Prof. H. Roth – Genderisierungen

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Gender-Äquivalente (Genderisierungen)

Prof. Dr. Hermann J. Roth 28. Mai 2018

Im Februar dieses Jahres fühlte sich die 80jährige, in der Presse als Feministin bezeichnete Saarländerin Marlies Krämer benachteiligt, weil in den Formularen ihrer Sparkasse immer nur Einzahler oder Kontoinhaber zu lesen war und nicht Einzahlerin oder Kontoinhaberin. Sie ärgerte sich dermaßen, dass sie ihre Sparkasse durch die Instanzen verklagte. Doch der BGH konnte keine Verletzung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes erkennen und wies die Klage ab.

Nun wurde im Feuilleton der FAZ von Edo Reents der Vorschlag gemacht, sie solle sich in Krämerin umbennen, bevor sie beim Bundesverfassungsgericht vorstellig wird. Dieser Vorschlag ist grundsätzlich auf die Bezeichnung aller Frauen anwendbar, deren Männer den Namen eines Berufs tragen, wie Bäcker, Metzger, Müller, Schuster usw.. In der russischen, polnischen oder tschechischen Sprache ist diese genderisierende Handhabe längst üblich. Nehmen wir als Beispiele die Namen einiger aktueller weiblicher Tennisstars: Azarenka, Dementjewa, Kusnetsova, Pliskova, Scharapowa etc.

Im Deutschen könnte man auch alle Familiennamen, die auf –mann enden, verweiblichen: Bertelsmann – Bertelsfrau, Kretschmann – Kretschfrau, Schumann – Schufrau etc.. Entsprechendes gilt für männliche Vornamen wie Friedmann, Tillmann, Karlmann oder Hermann.

Die Reihe der möglichen Beispiele fortzusetzen wäre langweilig. Das Exempel Neumann – Neufrau wirft allerdings die Frage auf, ob es sich dabei um die alte (d.h. die bisherige) oder eine neue Frau handelt.

Farbiger wird es bei der Genderisierung männlicher Vornamen:

der Andor – die Andorra

der Barak – die Baracke

der Hans – die Hanse

der Henner – die Henne

der Ken – die Kenia

der Klaus – die Klause

der Knut – die Knute

der Kurt – die Kurtisane

der Lanzelot – die Lanzelotte

der Otto – die Otter

der Quintin – die Quinte

der Roman – die Romanze

der Tom – die Tomate

der Tor – die Tora

Wer weiterhin witzig sein möchte und aus Alf – Alfa (1.Buchstabe des griechischen Alphabets), aus Don – Donna (mit Vornamen, Angehörige einer italienischen Adelsfamilie) und aus Clemens – Clementine (Zitrusfrucht, Hybride zwischen Mandarine und Pomeranze) als weibliche Namen kreieren möchte, wird beim Blättern im großen Vornamen-Lexikon des Duden feststellen müssen, dass es diese Mädchennamen tatsächlich schon gibt.

Es bedarf keiner großen Anstrengungen, zu männlichen Begriffen geeignete weibliche Äquivalente zu finden.

Personen

der Barbar – die Barbara

der Boxer – die Box

der Fugger – die Fuge

der Gerber – die Gerbera*)

der Hornist – die Hornisse

der Kelte – die Kelter

der Mariner – die Marinade

der Pole – die Polenta

der Star – die Starre

der Streber – die Strebe

*) siehe letzter Absatz!

 

Tiere und Körperteile

der Arm – die Armee

der Butt – die Butter

der Fink – die Finca

der Hals – die Halse

der Huf – die Hüfte

der Magen – die Magenta

der Wurm – die Würm

 

Objekte

der Ast – die Asta

der Bach – die Bache

der Grill – die Grille

der Hort – die Hortensie*)

der Hut – die Hütte

der Kamm – die Kammer

der Kran – die Kranke

der Rost – die Rosette

der Ruß – die Russin

der Scheit – die Scheide

der Sund – die Sünde

der Ton – die Tonne

der Tor – die Tora

der Wall – die Wally

*) siehe letzter Absatz!

 

Verschiedenes

der Akt – die Aktie

der Kanon – die Kanone

der Katarrh – die Katharina

der Klatsch – die Klatsche

der Mut – die Mutter

der Plan – die Plane

der Rat – die Ratte

der Regen – die Regina

der Rosmarin – die Rosemarie

der Schlaf – die Schläfe

der Schock – die Schokolade

der Sekt – die Sekte

der Stil – die Stille

der Tort – die Torte

der Westen – die Weste

der Wind – die Winde

der Zoff – die Zofe

der Zug – die Zügel

 

Weitaus weniger männliche Begriffe lassen sich zu sächlichen genderisieren.

Beispiele:

Der Bulle – das Bulletin

der Gammler – das Gamelan

der Kloß – das Klosett

der Traum – das Trauma

der Wagner – das Wagnis

Wenn wir ohne Vorbehalt die Antipoden zu maskulinen Generika suchen, dann sollten wir es im Zuge der Gleichberechtigung auch für weibliche und sächliche tun.

 

die – der

die Bank – der Bankert

die Beute – der Beutel

die Braue – der Brauer

die Burg – der Bürger

die Diele – der Dealer

die Elfe – der Elfer

die Falte – der Falter

die Gefahr – der Gefährte

die Heidi – der Heide

die Henne – der Henner

die Kante – der Kantor

die Kur – der Kurde

die Küste – der Küster

die Kutte – der Kutter

die Lust – der Lüster

die Note – der Notar

die Paste – der Pastor

die Rast – der Raster

die Reihe – der Reiher

die Reise – der Reis

die Schau – der Schauer

die Seide – der Seidel

die Sekte – der Sekt

die Senke – der Senkel

die Sense – der Sensor

die Wand – der Wanderer

die Weile – der Weiler

die Weste – der Western

 

die- das

die Last – das Laster

die Mode – das Modell

die Muse – das Muster

die Wette – das Wetter

die Wunde – das Wunder

das – der

das Nest – der Nestor

das Tor – der Torero

das – die

das Buch – die Buche

das Floß – die Flosse

das Horn – die Hornisse

das Kap – die Kaper

das Mus – die Muse

 

Interessant bis komisch klingend sind einige korrekte Ableitungen der Namen von Entdeckern oder Erfindern oder zu ehrender Personen, die man als weibliche Vornamen gebrauchen könnte.

Die Albertina ist ein Wiener Kunstmuseum, benannt nach dem Gründer Albert Kasimir von Sachsen-Teschen (Schwiegersohn von Kaiserin Maria Theresia).
Allerdings wird Albertina auch als Mädchenname benutzt.

Amerika ist vom Vornamen des Italieners Amerigo Vespucci abgeleitet, der erkannte, dass der von Columbus entdeckte Erdteil nicht Indien oder Asien war, sondern ein selbständiger Erdteil.

Die Bougainvillea ist eine aus Südamerika stammende Pflanzengattung aus der Familie der Wunderblumengewächse. Der Name wurde von Philibert Commerson zu Ehren des Seefahrers und Entdeckers Louis Antoine de Bougainville geprägt. Eine Pflanze dieser Gattung in der Nähe von Rio de Janeiro wirklich entdeckt haben soll aber Jeanne Baret, die heimliche Geliebte Commersons.

Caesarea, war eine bedeutende antike Stadt Palästinas, die nach Caesar benannt wurde.

Draisine ist die Bezeichnung von zwei durch die Muskelkraft des Menschen angetriebenen Fahrzeugen, die auf Carl von Drais zurückgehen. Das eine ist ein zweirädriges Fahrrad ohne Pedale (Laufmaschine), das andere ein Schienenfahrzeug (Eisenbahn-Draisine).

Die Fuchsie ist seit 1696 als artenreiche Pflanzengattung bekannt und wurde vom Franzosen Charles Plumier auf seiner Reise nach Santo Domingo entdeckt. Er benannte sie nach dem berühmten Botaniker Leonhart Fuchs (1501-1566).

Die Gerbera, die als Gattung zur Familie der Korbblütler gehört, wurde erstmals vom Holländer Jan Frederik Gronovius beschrieben und von ihm zu Ehren des Mediziners und Botanikers Traugott Gerber (1710–1743) benannt.

Hortensie Wie schon die Bougainvillea wurde auch die Hortensie von dem französischen Botaniker Philibert Commerson benannt, in diesem Falle nach der Astronomin Hortense Lepaute (1723-1788), der Frau eines seiner Freunde.

Und wie steht es mit Apfel und Apfelsine?

Die exotische Frucht wurde vor etwa 500 Jahren aus Südchina von Portugiesen über die Nordseehäfen Amsterdam und Hamburg nach Europa eingeführt. Sie hieß im alten Niederländischen und im Niederdeutschen „Appelsina“, was Apfel aus China bedeutet.