AG Statistiker

Gruppenleiter

rasch

Prof. Dr. Dieter Rasch
Am Feldrain 73
18059 Rostock

Tel. 0381-4001000

d_rasch @ t-online.de

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Statistiker für klares Deutsch

Liebe Statistiker und Biometer (bzw. Biometriker), also liebe Freunde und Kollegen: Der Verein für Deutsche Sprache e.V. hat mich zum Leiter der Gruppe Statistiker für gutes Deutsch berufen. Es war mir schon stets ein Anliegen, in Publikationen und Vorlesungen bzw. Vorträgen unnötige Anglizismen zu vermeiden.

In einer Diskussion auf dem 46. Biometrischen Kolloquium der Deutschen Region der IBS wurde mir deutlich, auf welche Gegenreaktionen man bei diesem Vorhaben sofort stößt.

Das eine Argument beginnt mit „Im dritten Reich ..." und es werden dann unsinnige Eindeutschungsversuche von (lateinischen) Fremdwörtern aufgezählt. Ich selbst konnte mich nie mit Artur Linders (hat nichts mit dem 3. Reich zu tun) Ideen zur Eindeutschung anfreunden, z.B. statt Kovarianzanalyse Mitstreuungszerlegung zu sagen.

Das zweite Argument lautet, man würde sich mit einem eingedeutschten Ausdruck nicht verständlich machen können. Als Beispiel wird dann „odds ratio" angeführt, dieser Begriff erhält den Artikel „das", weil man im Hinterkopf wohl doch das Chancen- (oder Quoten-) verhältnis hat. Dagegen ist „power" weiblich, da die, die es eingeführt haben, sehr wohl wissen, daß es sich um die Trennschärfe handelt.

Einige Kollegen aus der Statistik hatte ich vor Wochen angeschrieben und mehrere positive Reaktionen erhalten. Da Briefpost heute doch ziemlich antiquiert und umständlich ist, eröffne ich hiermit diese Netzseite als Diskussionsforum. Ziel soll es sein, eine Liste vermeidbarer Anglizismen in der Statistik und Ihren Anwendungen zusammenzustellen, die von einem möglichst breiten Kreis von Kollegen akzeptiert wird. Ich erwarte Ihre Vorschläge und hoffe auf eine fruchtbare Diskussion. Die Liste sollte aus 2 Teilen bestehen, eine Kandidatenliste mit ersten zu diskutierenden Vorschlägen und einer Liste allgemein akzeptierter Begriffe.

Herr Thöni bot als Übersetzung von Likelihood das Wort Mutmaßlichkeit an, dem ich persönlich keine Chance gebe. Wie gesagt, wir sollen nicht übertreiben. Als ich dies Herrn Richter aus Rostock sagte, meinte er, Herr Viertl hätte statt dessen Plausibilität vorgeschlagen und dies wird nun in Rostock verwendet.

Folgende Vorschläge entnehme ich „Elsevier's Dictionary of Biometry", das neben Erläuterungen auch Übersetzungen in Deutsch (und andere Sprachen) enthält:

englisch

deutsch

Bias

Verzerrung

Biased

verzerrt

Bootstrap method

Münchhausenmethode

Controlled

geplant (bei klinischen Studien)

Design

Plan, Anlage (je nach Zusammenhang)

Dispersion

Varianz (das ist ein Russizismus)

Fuzzy set

unscharfe Menge

Intrinsically (nonlinear)

eigentlich

Many to one problem

Vergleich mit einem Standard

Multiple comparisons

mehrfache (multiple) Vergleiche

Multivariate

mehrdimensional

Odds ratio

Quotenverhältnis (Chancenverhältnis)

Power

Trennschärfe

Power function

Gütefunktion (schließt H0 ein)

Random

zufällig, aber Randomisieren

Random walk

?

Renewal

Erneuerung

Survival problem

Überlebenszeitproblem

Uniformly

gleichmäßig

Uniformely most powerful

gleichmäßig trennschärfster (Test)

Demnächst soll an dieser Stelle ein Diskussionsforum entstehen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Dieter Rasch