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Informationsseite der Region 88
(Bodenseee, Oberschwaben)

 

Ein paar Gedanken zum Thema Anglizismen

Wer kennt sie nicht: Wörter wie Car wash, Flyer, Event, Highlight, Shareholder value, Facility Manager, Meeting Point, Coffee to go begegnen uns in unserem täglichen Leben auf Schritt und Tritt.

Muß das sein? Wir finden: Nein – und in repräsentativen Umfragen teilen über 70% der Bundesbürger (s. DER SPIEGEL) diese Ansicht. Das Deutsche wurde und wird zwar bereichert aus den verschiedensten Sprachen. Auch aus dem Englischen gibt es eine ganze Reihe von Wörtern, für die es im Deutschen keine sinnvolle Entsprechung gibt (Clown, Steak, Cocktail, T-Shirt). Wir sind jedoch der Meinung, dass rund 80% der über 7.000 bekannten Anglizismen überflüssig sind, weil es schon bekannte und treffende deutsche Wörter gibt. Warum soll der Schlussverkauf plötzlich „final sale" heißen? Warum die Zeitlupe „slow motion"? Warum das Faltblatt oder der Handzettel „Flyer"? Warum muß eine Aussage oder Meinung als „statement" daherkommen? Mitunter kann man mit „Denglisch" auch ziemlich daneben liegen: So bedeutet „Public Viewing" in den USA, daß prominente Verstorbene öffentlich aufgebahrt werden ... Beispiel: foxnews.

 

Wer wir sind

Der gemeinnützige Verein Deutsche Sprache e.V. wurde 1996 von Prof. Walter Krämer gegründet und umfasst heute über 30.000 Mitglieder, davon knapp die Hälfte im Ausland. Unsere Mitglieder kommen aus allen Berufen der Gesellschaft und aus allen im Bundestag vertretenen Parteien. Wir sind parteipolitisch neutral. Jeder muss für sich entscheiden, wie er spricht. Wir stehen jedoch überflüssigen Anglizismen deswegen kritisch gegenüber, da sie nach unserer Beobachtung verwendet werden, um Mitmenschen zu beeindrucken oder – z.B. in der Werbung – um sie zum Kauf bestimmter Produkte zu bewegen. Daneben erschweren unnötige Anglizismen älteren Menschen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund in vielen Bereichen die Teilnahme am öffentlichen Leben (z.B. auf Flughäfen – Check-In, Baggage claim oder Bahnhöfen: Rail&Fly, Service Point). Wie können wir Einwanderer für die deutsche Sprache begeistern, wenn wir dies selbst nicht vorleben? Schließlich haben viele im Deutschen verwendete Begriffe im Englischen eine andere Bedeutung und entpuppen sich als falsche Freunde. Dies betrifft das „deutsche" Handy, den Oldtimer, den Blockbuster, den Showmaster und aus der Welt der Musiksender pimp my car (was im Englischen eine eher obszöne Bedeutung hat) oder eben wie oben geschildert das „Public Viewing" – hier ist man mit „Rudelgucken" auf der sicheren Seite :-) Sprache ist nach unserem Verständnis ebenso Teil der Kultur wie Speisen, Getränke, regionale Bräuche, Feste, Kunst, Mode oder Musik ein Teil der Kultur. Massenhaftes Ersetzen gängiger deutscher Wörter durch nicht notwendige englische Begriffe bedeutet für uns einen Kulturverlust.

 

Unsere Ziele

wir werben für kreatives und verständliches Deutsch und sind gegen „Denglisch" (nicht jedoch gegen Englisch)wir setzen uns für die Aufnahme von Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz ein (in Österreich ist Deutsch offizielle Landessprache, in Deutschland noch nicht)wir möchten Freude am schöpferischen Umgang mit unserer Sprache vermittelnwir sind für bessere Bildung und möchten durch unsere Arbeit hierzu einen Beitrag leisten; wir sehen den sprunghaften Anstieg von Anglizismen als Teil eines größeren Problems, nämlich des sinkenden Bildungsniveaus der Gesellschaft.

 

 

Zur VDS-Region Bodensee-Oberschwaben

Gegenwärtig umfasst die Region 88 Bodensee, Oberschwaben rund 100 Mitglieder.


(Vor-)Geschichte der VDS-Region 88 Bodensee/Oberschwaben

Sie ist dokumentiert ab Dezember 1996, als Gerhard H. Junker aus Friedrichshafen in den DIN-Mitteilungen 75, Nr.12 den Aufsatz „Deutsch auf dem Weg in die Mischsprache" veröffentlichte. Er setzt sich darin mit der Überflutung unserer Sprache durch Anglizismen auseinander. Konsequenterweise nahm er dann im Mai 1997 auf Einladung des Studiendirektors i.R. Wilfried Portzehl, Friedrichshafen, an der Gründungsversammlung des „Vereins zum Schutz der deutschen Sprache VSDS"" in Friedrichshafen teil, wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden und nach dem frühen Tod von W. Portzehl zum Vorsitzenden gewählt. Das Engagement zur Wahrung unserer Sprache am Bodensee ist also ein Jahr älter als der „Verein Deutsche Sprache VDS", dessen Vorläufer als „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache VWDS" im November 1997 von Prof. Walter Krämer in Dortmund gegründet wurde. Der hatte den obigen Aufsatz gelesen und ihn eingeladen, in den VWDS einzutreten. Das tat er denn auch, nach Beschluss der Mitgliederversammlung des VSDS mit dem gesamten Verein, im Mai 1998. G.H. Junker war bis zu seinem 80. Geburtstag auch Vorstandsmitglied des VDS und blieb mit Unterbrechungen Vorsitzender der Region 88 des nunmehr in VDS umbenannten und schnell wachsenden Vereins, bis er 2006 den Vorsitz an Steffen Kurz übergab.

 

Wussten Sie?

... Deutsch eine überaus moderne Sprache ist? Sie wird als zweithäufigste Sprache im Internet verwendet – hinter Englisch und noch vor Französisch, Chinesisch oder Spanisch.

... die deutsche Sprache die größte muttersprachliche Gruppe innerhalb Europas bildet? Deutsch wird von rund 100 Mio. Menschen gesprochen.

... dass Deutsch nicht als offizielle Sprache der Bundesrepublik im Grundgesetz verankert ist? Dafür in anderen Ländern:

Sprachregelungen in den Verfassungen anderer Länder

 

 

Zitate

"Um die deutsche Sprache ist es nicht gut bestellt. Schuld daran sind die Werbung, ein Teil der Medien und auch einige Politiker. Sie wollen der deutschen Sprache den Garaus machen. Doch der Versuch, sie abzuschaffen, wird scheitern."
Hans Magnus Enzensberger am 21.10.2007 in der Bild-Zeitung

Wer die Gesellschaft verändern will, muß bei der Sprache beginnen.
(Konfuzius, ca. 500 v. Chr.)

"Wenn jemand zu faul zum Kauen ist, dann darf ich ihm doch nicht nur Brei servieren. Ich muss ihn manchmal auch dazu bringen, zu kauen, weil ihm sonst die Zähne ausfallen...."
Dieter Wedel, Regisseur
Quelle

Warum also sollte sich unsere Sprache durch die Computer ändern? Nun wird der Leser vielleicht einwenden, daß solches schon stimmen mag, gemeint sei aber nicht unsere Verständigungssprache, sondern die Computer-Fachsprache. In diesem Zusammenhang ist nach einer Untersuchung von Dieter E. Zimmer (" Deutsch und anders ", ro-ro- Sachbuch) Interessantes festzustellen: Die Finnen haben 93% der meistens aus Übersee kommenden Computerausdrücke übersetzt, die Franzosen 86%, die Polen 82%, die Spanier 80%, die Deutschen jedoch nur 57%, sie werden überraschenderweise nur noch von den Dänen mit 52% unterboten.
Quelle

Es läßt sich kein wirkungsvolleres Mittel denken, den Mensche seiner individuellen Handlungsfähigkeit und Urteilskraft zu berauben, ohne ihm zugleich physisch Gewalt anzutun, als ihn zur Benutzung einer entsprechen präparierten Sprache zu bringen. Erasmus Schäfer
Quelle

 

 

Zum Scmnunzeln

MacDonalds

Auto fahren macht Spaß. Am meisten Spaß macht Essen im Auto. Deswegen besitze ich diese erhöhte Affinität zu Drive-In- Schaltern, speziell in meinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant. Das Vergnügen an dieser Self-Service-Version des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert. Gegensprechanlage? Meine Überzeugung nach hat sie diesen Namen deshalb bekommen, weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist.

"Hiere Bechelun hippe!" knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen Sounds like Schellackplatte. Aus Erfahrung allerdings Weiß ich, dass die Stimme (männlich? weiblich? ... wohl eher männlich?) am anderen Ende dieses Dosentelefons sich soeben nach meiner Bestellung erkundigt hat.

Jetzt einfach zu bestellen, wäre mir zu langweilig. Demzufolge stelle ich zuerst eine Frage:

"Haben sie etwas vom Huhn?"

Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber eindeutig mit "...icken" endet. Ich antworte: "Später vielleicht, zunächst möchte ich etwas essen."

Etwas lauter tönt es zurück: "CHICKEN!"

Ich kann es mir nicht verkneifen: "Nein, ich würde es gleich selbst abholen."

Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir belustigt die genervte Visage des McKnecht vor. Als die Sprechpause zu lang werden droht, sage ich: "Ach so, Sie meinen Chicken! Nö, lieber doch nicht. Haben sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke in Röstbrötchen?"

"Hamburger?" fragt mein unsichtbares Gegenüber zurück. Der Wahrheit entsprechend erwidere ich: "Nein, ich bin von hier. Aber hat das denn Einfluss auf meine Bestellung?"

"Wol-len Sie ei-nen H-a-m-b-u-r-g-e-r?"

"Jetzt beruhigen Sie sich mal! Ja, ich nehme einen."

"Schieß?"

"Stimmt, hatte ich nach der letzten Mahlzeit hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings wieder wohlauf, ich denke, ich kann es erneut riskieren."

Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig leid zu tun. Er kann ja nichts für den Job. Aber ich ja auch nicht ......

"Ob Sie KÄÄÄSE auf dem Hamburger möchten!?"

"Ah ja, gern. Ich nehme einen mittelalten Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer Seite leicht angeschmolzen."

Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher "Sicher doch" oder "Arschloch" lautet, kann ich nicht exakt heraushören.

Deutlicher jedoch erklingt nun: "Was dazu?"

"Doch, ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen frittierten Kartoffelstäbchen."

"Also Pommes?"

"Von mir aus auch die"

"Groß, mittel, klein?"

"Gemischt. Und zwar jeweils genau zu einem Drittel große, mittlere und kleine."

"WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?"

Diese, wiederum sehr laut formulierte Frage, verstehe ich klar und deutlich. Sie verlangt eine ehrliche Antwort: "Falls das die Bedingung ist, hier etwas zum Essen zu bekommen: Ja, also: Machen wir weiter?"

Die Stimme schnauft kurz und fragt: "Gut, gut. Etwas zu den Pommes?"

"Ein schönes Entrecôte, blutig und ein Glas 1996er Spätburgunder, bitte"

"ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!"

"Machen Sie das, aber verschütten Sie dabei bitte nicht den Wein."

"Schluss jetzt, Schalter zwei, vier Euro fünfzehn!"

Schon vorbei. Gerade, als es anfängt, lustig zu werden. Aber ich habe noch ein As im Ärmel. Ich zahle mit einem 200- Euroschein. "Tut mir leid, aber ich hab's nicht größer."

PIEP!... Freundlich werde ich ausgekontert: "Kein Problem."

Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr mein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern.

Nicht mit mir, Freundchen! Ich will den Triumph! Zeit also fürs Finale: "Kann ich eine Quittung bekommen?" fragte ich überfreundlich. "Ist ein Geschäftsessen." ...

 

 

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

Mitglied werden

vds-logo-kleinMachen Sie mit! Im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Zukunft des Deutschen als Kultur­sprache. Jeder ist willkommen; inzwischen sind es mehr als 36.000 Menschen, die weltweit im VDS in über 120 Ländern die deutsche Sprache fördern. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitglied­schaft. Am besten gleich ausfüllen und mit gelber Post oder per Fax an die Vereinszentrale zurück­. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

Wenn's ernst gemeint ist, muss es in der Muttersprache sein.

Rapper Smudo & Co. singen deutsche Texte
(derwesten.de 12.12.2014)