1. Presseschau
Schuleingangsuntersuchungen im Vergleich
Gute Ergebnisse bei der jährlichen Schuleingangsuntersuchung in der Ruhrmetropole Essen: Von insgesamt 4818 Kindern sprechen drei Viertel der Kinder fehlerfrei oder mit lediglich leichten Fehlern Deutsch. Weniger als fünf Prozent können sich kaum auf Deutsch unterhalten. Allerdings waren dies die Zahlen aus dem Schuljahr 2014/15. Zehn Jahre später sieht die Lage dramatisch aus: Jedes dritte Vorschulkind in Essen (32,9 Prozent) spricht schlecht oder gar kein Deutsch. Diese Zahlen stellt die WAZ vor und befragt dazu auch gleich Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Eltern sind in der Verpflichtung, dass ihre Kinder die Sprache des Landes sprechen, in dem sie leben“, sagt dieser. Er fügt aber hinzu, dass auch der Staat verpflichtet sei, Kinder zu befähigen, die deutsche Sprache zu sprechen. Um die Deutschkenntnisse zu verbessern, hält Oberbürgermeister Kufen ein verpflichtendes Kita-Jahr für die wirkungsvollste Maßnahme. (waz.de (Bezahlschranke))
Sprachdiplom in NRW weiterhin möglich
Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat die Fortführung des DSD-Programms (Deutsches Sprachdiplom) beschlossen und sichert damit die Sprachprüfungen für die Schuljahre 2025/26 und 2026/27. Das Deutsche Sprachdiplom ist ein bundesweit einheitliches Prüfungsformat, das sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen orientiert und Sprachkenntnisse auf den Niveaustufen A2 bis B1 bescheinigt. Es richtet sich vor allem an Jugendliche in Internationalen Förderklassen sowie in Vorbereitungs- und Willkommensklassen und soll ihre sprachliche Integration sowie ihre Bildungs- und Berufschancen verbessern. Im Schuljahr 2025/26 machen in Nordrhein-Westfalen 124 Schulen bei dem Programm mit, darunter zahlreiche Berufskollegs. Rund 3.100 Schüler werden voraussichtlich an den Prüfungen teilnehmen. Durch das DSD erwerben die neu zugewanderten Schüler einen zertifizierten Sprachnachweis, der den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern soll. Geprüft werden dabei das Hör- und Leseverstehen sowie die schriftliche und mündliche Kommunikation. (land.nrw)
Mehr Einfache Sprache in Marburg
Die Stadt Marburg übersetzt immer mehr Behördenbriefe in Einfache Sprache. Zuletzt seien bereits über 50 Dokumente umformuliert worden. Die Stadträtin Kirsten Dinnebier teilt mit, dass Marburg dadurch ein Vorbild für andere Kommunen werden wolle. Die rechtlichen Vorgaben zur Rechtsmittelbelehrung würden jedoch trotz der Vereinfachungen eingehalten. Insbesondere dem Fachdienst Soziale Leistungen werden die neuen, überarbeiteten Bescheide zur Verfügung gestellt. Laut Felix Speidel, Sachbearbeiter für die Grundsicherung in der marburgischen Verwaltung, kommen die Dokumente bei den Bürgern gut an. (ffh.de)
Wie das Gehirn Fremdsprachen abspeichert
Die Frage, wie genau unser Gehirn Fremdsprachen lernt und abspeichert, beschäftigt Forscher schon seit langem. In der Forschung gibt es hierfür zwei Theorien. Entweder wird die neu erlernte Sprache in der gleichen Hirnregion angelegt, in der auch die Muttersprache gespeichert ist, oder die Fremdsprache liegt in einer ganz anderen Hirnregion. Neue Erkenntnisse liefert nun eine Gruppe von Wissenschaftlern rund um Fatma Deniz von der University of California in Berkeley. In ihrer Studie wird deutlich, dass Fremdsprachen im Gehirn größtenteils in denselben Regionen gespeichert werden wie die Muttersprache. Damit bestätigt sich, dass die Verarbeitung nicht strikt getrennt ist, sondern weitgehend überlappt. In einem Experiment mit chinesischen Muttersprachlern, die Englisch gelernt hatten, wurde die Hirnaktivität beim Lesen beider Sprachen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass die gleichen Hirnbereiche, unabhängig von der Sprache, auf ähnliche Themen reagieren.
Wenn unser Gehirn Fremdsprachen lernt, legt es die neu erworbenen Wörter und Zusammenhänge also in den Gehirnregionen ab, in denen der Begriff bereits in der Muttersprache gespeichert wurde. Die Forscher klassifizierten für den Versuch die einzelnen Wortgruppen mithilfe eines KI-Sprachmodells. Unterschiede gibt es aber trotzdem: Einzelne Wörter werden je nach Sprache etwas anders innerhalb dieser Bereiche verortet. So reagierte beim Thema „räumliche Orientierung“ beispielsweise ein bestimmter Hirnbereich im Chinesischen vor allem auf die Wörter „ankommen“ oder „zusammen“, also Begriffe, die Beziehungen beschreiben. Beim Lesen englischer Texte verschob sich der Schwerpunkt leicht, so dass derselbe Bereich nun stärker auf Wörter wie „Norden“ oder „sieben Kilometer“ reagierte, die eher Richtungen und Entfernungen ausdrücken. (scinexx.de)
Streit um Wörter
Die Aachener Zeitung stellt im Interview den Sprachwissenschaftler Thomas Niehr vor, der das Verhältnis von Sprache und Politik erforscht, aber auch nicht so recht erklären kann, warum sich die Bedeutung von „alter weißer Mann“ in den vergangenen Jahren verändert habe. Streit um die Wörter und ihre Bedeutungen habe es immer schon gegeben und das sei auch „nichts Schlimmes“, so Niehr. Man brauche außerdem keine „Sprachpolizei, also niemanden der Wörter zählt“ und bestimme, welche davon benutzt werden dürfen. Deswegen hätte er auch kein Problem mit dem „Zigeunerschnitzel“. Beim Thema Gendern schlägt Niehr sich auf die Seite des VDS, dem er zugesteht, dass seine Mitglieder ebenso gegen die Genderregeln argumentieren dürfen wie jene, die diese durchsetzen wollen. Er wagt es „sehr zu bezweifeln, dass sich das Gendern auf weiter Front durchsetzen wird“, weil eine große Mehrheit der Bevölkerung dagegen sei. Gleichwohl geht Niehr nicht davon aus, das „gegenderte Sprache (…) unsere Muttersprache ruiniert“ und rät zu mehr Gelassenheit. (aachener-zeitung.de (Bezahlschranke))
2. Gendersprache
Männliche und weibliche Stadtschreiber
Das Stadtschreiberfest im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim heißt auch weiterhin so. Nachdem es für zwei Jahre in „Stadtschreiber*innenfest“ umgetauft worden war, hat der Ortsbeirat nun beschlossen, zu der gängigen Bezeichnung zurückzukehren. Stadtschreiberfest „bezeichnet nicht das Geschlecht einer Person, sondern ein kulturelles Amt, das Männern und Frauen gleichermaßen offensteht“, so der Beschluss. Die Sternchenschreibung erwecke „bei einem Großteil der Bevölkerung von Bergen-Enkheim den Eindruck, es handele sich bei den Veranstaltern um einen elitären Club, der sich von dem üblichen Sprachgebrauch abgekoppelt hat“, heißt es weiter. Die Festveranstaltung findet im Rahmen der jährlichen Vergabe des renommierten Literaturpreises „Stadtschreiber von Bergen“ statt. Stadtschreiber von Bergen waren schon Peter Rühmkorf, Robert Gernhardt und Ulla Hahn. (frankfurt.de)
3. Sprachspiele: Neues aus dem Wort-Bistro
Warum hat man etwas auf dem Kerbholz?
Ich gebe es ja zu: Ich esse sehr gerne Marmorkuchen. Ein Bekannter sagte einmal zu mir: „Wenn die in Frankreich so viel Kuchen gehabt hätten, wäre die Revolution nie ausgebrochen“. Manchmal bringe ich sogar Marmorkuchen in die Arbeit mit und rufe dann den Anwesenden im Großraumbüro zu: „So, liebe Leute, Ihr könnt Euch mal von mir eine Scheibe abschneiden“. Aber so hat eben jeder Mensch seine Macken.
Wie heißt es doch bei Spediteuren? „Zeige mir einen Zeitgenossen ohne Laster“. Eine Dame in Hamburg hat offenbar eine übergroße Vorliebe für Schokolade. Jedenfalls hat die Redaktion unseres Radiosenders kürzlich die Meldung über eine Frau erreicht, die in einem Laden am Hauptbahnhof 39 Tafeln Schokolade stehlen wollte. Ein Mitarbeiter hielt sie auf und übergab die Diebin der Polizei. Was fängt man mit beinahe 40 Tafeln Schokolade an? Vielleicht wollte die Frau Tafelspitz machen. Jedenfalls hat sie sich nicht gerade von ihrer Schokoladenseite gezeigt. Möglicherweise hat sie beim Diebstahl an ihre ehemalige Lehrerin gedacht, die sie immer wieder aufforderte: „Ab an die Tafel!“. Und man bedenke schließlich dies: Da wollte die Diebin Schokolade stehlen … und nun wird ihr ein Riegel vorgeschoben. Aber es hat ja auch seine gute Seite. Wer so viel Schokolade hat, muss niemandem mehr auf den Keks gehen. Dem Polizeibericht zufolge hatte die Frau bereits Hausverbot in dem Laden. Sie hatte also schon einiges auf dem Kerbholz.
Gerhard Wagner zufolge war das Kerbholz früher nicht unbedingt ein Gegenstand, auf dem ausschließlich Übeltaten verzeichnet wurden. Oft ging es um Kredite und Schulden. Demnach haben zum Beispiel ein Gläubiger und ein Schuldner auf diese Weise einen Vertrag geschlossen. Nach dem Geschäft hatten beide Partner ein Stück Holz, auf welchem die eingeschnittenen Kerben den Schuldenstand angezeigt haben. Nach Bezahlung der Schuld wurde auf beiden Hölzern abgekerbt. Das bringt mich wiederum auf die Idee, in meinen Marmorkuchen Kerben zu ritzen. So kann ich künftig die Anzahl der Flachwitze verzeichnen.
Philipp Kauthe
Radio-Journalist, Buchautor, Podcast „Schlauer auf die Dauer“ (philipp-kauthe.de)
4. Berichte
Argumente und Handlungsoptionen gegen Gendersprache
Das Thema „Gendersprache“ sorgt nach wie vor für viel Diskussion in der Öffentlichkeit. Aus Sicht des VDS gibt es überhaupt keinen Grund, die geschlechtsübergreifenden Personenbezeichnungen in der deutschen Sprache zu meiden und Sonderzeichen einzuführen, die dem persönlichen Sprachgefühl und der Grammatik widersprechen. Die Geschäftsstelle des VDS hat einen aktuellen Foliensatz „Argumentationshilfen und Handlungsoptionen gegen Gendersprache“ erarbeitet, bei dem (a) die historische Entwicklung skizziert wird, (b) aktuelle Umfrageergebnisse vorgestellt werden, (c) Argumente gegen die Gendersprache gesammelt und (d) Handlungsoptionen gegen die Gendersprache präsentiert werden. Der Foliensatz kann zu persönlichen Zwecken oder auch als Vorlage bei Vorträgen etc. genutzt werden. Sie können ihn hier abrufen und herunterladen: vds-ev.de.
5. Denglisch
Krautbeißer, Schürfbalsam und Massentaumel?
Der Postillon nahm sich zuletzt der Anglizismen an und veröffentlichte eine Liste mit 50 „eingedeutschten“ Begriffen. Zwar ist der satirische Beitrag nicht ganz ernst zu nehmen, einige der Vorschläge haben jedoch durchaus Potenzial. So etwa die „Peintinktur“ statt Aftershave, die „Wahnmünze“ statt Bitcoin, „Hirnausschüttelung“ statt Brainstorming oder der „Flanierkaffee“ statt Coffee-to-go. Das „Gym“, auch als Fitnessstudio bekannt, wird dort zur „Ertüchtigungsanstalt“ und das „Selfie“ zum „Eitelknips“. Die Veganer werden beim Postillon zu „Krautbeißern“, das pflegende Peeling zum „Schürfbalsam“ und der insbesondere im Internet weitverbreitete „Hype“ zum „Massentaumel“. (der-postillon.com)
6. Soziale Medien
Der mit dem Wolf gendert
Auf X, vormals Twitter, machte uns der Nutzer @guidoquelle auf einen Beitrag der Kinderseite des Bundesamtes für Naturschutz zum Thema Wölfe aufmerksam. In dem kindgerechten Text wird nämlich die Doppelnennung „die jungen Wölfe und Wölfinnen“ verwendet. Zwar ist ansonsten im Text lediglich vom Wolfsrudel oder einzelnen Wölfen die Rede, jedoch ist dem Bundesamt für Naturschutz offenbar die politisch korrekte Bezeichnung der Tiere besonders wichtig. Der Nutzer @guidoquelle fasst es mit diesen Worten zusammen: „Wölfe, gegendert. Sprache am Limit.“ (x.com/guidoquelle)
Petition zur Anerkennung der Löffelsprache
Wir werden uns ab heute neben dem regulären Deutsch sowie seiner Dialekte einer weiteren Sprache zuwenden, die seit jeher vernachlässigt, wenn nicht sogar gänzlich ignoriert wird. Dabei ist sie für Millionen von Menschen eine Möglichkeit, sich im Rahmen ihrer Gruppenzugehörigkeit abzugrenzen und Botschaften unter den Ohren der Mithörer zu verstecken. Sprachlich eloquent erlaubt sie, öffentlich gesprochen, aber nur von wenigen wirklich verstanden zu werden. Wer sie ohne Kenntnis ihrer Regeln erlebt, hört zunächst nur Kauderwelsch, nicht aber teils ausgeklügelte Konversation. In diesem Sinne ist es uns wichtig, uns ab sofort auch für die Löffelsprache einzusetzen. Eine Petition zu ihrer Aufnahme als Minderheitensprache im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ist bereits in Arbeit.
Wilewir wülewünschelewen eleweuch eleweilewinelewen schölewönelewen Feleweilewielewertalewag delewer Schelewelmilewigkeleweilewit!
Und wer diesen Beitrag tatsächlich ernst genommen hat, dem wünschen wir nachträglich auch einen schönen 1. April. (facebook.com/vds, instagram.com/vds)
Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.
Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel
