Die Probleme

Die deutsche Sprache ist derzeit zwei lebensbedrohenden Attacken ausgesetzt. Lebensbedrohend in dem Sinn, dass ihre Funktionsfähigkeit als vollwertige Kultursprache gefährdet ist, in der man Wissenschaft betreiben oder Gesetzestexte, Liebesbriefe und Gedichte schreiben kann. Einmal stehen alle Sprachen und Kulturen Europas mit Ausnahme der englischen unter einem starken Globalisierungsdruck. Sie verlieren weltweit an Geltung und werden zunehmend von der angloamerikanischen Sprache und Kultur verdrängt. Speziell in Deutschland kommen dann noch die zerstörerischen Eingriffe einer vorwiegend ideologisch motivierten Genderbewegung hinzu, die an den Grundfesten unserer Sprache, der Grammatik, sägt.

Gendersprache ist antidemokratisch

Durch die Gendersprache setzt eine kleine, aber in den Spitzen von Politik und Verwaltung bestens verankerte und vernetzte Clique von angeblich für Frauenrechte eintretenden Ideologen in selbstherrlicher Weise bewährte Regeln der deutschen Grammatik außer Kraft. Gegen den Willen einer stabilen und deutlichen Mehrheit der Bürger werden in Ämtern und Universitäten absurde, behinderten- und ausländerfeindliche Sprech- und Schreibvorschriften dekretiert, verbunden mit der genauso absurden Behauptung, dass dies für die Gleichberechtigung aller Geschlechter förderlich und nötig sei. Der Verein Deutsche Sprache finanziert daher Prozesse von Personen, die sich durch solche Vorschriften in ihren Rechten angegriffen fühlen, und tritt publizistisch, durch Vorträge und die persönliche Ansprache von irregeleiteten Gendersprechern für eine sprachlich vernünftige Anerkennung der Vielfalt hier und in anderen Lebensbereichen ein.

Gendersprache ist frauen – und diversenfeindlich

Durch die Gendersprache hat noch nie eine Frau einen Euro mehr verdient. Im Gegenteil: Diese missionarischen Eingriffe in eine gewachsene Sprachstruktur machen ein durchaus berechtigtes Anliegen lächerlich. Durch die im Verein mit der Duden-Redaktion betriebene Abschaffung des „generischen Maskulinums“, das sich nach den Regeln der deutschen Grammatik (trotz seiner etwas unglücklichen Bezeichnung) auf alle Geschlechter gleichermaßen bezieht, wird die deutsche Sprache widernatürlich zwangssexualisiert, inklusive einer Entrechtung aller Personen, die sich keinem der beiden Hauptgeschlechter zugehörig fühlen.

Das grammatische Genus, dem jemand zugehört, ist nicht identisch mit dem biologischen Geschlecht. Wenn man zufällig ausgewählte Bundesbürger fragt, ob sie bei dem Wort „die Schnapsdrossel“ eher an Männer oder an Frauen denken, wird das sofort klar. Genauso ist „der Putzteufel“ für die meisten trotz des der davor immer noch eine Frau.

Gendersprache ist behinderten- und fremdenfeindlich

Die Gendersprache ist auch eine Zumutung für viele Behinderte. Bildschirmlesegeräte für Blinde funktionieren nicht mehr, und auch Autisten leiden. Viele haben sich das Kommunizieren mit kurzen Zweiwortsätzen angewöhnt und kommen damit ganz gut zurecht, aber die Gendersprache türmt nun vorher unbekannte neue Probleme vor ihnen auf. Von den rund drei Millionen Legasthenikern und Lernbehinderten in Deutschland ganz zu schweigen. Für die wird das korrekte Schreiben und Sprechen nun erst recht zu einer Qual. Viele Behindertenverbände sprechen sich deshalb gegen die Gendersprache aus. Selbst die Partei der Linken verzichtet auf ihren Netzseiten auf übertriebenes Genderdeutsch mit dem expliziten Hinweis, dass man behinderten Menschen das Leben nicht noch schwerer machen wolle als es ohnehin schon ist.

Gleiches gilt für die vielen Zuwanderer, für die das für eine erfolgreiche Eingliederung unverzichtbare Erlernen der deutschen Sprache unnötig erschwert wird.

Und dann Denglisch …

Unabhängig von der Genderbewegung leiden viele europäische Sprachen schon seit längerem an einem Verlust von Ausdrucksfähigkeit; neue Sachverhalte und Begriffe werden kaum noch in der eigenen Sprache benannt, die Beschreibung der Welt bleibt weitgehend einer fremden Sprache und Kultur überlassen. Besonders augenfällig wird dies durch die wachsende Bedeutung des Englischen in der Wirtschaft, in der Werbung und vor allem in der Wissenschaft. Neue Fachbegriffe kommen dort inzwischen fast ausschließlich aus dem Englischen. Diese sprachliche Selbstaufgabe ist mehr als eine Modeerscheinung, sie schwächt die kulturelle Eigenständigkeit der nichtanglophonen Länder. Deutlich wird dies auch durch die schwindende Bedeutung der nicht-englischen Sprachen in den Ämtern und Gremien der Europäischen Union. Da werden selbst die nach Sprecherzahlen großen Sprachen an den Rand gedrängt, darunter besonders Deutsch als die am weitesten verbreitete Muttersprache der EU. Hier tritt ein Demokratie-Defizit zutage, das die europäische Einigung langfristig zu gefährden droht.

In den deutschsprachigen Ländern ist die Anglisierung und Amerikanisierung besonders weit fortgeschritten

Die Geringschätzung der Muttersprache, der Mangel an Sprachloyalität und die schwach ausgeprägte Förderung der deutschen Sprache von staatlicher Seite gefährden besonders in Deutschland und Österreich deren Funktion als Verständigungsmittel und als der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Gleichzeitig (v)erklären Wissenschaftler, Wirtschaftsführer, Medienmacher und Politiker den Einfluss des Englischen zu einer begrüßenswerten Folge der Globalisierung. Wir beobachten insbesondere die Einführung des Englischen als Firmensprache in der Großwirtschaft, die Verdrängung der deutschen Sprache aus zahlreichen Hochschulstudiengängen, oder die fast schon zwanghafte Benutzung englischer und scheinenglischer Ausdrücke im Kultur- und Alltagsleben (Social Distancing, Lockdown, Home Office usw). Eine Wortbildung in der eigenen Sprache unterbleibt. Fachterminologien sterben ab. Die deutsche Sprache schrumpft zu einer einfachen Volkssprache, wenn nicht zu einem Dialekt.

Der Wortschatz einer Kultur ist von jeder Generation neu zu entschlüsseln und zu deuten

Ein ungeschriebener Generationenvertrag erleichterte bisher der Folgegeneration den sprachlichen Zugang zur eigenen Geschichte und Kultur und in eine selbst gestaltete Zukunft. Die verbreitete Geringschätzung unserer Landessprache stellt heute diesen Generationenvertrag in Frage. Der ständige Wechsel zwischen zwei Sprachsystemen, dem deutschen und dem englischen, mit unterschiedlicher Grammatik und Rechtschreibung, beeinträchtigt die Bereitschaft unserer Kinder und Enkel, die deutsche Sprache weiterhin schöpferisch zu nutzen und die Wirklichkeit mit ihrer Hilfe abzubilden.

Viele Wissenschaftler machen ihre Fachsprachen zum Einfallstor für englische Wörter. Sie lassen zu, dass die deutsche Sprache in der Wissenschaft ganz durch die englische verdrängt wird und somit ihre Fähigkeit zu wissenschaftlich differenziertem Ausdruck verliert

Auch wenn das Englische zum Wissens- und Gedankenaustausch über Sprachgrenzen hinweg zweifellos von Nutzen ist: Daraus folgt aber nicht, dass englischsprachige Fachausdrücke und Texte keiner Übersetzung mehr bedürften oder die Wissenschaftler nur noch Englisch sprechen sollten. Jede Fachsprache, in der kreativ gedacht wird, wurzelt (mit Ausnahme formaler Sprachen) in einer entwickelten Kultursprache und greift ständig auf deren muttersprachlichen Wortschatz und Vorrat an erklärenden Wendungen und Bildern zurück. Dies gilt auch in den Naturwissenschaften. Aus einigen ihrer Teildisziplinen hat sich die deutsche Sprache schon völlig verabschiedet.

Unsere Forderungen

  • an die Wissenschaft:
  • Erhaltung und weiterer Ausbau der deutschen Sprache in Forschung und Lehre; Deutsch als gleichberechtigte Konferenzsprache auf Kongressen in den deutschsprachigen Ländern; bessere Förderung deutschsprachiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen; Schaffung eines europäischen Zitierindexes für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Schluss mit der Praxis, Studenten und Schüler unter Androhung von schlechterer Benotung zum Gendern zu zwingen;
  • an die öffentliche Verwaltung
  • Rücknahme aller Gendersprachregelungen. Verwaltungen, Universitäten und Schulen sollen Lehrpläne sowie alle öffentlich finanzierten Leitfäden in korrektem Deutsch verfassen;
  • an die Kultusminister:
  • Deutschunterricht an den weiterbildenden Schulen bis zum Abitur; Fachunterricht (ausgenommen Fremdsprachen) ausschließlich in deutscher Sprache; besondere Förderung des Deutschen als Grundlage der Integration für Schüler mit anderer Muttersprache; Ergänzung der Hochschulgesetze der Länder oder des Hochschulrahmenrechtes des Bundes zur Sicherung des Lehrangebotes in deutscher Sprache;
  • an die Verbände für Verbraucherschutz:
  • Verständliche Bezeichnungen und Beschreibungen im Sinne der Produktsicherheit und des Verbraucherschutzes; Möglichkeiten für Verbraucher, gegen Verstöße gerichtlich vorzugehen;
  • an Firmen, Ämter und öffentlich-rechtliche Anstalten:
  • Erfüllung der Informationspflicht in der Landessprache; Schluss mit der Verunsicherung der Kunden und Bürger durch englischsprachige Bezeichnungen; Schluss mit Gender-Unfug;
  • an Politiker, Schriftsteller und Journalisten:
  • Anerkennung der Verantwortung als sprachliche Vorbilder; Verfassungsrang für die deutsche Sprache; Förderung des Deutschen als Fremdsprache; Einsatz für einen angemessenen Rang der deutschen Sprache in internationalen Organisationen;
  • an Sprachwissenschaftler und besonders an die Germanisten:
  • Mehr Bereitschaft für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung für die Sprache und deren kreative Fortentwicklung. Anerkennung linguistischer Tatbestände statt ideologisch motiviertes Zurechtbiegen der deutschen Grammatik in einer Weise, die an die Orwellsche Sprachpolizei erinnert.

Wir wünschen uns für Europa:

  • die systematische Förderung der aktiven und passiven Mehrsprachigkeit europäischer Beamten und Politiker sowie eine ausgewogene funktionale Mehrsprachigkeit (mindestens drei Arbeitssprachen) in den EU-Gremien und dementsprechend eine dem demographischen und ökonomischen Gewicht der deutschsprachigen Länder angemessene Berücksichtigung von Deutsch als Arbeitssprache.
  • die Bereitschaft auch anderer Sprachgruppen, sich für die Erhaltung ihrer Muttersprachen und die Vielsprachigkeit Europas einzusetzen.
  • mindestens zwei Pflichtfremdsprachen, darunter eine Nachbarsprache, in allen weiterführenden Schulen der EU.

Wir laden alle Sprachfreunde ein: Machen Sie bei uns mit! Als weltweit größter Sprach- und Kulturverein bieten wir eine Plattform für alle, denen die deutsche Sprache und die Sprachenvielfalt Europas am Herzen liegt, die wollen, dass auch unsere Enkel und Urenkel noch Goethe und Schiller im Originaltext lesen können.

Stand Sommer 2021