1. Presseschau
Welttag der griechischen Sprache
In dieser Woche feierte Griechenland am 9. Februar den Welttag der griechischen Sprache, der 2025 offiziell von der UNESCO anerkannt wurde. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bezeichnete die griechische Sprache als „lebendiges Wunder“ und als Grundlage der nationalen Identität. Auch Außenminister Jorgos Gerapetritis sprach von einer historischen Anerkennung. Seit 2017 wird der 9. Februar bereits national als Tag der griechischen Sprache gefeiert. Der Termin erinnert an den Todestag des Nationaldichters Dionysios Solomos im Jahr 1857. Sein Gedicht „Hymne an die Freiheit“ bildet die Grundlage der griechischen Nationalhymne. (griechenland.net)
Der Mythos vom bequemen Sprachenlernen
Sprachlern-Apps wie Duolingo erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit und scheinen eine praktische und bequeme Möglichkeit zu sein, um nebenbei eine Fremdsprache zu lernen. Ob sie jedoch effektiv sind, wird von Fachleuten in Frage gestellt. Frauke Priegnitz von der Hamburger Volkshochschule und der Sprachwissenschaftler und RWTH Aachen-Professor Thomas Niehr betonen, dass Apps zwar hilfreich für Wortschatz, Grammatik und Hörverstehen seien, jedoch auch ganz klare Limitierungen hätten. Für echte Gesprächssituationen reiche das Gelernte meist nicht aus. Entscheidend für nachhaltigen Lernerfolg sei vor allem die aktive Sprachpraxis mit Muttersprachlern. Dies sei etwas, das Apps nur eingeschränkt simulieren könnten. Als besonders wirkungsvoll gelten Sprachkurse, das Tandemlernen mit Muttersprachlern oder gleich ein Aufenthalt im jeweiligen Sprachraum. Lern-Apps werden eher als ergänzendes Übungsmittel empfohlen. Sowohl Niehr als auch Priegnitz sind sich einig, dass Sprachenlernen viel Arbeit bedeute und die kurzen täglichen Einheiten am Smartphone keine sichere Gesprächsfähigkeit erzielen könnten. (stern.de (Bezahlschranke))
Das Problem mit der Druckschrift
Wie Kinder schreiben lernen, beeinflusst ihre gesamte weitere Schulzeit. Die zunehmende Verdrängung der verbundenen Schreibschrift durch die Druckschrift in Grundschulen stellt hierbei ein großes Problem dar. Die Berufsschullehrerin und ausgebildete Schriftexpertin Katarina Rehm leitet beim VDS die Arbeitsgruppe „Ausgangsschrift“ und warnt davor, dass Druckschrift zwar einfacher wirke, jedoch weniger flüssiges Schreiben ermögliche. Kinder müssten jeden Buchstaben einzeln setzen, was den Schreibprozess verlangsame und zusätzliche Konzentration erfordere. Das Schreiben werde dann zur „Fließbandarbeit“, frei von Emotionen und kindgerechten Bewegungen. Auch der Neurowissenschaftler Lutz Jäncke von der Universität Zürich betont, dass motorisches Lernen auf wiederholten, zusammenhängenden Bewegungsabläufen beruhe. Die fragmentierte Druckschrift erschwere diesen Lernprozess. Wenn das Schreiben nicht automatisiert sei, leide nach Einschätzung beider Fachleute auch das gleichzeitige Zuhören und Verstehen im Unterricht. Handschrift bleibe daher trotz Digitalisierung eine zentrale Kulturtechnik. Wie sie unterrichtet wird, ist jedoch weiterhin Ländersache. Neben der klassischen Schreibschrift wird in einigen Bundesländern die vereinfachte „Grundschrift“ gelehrt. Eine verbindliche Empfehlung der Kultusministerkonferenz gibt es nicht. (fr.de)
Enkelbetreuung wirkt sich positiv auf Sprache im Alter aus
Eine britische Langzeitstudie mit rund 9.800 Großeltern ab 50 Jahren zeigt einen Zusammenhang zwischen Enkelbetreuung und sprachlicher Leistungsfähigkeit. Demnach schnitten Großeltern, die sich aktiv um ihre Enkel kümmerten, bei Tests zu Gedächtnis und Wortfindung im Durchschnitt besser ab als gleichaltrige Personen ohne Betreuungsaufgaben. Die Daten der „Englisch Longitudinal Study of Ageing“ (ELSA) weisen darauf hin, dass sprachlich und kognitiv fordernde Aktivitäten, wie etwa Hausaufgabenhilfe oder intensive Gespräche, den langsameren geistigen Abbau der Großeltern begünstigen. Neben der Gedächtnisleistung sind auch die Sprachleistungen der betreuenden Großeltern besser. Bei der Studie handelt es sich allerdings um eine reine Beobachtungsstudie, somit lassen sich keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung treffen. (fitbook.de)
Wie wirkt Deutsch?
In einer Studie des Sprachlernportals Preply wurde untersucht, wie unterschiedliche Sprachen wahrgenommen werden. In einer Umfrage unter 3.608 Personen aus verschiedenen Ländern gaben 59 Prozent der Befragten an, je nach gesprochener Sprache unterschiedliche Seiten ihrer Persönlichkeit zu zeigen. Die Studie zeigt, dass Französisch als besonders romantisch und elegant gilt, gefolgt von Italienisch. Portugiesisch wird als besonders freundlich beschrieben, gefolgt von Spanisch. Deutsch stuften die Teilnehmer als rauer, zugleich aber als kraftvoll ein. Experten führen diese Einschätzungen unter anderem auf den Klang und kulturelle Prägungen zurück. Diese Stichprobe stelle jedoch keinen universellen Konsens dar. (theportugalnews.com)
Unzureichende Deutschkenntnisse bei Polizeibewerbern
Zu den Aufgaben von Polizisten gehört nicht nur der Einsatz auf der Straße, sondern auch das Verfassen von Protokollen, Strafanzeigen und rechtssicheren Berichten. Genau hier zeigen sich jedoch große Defizite bei vielen Bewerbern, wie die Polizeiakademie Berlin berichtet. Rund 40 Prozent der Bewerber für den mittleren Dienst scheitern demnach am Diktat oder am Deutschtest im Auswahlverfahren. Nach Angaben der Akademieleitung, Nancy Boy-Seifert, bestünden erhebliche Schwächen bei Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik. Das führe dazu, dass Probleme und Sachverhalte weder ausreichend dargestellt noch artikuliert werden könnten. Eine Absenkung der Anforderungen, etwa durch die Abschaffung des Diktats, komme dennoch nicht infrage, da die sprachliche Kompetenz als zentrale Grundlage des Berufs gelte. Zwar gibt es Übungsangebote und vorbereitende Lehrgänge, doch der Nachwuchsmangel bleibt bestehen: 2025 wurden von über 6.300 Bewerbern lediglich 457 eingestellt. Angestrebt waren jedoch 624. Wer die Tests knapp besteht, wird während der Ausbildung in verpflichtende Förderprogramme aufgenommen. Langfristig wird auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz diskutiert, etwa zur automatischen Verschriftlichung von Sprache. Dennoch betont die Akademie, dass Deutschkenntnisse weiterhin eine Schlüsselqualifikation im Polizeidienst bleiben müssten. (tagesschau.de)
2. Gendersprache
Wie gendert man Gott?
Die Theologin Annette Jantzen setzt sich im Gespräch mit dem Netzportal des Bistums Eichstätt für die Verwendung von Gendersprache in der Kirche ein. Jeder Gottesname sei laut Jantzen letztlich unzureichend. Sie verwende daher häufig die Bezeichnung „die Ewige“, um ein „einseitig männlich geprägtes Gottesbild“ aufzubrechen. Auch das generische Maskulinum in der Bibel sei für sie zu einseitig und lasse Frauen „sprachlich unsichtbar“ erscheinen. Sie nutzt unter anderem die seit 2006 verfügbare Bibel in gerechter Sprache und veröffentlicht eigene Gebetstexte und Bibelauslegungen. In den Sozialen Medien stößt Jantzens Beitrag auf viel Kritik. (katholisch.de)
Übergriffige Sprachregulierer
In vielen gesellschaftlichen Bereichen wird mehr oder weniger handfester Zwang ausgeübt, im Geschriebenen oder sogar im Gesprochenen Genderzeichen zu verwenden. Dies wird nur selten öffentlich. Aber einige solcher Fälle wurden (auch mit Unterstützung durch den VDS) vor Gericht verhandelt. Erst vergangene Woche erging eine Entscheidung vor dem Hamburger Landesarbeitsgericht zugunsten einer Mitarbeiterin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, die entlassen worden war, weil sie auf Anweisung ihrer Vorgesetzten nicht gendern wollte. Nun zieht das Buch „Genderzwang“ viele solcher Fälle ins Licht der Öffentlichkeit. Der Germanist und Musikpädagoge Fabian Payr und die Literaturwissenschaftlerin Dagmar Lorenz haben darin Erfahrungsberichte von Betroffenen zusammengetragen, die Nachteile erleiden mussten, weil sie der „geschlechtersensiblen“ Sprachlenkung kritisch gegenüberstanden. Besonders häufig passiert das an Universitäten, aber auch in Verlagen, an Schulen, in Unternehmen und sogar bei Behörden. „Diese Schlaglichter auf den Alltag des ‚gendersensiblen‘ Schreibens und Sprechens beleuchten grell, wie weit der historisch beispiellose Eingriff von oben in die Struktur der Sprache bereits fortgeschritten ist und welch entscheidende Rolle die massive administrative, politische und rechtliche Rückendeckung für den Erfolg der Genderer spielt“, schreibt Wolfgang Krischke in der WELT. (welt.de (Bezahlschranke))
3. Sprachspiele: Neues aus dem Wort-Bistro
Warum ist alles in Butter?
Sie hatten gehofft, es würde gelingen. Sie hatten sich auf einen erfolgreichen Verlauf ihrer Aktion eingestellt. Und dann das! Als die Diebe das Geschäft in Potsdam verließen, wurden sie bereits von der Polizei in Empfang genommen. Zugegeben, dies ist an sich kein ungewöhnlicher Vorfall. Bemerkenswert ist jedoch die Beute, die die drei Ganoven in einem Rucksack verstauten. Sage und schreibe 15 Kilogramm Butter wollten die Herren mitgehen lassen, insgesamt fast 60 Packungen. „Dann ist ja alles in Butter“, konnten ob der Festnahme offenbar nur die Polizeikräfte und der Ladenbesitzer ausrufen. Aber wie plant man überhaupt einen Butterdiebstahl? Ob draußen vor der Tür jemand mit geschmierten Stullen Schmiere gestanden hat? Ob die Herrschaften Butterflymesser bei sich hatten? Dass ihre Aktion nicht in Ordnung war, kann man ihnen jedenfalls dick aufs Brot streichen. Möglicherweise wird es sich dabei auch um das kriminelle Brot- und Buttergeschäft gehandelt haben.
Die Redaktion unseres Radiosenders hat aber unlängst noch eine weitere kuriose Meldung erreicht. Da haben doch tatsächlich vor wenigen Wochen einige Halunken in Elsterwerda einen Wohnungseinbruch begangen und dabei ein Waschbecken sowie eine Badewanne gestohlen. Was ging denn nun diesen Zeitgenossen durch den Kopf? Ob sie Geldwäsche betreiben wollten? Oder fanden sie, der Diebstahl im Badezimmer sei einfach eine spritzige Idee? Eventuell wollten sie ja auch hinterher ihre Hände in Unschuld waschen? Doch der seltsamen Einbrüche und Diebstähle nicht genug. So hat sich jüngst im US-Bundesstaat Virginia ein Waschbär Zutritt zu einem Spirituosenladen verschafft und alkoholische Getränke zu sich genommen. Da wäre es doch fast schon sinnvoller gewesen, wenn der Waschbär das erwähnte Waschbecken und die Wanne gestohlen hätte. Jedenfalls könnte man diese tierische Aktion in den USA vielleicht als „Das Wunder von Bären“ beschreiben. Doch zurück zu unseren Butterdieben in Potsdam und der Frage, warum man sagt, alles sei in Butter. Laut Norbert Golluch gingen bei mittelalterlichen Handelstransporten auf unebenen Wegen oft Gläser und Teller kaputt. Eines Tages sollen die Fuhrleute auf die Idee gekommen sein, die zerbrechliche Ware in Fässer mit flüssiger Butter zu legen. Wurde das Fett wieder fest, war das Geschirr gegen Erschütterungen gesichert. Was wiederum zu der Annahme führt, dass diejenigen, die mehrere Pfund Butter gestohlen haben, wohl echte Pfundskerle gewesen sein müssen.
Philipp Kauthe
Radio-Journalist, Buchautor, Podcast „Schlauer auf die Dauer“ (philipp-kauthe.de)
4. Kultur
Theaterverband für Minderheitensprachen
Im sächsischen Bautzen hat sich der internationale Theaterverein „Polyphony“ gegründet, der sich für die Förderung von Minderheitensprachen einsetzt. Ziel sei es, durch Theater und darstellende Kunst die Nutzung und Sichtbarkeit indigener, regionaler und minorisierter Sprachen weltweit zu stärken. Mitinitiator und Vorsitzender ist Lutz Hillmann, Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, das die ober- und niedersorbische Sprache vertritt. Neben deutschen Akteuren gehören Gründungsmitglieder aus Frankreich, den Niederlanden, Norwegen und Spanien dem Netzwerk an. „Polyphony“ versteht sich als Plattform für Austausch und gemeinsame Projekte zwischen Minderheitentheatern in Europa. Die Vereinsgründung geht auf das mehrjährige Projekt „phōnē – Minderheitensprachen eine Stimme geben“ zurück, in dem sich mehrere europäische Theater seit 2022 vernetzt hatten. (deutschlandfunk.de)
5. Soziale Medien
Wayne Carpendale mag keine Sprachnachrichten
Schauspieler und Moderator Wayne Carpendale ist kein Freund von Sprachnachrichten. Damit ist natürlich nicht unsere Vereinszeitung gemeint, sondern Audioaufnahmen, wie sie über die Kurznachrichtendienste WhatsApp, Signal oder Telegram verschickt werden können. In einem Instagram-Video parodiert Carpendale den alltäglichen Gebrauch dieser Sprachnachrichten. Zwar seien sie persönlicher als Textmitteilungen, doch würden sie häufig unnötig in die Länge gezogen. Statt einer klar strukturierten Mitteilung erhalte man dann einen ausufernden Monolog. So könne aus einer kurzen Frage wie „Samstag grillen bei Jens?“ schnell eine mehrminütige Sprachaufnahme werden, die sich der Empfänger zwar vollständig, aber widerwillig anhören muss. (instagram.com/wayne_interessiert_s)
Den Papiertaschentüchern
Auf dem TikTok-Kanal @German.Humor präsentieren die Moderatoren regelmäßig satirische „Top 5“-Listen, in denen sie das Weltgeschehen oder popkulturelle Entwicklungen mit trockenem, bewusst stereotyp deutschem Humor kommentieren. Dabei nehmen sie auch immer wieder die deutsche Sprache aufs Korn. In einem Video präsentieren die Komiker die „Top 5 Deklinationen von Papiertaschentuch“. Auf der Liste stehen unter anderem der Genitiv Plural „der Papiertaschentücher“ sowie der Dativ Plural „den Papiertaschentüchern“. Die Formen bringen den Zweitmoderator nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch ins Grübeln. Ohne Kontext muss selbst er kurz überlegen, ob die Deklinationen tatsächlich korrekt sind. (tiktok.com/german.humour)
Wie es um die Handschrift steht
Wer mit der Hand schreibt, lässt seine Gedanken direkt aufs Papier fließen und zeigt dabei auch einen Teil seiner Persönlichkeit. Die Graphologin Katarina Rehm leitet beim VDS die Arbeitsgruppe „Ausgangsschrift“ und zeigte jetzt beim SWR, was man alles in Buchstaben und deren Anordnung sehen kann. (instagram.com/vds, x.com/vds, facebook.com/vds, linkedin.com/vds)
Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.
Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel
