VDS-Sprachnachrichten 1/2013
SCHÖNES DEUTSCH

Das vergessene Wort

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Suchten das vergessene Wort und hielten zum Ausklang den Editionsband der Lenz-Stiftung mit ihren Beiträgen in den Händen: die 17 Schüler des Ratsgymnasiums Minden. Bei der Abschlussfeier beglückwünschten sie dazu Angelika Humann; Leiterin des Projekts, VDS-Vorsitzender Walter Krämer, Kuratorin Marie-Therese Hartogs (v.l.n.r.) sowie Deutschlehrerin Ariane Rehberg (3.v.r.). Foto: Mindener Tageblatt / Svenja Kracht

Mit einer ans Herz gehenden kleinen Feierstunde beendeten 17 Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12 des Rats­gymnasiums in Minden am 10. Januar ihre Suche nach dem vergessenen Wort. „Das vergessene Wort“ ist ein Sprachprojekt der mit dem VDS verbündeten Dr.-Ing.-Hans-Joachim-Lenz-Stiftung in Mainz. Zum nunmehr zehnten Mal sind junge Menschen in klassischen Texten deutscher Literatur auf Schatzsuche gegangen. Vorgängerprojekte gab es bereits an Gymnasien in Darmstadt, Weinheim, Oppenheim, Heidelberg, Weimar, Aschaffenburg, Marburg, Bad Homburg und Bad Sachsa. Die Aktion lebt davon, dass teilnehmende Schüler in den ihnen zugewiesenen Texten nach Wörtern suchen, die sie nicht mehr kennen, die sie besonders schön finden, und die sie gerne im Alltag selbst benutzen würden. Hier sind Auszüger einiger Erfahrungsberichte der 17 Schülerinnen und Schüler aus Minden.



Ein großer Teil unserer Sprache ist in den vergangenen Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. War Sprache früher noch ein Privileg und eine geschätzte Ausdrucksform von Bildung, verliert sie heutzutage immer mehr an Beachtung (...). Sprache wird heute nur noch als ein einfaches Mittel zum Zweck gesehen; wobei (...) Sprache allein der Sprache Willen gesprochen werden ­sollte.

Liza Baudisch


Der Mensch, der immer auf demselben Sprachniveau bleibt, wird nie erleben, wie schön es ist, sich vielfältig ausdrücken zu können, wird nie erleben, wie facettenreich die Kommunikation mit seinem Gegenüber sein kann und er wird nie begreifen, dass seine Sprache ihm Tür und Tor öffnen kann, wenn er nur will. Lara Bakemeier

Ein Philosoph hat einmal behauptet, es gäbe so etwas wie die „Lesbarkeit der Welt“ (...). Vor dem Lesen und vor dem Schreiben steht das sie Vereinende: die Sprache; (...) ohne Sprache gäbe es weder eine Gesellschaft, noch uns.

Cihan-Marcel Brandt


Ich habe die deutsche Sprache erst zu schätzen gelernt, als ich (...) mich während eines Auslandsaufenthaltes intensiv mit anderen Sprachen auseinandersetzte. Es ist ein tolles Gefühl, sich präzise in der Fremdsprache ausdrücken zu können (...).

Eine gute Ausdrucksweise und das Gefühl für schöne Sprache sind (...) enorm wichtig für zwischenmenschliche Beziehungen.

Marie Bröckling


Sprache ist an erster Stelle ein Mittel, um Dingen Namen zu geben und darüber zu reden. (...) Aber Sprache ist mehr als nur das. Sie ist ein Gefühl. Jedoch muss man sich darüber erst bewusst werden. Man muss erst lernen, die Sprache zu verstehen und zu spüren. Dann allerdings macht sie unsagbar viel Freude.

Vanessa Hänschen


Jeder Mensch, ob klein, ob groß, ob alt, ob jung, kann sich über Sprache wiedergeben. (...) Sprache ist der Spiegel eines jeden. Denn mit Sprache äußert man seine Wünsche, seine Vorstellungen, seine Sorgen und Ängste. Und durch Sprache und Betonung bringt man seine Gefühle zum Ausdruck. Unsere Sprache ist einfach so vielseitig einsetzbar!

Kristina Eske


Es war schön zu lesen, wie der Autor gewillt war, seine Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Leser zu teilen. Dafür ist er durch verschiedene Länder gereist und hat mit einer wahrhaftigen Begeisterung von der Natur erzählt. Dabei wurde er leider manchmal etwas langatmig und hat sich recht lange mit einem Thema befasst. Trotzdem hat mich das nicht unbedingt abgeschreckt, den Text weiterzulesen.

Nora Herrmann


Im Verlaufe der Arbeitstreffen fiel es mir persönlich immer leichter, den Klang ohne einen tieferen Sinn mit dem Wort zu verbinden. Die deutsche Sprache bietet doch viel mehr als nur die inhaltliche Ebene.

Die deutsche Sprache birgt mit Worten wie „Freudenschein“ oder Ausdrücken wie „mondbeglänzte Wälder“ etwas Einzigartiges und kann durchaus beeindrucken. Solche Begriffe kenne ich in keiner anderen Sprache. Anna-Lena Kelle


Leider nehmen die meisten Menschen Sprache als etwas Selbstverständliches, etwas Alltägliches wahr. Faszinierend finden wir nur fremde, exotische Sprachen: Japanisch, Französisch oder Italienisch. In meinen Augen war die deutsche Sprache bisher keine lange Überlegung wert. Aber das stimmt nicht! Man vergisst leicht, wie schön die deutsche Sprache sein kann, weil sie allgegenwärtig ist und so den Schein von Unnahbarkeit und Mystik verloren hat, die fremde Sprachen dagegen zu etwas Besonderem machen. Rebecca Onland


Sprache ist eine Schatzkiste, die nur mit dem richtigen Schlüssel geöffnet werden kann. Der Schlüssel dazu lautet Kreativität und Ausdrucksvermögen (...).

Wir können nicht ohne Wasser und Luft leben, aber auch nicht ohne die Sprache. Sprache verbindet, erzeugt Gefühle und übermittelt diese an unser Gegenüber. Die Worte unserer Sprachen sind ein Ozean aus Buchstaben; ein Fluss aus Empfindungen und Lauten, stetig fließend durch unsere Gesellschaft. Lara Schmidt


Es ist dem Menschen zum Beispiel gegeben, die Sprache als Heilmittel zu gebrauchen, indem man den Mitmenschen Komplimente schenkt, sie beruhigt, aufbaut oder gar Ratschläge erteilt. So lernte ich, dass Worte die Schlüssel zum Leben sind und man mit ihnen sogar – wenn man sie richtig gebraucht – den Himmel aufschließen kann. (…). Die Sprache ist ein Privileg, eine Gabe, die jedem Sprechenden gegeben ist und gut gepflegt werden sollte. Aus alledem schließe ich, dass die Sprache ein Teil meiner Selbst ist, und ich ohne sie nicht (sein) kann. Maksim Stahlhut


Worte sind Kunst. Das Motiv ist der Inhalt seiner Worte (...). Die Komposition ist der Satzbau. Die Komposition kann sehr simpel und langweilig gehalten werden oder spannend und verschachtelt sein, so dass man das Bild lange ansieht und immer wieder neue Details entdeckt. Die Farbwahl sind die Worte. Die Farben bestimmen, wie das Bild wirkt. Das Bild kann kalt oder warm sein, Farben können Akzente setzen, oder man verzichtet ganz auf die sie. Aber was wäre ein Bild und unser Leben ohne Farben? Was wäre es ohne Worte? Jenny Thielking


Ich finde es wichtig, dass Menschen über ihre Sprache und ihren Ausdruck nachdenken, denn dadurch ist es möglich, die Besonderheit eines Moments festzuhalten und zu verinnerlichen. Die deutsche Sprache besteht aus so vielen schönen Facetten – man muss nur gut zuhören! Nora Marie Weber

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„Das vergessene Wort“ ist ein Sprachprojekt der Lenz-Stiftung, bei dem Jugendliche freiwillig vier Monate lang ihre Muttersprache erforschen. Die Schüler suchen in je einem Werk der deutschsprachigen Literatur nach besonders schönen, poetischen und auch seltenen Wörtern. Die Beiträge des jüngsten Projekts sind in dem Editionsband 30 „Das vergessene Wort VII. Vom Reichtum der deutschen Sprache“ veröffentlicht, der im Buchhandel unter der ISBN 978-3-938088-33-3 erhältlich ist.


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