Pressemitteilung des Internationalen Netzwerks Deutsche Sprache

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Das internationale Netzwerk Deutsche Sprache hat heute auf seiner dritten Tagung in Bern die folgende Entschließung zum Stellenwert der Deutschen Sprache in Europa verabschiedet (Kurzfassung):

Europa lebt von seiner kulturellen Vielfalt. Ein „Europa für Alle“ kann nur entstehen, wenn die darauf aufbauende kulturelle Identität und schöpferische Motivation seiner Bürger, mit der sprachlichen Vielfalt als deren sichtbarster Ausdruck, geachtet und gefördert werden.

Leider setzt sich die englische Sprache als alleinige Arbeitssprache der EU immer stärker durch. Dies hat in den unterschiedlichsten Bereichen negative Auswirkungen auf Status und Entwicklungs-potential aller anderen Sprachen. Wenn dem nicht gegengesteuert wird, drohen sie unter der Vorherrschaft des Englischen zu Minderheits-sprachen zu werden und großen Schaden zu erleiden.

Die Osterweiterung der EU ist ein geeigneter Anlaß, ein neues Miteinander aller Sprachen in Europa herzustellen. Die Sprachvereine im Internationalen Netzwerk Deutsche Sprache streben vor allem an, daß die Sprache der mit Abstand größten Sprachgemeinschaft Europas endlich einen institutionellen Status in der EU bekommt, der dem politischen, wirtschaftlichen und demographischen Gewicht des deutschen Sprachraums angemessen ist. Die überkommene arbeitssprachliche Dreiheit Englisch/ Französisch/ Deutsch ist faktisch weder in sich ausgeglichen, noch in der Lage, die Zukunft der anderen Sprachen in der EU positiv zu beeinflussen. In der um Länder Osteuropas erweiterten EU muß deshalb eine slawische Arbeitssprache dazukommen. Dies kann nach Lage der Dinge nur das Polnische sein, die Sprache des Beitrittslandes mit der grössten Bevölkerungszahl. Als weitere Arbeitssprachen sollten Italienisch und Spanisch hinzugenommen werden.

Damit dieses Konzept funktionieren kann, sollten alle europäischen Beamten verpflichtet werden, zwei Fremdsprachen aktiv zu sprechen und zwei weitere passiv zu verstehen.

Bern, 14. 9. 2001