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10. März 2010 

Verein Deutsche Sprache e.V.

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Berliner Sprachbündnis...für die Zukunft der deutschen Sprache!

1. Anglizismen überall

Wir stellen fest, dass die deutsche Sprache in allen Bereichen des modernen Lebens von einer Unmenge englischer Wörter durchsetzt ist oder schon ganz durch die englische Sprache verdrängt wird.
Unternehmen und Institutionen aller Art werben in Prospekten, Anzeigen, Produktbeschreibungen usw. zunehmend mit Anglizismen oder gar mit pseudo-englischen Wort- und Satzgebilden, wenn sie das Außergewöhnliche eines Angebotes herausstellen wollen. Manche Wirtschaftsunternehmen in Deutschland haben sich innerbetrieblich schon ganz für die englische Sprache entschieden. Mehr und mehr Wissenschaftler aus Deutschland verkehren auch untereinander nur noch auf Englisch. Deutsche Autoren, Künstler, Filmemacher und Verlage werben im Inland mit englischen Titeln für deutschsprachige Werke und Produkte.

2. Die Zukunft der deutschen Sprache steht auf dem Spiel

Wir sehen in dieser Entwicklung eine Gefahr für die Ausdruckskraft unserer Sprache und für ihre Zukunft als Trägerin des Gedankenaustauschs in allen Bereichen unserer Gesellschaft.
Die Befürchtung, unsere Muttersprache beschreibe Gegenstände und Sachverhalte nicht mehr angemessen, lähmt unsere sprachliche Erfindungskraft. Viele Menschen wissen nicht, wie sie die zahllosen Anglizismen aussprechen und sie grammatisch korrekt in deutsche Sätze einfügen sollen. Dies macht Sprache und Sprecher unbeholfen. Unsere Ausdrucksweise wird ungenau, und der Gedankenaustausch verflacht. Wenn wir dies zulassen, verliert die deutsche Sprache die Qualität einer leistungsfähigen Kultursprache.

3. Die deutsche Sprache zerbröselt

Wir wissen, dass lebendige, entwicklungsfähige Sprachen immer auch fremde Wörter aufnehmen, sie aber dem eigenen Regelsystem unterwerfen. Bei Deutsch ist dies zur Zeit fraglich.
Unsere Sprache hat in der Vergangenheit stets Wörter aus fremden Sprachen eingebürgert. Unkritische Nachahmung des ”American way of life” hat dazu geführt, dass viele unserer Sprache diese Assimilationskraft nicht mehr zutrauen. Die importierten Fertigwörter bleiben Fremdkörper. Das ärgerlichste Kauderwelsch stammt von Leuten, die weder ein gutes Deutsch noch richtig englisch sprechen.

4. Die deutsche Sprache - ein Störfaktor

Wir kritisieren, dass einzelne Funktionseliten, vor allem in Wirtschaft, Medien und Wissenschaft, im internationalen Austausch die deutsche Sprache anscheinend nur noch als Störfaktor betrachten und sie sogar im Inland zunehmend durch Englisch ersetzen.
Die Behauptung, englische Texte seien kürzer und damit ökonomischer, ist nicht haltbar. In der eigenen Sprache fehlen Wörter nur dann, wenn niemand nach ihnen sucht oder neue prägt. Stattdessen setzt die Wirtschaft auf billige Fertigwörter amerikanischer Herkunft. Dadurch unterwirft sie die Sprache von fast 100 Millionen deutschsprachigen Europäern ausschließlich dem Prinzip von Kosten und Ertrag. Deren sprachlich-kulturelle Bindung ist ein produktiver Faktor, mit dem unsere Wirtschaft nachhaltig rechnen könnte.

5. Englisch für Eliten, Deutsch für die anderen

Wir befürchten, dass es in Deutschland zu einer sozialen Spaltung kommt: Englisch für die Oberschicht und Deutsch als Volks- und Feierabendsprache!
Eine intakte, von allen Bürgern gesprochene und verstandene Landessprache ist konstitutiv für eine lebendige Demokratie. Sie ist die Querverbindung zwischen Allgemein- und Fachsprachen, Klammer von Tradition und Fortschritt sowie Bindeglied zwischen den sozialen Schichten eines Landes. Sie muss deshalb ausdrücklich als Landessprache in der Verfassung verankert werden, um zu verhindern, dass sie auf das Niveau einer Feierabendsprache absinkt. Unsere gesamten schriftlichen Überlieferungen drohen museumsreif zu werden. Wir selbst wären dann ein Volk ohne kollektives Gedächtnis.

6. Allgemeingut Landessprache

Wir glauben, dass unsere Sprache mindestens die gleiche öffentliche Aufmerksamkeit verdient wie Boden, Wasser, Luft und wie unsere Kulturdenkmäler. Wir fordern hierüber eine öffentliche Debatte.
Die Bedeutung einer intakten Landessprache für das geistige Leben wird in Deutschland kaum gewürdigt. Unsere Nachbarländer Frankreich und Polen sind uns da weit voraus. Zwar ist unsere existentielle Abhängigkeit von den natürlichen Lebensgrundlagen mittlerweile in aller Bewusstsein. Doch auch unsere Sprache verdient öffentlichen Schutz, denn sie ist die kulturelle und soziale Lebensgrundlage unserer Gesellschaft. Wir müssen klären, ob wir ihre Verdrängung aus dem öffentlichen Raum weiterhin sprachlos zulassen oder ob wir politische Verantwortung für sie wahrnehmen wollen.

7. Sprachenpolitik für Europa

Wir brauchen endlich eine europäische Sprachenpolitik. Sie muss die jeweiligen Nachbarsprachen gegenüber einer einseitigen Vorherrschaft des Englischen stärken.
Die englische Sprache ist mittlerweile als weltweites Verständigungsmittel anerkannt. Dies wird für viele nur ein einfaches Englisch sein können. Wir wollen aber auch eine tiefergehende Verständigung und kulturelle Wahrnehmung in Europa. Dieses Ziel ist unter einem Monopol der englischen Sprache nicht zu erreichen. Eine der wesentlichen Kraftquellen unseres Kontinents entspringt der Vielfalt seiner Sprachen und Kulturen. Wer solche Quellen austrocknet, verödet die europäische Sprachenlandschaft. Dies würde uns der Chance berauben, ein Europa für alle zu schaffen.

Impressum

letzte Änderung: 24.09.2003

Dateiadresse: http://vds-ev.de/verein/aktionen/berliner-sprachbuendnis/7thesen.php