Infobrief vom 18. September 2026: Deutsch lernen mit dem Sandmännchen

1. Presseschau

Deutsch lernen mit dem Sandmännchen

Acht Sprachen – so viele spricht die Kasseler Gynäkologin Dr. Jovana Henseling. Neben Deutsch beherrscht sie auch Serbisch, Bosnisch, Kroatisch, Englisch, Russisch, Italienisch und Mazedonisch. Als in Bosnien geborene Serbin sei sie sowieso schon dreisprachig aufgewachsen, da sich Bosnisch, Serbisch und Kroatisch sehr stark ähnelten. Ihre erste Fremdsprache sei Russisch gewesen, dann war Englisch dran. Es folgte ein Forschungsstipendium in Italien, was ihr die nächste Sprache einbrachte, über andere Studenten lernte sie Mazedonisch – und schließlich nach ihrem Umzug 2016 nach Deutschland auch Deutsch. Letzteres sei ihr besonders schwergefallen, hilfreich war es aber, zu lesen und fernzuschauen: „Ich gucke eigentlich überhaupt kein Fernsehen, aber damals habe ich alles geschaut: Dokus, Reality-Shows, Kinderfilme.“ Vor allem das Sandmännchen habe sich wegen der einfachen Sprache besonders gut geeignet. (hna.de)


Ungeduld durch KI

Das Online-Magazin Telepolis hat den Marketing- und KI-Analysten Nils Andres zur „Beyond Prompting“-Studie des Brand Science Institutes befragt. Das hatte untersucht, wie die Nutzung von generativer Künstlicher Intelligenz die menschliche Sprache und Kommunikation verändert. Laut Andres sei Sprache mehr als ein Werkzeug zur Informationsübertragung, sie sei „Ausdruck unseres Denkens, unserer Beziehungen und unserer Identität“. Wenn sich Sprache verändere, verändere sich auch deshalb die Art, wie wir Menschen unsere Umwelt wahrnehmen und strukturieren. KI hätte dafür gesorgt, dass sich ein System nicht dem Menschen anpasst sondern umgekehrt. In der Studie wurde dabei deutlich, dass sich die Sprache der Probanden veränderte: Ihre Prompts – also die Befehle, die sie der KI gaben – wurden im Verlauf der Nutzung um 40 Prozent kürzer. Aus Sätzen seien Stichworte, Fragmente oder kurze Anweisungen geworden. In den anschließenden Interviews sagten die Teilnehmer dann, sie hätten nicht das Gefühl, weniger präzise zu kommunizieren, vielmehr beschrieben sie ihre Sprache sogar als klarer, effizienter und wirksamer. „Aus tiefenpsychologischer Sicht zeigt sich hier ein Perspektivwechsel. Sprache verliert teilweise ihre klassische soziale Funktion und gewinnt eine neue instrumentelle Funktion. Sie dient weniger dem gemeinsamen Verstehen als der möglichst effizienten Auslösung einer gewünschten Reaktion“, so Anders.

Auch die Wahrnehmung habe sich verändert: Viele Teilnehmer hätten berichtet, dass sie nach intensiver KI-Nutzung deutlich ungeduldiger gegenüber langen Erklärungen geworden seien. „Das bedeutet nicht, dass Empathie verschwindet. Aber Sprache wird häufiger unter dem Gesichtspunkt der Effizienz beurteilt: Kommt mein Gegenüber schnell zum Punkt? Liefert das Gespräch einen Mehrwert? Muss wirklich alles erklärt werden?“ So verschiebe sich aus psychologischer Sicht die Funktion der Sprache: Wo es früher darum gegangen sei, Beziehungen aufzubauen oder Vertrauen zu schaffen, werde Sprache jetzt zunehmend zu einem Steuerungsinstrument. (telepolis.de)


KI-Kauderwelsch

Dass Zwillinge unter sich oft eine eigene Sprache entwickeln, ist hinlänglich bekannt. Doch nun entwickeln KI-Modelle offenbar untereinander ebenfalls eigene Kommunikationsformen, die teilweise für Menschen nicht mehr nachvollziehbar sind. Forscher des New Yorker Labors „Emergence“ haben untersucht, wie verschiedene KI-Agenten miteinander kommunizieren, wenn sie gemeinsam Aufgaben in einer virtuellen Umgebung lösen müssen. Dabei stellten sie fest: Die Systeme entwickelten eigenständig neue Begriffe, Abkürzungen und Bedeutungen. Für die Forscher ist das ein Zeichen dafür, dass KI-Systeme ihre Sprache an die jeweilige Aufgabe anpassen. Dabei war die so entstandene Sprache zwar für die Systeme selbst nachvollziehbar, für den Menschen jedoch schwer verständlich, sie wich von menschlichen Sprachmustern deutlich ab. (techbook.de)


2. Gendersprache

Geschichten ohne Argumente

Mittlerweile sind wohl alle sprachwissenschaftlichen Argumente für oder gegen die Gendersprache bekannt und es wird immer deutlicher, dass der größere Teil der Sprachgemeinschaft Genderformen ablehnt. Sogar bei jüngeren Leuten bis 25 sind die Genderbefürworter nur eine Minderheit, so das Ergebnis einer Studie, die beim Bundesamt für politische Bildung veröffentlicht wurde.
Gleichwohl gibt es einige Sprachbereiche, wo man gar nicht anders kann, als zu glauben, Doppelformen und Gendersternchen seien die Normalität. Insbesondere an den Universitäten, aber auch in vielen Kultureinrichtungen, Behörden, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in den Kirchen sind Genderformen häufig. Für den Germanisten Fabian Payr sind dafür „griffige Geschichten“ (Narrative) verantwortlich, die sich in bestimmten Milieus verfangen haben. Eine dieser Geschichten handelt von der deutschen Sprache als „Ausdruck männlicher Herrschaft, Frauen als sprachlich unsichtbar gemachte Opfer und die Sprachreform als notwendiger Weg zur Überwindung dieses Zustands“, so Payr. Auch eindrückliche Bilder kamen zum Einsatz, wie etwa die Behauptung, das generische Maskulinum mache Frauen „besser unsichtbar als jede Burka“ (Luise Pusch).
Eine weitere Geschichte: Das generische Maskulinum habe sich erst herausgebildet, als Frauen mehr Gleichberechtigung erlangten. Es wurde aber mittlerweile nachgewiesen, dass es geschlechtsübergreifende Maskulina schon im Althochdeutschen gab. (welt.de (Bezahlschranke), bpb.de)


3. Sprachspiele: Unser Deutsch

kinderfrei

Wer keine Kinder hatte, nicht Mutter, nicht Vater war, galt bisher als kinderlos. Viele litten unter diesem Mangel und unternahmen alles, um doch Eltern zu werden. Andere wiederum lehnen die Elternschaft grundsätzlich ab, ob verheiratet oder nicht. Aus unterschiedlichen Gründen. Sie wollen keine Kinder, sind freiwillig kinderlos. Sie empfinden dies nicht als Mangel, im Gegenteil, sie vermeiden Schwangerschaft und Vaterschaft um jeden Preis. Sie wehren sich deshalb gegen die Bezeichnung kinderlos. Denn Adjektive mit dem Halbsuffix –los bezeichnen fast immer einen Mangel, sind ‚privativ‘ wie hilflos, freudlos, grundlos usw.

Als Ersatzwort gilt nun kinderfrei. Mit dem Halbsuffix -frei wird ebenso etwas Fehlendes bezeichnet, aber meist in positivem Sinne wie alkoholfrei, niederschlagsfrei, bügelfrei, um Unerwünschtes zu meiden. Berüchtigt ist das Naziwort judenfrei. Damit rühmten sich deutsche Städte, nachdem sie alle Bürger aus jüdischen Familien entrechtet, vertrieben, in KZs verschleppt hatten. Heute unglaublich. Dieses kleine, scheinbar harmlose Wort war sichtbarster Ausdruck des deutschen Antisemitismus.

Der Wunsch nach Verschonung von eigenen Kindern prägt schon seit längerem den Lebensstil vieler USA-Amerikaner. Childfree dort, ist nun kinderfrei bei uns, kein Motto der Ärmeren in unserer Gesellschaft, eher ein Mittel- und Oberschicht-Phänomen. Man priorisiert, wie es heißt, Karriere, persönliche Ungebundenheit, größeren finanziellen Spielraum vor einer traditionellen Familie, die all dies deutlich und dauerhaft beschränkt. Statt dies unumwunden zuzugeben, werden für die selbstgewählte Kinderlosigkeit hehre Ziele genannt: Keine Kinder in diese schlechte Welt setzen, sie vor der drohenden Klimakatastrophe bewahren und ähnliches. Dem egoistischen Ziel werden veredelnde Mäntelchen umgehängt. Manche glauben das selber. Es lohnt nicht, gegen diese Selbstsucht zu argumentieren. Wer soll einmal Eure Rente bezahlen? Die Kinder der anderen? Wer soll Euch im Alter pflegen? Der Staat wird alles bezahlen.

Das einzig überzeugende, das beste Argument ist die Familie, sind die Kinder selber. Schwangerschaft ist keine Krankheit, sie ist das Versprechen kommenden Glücks. Kinder kosten Geld, sie lärmen, kleckern, sind ungezogen, werden krank (und fast immer wieder gesund), sie machen Sorgen – nur das? Warum wird so wenig gesprochen über die unglaubliche Freude, die sie ihren Eltern, ihren Großeltern, der ganzen Familie bereiten? Daran haben auch jene teil, die kinderlos geblieben waren, gewollt oder ungewollt. Familie kam nicht zustande. Sie freuen sich ebenso an Neffen und Nichten, die ihnen die Geschwister beschert haben, laden sie ein, lassen sich besuchen, beschenken sie.

Älter geworden, spürt man besser als in jungen Jahren, was Kinder bedeuten. Die Söhne und Töchter, die Enkel, ihre Partner, ihre ersten eigenen Kinder – diese wachsen zu sehen, Anteil zu nehmen, auch Hilfe anzunehmen, erfüllt ihr Leben. Wer nicht mehr gerne in die Ferne reisen mag, lebt mit, wenn ein Enkel in Irland lebt und dort ein eigenes Haus baut, der zweite seine Masterarbeit in Innsbruck abschließt, zugleich sein erstes Startup, der dritte als Künstler eine Aktion in Kanada vorstellt, der jüngste die letzten Abi-Prüfungen absolviert. In diesen Jahren werden gemeinsam runde Geburtstage gefeiert, 6o, 80, 90. Die Familie wird immer größer. Alle fühlen sich eingebunden. Kinderfrei allerdings gefährdet dieses Glück, eine Säge am Familienbaum.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de.

4. Kultur

Mangas als Gradmesser für Sprachentwicklung

Wie haben Mangas die japanische Sprache der vergangenen Jahrzehnte verändert? Das lässt jetzt die japanische Kulturbehörde untersuchen und hat mit dem Aufbau einer landesweiten Datenbank begonnen. Darin werden nicht nur Dialoge erfasst, sondern auch ungewöhnliche Schreibweisen und Ausdrücke. Untersucht werden Werke aus den Jahren 1976 bis 2025, das Projekt soll 2027 beginnen und ist auf vier Jahre angelegt. Es soll untersucht werden, wann bestimmte Ausdrücke entstanden sind und wie sie sich über die Jahre in ihrer Bedeutung verändert haben. Mangas sind in Japan weit mehr als Geschichten mit Bildern, mittlerweile stellen sie eine historische Quelle zur Sprachentwicklung dar, heißt es von den Forschern. (sumikai.com)


Ukraine zwischen den Sprachen

Es sind kleine Feinheiten, aber sie können den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Ukrainisch ist dem Russischen sehr ähnlich, und gerade weil viele Ukrainer mit Russisch aufgewachsen sind, sprechen sie einige Wörter vermeintlich falsch aus oder mit einer anderen Betonung. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hadert auch der Zeit-Redakteur Daniel Sagradov mit seiner Sprache. Der Sprachkonflikt betrifft viele seiner Landsleute, Ukrainisch ist mittlerweile ein Ausdruck nationaler Unabhängigkeit. Wer aber, wie oben erwähnt, Wörter falsch ausspricht, weil er als Ukrainer Russisch als Muttersprache gelernt hat, der muss sich nicht selten den Vorwurf gefallen lassen, möglicherweise ein Spion zu sein. Für Sagradov ist Russisch die Sprache seiner Identität, beim Besuch in der Ukraine wird dies aber als fremd wahrgenommen – und das, obwohl Russisch nicht grundsätzlich verboten ist, allerdings wurde in den vergangenen Jahren Ukrainisch als Sprache im öffentlichen Leben immer weiter gestärkt. (zeit.de)


20. Festspiel der deutschen Sprache

Mit einer szenischen Lesung von Schillers „Wilhelm Tell“ ging am vergangenen Wochenende das 20. Festspiel der deutschen Sprache im Goethe-Theater Bad Lauchstädt zu Ende. Ins Leben gerufen wurde es von unserer Vereinsfreundin Prof. Edda Moser, die jedes Jahr der großen deutschen Literatur eine Bühne bietet. (instagram.com/goethetheater x vereindeutschesprache x benjaminkrueger_official, instagram.com/goethetheater x vereindeutschesprache)


5. Berichte

Tag der deutschen Sprache

Zum Tag der deutschen Sprache, der vor 25 Jahren vom VDS ins Leben gerufen worden ist, gab es auch in diesem Jahr wieder mehrere Veranstaltungen. Der VDS Leipzig lud in die Stadtbibliothek: Der Sprachwissenschaftler und Autor Prof. Roland Kaehlbrandt las dort aus seinem Buch „Von der Schönheit der deutschen Sprache“. Um Redewendungen und ihre Herkunft ging es in Gera: Dr. Rainer Bertelmann erklärte den rund 60 Gästen, warum uns manche Menschen gerne mal „auf der Nase rumtanzen“ oder wir uns „keinen Bären aufbinden“ lassen sollten. Und vor der Geschäftsstelle des VDS schließlich, dem Sprachhof, wurde ein Bücherschrank eingeweiht. Ab sofort können Leseratten hier ausgelesene Bücher abgeben und neue mitnehmen. (instagram.com/vereindeutschesprache (Bücherschrank, Kamen), facebook.com/vereindeutschesprache (Bücherschrank, Kamen), tiktok.com/vereindeutschesprache (Bücherschrank, Kamen), daz-augsburg.de, instagram.com/vereindeutschesprache (Lesung Prof. Kaehlbrandt, Leipzig), facebook.com/vereindeutschesprache (Lesung Prof. Kaehlbrandt, Leipzig), instagram.com/elster07586 x vereindeutschesprache (Vortrag Dr. Bertelmann, Gera))


6. (D)englisch

d-you

Ausweise, Nachweise, Dokumente … all das soll demnächst in einem virtuellen Portemonnaie auf dem Handy abrufbar sein. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat jetzt auch den Namen des Vorhabens mitgeteilt: d-you. Auf der Plattform Heise kommentierte Moritz Förster den Plan mit „Wenn Transparenz mit einem Rätsel beginnt“. Was dieser Name soll, erschließe sich ihm nicht: „Stop mal – d-you. Was ist denn das? Eine Dating-App? Ein Jugendportal? Ein Motivationspodcast? Wer nicht ohnehin schon von der EUDI-Wallet gehört hat, wird daraus niemals schlau und installiert die App schon einmal gar nicht. So wird ein dämlicher Name zu einem unnötigen Problem.“ Ein Name entscheide nicht allein darüber, ob eine App von technik-affinen Nutzern angenommen werde, aber der Name sei der erste Berührungspunkt. Nutzer wollen ein Programm erkennen und verstehen, das sei bereits 1989 in der Technikakzeptanzforschung erkannt worden. Der erste Eindruck zähle, so Förster. „Die berechtigte Kritik an d-you ist keine Kulturkritik an Anglizismen. Kunstnamen können funktionieren. Apple erklärt keine Computer, O2 erklärt keinen Mobilfunk.“ Aber neue Techniken müssten von möglichst vielen Menschen verstanden werden, nicht nur von kleinen, technik-begeisterten Gruppen.

Ein besonders starker Kunstname sei d-you auch nicht, schreibt Förster, denn es sei zum einen nicht bekannt, wofür das d stehe. Der Bindestrich sei erklärungsbedürftig, und die nicht eindeutige Aussprache könnte bei mündlichen Anfragen in Suchmaschinen für Probleme sorgen: „d-you ist also nicht zu Englisch, sondern zu leer.“ Er schlägt stattdessen vor, das Programm „Digitale Brieftasche“ zu nennen. Bei einem solchen Namen würde klar werden: Es ist eine private Brieftasche, die man bei sich trägt, die Dokumente kontrolliert, aber eben nicht mehr in Papierform. (heise.de, heise.de (Kommentar))


7. Buchwelt

Meinungsfreiheit als Lebensform: Harald Martenstein

Ich habe mir vorhin die Freiheit genommen, meine beiden Söhne auf die legendäre Rede Martensteins vom Februar dieses Jahres im Thalia-Theater in Hamburg aufmerksam zu machen. Dort fand eine Art Schauprozess zur Frage eines AfD-Verbots statt. Martenstein hat dem Kongress mit einem atemberaubenden Feuerwerk politischer und rhetorischer Pointen vor Augen geführt, was Meinungsfreiheit in einer Demokratie seiner Auffassung nach bedeutet. Ich war noch einmal auf die Rede gestoßen, als ich die Liste der Werke des Autors durchgegangen bin, aus denen ich Ihnen etwas als Lektüre vorschlagen wollte.
Ob bei dieser Rede oder in den zahlreichen Kolumnen, die er seit Jahrzehnten in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht hat – vom Tagesspiegel, über die Zeit bis zur Bild: Sie werden sich vermutlich öfter, genau wie ich, bei dem Reflex ertappen: Verkörpert der Autor nicht genau jene praktische Vernunft eines gebildeten Bürgers, die unserem Verständnis von diesem Land guttun würde, während sich zurzeit alle Welt darin überbietet, immer neue Formen von Spaltung zu beklagen?
Greifen Sie beispielsweise zu dem Band von Kolumnen (2011, C. Bertelsmann, 207 S.) mit dem etwas verstörenden Titel: Ansichten eines Hausschweins. Der Klappentext fasst die etwa 60 Kolumnen treffend so zusammen: „Mit der Unschuldsmiene des naiven Zeitgenossen entlarvt er abgedroschene Phrasen, gängige Vorurteile, hochgejubelte Medienevents und eingeübte Alltagsbanalitäten: Jede Glosse ist ein Volltreffer ins Herz deutscher Befindlichkeit.“ Martensteins literarische Werke, z. B. der teils autobiografische Roman Wut, sind eine andere Welt. Sie lasse ich hier beiseite.
Sein journalistisches Selbstverständnis ist bestimmt von einer interessanten Mischung aus aufklärerischem Sendungsbewusstsein gegenüber seinem Welt- und Wertebild, aus Vertragstreue gegenüber seinem Auftragsgeber, aber auch aus sprungbereiter Widerständigkeit bei Meinungsverschiedenheiten. Berliner werden sich an den großen Knall beim Ausscheiden aus der Redaktion des Tagesspiegels erinnern! Der Autor selbst vergleicht sich allerdings schlicht mit einem LKW-Fahrer, der halt regelmäßig seine Zitronen-Ladung von Palermo nach Wolfsburg bringen muss.

Vergessen Sie bitte nicht, immer mal wieder einen Blick in die Netzseite unseres Verlages zu werfen: ifb-verlag.de (Dr. Kurt Gawlitta, Berlin)


Duden zu regionalen Sprachunterschieden

Knäppchen, Knust oder Rämpfla? Für das Ende vom Brot gibt es verschiedene regionale Bezeichnungen. Und auch Uhrzeiten werden nicht überall gleich angegeben. 10:15 Uhr kann „viertel nach zehn“ sein, aber auch „viertel elf“ oder „viertel über zehn“. Der Duden hat zu diesen regionalen Besonderheiten das „Große Buch der deutschen Sprache“ herausgebracht, das mit weniger Text, dafür mit vielen Karten daherkommt. Beschrieben werden Dialekte, eingewanderte Wörter, Entwicklungen von Schreibweisen, das Siezen und Duzen und das Deutsch der DDR. Ebenso gibt es eine Erklärung, wie die deutsche Sprache aufgebaut ist und wieso gerade für Nicht-Muttersprachler einige Laute schwer zu artikulieren sind. (wdr.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Holger Klatte, Dorota Wilke, Stephanie Zabel

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