Infobrief vom 20. März 2026: Leipziger Buchmesse 2026

1. Presseschau

Leipziger Buchmesse 2026

Die Leipziger Buchmesse hat am 19. März begonnen und läuft bis zum 22. März 2026. Erwartet werden wieder über 2.000 Aussteller aus mehr als 50 Ländern, die Neuerscheinungen, Literaturprogramme, Vorträge und andere Veranstaltungen präsentieren. Begleitet wird die Messe vom Lesefestival „Leipzig liest“ mit zahlreichen Lesungen und Diskussionen. Der gemeinsame Stand des VDS und des IFB Verlags ist in Halle 4 (Stand A207) zu finden. Traditionell wird auf der Messe der Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen. Zu den Höhepunkten zählt zudem das renommierte Literaturformat „Das Blaue Sofa“, bei dem Autoren aktuelle Werke vorstellen. In diesem Jahr wird die Messe von politischen Kontroversen begleitet: Die Eröffnungsrede von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wurde von Buh‑Rufen begleitet und vor dem Festakt kam es zu Protesten wegen umstrittener Entscheidungen der Kulturpolitik. (leipziger-buchmesse.de)


Kritik an Kürzungen bei Integrationskursen

Die angekündigten Kürzungen bei Integrations- und Berufssprachkursen stoßen vielfach auf Kritik. Kursträger und Teilnehmer warnen vor langfristigen Folgen für Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Integration. Betroffene berichten: Ohne ausreichende Sprachkenntnisse bleiben qualifizierte Tätigkeiten meist unerreichbar. Viele Zuwanderer arbeiten deutlich unter ihrem Ausbildungsniveau, da für bessere Stellen Sprachzertifikate erforderlich sind. Es wächst daher die Sorge, dass die Einsparungen ausgerechnet jene treffen, die sich um Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe bemühen. Nach den Plänen des Bundesinnenministeriums sollen künftig nur noch verpflichtete Teilnehmer Zuschüsse erhalten. Für die große Mehrheit entfallen damit finanzielle Hilfen – ein Integrationskurs kostet mehrere tausend Euro. Anbieter rechnen daher mit einem deutlichen Rückgang der Teilnehmerzahlen und Einschnitten beim Kursangebot. Die Leiterin der VHS-Altenburg, Gudrun Pfeiffer, rechnet vor: „Ein regulärer Integrationskurs umfasst sieben Module, 600 Stunden Sprachunterricht und 100 Stunden zur deutschen Gesellschaft, über acht bis zwölf Monate verteilt. Für Selbstzahler kostet er 3200 Euro. Das kann man nicht vom Bürgergeld bezahlen“, so Pfeiffer. (lvz.de (Bezahlschranke))


Baubeginn „Forum Deutsche Sprache“

Mit einem symbolischen Spatenstich hat in Mannheim der Bau des „Forum Deutsche Sprache“ begonnen. Das neue Haus soll ab 2028 als Mitmachmuseum, Forschungsort und Begegnungsstätte die deutsche Sprache in ihrer Vielfalt erfahrbar machen. Träger des Projekts ist die Klaus Tschira Stiftung, die das Gebäude finanziert und dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache überlässt. Die Stadt Mannheim stellt das Grundstück am Alten Meßplatz zur Verfügung. Inhaltlich setzt das Forum auf eine Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit: Geplant sind interaktive Ausstellungen, eine Sprachwerkstatt sowie Angebote, bei denen Besucher selbst an sprachwissenschaftlichen Fragestellungen mitwirken können. Thematisiert werden unter anderem Geschichte, Verbreitung und Wandel der deutschen Sprache sowie ihr Gebrauch in Medien und Gesellschaft. (swr.de)


2. Sprachspiele: Unser Deutsch

Duzen oder Siezen?

Ist das Duzen bald die übliche Form der Anrede, wie in England oder Schweden? Darauf deutet manches hin. Muss man das mitmachen oder darf man beim bewährten Sie bleiben, wie es Jahrhunderte üblich war? Soll man jetzt jeden und jede mit Vornamen anreden? Oder könnte man auch beides kombinieren – Vorname und Sie, Familienname und Du? Schauen wir uns um. IKEA duzt seine Kunden schon seit langem. Das konnte man zunächst als Übernahme der schwedischen Praxis ansehen, gleichsam ihr nationales Markenzeichen. Inzwischen haben sich aber längst viele andere angeschlossen: Vodafone, Amazon, Ebay und zahllose kleinere Unternehmen. Allerdings geht es hier nur um die Anrede der Verkäufer gegenüber ihren erwünschten Kunden. Hier genügt ein Du. Nur selten wird man mit Vornamen angeredet. Man muss ja auch nicht erwidern. Und wie? Hat IKEA einen Vornamen? Es ist eine einseitige, nur eine halbe Kommunikation, in der das Du sich in jüngster Zeit verbreitet hat. Ich empfinde dieses direkte Duzen als aufdringlich. Es animiert mich nicht zum Kauf.

Anders bei wirklicher Kommunikation, zum Beispiel bei Bares für Rares. Jeden Besucher fragt der Moderator Horst Lichter, ob er Du sagen darf und stellt sich als Horst vor. Die meisten kennen die Sendung seit langem und nennen gleich ihren Vornamen. Der burschikose Moderator schafft damit schnell ein vertrautes Verhältnis, fragt nach Beruf und Hobbys und findet das meistens toll. Auch beim Versteigern haben die Auktionäre nur Vornamen, scherzen miteinander – eben wie Berufsgenossen. Das ist im Übrigen das häufigste Einfallstor gegenseitigen Duzens. Zum Beispiel in der Medienwelt, wenn die Nachrichtensprecherin das Wort weitergibt an Shakuntala oder wenn Markus Lanz mit Elmar in den USA spricht. Die Gäste der Talkshows werden mit Vor- und Familiennamen vorgestellt und nur in Ausnahmefällen geduzt. Dann erklärt der Moderator vielleicht: „wir duzen uns schon seit langem“. Weit verbreitet ist das Duzen unter Politikern, vor allem der eigenen Partei. Die SPD ging hier schon vor Jahrzehnten voran. Die Parteijugend soll das ‚Genossen-Du‘ eingeführt haben. Auch unter Linken und Grünen ist Duzen Pflicht. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg konnte man hören: „Ja, der Cem hat’s gepackt“.

In manchen Lebenslagen haben sich Mischformen eingebürgert: Sie + Vorname oder auch Du + Familienname. Es ist seit Jahren üblich, dass sich Frisöre und Frisörinnen mit Vornamen anreden lassen, und meist per Sie. Das gilt auch für viele Gaststätten. Hansi, der Wirt, Maria und Doris, die bekannten Bedienungen. Das gehört zur Vertrautheit der Stammkneipe. Umgekehrt ist bei manchen Ehepaaren der Zuruf mit dem gemeinsamen Familiennamen nicht unüblich, aber natürlich ohne Sie.

Blicken wir an dieser Stelle kurz zurück. Wer duzt wen? Einmal alle Verwandten untereinander, wobei auch hier ein gewisser Wandel im Gange ist. Statt Onkel Rudolf oder Tante Ida, statt Opa oder Opi werden die Betreffenden gerne mit Vornamen angeredet. Manchmal auch die Eltern. So geht man der verbalen Hierarchie von Vater und Mutter aus dem Wege. Am weitesten verbreitet ist das gegenseitige Duzen und die Anrede mit Vornamen im Sport. Darin kommt die Gleichrangigkeit im sportlichen Miteinander und Gegeneinander zum Ausdruck, aber auch die Vertrautheit, welche die Gemeinsamkeit erzeugt. Das erstreckt sich bis in die letzten Ausläufer. Als ich mich einer wöchentlichen Laufgruppe des Nordic Walking anschloss, wurde mir nach kurzer Einweisung eröffnet „wir duzen uns hier alle“. Und so wurden mir die Mitläufer mit Vornamen vorgestellt.

Sprachwissenschaftlich hat man die bisherige Anredepraxis so charakterisiert: Siezen mit Herr Müller und Frau Schulze galt als die unmarkierte, die neutrale Form, Duzen mit Vornamen als die markierte für Verwandtschaft und Vertrautheit in Sport und Beruf. Auch das Alter spielt eine Rolle. Bis 16 wird man als Kind oder Jugendlicher geduzt. Wir erinnern uns an die Schulzeit, wo sich mancher Lehrer hin und her wandt, um das Gebot des Siezens zu umgehen.

Wie soll man es heute halten? Der Wandel vollzieht sich wie jede Sprachveränderung generationenweise. Die meisten Älteren halten am gewohnten Sie fest und vergeben das Du nur an Vertraute. Auch das Lebensumfeld kann bestimmend wirken. In Berlin haben sich viele das Sie völlig abgewöhnt. Dies Nebeneinander im sprachlichen Umgang muss man akzeptieren. Es gibt hier kein kategorisches Richtig oder Falsch. Nur eins gilt für alle: den Gesprächspartner achten, keinen verletzen, kurz: höflich sein.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


3. Kultur

Lesung mit Harald Ebert

Am vergangenen Sonntag lud Harald Ebert, Autor im IFB Verlag Deutsche Sprache, zu einer Lesung in eines der ältesten und prominentesten Gebäude der Mainzer Altstadt, das Heilig Geist Spital. Über 85 interessierte Besucher folgten seinem Aufruf und genossen eine Matinee der Extraklasse. Begleitet von der Pianistin Jiaqi Tang, die unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart präsentierte, gab Ebert Einblicke in seine humorvolle Betrachtung „So sind die Deutschen! … sind sie so?“. Auf unterhaltsame Art warf er einen Blick auf klassische deutsche Klischees wie Ordnungsliebe, Humorlosigkeit sowie die Außen- und Selbstwahrnehmung der Deutschen. Die Einnahmen waren für einen guten Zweck bestimmt und wurden dem Verein Moguntia übergeben. (ifb-verlag.de)


4. Berichte

Achim Reichel bekommt Bundesverdienstkreuz

Der Hamburger Musiker und Komponist Achim Reichel ist mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Die Ehrung erhielt der 82‑jährige Künstler im Hamburger Rathaus für seine über sechs Jahrzehnte währenden Verdienste um die deutsche Pop‑ und Rockmusik sowie für seinen besonderen Beitrag zur deutschen Sprache, unter anderem durch kreative Vertonungen klassischer Lyrik und innovative Neuinterpretationen deutscher Volkslieder. Reichel begann seine Karriere als Gitarrist und Sänger der Beat‑Band The Rattles und machte später mit Solo‑Werken wie „Aloha Heja He“ und zahlreichen dichterisch geprägten Liedprojekten auf sich aufmerksam. Sein musikalisches Schaffen zeichnet sich durch eine große Verbundenheit zur deutschen Sprache aus. Einen anderen Orden hat Reichel bereits und zwar den Elbschwanenorden der Hamburger VDS-Regionalgruppe, den er 2014 verliehen bekam. (ndr.de)


Gedenktagung für Peter Eisenberg

Am 13. und 14. März 2026 fand an der Universität Potsdam auf Initiative von Nanna Fuhrhop und Helmut Glück eine Gedenktagung für den im September 2025 verstorbenen großen deutschen Grammatiker Peter Eisenberg statt. Die Tagung wurde gefördert von der Henning-Kaufmann-Stiftung für die deutsche Sprache, die ihn 1996 mit dem Deutschen Sprachpreis ausgezeichnet hatte. In Anwesenheit seiner Frau Gabriele und seiner Töchter Sonja und Johanna beleuchteten 16 wissenschaftliche Weggefährten unter dem Titel Was uns Peter Eisenberg gegeben hat und was bleiben wird sein gewaltiges Lebenswerk. Nach dem Grußwort der Universität durch die Vizepräsidentin Barbara Höhle beschrieb Helmut Glück Peter Eisenbergs Gesamtwerk und seine Wirkungen. Es reicht vom Grundriss der deutschen Grammatik über Das Fremdwort im Deutschen, Richtiges und gutes Deutsch (Duden Band 9) und Deutsche Orthografie – Regelwerk und Kommentar, seine langjährige Mitarbeit in der didaktischen Zeitschrift Praxis Deutsch und etliche von ihm herausgegebene Sammelbände bis zu der Vielzahl wissenschaftlicher Aufsätze und Beiträge für Zeitungen. Eine 2019 publizierte Bibliographie listete bis dato 232 Titel, sie ist inzwischen erweitert und online verfügbar (uni-potsdam.de), wo auch viele Titel direkt einsehbar sind. Dazu kommen viele ihm verliehene Preise und Ehrungen, u. a. der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache, mit dem er 2019 von der Eberhard-Schöck-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache ausgezeichnet wurde. Bei allem Einsatz für die deutsche Sprache galt seine Liebe aber auch der Natur, der Musik und der deutschen Lyrik. 

In den weiteren Vorträgen wurden speziellere Themen aus seinen Arbeitsfeldern angesprochen, etwa Eisenbergs grammatischer Kampf gegen das Gendern, seine Rolle als Kritiker der Reform der deutschen Orthographie, die Besonderheit des Grundrisses als eine Grammatik nicht zum Nachschlagen, sondern zum Verstehen, die Bedeutung seiner Arbeiten für eine angemessene Sprachdidaktik u. a. m. In allen Beiträgen kam die besondere Rolle von Peter Eisenberg als Lehrer, als wissenschaftlicher Vorreiter im gesamten Bereich der deutschen Grammatik einschließlich ihrer schriftlichen Form, als Verteidiger der deutschen Sprache mit großer öffentlicher Wirksamkeit zum Ausdruck. Er hat die deutsche Sprache geliebt und ihr und uns so viel gegeben, das bleiben wird. Es ist beabsichtigt, die Beiträge zur Tagung in einem Band zu veröffentlichen. (uni-potsdam.de)

Hartmut Günther

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