Infobrief vom 23. Januar 2026: Färöische Sprachgeschichte

1. Presseschau

Färöische Sprachgeschichte

Steile Klippen, karges Land, verteilt auf viele kleine Inseln, die mit Fähren oder Brücken miteinander verbunden sind: Die Färöer-Inseln bemühen sich sehr, möglichst wenig einladend zu wirken. Nur knapp 55.000 Menschen leben hier, weltweit sprechen rund 75.000 Menschen Färöisch – eine kleine germanische Sprache – als Muttersprache. Viele Aspekte des Färöischen waren bisher kaum erforscht, doch das ändert sich jetzt. Im Moment entsteht eine mehrbändige färöische Sprachgeschichte (Føroysk málsøga), der erste Band ist kürzlich erschienen – komplett auf Färöisch. An der Arbeit haben auch Sprachwissenschaftler der Universität Greifswald mitgearbeitet, von dort kam auch die Initialzündung. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein Werk zu veröffentlichen, das die färöische Sprachgeschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet“, so Prof. Dr. Christer Lindqvist. Insgesamt erläutern in den geplanten fünf Bänden 21 Autoren das Zusammenspiel von Sprachwandel, -ideologie, -politik und gesellschaftlichen Entwicklungen. Dabei spannt das Gesamtwerk einen Bogen von der ersten Besiedlung im Mittelalter bis heute und beleuchtet sowohl Dialekte als auch die Fachsprache. ( uepo.de)


Weniger KI im Unterricht

Laut des neuen Berichts der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kann der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Schulunterricht zwar bei der Lösung von Aufgaben helfen, führt aber nicht zu besseren Lernerfolgen bei den Schülern. Denn wenn Schüler Aufgaben zunehmend von KI-Programmen erledigen ließen, bestünde die Gefahr, dass sie Inhalte zwar erledigten, aber nicht verstünden.

Die OECD verweist auf Untersuchungen, wonach Schüler mit Zugang zu KI-Chatbots zwar kurzfristig bessere Ergebnisse erzielen, in Prüfungssituationen ohne KI-Unterstützung verschwinde dieser Vorteil jedoch und die Noten fallen schlechter aus. Es wird empfohlen, KI-Anwendungen stets mit einem pädagogischen Ziel einzusetzen. Insbesondere unerfahrenen Lehrern werde dazu geraten, die KI nur selektiv und zielgerichtet im Unterricht einzusetzen, da nicht nur das Verständnis, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern gefährdet werden. ( spiegel.de)


Deutsche Minderheit in Dänemark

Dänemark stärkt die Rechte der deutschen Minderheit in Dänemark. Laut Nordschleswiger hat die Regierung elf zusätzliche Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen übernommen und bekennt sich damit noch deutlicher zur deutschen Sprache, Kultur und Identität. Das dänisch-deutsche Zusammenleben würde so gestärkt, sagte Außenminister Lars Løkke Rasmussen in einer Mitteilung des Kulturministeriums.

Konkret verpflichtet sich Dänemark dazu, Vor‑ und Grundschulunterricht in der betreffenden Minderheitensprache anzubieten, die Nutzung der Sprache vor Gerichten zu ermöglichen, zweisprachige amtliche Dokumente zuzulassen sowie traditionelle deutsche Ortsnamen offiziell zu verwenden. Auch wirtschaftliche und soziale Aktivitäten sollten künftig auf Deutsch erfolgen, um den Alltag der Minderheit spürbar zu erleichtern.

„Das Grenzland zeigt, dass verschiedene Sprachen und Kulturen friedlich Seite an Seite leben können, und die deutsche Minderheit spielt in Nordschleswig eine ganz besondere Rolle“, sagt Løkke Rasmussen. ( nordschleswiger.dk)


Navigieren per Sprachsteuerung

An Bord eines Schiffes ist klar: Die Brücke muss immer besetzt sein. Gerade in Küstennähe sind Navigationskenntnisse und Erfahrung unabdingbar. Doch in Zeiten von Personalmangel sind nicht immer zwei Augenpaare auf der Brücke. Das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen in Hamburg forscht an Möglichkeiten, die Schifffahrt sicherer zu machen. Gearbeitet wird hier an einem Modul, das erlaubt, ein Schiff per Sprache zu steuern. So kann man die Maschinen per Sprache anweisen, mehr Schub zu geben, statt Knöpfe zu drücken. Die Forscher sehen die Sprachsteuerung als digitalen Rudergänger, der die Arbeit erleichtert. ( ndr.de)


Die Sprache der Purpurhühner

Bisher kannte man nur von Primaten, Walen oder Singvögeln, dass sie Laute zu komplexen Rufsequenzen zusammensetzen können. Jetzt haben Forscher dieses Phänomen auch an Purpurhühnern entdeckt. Sie fanden zwei aufeinander aufbauende Organisationsebenen in der Sprache der Purpurhühner, die jeweils eigenen Kombinationsregeln folgen. Zunächst hörten die Forscher die Nester mehrerer Purpurhuhn-Gruppen ab und klassifizierten die aufgenommenen Töne, unter anderem auch durch eine grafische Darstellung der Signale. Anschließend wurde die zeitliche Abfolge der Laute unter die Lupe genommen. Die Forscher konnten feststellen, dass die Tiere die Rufe kombinierten und die zeitliche Abfolge veränderten. So würden die Purpurhühner ihre Rufe organisieren, das lasse auf ein „sehr anspruchsvolles, strukturiertes Kommunikationssystem“ schließen. Jetzt gelte es, die genaue Bedeutung der Lautelemente und ihrer Kombinationen herauszufinden. ( presseportal.de)


2. Gendersprache

Genderzwang an Berliner Grundschule

Die Berliner Zeitung berichtet über einen Fall an einer Grundschule im Berliner Bezirk Pankow, an der Gendersprache „verwirrend“, „kompliziert“ und „gezwungen“ durchgesetzt wird. Konkret geht es um die Maria-Leo-Grundschule, die als pädagogisches Vorzeigemodell gilt und 2025 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde. Interne Unterlagen sowie eine E-Mail eines Kindes legen nahe, dass die Gendersprache dort zwar offiziell als Angebot bezeichnet wird, im Schulalltag jedoch mit sozialem Druck erwartet wird. Die Schule erhielt den Deutschen Schulpreis insbesondere für ihr sogenanntes Lernhaus-Prinzip. Der Unterricht findet nicht mehr im klassischen Klassenraum statt, sondern in offenen Lernumgebungen, unterstützt von „multiprofessionellen Teams“. Das Raumkonzept ist in sogenannte „Compartments“ gegliedert, also in Abteilungen oder Fachbereiche. Auch sprachlich bricht die Maria-Leo-Grundschule mit Traditionen, denn Lehrer werden als „Coaches“ bezeichnet und Schüler sind „Lernende“. In schulinternen Verträgen, die Voraussetzung für bestimmte Lernstufen und Privilegien sind, etwa für den Zugang zu „digitaler Hardware“ oder die Möglichkeit, an anderen Orten zu lernen, wird durchgehend gegendert. Wer diese Vereinbarungen nicht akzeptieren möchte, muss dies begründen.

Die Initiative „Stoppt Gendern“, die vom VDS unterstützt wird, berichtet über eine E-Mail eines Schülers, der den Schulalltag an der Maria-Leo-Grundschule als sprachliche Überforderung beschreibt. Das Kind fühle sich „sehr gezwungen“, die komplexen Sprachregelungen mitzutragen. Zur Begründung sei ihm erklärt worden, dass Gendern die Demokratie stärke und deshalb notwendig sei. Die zuständige Berliner Senatsverwaltung weist den Vorwurf eines Zwangs zurück. Gendergerechte Sprache sei kein verpflichtender Bestandteil von Leistungsbewertungen oder Verträgen, sondern Teil der Demokratie- und Wertebildung.

Sabine Mertens, Initiatorin von „Stoppt Gendern“ und Vorstandsmitglied des VDS, kritisiert diese Entwicklung und warnt vor dem Verlust gemeinsamer sprachlicher Standards. Gerade im Grundschulalter könne eine zusätzliche sprachliche Normierung Kinder überfordern und Unsicherheit erzeugen. Mit Blick auf Fälle wie den an der Maria-Leo-Grundschule spricht Mertens von einem „gendersprachlichen Chaos“, unter dem mittlerweile auch Kinder litten – mit Folgen für ihre Lernentwicklung. ( berliner-zeitung.de (Bezahlschranke))

3. Sprachspiele: Unser Deutsch

Sondervermögen

So heißt das neueste Unwort des Jahres. Marburger Sprachwissenschaftler wollen damit kritisch hervorheben, dass diese Verwendung des Wortes eine absichtsvolle Verschleierung sei. Das sogenannte Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sei in Wahrheit ein riesiger Schuldenberg. Denn Vermögen bezeichnet im üblichen Sprachgebrauch – so schreibt der Duden – einen ‚Besitz von erheblichem Wert‘. Man kann es vererben, ausgeben oder auch verlieren. Die Bundesregierung lässt dazu erklären, solche Sondervermögen seien überhaupt nichts Neues. Man kenne sie aus vielen früheren Regierungen. Damit werde niemand hinters Licht geführt. Inzwischen hat die Verteilung der Mittel auf Länder und Kommunen begonnen. Das dürfte die Kritik an dieser verbalen Schwindelei verblassen lassen.

Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Das hängt vielleicht auch mit dem Bestimmungsglied sonder- in dieser Zusammensetzung zusammen. Wir befragen dazu das Duden Universalwörterbuch. Es enthält über fünfzig Zusammensetzungen mit dem Attribut sonder-, von Sonderabfall über Sondermüll bis Sonderzug. Immer geht es um eine Spezifizierung des Grundwortes, eine Ausnahme, eine Besonderheit. Das kann man auch am Sondervermögen erkennen. Es soll einem bestimmten Zweck dienen. Dafür ist es in der Tat ein Vermögen, wenn auch gepumpt.

Allerdings gibt es unter diesen Wörtern zwei üble Vertreter verbaler Verschleierung, die Sonderbehandlung der Nazis, diese millionenhafte, systematische Ermordung ganzer Volksgruppen, von tausenden Behinderten und Regimegegnern. Ganz ähnlich versucht Putin den russischen Überfall auf die Ukraine als Sonderoperation zu verharmlosen. Die Verschleierung steckt in der Verwendung der Grundwörter Behandlung bzw. Operation, die ja nichts Mörderisches oder Kriegerisches beinhalten. Die planvolle, die verordnete Verwendung von Sonderbehandlung und Sonderoperation ist nicht bloß ein Euphemismus, sie ist eine dreiste, eine bewusste politische Lüge. Auch dies gehört zur Nachbarschaft von Sondervermögen, das charakteristischerweise eine Besonderheit des politischen Fachwortschatzes ist.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de .


4. Kultur

Im Tandem Sprachen lernen

Der DRK-Kreisverband Siegen-Wittgenstein bietet jetzt Tandemkurse zum Sprachenlernen an. An vielen größeren Unis gibt es solche Projekte bereits seit Jahren: Zwei Personen mit völlig unterschiedlichen Muttersprachen und nahezu keiner Kenntnis der jeweils anderen Sprache lernen gemeinsam, indem sie sich treffen und austauschen – zunächst meist mit Händen und Füßen, dann auch immer mehr sprachlich. Dabei geht es darum, Sprachpraxis zu bekommen, sich gegenseitig zu verbessern und Tipps zu geben. Das Lernen selbst soll nicht als Lernen wahrgenommen werden, sondern als beiläufiges Miteinander. Das Sprachlernangebot startet im Januar und richtet sich an alle Interessierten ab 18 Jahren. Interessierte können sich per E-Mail an integration@siegen-wittgenstein.de wenden, dabei sollten sie neben den üblichen Daten zur Person auch Infos zur Muttersprache, Wunschsprache und dem Sprachniveau angeben. Nach der Anmeldung gibt es ein Kennenlernen, im besten Fall finden sich dann Tandem-Partner zusammen. ( siegener-zeitung.de)


FranceMobil begeistert Realschüler

An der Realschule im oberfränkischen Selb war erneut eine Dozentin des Programms FranceMobil zu Gast, das Schüler spielerisch an die französische Sprache heranführt. Das deutschlandweite Angebot richtet sich vor allem an jüngere Jahrgänge und wird von muttersprachlichen Dozenten umgesetzt, die mit Dialogen und interaktiven Übungen Interesse für Französisch und die französische Kultur wecken sollen.

In Selb nahmen die sechsten Klassen teil, die erste Wörter und einfache Sätze lernten. Auch die Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe konnten ihre vorhandenen Französischkenntnisse anwenden und vertiefen. Laut der Veranstalter war der bereits zweite Besuch der Dozenten im Rahmen des Programms ein großer Erfolg und konnte bei den Schülern die Motivation stärken, Französisch als zweite Fremdsprache zu wählen. Ziel des FranceMobil-Programms sei es, frühzeitig Begeisterung für die Sprache des Nachbarlandes zu wecken und einen alltagsnahen Zugang zum Sprachenlernen zu ermöglichen. ( hochfranken-live.de)


5. Berichte

Orden für Dialekte

Die „Kanaal Komödianten von Jeddeloh II“ sind eine plattdeutsche Theatergruppe aus Jeddeloh, einem Ortsteil von Edewecht (Landkreis Ammerland). Die Komödianten sind bekannt für ihre plattdeutschen Lustspiele im Gasthof zum Goldenen Anker. Deswegen war auch die Premiere des aktuellen Stückes „De Bachelor vun Jeddeloh II“ ausverkauft.

Dies allein wäre schon Erfolg genug, aber im Anschluss an die aktuelle Premiere bekamen die Schauspieler den ersten „Meer-Orden“ der VDS-Regionalgruppe 26 überreicht. Regionalleiter Dr. Tobias Hillemacher erklärte, dass diese neu geschaffene Auszeichnung künftig an Schauspielgruppen oder auch Einzelpersonen vergeben werden soll, die sich besondere Verdienste um die Förderung und den Erhalt der deutschen Dialekte erworben haben. Dies trifft auf die „Kanaal Komödianten von Jeddeloh II“ vorbildmäßig zu. ( nwzonline.de (Bezahlschranke))


Deutsch in der Elfenbeinküste

Der VDS Elfenbeinküste war in den letzten Tagen besonders aktiv. Zum einen ist zur großen Freude der Deutsch-Schüler nach ein paar Wochen Postweg jetzt auch die neue Ausgabe der Sprachnachrichten angekommen. Außerdem bekamen am Lycée Bonguanou mehrere Schüler Preise für ihre besonderen Leistungen beim Lernen in den Stufen A1, A2, B1 und B2 in den Kursen für Deutsch als Fremdsprache. Herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Freude beim Lernen! ( facebook.com/vds, instagram.com/vds, tiktok.com/vds, facebook.com/vds, instagram.com/vds)


6. Soziale Medien

Schadenfreude geht daneben

Auf X hat der Nutzer @yocixs ein Video des US-Streamers und YouTubers Kai Cenat geteilt. Cenat liest darin ein Buch, kennt aber verschiedene Wörter nicht und schlägt diese im Lexikon nach. @yocixs Kommentar liest sich gehässig, Cenat müsste einfach ständig Wörter nachschlagen, um besser sprechen zu können. In den Kommentaren bekommt er dafür deutlich Gegenrede. Es sei gerade löblich, nicht alles stumpf runterzulesen, sondern sich darüber zu erkundigen, was ein Wort bedeutet, heißt es in den meisten Kommentaren, denn nur so könne man seinen sprachlichen Horizont erweitern. ( x.com/yoxics)


v. u. Z. vs. v. Chr.

Es sind eigentlich nur ein paar Abkürzungen, aber bei Instagram haben sie für Wirbel gesorgt. Das Jugendformat FUNK, ein gemeinsames Projekt von ARD und ZDF, hat bei einem Beitrag die Abkürzung v. u. Z. (vor unserer Zeit) genutzt, um Abstände zwischen verschiedenen Ereignissen zu veranschaulichen. Darunter entzündete sich eine Debatte, warum auf das sonst übliche v. Chr. (vor Christus) verzichtet wurde. Die einen sahen darin eine Provokation, die anderen verwiesen auf die Unsachlichkeit des v. Chr. Erlaubt sind beide Schreibweisen, v. Chr. kommt jedoch häufiger vor. ( bild.de)

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