Infobrief vom 16. Oktober 2026: Kommunikation zwischen Arzt und Patient

1. Presseschau

Kommunikation zwischen Arzt und Patient

Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert die Behandlung. Ärzte sollten daher nicht nur medizinisch fachkompetent antworten, sondern auch eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre gewährleisten. Das und die Wortwahl sowie der Tonfall können helfen, Erkrankungen zu erleichtern und Therapien zu unterstützen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Sven Benson vom Universitätsklinikum Essen. Die Mediziner haben sogenannte „Noceboeffekte“ untersucht, die oft durch angsteinflößende Informationen, schlechte Vorerfahrungen, die Beobachtung anderer Personen oder eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper verursacht werden. Ungünstige Folgen für die Gesundheit entstehen also durch negative Erwartungen. Hier ließe sich durch gute Kommunikation zwischen Arzt/Pfleger und Patient Abhilfe schaffen.

Wenn sich Patienten ernst genommen fühlen und Ärzte auf ihre Sorgen eingehen, sprechen sie offener über ihre Beschwerden oder Probleme bei der Behandlung. Auch sollten mögliche Nebenwirkungen zwar angesprochen, aber nicht übermäßig negativ dargestellt werden, das könnte Patienten verunsichern und dafür sorgen, dass sie aus Angst ihre Medikamente nicht einnehmen.

In Zeiten des Internets und Dr. Google würden zudem Beschwerden häufig gegoogelt. Ärzte sollten den Patienten nach solchen Einwänden ernst nehmen und nicht abwerten, sondern stattdessen die Internet-Antworten fachlich einordnen. (biermann-medizin.de)


Sorbisch-Lehramt eingeführt

An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) wurde zum Start des Wintersemesters der Studiengang Sorbisch/Wendisch für angehende Grundschullehrer eingeführt. Fünf der zwölf verfügbaren Studienplätze wurden bislang besetzt. Die Lehramtsstudenten studieren insgesamt fünfeinhalb Jahre lang Sorbisch/Wendisch in Kombination mit Deutsch oder Mathematik. Mit dem neuen Studienangebot will Brandenburg den zweisprachigen Unterricht stärken und zum Erhalt des vom Aussterben bedrohten Niedersorbischen beitragen. Bislang war eine entsprechende Lehramtsausbildung nur an der Universität Leipzig möglich. Julia Busch, eine der eingeschriebenen Studentinnen, erklärt, dass sie die Sprache Kindern und Jugendlichen näherbringen wolle. Und auch Lea Schubert aus dem Spreewald, ebenfalls eingeschrieben für Sorbisch/Wendisch an der BTU, berichtet, dass die Lausitz ihre Heimat sei und sie deshalb das Sorbisch-Lehramt anstrebe. Die slawische Minderheit der Sorben und Wenden ist seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz ansässig. Schätzungsweise bis zu 60.000 Sorben/Wenden leben heute in Brandenburg und Sachsen. (rbb24.de)


„Herzstücke“ und weitere KI-Floskeln in den Medien

Wer im Alltag oft die KI nutzt, dessen Sprache passt sich ihr unweigerlich an. Eine solche Beeinflussung lässt sich auch in den Medien beobachten. Die Analyse der Linguistin Julia Krasselt, Professorin an der Zürcher Hochschule, zeigt, dass bestimmte, für KI-Sprachmodelle typische Wörter und Satzkonstruktionen seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 in Texten Deutschschweizer Medien deutlich häufiger vorkommen. So habe sich beispielsweise die Verwendung des Wortes „Herzstück“ verdoppelt. Auch die Begriffe „entscheidend“, „präzise“, „zutiefst“ und „unterstreichen“ sowie rhetorische Dreiklänge und Satzkonstruktionen wie „nicht nur …, sondern auch“ seien häufiger geworden. Das meistdiskutierte Merkmal von KI-Sprache sei weiterhin der Gedankenstrich. Dass Menschen die KI-Ausdrücke in den alltäglichen Sprachgebrauch aufnehmen, bewies eine Studie des Max-Planck-Instituts bereits fürs Englische. Man bezeichnet dieses Phänomen als einen „kulturellen Feedback-Loop“. Krasselt erkennt dies auch im Deutschen. Eine solche Entwicklung erschüttere allerdings das Vertrauen in die Sprache und werfe die Frage auf, ob Texte und Reden tatsächlich von Menschen verfasst wurden. Laut Krasselt sei es auch denkbar, dass Journalisten typische KI-Formulierungen unbewusst in ihren eigenen Sprachgebrauch übernehmen. Die KI-Sprache berge zudem die Gefahr, dass sich Schreiber von Floskeln beeinflussen lassen und die eigentlichen Kernaussagen nicht mehr getroffen werden. (nzz.ch (Bezahlschranke))


Forscher entlarven Sprache von Psychopathen

Die Wortwahl von Menschen kann psychopathische Persönlichkeitszüge aufdecken, das behaupten Forscher der Universität von Mississippi in einer neuen Studie. Ky Bray und Laura Drislane befragten hierfür 451 Teilnehmer, darunter Studenten und auch 144 Personen, die bereits einmal im Gefängnis saßen. Sie sollten einen Selbstbeurteilungsfragebogen ausfüllen, mit dem die Ausprägung der drei psychopathischen Merkmale Kühnheit, Kaltherzigkeit und Enthemmung erfasst wurde. Außerdem sollten die Teilnehmer schriftlich über Höhepunkte und Tiefpunkte ihres Lebens berichten. Die Forscher untersuchten daraufhin die Texte mithilfe einer Analysesoftware auf sprachliche Auffälligkeiten. Dabei zeigte sich, dass Menschen mit höheren Werten bei Kühnheit seltener Wörter verwendeten, die mit Angst oder Sorgen zusammenhängen. Personen mit ausgeprägter Kaltherzigkeit nutzten dagegen häufiger positiv besetzte sowie leistungs- und belohnungsbezogene Begriffe. Teilnehmer mit höheren Werten bei Enthemmung verwendeten hingegen häufiger negative Wörter und erwähnten seltener Freunde. Die Forscher betonen allerdings, dass sich eine Psychopathie nicht allein anhand der Sprache diagnostizieren lasse. Jeder Mensch weise ein gewisses Maß an Kühnheit, Kaltherzigkeit und Enthemmung auf. Psychopathie zeige sich allerdings auch im alltäglichen Verhalten, etwa in der Sprache. (n-tv.de)


Sprachvielfalt durch Anatomie

Rund 7.000 Sprachen gibt es weltweit – und neben Kultur und Geschichte könnte die Anatomie als solche der Grund für diese Vielfalt sein. Jeder Mensch verfügt über einen einzigartigen Sprechapparat. Forscher der Universität Zürich und des Institute for Basic Science im südkoreanischen Busan haben unter anderem die Artikulation von Vokalen untersucht. Bei einem Echtzeit-MRT mussten die Testpersonen die Vokale A, E, I, O und U im US-amerikanischen Englisch aussprechen. Dabei zeigte sich, dass die Probanden den Mund- und Rachenraum, in dem die Töne entstehen, unterschiedlich nutzten, um den gleichen Laut hervorzubringen. Auch bei Kontrollen mit nicht-englischen Proben zeigte sich eine Variation. „Daraus schließen die Fachleute, dass innerhalb jeder Sprache wohl ein grundlegendes Maß an Sprechervariation existiert, das auf die Anatomie des Vokaltrakts zurückzuführen ist“, schreibt Julia Sica in Der Standard. (derstandard.at)


Deutsches Übersetzungsprojekt überzeugt Jury

Der britische James Dyson Award ist ein internationaler Design- und Ingenieurwettbewerb, der seit 2002 studentische Erfindungen auszeichnet. Eine deutsche Erfindung von Samuel Nagel und Paul Feiler von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd hat es nun unter die 20 internationalen Finalisten geschafft. Mit „NURA“, einem digitalen Armband, wollen die beiden die Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Gebärdensprachkenntnisse erleichtern. Laut der Erfinder übertrage NURA Gebärdensprache in gesprochene Sprache und umgekehrt gesprochene Wörter als Text auf einem Bildschirm. Hierfür erfassten Sensoren am Handgelenk und Unterarm die Muskelbewegungen beim Gebärden und wandelten diese in Sprache um. Eine Kamera erkenne zudem Gesichtsausdrücke, die für die Bedeutung von Gebärden wichtig sei. Bislang existiere allerdings nur ein erster Prototyp, der mithilfe eines Bewegungssensors sechs Gebärden erkennen und laut ausgeben kann. Mehrere Unternehmen haben bereits ihr Interesse am Projekt geäußert, allerdings wollen Nagel und Feiler die Technik zunächst verbessern und ihr Bachelorstudium abschließen. Die internationalen Gewinner des James Dyson Award werden am 4. November bekanntgegeben und erhalten jeweils 30.000 britische Pfund (34.600 Euro), um die Weiterentwicklung voranzutreiben. (braunschweiger-zeitung.de)

2. Sprachspiele: Unser Deutsch

Knöllchen

Wir denken heute bei diesem Wort zuerst an den Strafzettel, den eine Politesse an die Windschutzscheibe des Autos geklemmt hat. Bußgeld für falsches Parken, zu schnell gefahren und andere kleine Verstöße. Eigentlich, wörtlich genommen, ist das Knöllchen eine kleine Knolle, aber damit haben wir heutzutage seltener zu tun. Wer baut schon Gemüse an in seinem Garten, wenn er denn einen hat. Ich stelle mir das Knöllchen immer rund vor, nicht wie einen zusammengefalteten Zettel. Aber irgendwann hat sich diese übertragene, verniedlichende Bezeichnung eingebürgert, ein Euphemismus für die Geldbuße, die schnellstens zu begleichen ist, sonst wird es teuer.

Für die Kommunen, die das Geld kassieren, sind das willkommene Einnahmen. Sie kalkulieren sie schon ein bei ihrer Haushaltsplanung. Die Einnahmeseite zu maximieren ist immer leichter als die Ausgaben zu minimieren. Es ist eine heikle Aufgabe, abzuwägen zwischen der Sorge um den fließenden und den ruhenden Verkehr sowie dem Erwerbstrieb für die öffentlichen Kassen. Im Großraum Nürnberg haben vier Städte hierfür schon 2009 einen sogenannten ‚Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung‘ eingerichtet, mit eigener Satzung und eigenem Personal. Eben eine eigene Behörde. Sie erheben auf ihre Weise eine Art kommunale Verkehrssteuer.

Unlängst fiel mir auf, dass die 30er-Zonen in meiner Stadt ausgeweitet wurden. Weit über den Hauptzweck der Verkehrssicherung und der Schonung von Schulen, Kindergärten und Altenheimen hinaus. Außerdem wurde die regelmäßige Kontrolle der Innenstadt erhöht. Auch die Radfahrer hat es jetzt erwischt, die verbotenerweise durch die Fußgängerzone radeln. 25 Euro. So werden endlich auch die weniger Begüterten zur Förderung der klammen Stadtkasse herangezogen. Honi soit qui mal y pense – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nur eines geht nach und nach verloren: das Vertrauen in die kommunale Politik, die (wie es heißt) „Basis aller Demokratie“.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de.


3. Kultur

Jugendwort des Jahres: Ragebait

„Ragebait“ ist zum Jugendwort des Jahres gewählt worden, das hat der Langenscheidt-Verlag auf seiner Internetseite mitgeteilt. Damit werden Aussagen beschrieben, die absichtlich so getätigt werden, dass das Gegenüber mit Wut oder Ärger darauf reagiert, also im wahrsten Sinne des Wortes ein „Wutköder“. Auf viele, die ohne Jugendwort-Wahl durch ihre Jugendzeit gekommen sind, wirkt diese Wahl oft merkwürdig, doch Jugendliche bräuchten eine eigene Sprache, so tagesschau.de. Der Linguist Roland Kaehlbrandt hält fest, dass Jugendsprache in einem nicht kontrollierbaren Prozess entstehe, der sehr spontan verlaufe und inzwischen oft durch Soziale Medien angetrieben würde. Abgrenzung sei das Ziel, daher sei es auch für Jugendliche eher bizarr, wenn Erwachsene diese Abgrenzung über eine Wahl erklärten und kanonisierten. „Der Sinn der Jugendsprache ist: Man will gar nicht unbedingt von den Älteren verstanden werden“, so Kaehlbrandt. Wichtiger sei die Identifikation mit der Szene, provokant, schnell, lässig, ironisch. Jugendsprache sei Teil einer Selbstinszenierung, der man „mit Verständnis, mit Humor, aber auch mit Interesse“ begegnen solle, sagt Kaehlbrandt. (langenscheidt.com, tagesschau.de, tagesschau.de)


4. Berichte

VDS-Akademie macht fit fürs Vorlesen

Der Bundesweite Vorlesetag am Freitag, dem 20. November, bietet Sprachfreunden, die sich engagieren wollen, eine gute Gelegenheit, in Kindergärten, Grundschulen und anderen Einrichtungen interessierten Gruppen vorzulesen und damit einen Beitrag zur bildungssprachlich orientierten Unterhaltung sowie zur Stärkung der Lesemotivation, besonders bei Kindern und Jugendlichen, zu leisten. Der VDS unterstützt lesewillige Mitglieder und Freunde gerne bei der Vorbereitung und Auswahl geeigneter Texte. Ansprechpartner ist claus.maas@vds-ev.de. Am 22. Oktober von 15:30 Uhr bis 17:00 Uhr gibt VDS-Vorstandsmitglied Claus Maas im Rahmen der VDS-Akademie in einem vorbereitenden Online-Vortrag Hinweise dazu, wie man sich auf eine Vorleseaktion vorbereitet und worauf man beim Vorlesen achten sollte. Über den Bundesweiten Vorlesetag hinaus bezieht er sich dabei auch auf das Vorlesen und Lesen in Kitas, Vor- und Grundschulen und weiteren Alltagseinrichtungen. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden sich unter vds-ev.de.


„Auf Sprachwegen“ mit dem VDS

Mit dem neuen Veranstaltungsformat „Auf Sprachwegen“ bietet der Verein Deutsche Sprache e. V. seinen Mitgliedern und Interessierten die Möglichkeit, sich unterwegs mit Sprachthemen zu beschäftigen und diese hautnah zu erleben. Im Rahmen eintägiger Bildungsfahrten zeigen wir hierbei, wie eine Region klingt, spricht, erzählt und aussieht. Dabei verbinden wir den Besuch kulturell bedeutsamer Orte mit Vorträgen, Lesungen und Begegnungen mit Autoren, Wissenschaftlern und anderen Menschen mit besonderem Bezug zur Sprache und Geschichte einer Region. Auch kulinarisch möchten wir die Besonderheiten der jeweiligen Region kennenlernen.

Unsere erste Sprachreise führt uns am Donnerstag, dem 19. November 2026, nach Telgte und Münster. Dort begeben wir uns auf die Spuren von Günter Grass, dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem rotwelschen Dialekt Masematte. Die Teilnahmegebühr für die Fahrt nach Telgte und Münster beträgt 80 Euro (inklusive Fahrt und Verpflegung). Wer ab Münster dazustößt, zahlt 55 Euro (inklusive Verpflegung). Weitere Fahrten in andere sprachlich und kulturell bedeutsame Regionen sind bereits in Planung.

Informationen zum Programm und zur Anmeldung befinden sich unter: vds-ev.de.


5. Soziale Medien

Bedienungsanleitungen mal anders

In unserer lockeren Reihe „Die schönsten Bedienungsanleitungen auf Deutsch” stellen wir diese Woche einen Taschenrechner vor, absolut verständlich erklärt. (facebook.com/vds, instagram.com/vds, x.com/vds)


6. Buchwelt

Deutscher Buchpreis verliehen

Die Schriftstellerin Shida Bazyar ist für ihren Heimatroman „Die Lücken“ mit dem Deutschen Buchpreis 2026 ausgezeichnet worden. Die Geschichte spielt in dem fiktiven Dorf Heimesbach und erzählt anhand einzelner Lebensgeschichten fast 100 Jahre deutscher Geschichte. Dabei werden zwei Handlungsstränge miteinander verwoben. Auf der einen Seite stehen das Leben einer jüdischen Familie in der NS-Zeit, ihre Verfolgung und das Wegsehen der Nachbarn, auf der anderen Seite die Geschichte einer iranischen Familie, die sich Jahrzehnte später nach ihrer Flucht nach Deutschland mit Fragen der Zugehörigkeit und Ausgrenzung auseinandersetzen muss. Erzählerin ist eine verstorbene Dorfbewohnerin, die als eine Art Geist durch diese Zeiten wandert und Zusammenhänge erklärt, die den lebenden Dorfbewohnern teilweise verborgen bleiben.

Der Deutsche Buchpreis, der zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse in Frankfurt a. M. verliehen wird, ist mit 25.000 Euro dotiert. Insgesamt hat die Jury 205 Romane gesichtet, 20 von ihnen kamen auf die „Longlist“, sechs auf die „Shortlist“, aus denen dann das Siegerbuch gekürt wurde. (ndr.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel

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