei Fontane diente das „ick“ der Intensität der Aussage, als er schrieb: „Ach, ick hab’ et mitunter so satt“. Die in Deutschland einmalige Form entwickelte sich aus dem Einfluss französischer Besatzer zu Zeiten der Napoleonischen Kriege, erklärt Ewald Harndt, Rektor der Freien Universität, in seinem Buch „Französisch im Berliner Jargon“. So wie im Französischen zwischen „je“ und „moi“ zur besonderen Betonung unterschieden werde, verhalte es sich bei den Berlinern mit „ick“ und „icke“. Am 6. April bestätigte der Duden nun offiziell die „Aufnahme des berlinerischen Ichs in das Wörterbuch“, wie die Südwest Presse berichtet. (berliner-kurier.de, swp.de) (Absatz am 4.5.2017 korrigiert)

2. Berichte

Deutschlehrer gesucht!

Unser Vereinsfreund Prof. Dr. Bruno Klauk testet mit einem sprachunabhängigen Verfahren in einem Feldversuch die kognitiven Fähigkeiten („Intelligenz“) von Flüchtlingen und Migranten. Er sucht in Nordrhein-Westfalen Deutschlehrer für Flüchtlinge, die ihm dabei helfen. Herr Klauk kommt selbst zum Integrations- oder Sprachkurs und erklärt und verteilt die Fragebogen. Nach vier Jahren will er untersuchen, wie gut die Integration in Abhängigkeit von den kognitiven Fähigkeiten funktioniert. Kontakt: bklauk@hs-harz.de oder 0151/44244016.

3. VDS-Termine

7. April 2017 Region 08 (Zwickau, Plauen)
Mitgliederversammlung mit Wahl der Regionalleitung
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Hotel „Alexandria“, Bahnhofstraße 17, 08523 Plauen

8. April 2017 Region 50/51 (Köln)
Mitgliederversammlung, Rechtsanwalt Fabian Braches (Mitglied im Arbeitskreis „Der junge VDS Köln“) spricht zum Thema „Medien und Sprache“
Zeit: 16:15 Uhr
Ort: Gasthaus Jan von Werth, Christophstraße 44 /Ecke Von-Werth-Straße, 50670 Köln

8. April 2017 Region 60 (Frankfurt/Main)
Informationsstand
Zeit: 11:00 – 14:00 Uhr
Ort: Fressgasse / Ecke Börsenstraße, Frankfurt/Main

8. April 2017 Region 79 (Breisgau)
Informationsstand
Zeit: 9:00 – 13:00 Uhr
Ort: Wochenmarkt Staufen (Hauptstraße)

10. April 2017 Region 42 (Wuppertal, Remscheid, Solingen)
Mitgliedertreffen (normalerweise jeden zweiten Montag im Monat)
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gaststätte „Kaiser-Treff“, Hahnerberger Straße 260, 42329 Wuppertal-Cronenberg

13. April 2017 Region 28 (Bremen)
Treffen des Freundeskreises der deutschen Sprache
(ab März 2017 jeden 2. Donnerstag des Monats)
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Restaurant „Platzhirsch“, Ostertorsteinweg 50, 28203 Bremen

4. Literatur

Deutscher Buchpreis mit Rekordzahlen

Am 9. Oktober findet die Verleihung des Deutschen Buchpreises im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Er gilt als wichtigste Auszeichnung in der Branche und wird bereits seit 2005 verliehen. In diesem Jahr reichten 106 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 174 Romanen so viele Vorschläge wie nie zuvor ein. Jeder Verlag ist berechtigt, maximal zwei Romane zu nennen. Die Jury wählt aus den 174 eingereichten Werken und einer Empfehlungsliste, die weitere 118 Romane beinhaltet, die besten 20 Werke aus, die am 15. August auf einer „Longlist“ veröffentlicht werden. Daraus werden weitere sechs Romane ausgewählt, die am 12. September als „Shortlist“ herauskommen. Die Jury setzt sich jedes Jahr neu zusammen. (tagesspiegel.de)

 

Astrid-Lindgren-Preis für Wolf Erlbruch

Der deutsche Kinderbuchautor und Illustrator Wolf Erlbruch erhält den Astrid-Lindgren-Preis. Erlbruch, der besonders mit seinem Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ Bekanntheit erlangte, mache existentielle Fragen für Leser jedes Alters erklärbar, so die Begründung der Jury. Um an die gleichnamige Schwedische Autorin und ihre Klassiker wie „Pippi Langstrumpf“ und „Michel aus Lönneberga“ zu erinnern, gründete die schwedische Regierung 2002 den „Astrid Lindgren Memorial Award“. Mit einem Preisgeld von umgerechnet rund 522.000 Euro ist die Auszeichnung die höchstdotierte ihrer Art. Vergangene Preisträger sind u. a. die österreichische Schriftstellerin Christine Nöstlinger und Barbro Lindgren aus Schweden. (spiegel.de, deutschlandfunk.de)

5. Denglisch

Frankreich als Vorbild

Während es im deutschsprachigen Alltag und besonders im Internet vor Anglizismen nur so wimmelt, versuchen die Franzosen ihre eigene Sprache auf diesem Themengebiet aktiv zu schützen. „Die Welt ist also noch in Ordnung in Frankreich, allerdings wäre sie das wohl nicht, wenn die französische Regierung nicht so dahinterher wäre, genauer gesagt das Ministerium für Kultur und Kommunikation in Paris“, schreibt der Blogger Helmut Burlager und verweist auf die 22. Semaine de la Langue Française et de la Francophonie, bei der Vorschläge für französische Entsprechungen anstelle von englischen Wörter abgegeben werden. (plz26.wordpress.com)


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Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Lea Jockisch, Holger Klatte

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