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VorwortProgrammArbeitsgruppen / Akademie

Sprachtage mit Salz, süßen Leckereien, Religion und Musik

Seinen Wohlstand verdankte Halle seinen sprudelnden Solequellen. Die „Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle“ bewahrt und pflegt das altehrwürdige Brauchtum bis heute. Die markanten barocken Kugelknöpfe am Festkleid dieser Halloren dienten der ältesten deutschen Schokoladenfabrik als Vorbild für die wohlschmeckenden „Halloren-Kugeln“. Ein weiteres bekanntes hallesches Traditionsunternehmen ist „Kathi“. Dort werden hochwertige Backmischungen hergestellt. Für die hohe Qualität seiner sprachlichen Außendarstellung wurde das Familienunternehmen vom Verein Deutsche Sprache (VDS) als „Sprachvorbild“ ausgezeichnet. Gäste, die zu den Sprachtagen im Dorint-Hotel Charlottenhof übernachten, logieren in einer ebenso noblen wie „sprachvorbildlichen“ Herberge. Einen „manager on duty“ wird man dort vergebens suchen, denn ein „Chef vom Dienst“ kümmert sich um das Wohl der Gäste. Besonders lesenswert ist die Hotelbroschüre in hallischer Mundart.

In Halle residierte knapp 30 Jahre der mächtige Kardinal Albrecht von Brandenburg in der Moritzburg, welche heute das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt beherbergt. Die unlauteren Methoden des in seinem Auftrag handelnden Predigers Johann Tetzel gaben Martin Luther in Wittenberg den Anlass zum Anschlag der 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Albrechts entblößtes Hinterteil ziert ein vom halleschen Bildhauer Bernd Göbel erschaffener Brunnen auf dem Hallmarkt. Und erregte damit die Gemüter. Nahm doch Göbel bewusst des Kardinals legendenhafte Vielweiberei und Prunksucht aufs Korn. Wie der Künstler überhaupt seine bei Einheimischen und Gästen beliebten bronzenen Brunnenfiguren die weltliche und geistliche Stadtgeschichte augenzwinkernd erzählen lässt. Unweit des Hallmarktes blickt Georg-Friedrich Händel, der in der Saalestadt das Licht der Welt erblickte, stolz und würdevoll von seinem Sockel auf dem Marktplatz sehnsüchtig gen England. Dorthin zog es den emsigen Barockmusiker im jugendlichen Alter.

Auf dem Salzgrafenplatz in der Nähe des Marktplatzes und des Hallmarktes wird sich mit der Delegiertenversammlung in der Händelhalle die Geschichte räumlich vereinen. Und unserem Verein hoffentlich richtungsweisende Impulse für die Zukunft geben. So, wie es August Hermann Francke mit der Gründung seiner Franckeschen Stiftungen tat, dessen Geist bis heute in der Schulstadt fortlebt. Bei Führungen belegen historische Zeugnisse, wie die von Francke gegründeten Stiftungen ihren Beitrag für eine Reform im Bildungswesen und für die Pflege der deutschen Sprache, der Schrift und Orthografie geleistet haben. Wie sich auch die unter Vorsitz von Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen geführte Fruchtbringende Gesellschaft von Köthen aus als erste deutsche Sprachakademie der Förderung und Entwicklung der deutschen Sprache widmete und bildungsreformerische Ziele verfolgte. Die Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen schuf in dieser Tradition die „Erlebniswelt Deutsche Sprache“, welche im Verlauf der Sprachtage besichtigt werden kann. Wie auch die Historischen Kuranlagen und das Goethe-Theater Bad Lauchstädt, der Austragungsort des jährlich von Kammersängerin Prof. Edda Moser veranstalteten „Festspiels der deutschen Sprache“, auf dem Programm der Bildungsreise stehen.

Jörg Bönisch

Mitglied im VDS-Vorstand und stellv. Leiter der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt des VDS

„Sprache und Bildung im Wandel der Zeit“

Unter dem Motto „Sprache und Bildung im Wandel der Zeit“ veranstaltet der Verein Deutsche Sprache (VDS) e. V. vom 27. bis 30. Juni die Deutschen Sprachtage 2019 in Halle (Saale). Darin eingebettet ist die VDS-Bundesdelegiertenkonferenz, die nach Merseburg (2011) und Lutherstadt Wittenberg (2015) bereits zum dritten Mal in Sachsen-Anhalt stattfindet. Erwartet werden Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sowie Sprachfreunde, Deutschlehrer und Germanisten aus dem Ausland.

Über Jahrhunderte ähneln sich die Debatten: Von Martin Luther (1483-1546), über Ludwig I., Fürst von Anhalt-Köthen (1579–1650), und August Hermann Francke (1663–1727) wird bis heute kontrovers über sprach- und bildungspolitische Inhalte diskutiert. Die Deutschen Sprachtage 2019 wollen den VDS-Mitgliedern, Delegierten und Gästen den Wandel von Sprache und Bildung der vergangenen 400 Jahre an geschichtsträchtigen Orten im Süden Sachsen-Anhalts verdeutlichen.

Ein umfangreiches Begleitprogramm ermöglicht den Delegierten und Gästen, sich am 27. und 28. Juni über das Wirken der Fruchtbringenden Gesellschaft in der „Erlebniswelt Deutsche Sprache“ im Köthener Schloss und über das Schaffen von Johann Wolfgang von Goethe in Bad Lauchstädt zu informieren. Führungen durch die Franckeschen Stiftungen zu Halle geben Einblicke in den Bildungskosmos der Schulstadt.

Zur feierlichen Eröffnung der Deutschen Sprachtage 2019 werden Marco Tullner, Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, und Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), am 28. Juni im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen zu Halle Grußworte an die Gäste richten. Prof. Helmut Obst, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen, hält den Festvortrag. Der 1116 gegründete Stadtsingechor zu Halle gibt der Veranstaltung unter der Leitung von Clemens Flämig den musikalischen Rahmen.

Bereits in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts gab Luther dem „christlichen Adel deutscher Nation“ und den „Ratsherrn aller Städte deutschen Landes“ in seinen Schriften wichtige Impulse für eine Reform des Bildungswesens. Francke griff diese Gedanken auf. Ein wesentlicher Teil seines gesamtreformatorischen Wirkens bestand im Bildungswesen. 1689 gründete er als pietistisches Sozial- und Bildungswerk die Franckeschen Stiftungen zu Halle, welche seit Herbst 2016 auch Mitglied im VDS sind.

Die Fruchtbringende Gesellschaft, die erste deutsche Sprachakademie, entstand 1617 in Weimar und wurde von Ludwig I., Fürst von Anhalt-Köthen, zur Pflege der deutschen Sprache ins Leben gerufen. Ein Jahr später brachte er den Pädagogen Wolfgang Ratke (1571–1635) nach Köthen, um das Schulwesen zu reformieren. Eigens zur Herstellung neuartiger Schulbücher wurde eine fürstliche Druckerei und damit der erste deutsche Schulbuchverlag gegründet.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ließ in Bad Lauchstädt 1802 ein Sommertheater errichten. Im einzigen noch erhaltenen Theatergebäude seines Wirkens wird mit zahlreichen Veranstaltungen bis heute Theatergeschichte geschrieben. Höhepunkt ist das alljährlich von Kammersängerin und VDS-Mitglied Prof. Edda Moser (geb. 1938) im Goethe-Theater veranstaltete „Festspiel der deutschen Sprache“. Dort werden literarische Werke gelesen, um dem Publikum die Feinheit, Reichhaltigkeit und Ausdrucksstärke der deutschen Sprache näherzubringen.

Donnerstag, 27.06.2019

Bildungsreise nach Köthen in die Erlebniswelt Deutsche Sprache und zu den Historischen Kuranlagen sowie zum Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Reiseleitung: Jörg Bönisch/Arne-Grit Gerold

  • 08.30 Uhr Treffpunkt an der Bushaltestelle auf dem Hallmarkt (Südseite)
  • 09.00 Uhr Abfahrt mit dem Bus nach Köthen
  • 10.00 Uhr Führungen durch die Erlebniswelt Deutsche Sprache im Schloss Köthen
  • 12.00 Uhr Mittagessen im Brauhaus Köthen, Am Lachsfang 1-3, 06366 Köthen
  • 13.30 Uhr Abfahrt mit dem Bus nach Bad Lauchstädt
  • 15.00 Uhr Führungen durch das Goethe-Theater, das Schillerhaus und die Historischen Kuranlagen Bad Lauchstädt
  • ca. 17.30 Uhr Rückfahrt nach Halle

Kostenbeitrag: 50 Euro p. P., der Preis enthält die Busfahrt, Eintrittspreise/Führungen und das Mittagessen (einschl. eines Kaltgetränks – Limo oder Bier)

Freitag, 28.06.2019

Stadtführungen, Herumführung durch die Franckeschen Stiftungen zu Halle, Arbeitsgruppen, VDS-Akademie, feierliche Eröffnungsveranstaltung

  • 11.00 Uhr Stadtführungen (Gruppen zu je 25 Personen) Treffpunkt: Händel-Denkmal, Marktplatz
    • Altstadtbummel Des Kardinals* geliebte Stadt
      * Kardinal Albrecht zu Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Mainz sowie Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, residierte im 16. Jahrhundert knapp 30 Jahre in Halle. Die Führungen enden um 12.30 Uhr zur Mittagspause an den Franckeschen Stiftungen (Mensa, Haus 27). Sie können vor Ort entscheiden, welche Stadtführung Sie mitmachen möchten

oder

  • 11.00 Uhr Herumführung durch die Franckeschen Stiftungen (2 Gruppen zu je 25 Personen, bei großer Nachfrage dritte Gruppe möglich)
    Treffpunkt: Franckesche Stiftungen, Haus 1 – Historisches Waisenhaus, Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale)
    Themenführung „Der Stifter und sein Werk“
  • 12.30 Uhr Mittagspause
    Mittagessen (auf Selbstzahlerbasis) in der Mensa des Studentenwerks im Historischen Speisesaal der Franckeschen Stiftungen (Haus 27).

Arbeitsgruppen in den Franckeschen Stiftungen

Treffpunkt: Franckesche Stiftungen, Haus 1 – Historisches Waisenhaus, Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale)
(Räume werden gesondert bekanntgegeben)

  • 13.30 Uhr Arbeitsgruppen/VDS-Akademie (Reiter Arbeitsgruppen/Akademie)
  • 15.00 Uhr Kaffeepause mit KATHI-Kuchenbuffet im Haus 1 – Historisches Waisenhaus (Tagungsetage)
  • 15.30 Uhr Fortführung Arbeitsgruppen/VDS-Akademie (Reiter Arbeitsgruppen/Akademie)
  • Ende gegen 17.00 Uhr

18.00 Uhr Feierliche Eröffnung der Deutschen Sprachtage 2019 im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen (Haus 1 – Historisches Waisenhaus)

  • Einstimmung: Stadtsingechor zu Halle unter Leitung von Clemens Flämig
    Fredrik Sixten: „Alleluja“
    Franz Kugler/Friedrich Ernst Fesca: „An der Saale hellem Strande“
    Heinrich Heine/Clara Schumann: „Lorelei“
  • Begrüßung: Prof. Dr. Walter Krämer, Vorstandsvorsitzender des VDS
  • Grußwort: Marco Tullner, Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt
  • Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale) und VDS-Mitglied, Schirmherr der Deutschen Sprachtage 2019
  • Überleitung: Arne-Grit Gerold, Leiterin Regionalgruppe Sachsen-Anhalt des VDS
  • Festvortrag: Prof. Dr. Helmut Obst, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen zu Halle und VDS-Mitglied
  • Die Reform von deutscher Schrift und Sprache als Teil der Universalreform August Hermann Franckes und des halleschen Pietismus
  • Schlusswort: Jörg Bönisch, Mitglied im VDS-Vorstand und stellv. Leiter der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt des VDS
  • Anschließend Ausklang mit Stehempfang vor dem Freylinghausen-Saal und im Lindenhof, Imbiss angerichtet von der Nudelmanufaktur Tranquebar.

Samstag, 29.06.2019

Bundesdelegiertenversammlung und Sitzung des Wissenschaftlichen Beirats

Ort: Händelhalle, Salzgrafenplatz 1, 06108 Halle (Saale)

  • 10.00-12.30 Uhr
    • Eröffnung, Grußworte
    • Sonstige Regularien
    • Bericht des Vorstands
    • Bericht der Kassenprüfer
    • Entlastung des geschäftsführenden Vorstands
  • 12.30 – 14.00 Uhr Mittagessen
  • 14.00 – 15.30 Uhr
    • Gerhard-Junker-Preis
    • Berichte aus den Arbeitsgruppen
  • 15.30 – 16.15 Uhr
    • Kaffeepause
    • Sitzung des wissenschaftlichen Beirates (nicht öffentlich)
    • Sprechstunde des Vorstands
  • 16.15 – 17.30 Uhr
    • Berichte aus den Regionen
    • Verschiedenes, Schlusswort
  • ab 18.30 Uhr gemeinsames Abendessen und gemütliches Beisammensein am Ufer der Saale
    • Ort: Palais’S, Ankerstraße 3c, 06108 Halle (Saale)
    • Kostenbeitrag: 20 Euro p. P. zzgl. Getränke

Sonntag, 30.06.2019

Sitzung des VDS-Vorstands

Dorint-Hotel Charlottenhof, Dorotheenstraße 12, 06108 Halle (Saale)

  • 09.30 Uhr Vorstandssitzung im Dorint-Hotel Halle

Wer am Tag nach der Delegiertenversammlung noch nicht sofort abreisen, sondern sich etwas in der Umgebung anschauen möchte, kann z. B. folgende kulturelle Angebote in Eigenregie und auf Selbstzahlerbasis wahrnehmen:

  • 11-12 Uhr Einstündige Saalefahrt MS Händel II, Abfahrt und Ankunft am Schiffsanleger, Riveufer 5/Ecke Rainstraße, 06114 Halle (Saale)
    • Route: Riveufer – Ziegelwiese – Peißnitzbrücke – Gut Gimritz – Elisabethsaale – Stadthafen – Peißnitzinsel – Wilde Saale – Giebichensteinbrücke – Burg Giebichenstein – Krug zum Grünen Kranze – Klausberge bis zur ehemaligen Papierfabrik Kröllwitz und zurück zum Anleger am Riveufer
    • Preis: 9,50 Euro pro Person

oder

  • Besuch des Schokoladenmuseums (mit Werksverkauf)
    • Halloren Schokoladenfabrik, Delitzscher Straße 70, 06112 Halle (Saale)
    • Eintritt: 6 Euro pro Person
    • Öffnungszeit: 11-17 Uhr

13.30 – 15 Uhr

Arbeitsgruppen 1 bis 5

  • Anja Mitschke: Für ein ausgefeiltes Sprachbewusstsein – so funktioniert Sprachpflege. Wer Sprache beeinflussen will, muss das Sprachbewusstsein schärfen.
  • Marc Glunde: Für den VDS reden – selbstbewusst und frei vor Publikum und Presse sprechen
  • Oddný G. Sverrisdóttir: Kurzeinführung in die isländische Sprache – eine spannende Begegnung mit einer unbekannten Verwandten
  • Dieter Rasch: Dialekte und die Regionalsprache Niederdeutsch – Vortrag und Diskussion
  • Kurt Gawlitta: Argumentieren für den VDS – welche Argumente überzeugen?

15.30 – 17 Uhr

Arbeitsgruppen 6 bis 10

  • Heiko Mitschke: 15.172 neue Mitglieder durch Geschichten erzählen. Spannende Geschichten verleiten zum Zuhören. Welche Geschichten hat der VDS zu erzählen, die seine Identität verkörpern?
  • Reiner Pogarell: Begeistern statt nölen – Wie kam es zum Paderborner Impuls? – Welche Auswirkungen muss der Impuls bekommen?
  • Bjørn Akstinat: Treffen der jungen VDSler
  • Manfred Schroeder: Treffen der ausländischen Delegierten
  • Jörg Bönisch: Regionalleiteraustausch – Was läuft gut bei uns in der Region? – Wo hakt es? – Freier Austausch – Freie Diskussion

Räume werden vor Ort per Aushang bekanntgegeben.