Infoseite Dänemark 2014

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Gesellschaft für Dänische Sprache

Modersmål-Selskabet schrieb im April 2015 einen offenen Brief an Alexander Graf Lambsdorff, den Stellvertretenden Präsidenten des Europäischen Parlaments, auf dessen Vorschlag hin, Englisch zur zweiten Amtssprache in Deutschland zu machen:

Die Organisation Modersmål-Selskabet („Gesellschaft für Dänische Sprache“) in Dänemark hat bemerkt, dass Sie für Englisch als einzige Arbeitssprache („Hauptverkehrssprache“) in der Europäischen Union eintreten. Dieser Vorschlag ist ein Angriff auf die Politik der Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union mit drei Arbeitssprachen und dreiundzwanzig Amtssprachen und richtet sich gegen die Unterstützung der Regional- und Minderheitensprachen in Europa. Wenn einer natürlichen Sprache der Status einer lingua franca verliehen wird, treten langfristig entsprechende negative Folgen für andere Sprachen in Form von Domänenverlusten auf. Wir sind nachdrücklich gegen Ihren Vorschlag.

Es besteht ein direkter Zusammenhang zu Ihrer Haltung zur eigenen Sprache, denn es ist offensichtlich, dass Sie versuchen, die deutsche Sprache zu degradieren. In einem Interview mit der „Welt“ am 15. Dezember 2014 sagen Sie, dass „Englisch in Deutschland Verwaltungssprache werden (muss), mittelfristig vielleicht sogar Amtssprache“. Ehrlich gesagt, wir glauben nicht, dass die meisten Deutschen akzeptieren werden, dass ihre Muttersprache schrittweise in die Küche und das Schlafzimmer verbannt wird, auch nicht mittelfristig. Sie werden stattdessen Ihre Ideen bekämpfen. Die Deutsche Sprache ist genauso viel wert wie jede andere Sprache, einschließlich Englisch.

Die Vorstellung, dass Englisch einen ununterbrochenen Siegeszug eingeleitet hat, ist naiv und unrichtig. Die Sprachgeschichte hat gezeigt, dass verschiedene Verkehrssprachen gekommen und gegangen sind, da ihre Position und Anwendbarkeit entscheidend von den Trägern, das heiβt Staaten, ihrem wirtschaftlichen, politischen, militärischen und kulturellen Einfluss abhängig sind. Englisch, oder jede andere Sprache, besitzt keine ihr innewohnende Überlegenheit.
Jørgen Chr. Wind Nielsen
Formand
jcn @ modersmaalselskabet.dk


 

Modersmål-Selskabet har noteret sig, at du arbejder for at ophøje engelsk til det eneste arbejdssprog („Hauptverkehrssprache“) i Den Europæiske Union. Forslaget er rettet mod Den Europæiske Unions politik for sproglig mangfoldighed med tre arbejdssprog, 24 officielle sprog og støtte til de regionale sprog og minoritetssprogene.
Hvis et naturligt sprog, der fungerer som lingua franca, gives denne status, kommer det umiddelbart til på langt sigt at få negative konsekvenser for andre sprog i form af domænetab. Vi modsætter os bestemt dette forslag.
Forslaget knytter direkte an til din holdning til dit eget modersmål, fordi forslaget åbenbart også forsøger at degradere det tyske sprog. I et interview i „Die Welt“ den 15. december 2014 siger du at „Deshalb muss Englisch in Deutschland Verwaltungssprache werden, mittelfristig vielleicht sogar Amtssprache („Derfor skal engelsk være forvaltningssprog i Tyskland, på mellemlangt sigt måske også officielt sprog“).
Oprigtigtigt talt tror vi ikke at flertallet af tyskere vil acceptere, at deres modersmål skridt for skridt henvises til køkkenet og soveværelset, ikke engang på mellemlangt sigt. De vil i stedet bekæmpe dine ideer. Det tyske sprog er lige så meget værd som en hvilket som helst andet sprog, inclusive engelsk.
Forestillingen om at engelsk har indledt et uafbrudt sejrstog verden over er naiv og urimelig. I sproghistorien er forskellige sporg som lingua franca dukket op og er forsvundet igen, eftersom sprogenes stilling og anvendelsesmuligheder er afhængig af bærernes, dvs. staternes, økonomiske, politiske, militære og kulurelle indflydelse. Engelsk, eller et hvilket som helst andet sprog, besidder ingen iboende overlegenhed.

Med venlig hilsen
Modersmål-Selskabet

Jørgen Chr. Wind Nielsen
Formand


Grußwort des VDS Dänemark zur Gründung des VDS Schweden am 31. Oktober 2014 in Stockholm
von Ulla Weinreich (Kopenhagen)

Sehr geehrte Freunde der deutschen Sprache, sehr geehrte schwedische Sprachfreunde,

zunächst einmal möchte ich mich dafür herzlich bedanken, dass ich heute den VDS Dänemark vertreten darf. Ich freue mich sehr, dass es jetzt auch eine schwedische Zweigstelle in unserem Bruderland geben wird. Per-Åke Lindblom und ich sind 2013 in Rudolstadt vom VDS außerordentlich herzlich und professionell empfangen worden, obwohl wir keinem Landesvorstand des VDS angehören, und wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit zwischen dem VDS und unseren Muttersprachengesellschaften.

Anne-Marie Fischer Rasmussen (AMFR) ist die Vorsitzende des VDS Dänemark und hat kraft ihrer Stelle als Dozentin der deutschen Sprache an der Lehrerhochschule Nord und an der Universität Århus Zutritt zu verschiedenen Gremien und Zusammenarbeitspartnern, wo sie die Stellung des Deutschen in Dänemark beruflich verfolgt und entwickelt. Jutta Tamasauskas ist die Kontaktperson/zweite Vorsitzende in Kopenhagen und hat mehrmals eifrig mitgearbeitet, geworben und für den VDS aus dem Dänischen ins Deutsche übersetzt. Einige Beispiele der Arbeit des VDS Dänemark möchte ich hier erwähnen:
Anne-Marie hat 2011 erreicht, dass die dänische Regierung während der EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2012 ihren Internetauftritt auch in der deutschen Sprache erscheinen ließ, nachdem dies ursprünglich unter dem Vorwand fehlender Ressourcen abgelehnt wurde. Danach haben einige Nachfolgerstaaten diese Praxis weitergeführt.

2013 hat Anne-Marie die Vorsitzenden der dänischen Lehrerverbände der Volksschulen und der Gymnasien zu einem Protest gegen die Empfehlung des Internationalen Deutschlehrerverbands aufgefordert, mit dem Verein Deutsche Sprache nicht zusammenzuarbeiten, weil dieser angeblich „fremdfeindlich“ sei und seine Arbeit auf eine „falsche Auffassung von Sprache“ baue. Im Juli 2013 wurde die Empfehlung des IDV auf dessen Kongress in Bozen zurückgenommen, nachdem der Protest aus Dänemark und einigen anderen Ländern dort vorgeführt und danach von den anderen IDV-Mitgliedern unterstützt wurde.
Anne-Marie hat in den vorletzten Sprachnachrichten den Abschnitt über die dänische Sprache geschrieben.

Gerade jetzt ist (31.10.2014) Anne-Marie in Brüssel als Mitglied der nationalen Arbeitsgruppe für Deutsch in der dänischen Volksschule, um die Ergebnisse der Arbeit der Gruppe dort vorzulegen – In Punkten: Deutsch wird jetzt ab der 5. Klasse statt wie bisher ab der 7. Klasse gelernt. Kommunikative Kompetenz ist der Schwerpunkt, jetzt aber mit klaren Anweisungen zu den Lernzielen in Bezug auf die Kompetenz und die Performanz. Sprachliche Korrektheit ist sekundär, nur die für die Kommunikation notwendige Grammatik soll gelernt werden, d.h. der Begriff der Grammatik ist funktional (AMFR).
Außerdem arbeitet der VDS Dänemark in den folgenden Bereichen:

  1. Bereitstellung aktueller Nachrichten in Bezug auf den Stellenwert der deutschen Sprache in Dänemark.
  2. Kontaktpflege, Lobbyarbeit im Kontakt mit Verantwortlichen und Meinungsträgern aus Ausbildung, Wirtschaft und Medien.
  3. Beratung und Unterstützung zur Optimierung der deutschen Sprache in Dänemark.
  4. Kontinuierliche Erfassung des Stellenwerts der deutschen Sprache im dänischen Bildungssystem und in der dänischen Wirtschaft.
  5. Kontaktpflege zu und Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Verbänden Skandinaviens, die sich für die Förderung der deutschen Sprache bzw. der jeweiligen Muttersprache einsetzen.

In Kopenhagen habe ich 2012 die Zusammenarbeit mit der dänischen Muttersprachengesellschaft vermittelt, was dazu geführt hat, dass ich Mitglied des Vorstands dieser Gesellschaft wurde. Ich habe Interviews aus dem Deutschen und dem Schwedischen übersetzt sowie den VDS in der Zeitschrift der Muttersprachengesellschaft vorgestellt.

Die Bittschrift des VDS an den Präsidenten der Europäischen Kommission habe ich im Jahre 2013 an die Muttersprachengesellschaft bzw. die Gesellschaft für Dänische Sprache vermittelt, die denn auch diesen Protest gegen sprachliche Diskriminierung mit u.a. dem VDS und der Språkförsvaret unterzeichnet hat. Es geht darum, dass die Außendarstellung der Kommission nur im Englischen und im Französischen, aber nicht im Deutschen stattfand.

In den deutschen Vereinen, der deutschen Kirche und der deutschen Schule in Kopenhagen verteile ich die Sprachnachrichten und spreche begeistert von der großen Arbeit des VDS, und ich weiß, dass eine gute Freundin von mir und der deutschen Sprache, eine Gymnasiallehrerin mit einem sehr großen Netz von Kontakten zu lebendigen Menschen und dem 20. Jahrhundert durch ihre E-Mail an der elektronischen Verbreitung der Materialien des VDS ehrenamtlich mitarbeitet. 2012-2014 habe ich außerdem an den Bundesdelegiertenversammlungen des VDS Dänemark vertreten.

In Dänemark kann man neuerdings also ab der 5. Klasse zwischen Deutsch und Französisch als zweiter Fremdsprache wählen, d.h. man kann ohne Deutsch durch das dänische Bildungssystem gehen, was die Meisten dann auch tun. Durch Jahre einer unglücklichen Schulpolitik sind die Bereiche dänische Sprachkunde, Sprachbewusstsein und Geschichte zuerst unpädagogisch vermittelt und dann in den Schulen vernachlässigt worden. Das heißt nicht, dass wir zur schwarzen Schule zurückkehren müssen, aber durch diese Entwicklung gibt es bei der neuen Generation auch im Dänischen nicht mehr das sprachliche Interesse und den sprachlichen Überschuss, die entdecken lassen, wie leicht, interessant und wichtig das Deutsche ist und wie nah verwandt es ist dem Dänischen ist.
Zwar ist Berlin seit ungefähr zehn Jahren unter dänischen Studenten, Künstlern und Wohnungskäufern wieder beliebt, aus vielen guten Gründen, aber die persönliche Annäherung geschieht nur, weil man sich im Englischen verständigen kann. Leider ist Deutschland nämlich fast schon der unbekannte Nachbar. Einige

Beispiele für diese Tendenz:

  1. Es gibt in Kopenhagen einen kleinen Verlag, der Bücher aus exotischen Sprachen wie dem Türkischen, Arabischen, Jiddischen übersetzt und herausgibt, und darunter aus dem Deutschen: Martin Walser, Siegfried Lenz, Franz Kafka, Lessing, Christa Wolf. Deutsch zu können ist in Dänemark eine Ausnahme geworden, wir könnten fast ebenso gern altkirchenslawisch (so der jetzige Prodekan der humanistischen Fakultät der Kopenhagener Universität) oder keltisch sprechen.
  2. Es ist seit einigen Jahren modern, Geschäften, Bars usw. deutsche Namen zu geben, weil es eine neue Aufmerksamkeit erweckt, und wahrscheinlich auch durch den regen Verkehr nach Berlin angeregt: Gefährlich, Literaturhaus, Mensch, Fünf, Grob. Es darf dabei ruhig ein Umlaut auftreten. Die deutschen Wörter sind eine lustige Modeerscheinung mit seltenen Buchstaben geworden.
  3. In Fremdenführern und anderen Materialien über Deutschland für Dänen wird als selbstverständlich mit verstanden und dargestellt, dass der Leser kein Deutsch verstehe, weil es schwierig sei; und selbst einfache Begriffe werden erklärt.

Dabei ist aber Deutsch die Muttersprache von über 100 Millionen Menschen, die größte Muttersprache in Europa und eine der Sprachen der Welt, die von den meisten Menschen gelernt wird. Gleichzeitig ist Deutschland unser wichtigster Handelspartner, weshalb die leitenden Kräfte der dänischen Industrie und Wirtschaft immer gegen die Verringerungen des Deutschunterrichts donnern. Aus unserem Nachbarland Deutschland bekamen wir schon immer eine große kulturelle, wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Inspiration. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte, und deshalb haben wir in Dänemark eine deutsche Minderheit und umgekehrt – mit ihren eigenen Schulen, Vereinen, Kirchen, Sprachen und Kulturen und mit einer hervorragenden Zusammenarbeit kreuz und quer über die Grenze. Davon haben wir 2012 an der Bundesdelegiertenversammlung des VDS in Lübeck gehört, aber die Minderheit und ihre Geschichte sind unter den jungen Leuten in Kopenhagen fast unbekannt. Dafür hat die deutsche Minderheit jetzt einen deutlichen Vorteil, nicht nur durch die beiden Kulturen, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt, weil sie mit der deutschen Sprache aufgewachsen ist.

Seit einigen Jahren bereitet sich die Wirtschaft nämlich auf den Fehmarn-Belt-Tunnel vor. Man hat einander auf die Zähne gefühlt, deutsch-dänische Betriebsbesuche und Konferenzen beiderseits der Grenze durchgeführt, und die Haltung ist hier nach wie vor: Wir können dem Deutschen im Englischen etwas abkaufen, aber ihm am besten oder nur im Deutschen etwas verkaufen, indem wir die deutsche Sprache meistern und die deutsche Geschäftskultur und Allgemeinbildung verstehen und respektieren.

Deshalb besteht eine neue gute Initiative auf Lolland-Falster im südlichen Dänemark darin, dass alle Berufsschüler dort jetzt obligatorisch Deutsch lernen müssen. Es ist höchste Zeit, wenn die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe und die zugewanderten Deutschen nicht alle Stellen besetzen sollen, wo Deutsch gebraucht wird. Alle Schüler sollten eigentlich diese Verpflichtung und Möglichkeit haben. Der Europäische Rat fordert denn auch dazu auf, dass Europäer mindestens zwei Fremdsprachen und eine Nachbarsprache lernen. Hier könnten die Dänen also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

In der letzten Nummer des dänischen Magisterblatts (Okt. 2014) wird aber berichtet, dass jetzt nur noch 15 Studenten an der Kopenhagener Universität dem deutschen Hauptfach folgen und 65 zum Grundstudium zugelassen werden. An der Humanistischen Fakultät verschwinden jetzt mehrere kleine Sprachen, und es werden noch mehr, wenn in der nächsten Sparrunde an den 15 Germanisten festgehalten wird. Die Situation heiβt fast eher tabula rasa als Rotstift.
In einem anderen Artikel in derselben Zeitschriftennummer wird erzählt, wie Biologen jetzt schon sterbende Sprachen wie bedrohte Tierarten beschreiben, d.h. dieselben Modelle der Forschung gebrauchen. Dabei wiederholen sie, dass Sprachverlust den Verlust eines lebendigen Kulturerbes bedeutet, das man nicht ohne weiteres wiederherstellen kann. So weit ist das Deutsche zum Glück noch nicht gekommen, höchstens in einigen Domänen, wo das Englische vorherrscht. Aber wenn schon die Biologen von Kulturverlust sprechen, wie viel mehr müssen wir als Sprachfreunde uns dann nicht um die Gegenwart und die Zukunft der deutschen Sprache in unseren Ländern kümmern.

Die deutsche Sprache ist nämlich wichtig, sie ist schön und reich, genau und poetisch. Sie ist die Trägerin einer wunderbaren Literatur, die in ganz Europa Schule gemacht und Reaktionen hervorgerufen hat. Wer übersetzt, weiß, wieviel in einer Übersetzung der schönen Literatur und der meisten anderen Textgattungen verlorengeht. Es ist einfach auch für uns leichter, die deutsche Ausgangssprache früh zu lernen als alles zu übersetzen.

Wir wollen im Deutschen alle Lebensbereiche erfassen können. Wenn wir die deutsche Sprache können, verstehen wir auch eine andere Presse, Bildung, politische Diskussion usw. direkt. Das Deutsche ist für uns Dänen das Tor zu Europa. Das heiβt zu einer anderen Weltsicht, einer Debatte mit mehr Schattierungen, einem weiteren Horizont, und von all dem sind wir in unserem kleinen Land beeinflusst, zumal wir auch in einem Mitgliedsstaat der EU wohnen.

Ganz abgesehen von den Handelsbeziehungen zwischen unseren Ländern brauchen wir die sprachliche Fantasie und Vielfalt der deutschen Sprache (und unserer Muttersprachen), genau wie Schönheit und Kunst, als menschliche Gegenwelt von Rechnern und Gefühlslosigkeit, um ganze Menschen zu bleiben (Stichwort: Erlkönig). Ein dänischer Gehirnforscher empfiehlt, Sprachen zu lernen, um das Gehirn flexibel zu machen und zu erhalten.

Deshalb wollen wir das Deutsche und unsere Muttersprachen in allen Domänen und in ihrem ganzen Reichtum weiter gebrauchen und lernen, entwickeln und fördern. Deshalb möchte ich in Schweden skandinavisch sprechen, und deshalb werbe ich für den VDS!

 


Grußwort von Per-Åke Lindblom, dem Vorsitzenden der Språkförsvaret, zur Gründung der schwedischen Gruppe des VDS am 31. Oktober 2014 in Stockholm

(Hälsningsanförande vid det officiella grundandet av en svensk avdelning av Verein Deutsche Sprache den 31 oktober 2014)

Vi lever i en tid då det är nödvändigt för företrädare för olika språk att samarbeta och vi lever också i en tid då detta är möjligt.
Detta samarbete är nödvändigt, eftersom språksituationen i världen idag är historiskt unik. Aldrig tidigare har ett enskilt språk uppnått engelskans ställning. Engelskan fungerar idag som ett globalt lingua franca och förstås av runt en fjärdedel av jordens befolkning. Engelskan når ut till alla hörn av världen.

Denna utveckling är inte ett resultat av några inneboende egenskaper hos engelskan, d.v.s. att språket skulle vara osedvanligt lätt att lära sig, att ljudsystemet skulle falla alla på läppen eller att engelskan skulle ha en osedvanlig förmåga att generera ett omfattande ordförråd.
Engelskans frammarsch måste förklaras med andra faktorer: framgångsrik brittisk kolonialism, som spred språket fr.o.m. 1600-talet, vilket sedan övertogs av gökungen USA, som intog en enastående maktställning efter andra världskriget. Etermedia utvecklades redan före första världskriget, men det avgörande genombrottet kom efter andra världskriget i form av filmindustrin, televisionen, datateknologin, satellit-tv och sist men inte minst internet. Datateknologin och internet har t.o.m. utgått från det angloamerikanska alfabetet.

Samtidigt öppnar internet och globaliseringen alla möjligheter för dem som vill värna om det egna språket eller försvara hotade språk. Det är hur enkelt som helst idag att sprida kännedom om olika språk på internet; det är hur enkelt som helst att lägga ut texter, ordlistor, ljudfiler, videoklipp och filmer på internet. Det är t.o.m. möjligt att använda andra skriftsystem än det latinska alfabetet.

Belysande är detta exempel: På 1930-talet beslöt den lilla folkgruppen yaaku i Kenya på ett möte att överge sitt eget språk till förmån för massajspråket. Men beslutet var inte oåterkalleligt. I början av tjugohundratalet anordnades ett nytt möte, där man beslöt att försöka återuppliva språket. Man kontaktade nederländska lingvister för att utröna om det fanns tillräckliga resurser för att återuppliva språket. Dessa nederländska lingvister besökte yaakuernas område 2005 och fann till sin förvåning att språket inte alls var utdött utan att åtminstone en handfull kunde tala det flytande. Yaakuerna kände alltså till att det förekom revitaliseringsprojekt runtom i världen och att det gick att anlita externt stöd.

Stora språk, om de släpps fria, tenderar att äta upp mindre språk. Det är givet att de mest utsatta språken är de skriftlösa språken, som bara används av ett fåtal talare. De har ofta inte ens en statsapparat eller en generös språklagstiftning i ryggen. När det gäller språk, som är närbesläktade med engelskan, d.v.s. de nordgermanska och de övriga västgermanska språken, är de också speciellt hotade just på grund av detta släktskap. Detta släktskap underlättar inlärning av engelskan men också inlåning av engelsk vokabulär, ofta helt i onödan.
Idag förlorar de nordgermanska och de övriga västgermanska språken domäner till engelskan; längst har utvecklingen gått i fråga om naturvetenskaplig forskning. Dessa domänförluster är inte oundvikliga; dessa går att hejda förutsatt att det finns motkrafter, som bedriver en medveten språkpolitik.

Varje språk har ett egenvärde. Om man försvarar de nordiska språken, tyskan och nederländskan och andra germanska varieteter, varvid de flesta är kompletta och samhällsbärande språk med lång skriftspråkstradition, betyder det faktiskt att man försvarar alla språk. Givet naturligtvis att företrädarna för dessa språk inte i sin tur sparkar nedåt, d.v.s. mot minoritets- och invandrarspråk.
Språkförsvaret ser naturligtvis Verein Deutsche Sprache som en likasinnad förening som bedriver en medveten språkpolitik och finner det helt naturligt att VDS även organiserar tyska språkets vänner i Sverige.

Per-Åke Lindblom


Erlend Lønnum auf der Bundesdelegiertenversammlung des VDS am  31. Mai 2014 in Gießen
Mit unserer Sprache in die Zukunft

Ansprache an der Bundesdelegiertenversammlung des VDS 31. Mai 2014 in Gießen

Herzlichen Dank für die Einladung! Einen besonderen Dank möchte ich an Dr. Reiner Pogarell richten. Seit einem Jahr kennen wir uns schon ein bisschen, was bis heute zu mehreren Artikeln geführt hat, einem über den norwegischen Sprachrat in der VDS-Zeitschrift Sprachnachrichten [2], wie an der Leinwand gezeigt, und einem über die norwegische Sprache in der letzten Nummer der Sprachnachrichten. [3] Ich habe sogar einen Artikel geschrieben über den VDS und seine wichtige Arbeit in der Zeitschrift des norwegischen Sprachrates, mit dem gleichlautenden Namen Språknytt [4], die ich redigiere und mit Artikeln über sprachliche Themen versehe.

Ich möchte gleichzeitig Herrn Pogarell «Takk for sist» sagen, das heißt etwa «Danke für zuletzt», so wie wir Norweger immer für alle Dinge danken, da ich zu Ostern die Freude hatte, Sie in meiner Heimstadt Oslo treffen zu dürfen. Meine guten Kollegen und der Sprachdirektor in Norwegen richten Ihnen allen ihre Grüße aus.

Ich freue mich sehr auf diesen Tag in Gießen, da es immer schön ist, unter richtigen Sprachfreunden zu sein. Das wurde mir auch ganz klar, als ich mit großem Interesse die Texte über unsere enge Sprachverwandtschaft in der letzten, hervorragenden Nummer der Sprachnachrichten gelesen habe. [5] Beim Lesen habe ich nochmals Gedanken darüber gemacht, wie wichtig die dichten Bande zwischen Norwegen und Deutschland sind, nicht nur auf den traditionellen Gebieten Wirtschaft, Kultur und Ausbildung, sondern auch auf dem Gebiet der Sprachen, die das alles sozusagen verbinden und vereinigen.

Erst im letzten Jahr haben auch wir im norwegischen Sprachrat unseren Blick auf Länder außerhalb der nordischen Grenzen gerichtet. Vorläufig hat es sich meistens um Informationen und Untersuchungen gehandelt, unter anderem über die Fremdsprachengewohnheiten, vor allem in der Schule und an den Universitäten. Was können wir damit tun, dass immer mehr Norweger fast nur Englisch und sogar auch Spanisch statt Deutsch und Französisch lernen? Darüber schreiben wir zum Beispiel in der nächsten Ausgabe unserer Zeitschrift. [6] Die Überschrift «Tar ein spansk ein» bedeutet übrigens «einen Spanier nehmen» und entspricht dem deutschen Ausdruck «einen Türker nehmen».

Und wie können wir gegen das völlig dominierende Englische kämpfen, nicht nur im Einzelwortbereich, sondern auch in ganzen Gesellschaftsbereichen, wo Domänenverlust eine große Herausforderung ist? [7] In dieser Verbindung lautet unser Leitspruch: «Norwegisch wenn Sie können, Englisch wenn Sie müssen!» Ein gutes Beispiel auf sprachliche Verwirrung gibt uns der Vater eines meiner Kollegen, Ivar Eskeland: «Giftshops gibt es überall. Wenn du dann das Gift gekauft hast, das du brauchst, kannst du über die Straße gehen und versuchen, die Leiche in einem Bodyshop loszuwerden.»

Dies sind einige der vielen Themen, die uns beschäftigen, und die ich gerne im Laufe des Tages mit Ihnen diskutiere. Zuerst möchte ich aber einige weitere Worte über den norwegischen Sprachrat sagen.

Ein Vorläufer zum norwegischen Sprachrat wurde schon vor 60 Jahren gegründet. Das Komitee arbeitete damals hauptsächlich mit der Annäherung unserer zwei standardisierten und gleichgestellten Schriftformen Bokmål und Nynorsk, das heißt Buchsprache und Neunorwegisch.
In den nächsten 30 Jahren wurde allmählich die Annäherung mit einer getrennten Normierung ersetzt, einer für jede Schriftsprache. Darüber können Sie in der erwähnten Themanummer der Sprachnachrichten lesen. [8] Und den besonders Interessierten möchte ich einen Aufsatz, auf
Deutsch, von Prof. Egil Pettersen empfehlen. Seinen Text finden Sie auf unseren Internetseiten.
Ich möchte auch auf einen deutschen Text über die norwegische Sprachnormierung hinweisen:

[9] Norwegen ist eine kleine Sprachgemeinschaft mit etwa fünf Millionen Sprechern.
Dass es zwei gleichberechtigte offizielle (Schrift-)Sprachen gibt, ist an sich nichts
Ungewöhnliches, man schaue nur nach Belgien oder Finnland. Ungewöhnlich ist, dass es
sich bei diesen Sprachen – bokmål («Buchsprache») und nynorsk («Neunorwegisch») –
eigentlich eher um Varianten einer Sprache handelt, beide sind nämlich Norwegisch.
Diese heutige Situation ist das Ergebnis einer Entwicklung, die vor mehr als 150 Jahren
ihren Ausgang nahm und untrennbar mit der politischen Entwicklung des Landes
verbunden ist. Diese bewegte sprachliche Geschichte hat letztlich auch dazu geführt,
dass weite Teile der Bevölkerung ein hohes Maß an Bewusstsein und Sensibilität für
sprachliche Belange haben. [Anja Klein, deutschesprachwelt.de] [10] Im Laufe der letzten 100 Jahre haben wir fünf Sprachreformen gehabt. In Deutschland gibt es im Vergleich nur eine. Sie war dagegen so interessant und brisant als kulturelles Thema, dass ich gewählt habe, meine Magisterarbeit über die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung zu schreiben. [11] Im Jahre 2006 entstand endlich der norwegische Sprachrat unter ihrem neuen Namen Språkrådet, in einer moderneren Form. [12] Nachher stehen nicht nur die Verwaltung von Bokmål und Nynorsk im Zentrum, sondern alle Sprachen in Norwegen, wie die offiziellen Minderheits-sprachen Finnisch-Norwegisch, Romani und norwegische Gebärdensprache und die vielen Fachsprachen und Fremdsprachen.
Der norwegische Sprachrat ist heute eine ganz interessante und anerkannte Organisation, die auf vielen Gesellschaftsgebieten arbeitet, unter anderem mit Sprachpolitik, Sprachrechten, Sprachinformationen und Sprachgebrauch. [13] Wir sind ein offizielles, staatliches Fachinstitut für
diese sprachlichen Belange und wir sind die zur Sprachverwaltung und Sprachbeobachtung berufene Instanz. Wir sind dem Ministerium für Kultur nachgeordnet und also keine Bürgerinitiative, wie Sie. Wenn es eine ähnliche Institution wie unsere in Deutschland gäbe, bräuchte man wahrscheinlich keinen VDS. In diesem Punkt bin ich mir mit Herrn Pogarell einig.
Wir sollen die Stellung der norwegischen Sprache in Gegenwart und Zukunft fördern und wir sollen alle Sprachformen verwalten, weil Sprachvielfalt wichtig ist. Unser Ziel ist es, dass Norwegisch auch in der Zukunft in allen Lebensbereichen verwendet und nicht vom Englischen
verdrängt wird. [14] Deswegen ersetzen wir englische Wörter und Ausdrücke mit einheimischen Wörtern oder norwegisierten Varianten. Wir benutzen lieber «minnepinne» statt «memorystick» und «krøllalfa» statt «At-Zeichen», genau wie Sie «Klammeraffe» vorziehen. Und wir benutzen lieber «kollisjonspute» statt «airbag» und «rullebrett» statt «skateboard».
Im Kern geht es darum, offizielle Instanzen, Wirtschaft sowie Mitbürger und Mitbürgerinnen im Allgemeinen zu ermutigen und ihnen das Vertrauen an die Fähigkeit der norwegischen Sprache zu geben. Durch unsere Arbeit soll die Vermittlung von Wissen über die norwegische Sprache verbessert werden. Wir haben drei Sektionen und Fachausschüsse mit Sprachkundigen aus allen Lebensbereichen. Wir erteilen Empfehlungen und Ratschläge zu Angelegenheiten, die unsere Fachgebiete betreffen.
[15] Das Ziel wird verfolgt, indem wir Information und Aufklärung über gutes, klares und richtiges Norwegisch auf unseren Internetseiten, in sozialen Medien und in unseren vielen Publikationen zugänglich machen. Jeden Tag beantworten wir eine ganze Menge Anfragen durch unseren
telefonischen und elektronischen Sprachberatungsdienst, und wir aktualisieren fortlaufend die offiziellen Wörterbücher und genehmigen Wortindizes für die Schule.
Um die vermehrte Diskussion zu aktuellen sprachlichen Herausforderungen zu erreichen, organisieren wir verschiedene Veranstaltungen, und wir beteiligen mit öffentlichen und privaten Institutionen zusammen an Maßnahmen zur Förderung des Gebrauchs von Norwegisch. Wir kontrollieren ebenfalls, dass staatliche Unternehmen die gesetzlichen Ansprüche erfüllen. [16] Bisher liegen drei Gesetze vor, die mit Sprachen zu tun haben: das Gesetz für die Gleichstellung von Bokmål und Nynorsk, das Gesetz der Lappländer und das Gesetz der Ortsnamen. Und noch besser: Zurzeit arbeitet die norwegische Regierung mit einem nationalen Sprachgesetz, nach schwedischem Muster, um unsere Nationalsprachen weiter zu schützen. Mit anderen Worten: Wir gehen stolz in die Zukunft mit unserer Sprache!
Danke für Ihre Aufmerksamkeit


Dänisch – Handelssprache des Nordens (pdf)

von Anne-Marie Fischer-Rasmussen
in: Betriebslinguistische Beiträge, Zeitschrift für Unternehmens­kommunikation,
April 2014 Heft 4 16. Jahrgang

Bilder: www.nationalflaggen.de