Infobrief vom 13. März 2026: Berliner Dialekt im Wandel

1. Presseschau

Berliner Dialekt im Wandel

Sprachwissenschaftler beobachten seit Jahrzehnten einen deutlichen Rückgang des berlinischen Dialekts. Schon zu Zeiten der beiden deutschen Staaten nahm die Zahl der Sprecher ab; nach der Wiedervereinigung beschleunigte sich dieser Prozess, auch weil die ältere Generation verschwand und viele Zugezogene in die Stadt kamen. Heute hört man echtes Berlinisch innerhalb der Stadt nur noch selten; in manchen innerstädtischen Bezirken spricht die Mehrheit der Bewohner überhaupt nicht mehr im Dialekt.
Um Aussagen wie „Dit is mir schnuppe oder „Ick gloob, mir tritt’n Pferd“ zu hören, müsse man eher in die brandenburgische Umgebung fahren, so der Sprachwissenschaftler Horst Simon von der TU Berlin. In der Stadt selbst sei eine neue Sprache im Entstehen: Kiezdeutsch. Eine andere Berliner Sprachwissenschaftlerin, Heike Wiese, hat diesen Begriff 2006 gewählt. Mittlerweile hat man sich darauf geeinigt, dass mit Kiezdeutsch eher soziologisch (also von Migration und vom Alter der Sprecher) beeinflusste Varianten des Deutschen bezeichnet werden können, weil man dieses Deutsch in anderen Ballungsräumen auch findet.
Laut Professor Simon ist es in Berlin sinnlos, den ursprünglichen Dialekt erhalten zu wollen, weil die Stadt schon immer durch Migration und Veränderung geprägt gewesen sei. Aber einzelne Wörter wie „Stulle“ für ein belegtes Brot, „Bulette“ für eine Frikadelle oder „Schrippe“ für ein Brötchen werde man wohl noch lange hören können. (berlin.t-online.de)


König Artus und Spiderman

Auf einer Tagung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg widmete sich die Mediävistik jüngst dem mittelalterlichen Artusroman. Die FAZ berichtet, dass im Mittelpunkt Figuren gestanden hätten, die in unterschiedlichen und zum Teil voneinander unabhängigen Texten vorkämen, wie König Artus, der Druide Merlin oder die Ritter der Tafelrunde (Iwein, Lanzelot, Gawein uvm.). Dieses Geflecht der Geschichten ähnele, so der Vergleich der Forscher, den miteinander verbundenen Erzählwelten moderner Popkultur – etwa dem Marvel-Universum, also Spiderman, Avangers und andere.

Die Tagung verdeutlichte damit, dass der Artusroman bereits im Mittelalter eine Art literarisches Universum entworfen hat: Unterschiedliche Autoren griffen dieselben Figuren auf, ergänzten ihre Biographien und verknüpften einzelne Episoden zu einer größeren Erzählwelt. Die Bamberger Veranstaltung zeigt damit nicht nur die wissenschaftliche Aktualität der Mediävistik, sondern auch, wie stark mittelalterliche Stoffe bis heute die Fantasie moderner Erzählkulturen prägen. (faz.net)


2. Gendersprache

Genderaus in der Steiermark

Im österreichischen Bundesland Steiermark soll in Gesetzen und Verordnungen künftig keine Gendersprache mehr verwendet werden. Eine entsprechende Generalklausel gilt bereits seit dem 1. September 2025 für rund 235 Landesgesetze. Ab dem 4. November 2026 müssen neue oder geänderte Rechtsvorschriften grundsätzlich „geschlechtsneutral“ oder im generischen Maskulinum formuliert werden. Schreibweisen mit Schrägstrichen oder Aufzählungen beider Geschlechter sollen entfallen. Die neuen Vorgaben wurden in einem Erlass sowie im sogenannten legistischen Handbuch für die Gesetzesformulierung festgelegt. (heute.at)


3. Sprachspiele: Neues aus dem Wort-Bistro

Warum sagt man, dass man auf Holz klopft?

Zu Beginn des Arbeitstages hatte ich nicht nur den Kaffee aufgesetzt, sondern auch mein schönstes Lächeln. Da ahnte ich noch nicht, dass sich das Lächeln auf meinem Gesicht in ein breites Grinsen verwandeln würde. Anlass dafür war eine Meldung, die die Nachrichtenredaktion unseres Radiosenders erreichte. Da hatte doch tatsächlich ein Vogel um Einlass gebeten, und zwar durch Klopfgeräusche an einer Tür. Es handelte sich genau genommen um einen Kormoran, der an einem Krankenhaus in Bremen mit seinem Schnabel mehrmals gegen eine Eingangstür gehämmert hatte. Es war ausgerechnet die Eingangstür zu einer Notaufnahme. Brisant an diesem Vorfall: Der Vogel war tatsächlich verletzt. In seinem Schnabel hatte sich ein Angelhaken verheddert. Das Personal aber konnte dem pfiffigen Tier helfen, es vom Haken befreien, seine Wunde versorgen und es wieder gesund in die Freiheit entlassen.

Möglicherweise mussten die Beschäftigten einem menschlichen Patienten mit Schnittwunde sagen: „Einen Moment, bitte. Erst der Kormoran, danach sind Sie an der Reihe.“ Wie aber war es nun dem Kormoran gelungen, an die richtige Tür zu klopfen? Vielleicht hat er oft genug Musik von „The Doors“ gehört. Jedenfalls hat er nicht die Flatter bekommen, sondern hat gewartet, bis ihm jemand geöffnet hat. Er muss sich noch nicht einmal mit fremden Federn schmücken und kann stolz auf seinen Kniff sein. Jedoch sollte er nicht übermütig werden. Manch ein arroganter Vogel hält sich schließlich für den Schnabel der Welt. Würde er auf seine kluge Aktion einen trinken, könnte man von einem Schluckspecht reden. Nebenbei gefragt: Wissen Sie, warum der Specht einen Schnabel hat? Damit er nicht mit seinem Kopf gegen den Baumstamm hämmern muss.

Doch verlassen wir die Welt der Piepmätze und des Federviehs und widmen uns dem Klopfgeräusch. Der Kormoran kann erleichtert feststellen, dass sein Verhalten am Eingang einen guten Ausgang nahm und daher auf Holz klopfen. Laut Norbert Golluch wurde früher in Bergwerken Holz verwendet, um die Gänge unter Tage abzustützen. Die Arbeiter klopften demnach gegen dieses Holz und konnten herausfinden, ob es stabil oder bereits morsch war. Daher klopfen auch wir noch auf Holz, wenn etwas gelingt oder ein Schaden abgewendet wurde. Zumindest können wir dann konstatieren: Es ist alles Klopfsache.

Philipp Kauthe

Radio-Journalist, Buchautor, Podcast „Schlauer auf die Dauer“ (philipp-kauthe.de)

4. Kultur

Eckenroth Nachwuchspreis

Der Eckenroth Nachwuchspreis, organisiert von der Eckenroth Stiftung für Medienkultur, sucht auch in diesem Jahr nach „Autorennachwuchs im Kindesalter“. Der Schreibwettbewerb, der seit 1998 jährlich stattfindet, richtet sich an begabte und interessierte Kinder zwischen zehn und 14 Jahren. Unter dem Motto „KI braucht MI – Begegne der Künstlichen mit deiner menschlichen Intelligenz“ können die Jugendlichen ihre Beiträge bis zum 20. Mai einreichen. Dabei sollen die Teilnehmer maximal zwei getippte Seiten mit ihren Gedanken zu der Kurzgeschichte „Rembrandt“ aus dem Prosaband Mein Leben mit David und Rembrandt verfassen. Insgesamt werden 20 Texte ausgewählt und prämiert. Neben der Veröffentlichung des Textes auf der Eckenroth-Internetseite und einer feierlichen Preisverleihung erhalten die Gewinner eine Einladung zum Einstiegstraining für das Eckenroth-Stipendium, dem dreistufigen Förderprogramm für Autoren. (eckenroth.art)


Mehr Interesse an Plattdeutsch

Plattdeutsch gilt seit Jahren als bedrohte Sprache, da immer weniger Menschen sie im Alltag sprechen. Während 1984 noch rund 5,6 Millionen Menschen Niederdeutsch beherrschten, waren es 2007 nur noch etwa 2,6 Millionen. In Schleswig-Holstein wächst jedoch das Interesse an der Sprache wieder. Laut NDR ist die Zahl der Teilnehmer an Plattdeutsch-Kursen an Volkshochschulen seit 2018 um rund 60 Prozent gestiegen. In manchen Kursen sei die Nachfrage inzwischen sogar größer als bei Englischkursen, erklärt die Plattdeutschlehrerin Feira Siem. Sie erklärt außerdem, dass die Teilnehmer Plattdeutsch aus persönlicher Motivation lernten, etwa, um mit älteren Menschen leichter ins Gespräch zu kommen oder die Sprache als Familientradition an die eigenen Kinder weiterzugeben. Auch wenn solche Kurse den Rückgang der Sprache wohl nicht vollständig aufhalten können, tragen sie dazu bei, das Plattdeutsche lebendig zu halten. (watson.de)


5. Berichte

VDS-Wahlprüfsteine zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. Dr. Hans-Dieter Bottke, Mitglied der VDS-Regionalleitung in der Region Mainz, Bad Kreuznach, Idar-Oberstein (PLZ 55) hat dazu sprachbezogene Wahlprüfsteine an die SPD, CDU, AfD, Grüne, FDP sowie an die Freien Wähler geschickt. Es geht um Deutschkenntnisse beim Schuleintritt, die Förderung des Deutschen als Wissenschaftssprache, Gendersprache und den gesellschaftlichen Stellenwert der deutschen Sprache. „Die Beantwortung der in den Wahlprüfsteinen gestellten Fragen soll den Wählern eine Entscheidungshilfe sein“, so Bottke. Besonders ausführlich nehmen die Parteien dazu Stellung, wie die Deutschkenntnisse von Schulanfängern verbessert werden können. Freie Wähler, CDU, SPD und AfD sehen hier die Lösung eher darin, die Deutschkenntnisse vor allem auch bei Zuwanderern bereits vor dem Schuleintritt auf ein vergleichbares Niveau zu bringen. Die Grünen setzen eher auf Integration im Regelunterricht und die Einstellung weiterer Lehrer und Erzieher. Gendern bedeutet für die Grünen „alle Geschlechter in der Sprache sichtbar und hörbar machen und sie nicht durch ‚Verschweigen‘ auszugrenzen“. Die SPD will „eine respektvolle und inklusive Sprache“, aber ohne eine gesetzliche Verpflichtung zu einer bestimmten Sprachform. AfD und Freie Wähler lehnen Gendersprache rundweg ab. Für die AfD erschwert Gendersprache „Förderschülern und Menschen mit Migrationshintergrund die volle Teilhabe“. Für die CDU bleibt das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung der „Bewertungsmaßstab“.

Für die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz sprechen sich die Freien Wähler, die CDU und die AfD aus, Grüne und SPD halten das für nicht notwendig.

Die rheinland-pfälzische FDP hat keine Antworten zurückgeschickt. Die ausführlichen Antworten der Parteien sind hier zu finden: vds-ev.de.


VDS und IFB Verlag auf der Leipziger Buchmesse

Der VDS wird in der kommenden Woche gemeinsam mit dem IFB Verlag auf der Leipziger Buchmesse vertreten sein. In Halle 4 (Stand A207) haben Interessierte die Gelegenheit, mit uns ins Gespräch zu kommen, sich über die Arbeit des VDS zu informieren und Informationsmaterial zu erhalten. Außerdem können am Stand die Neuerscheinungen des IFB Verlags erworben werden. Der Stand ist an allen Messetagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Interessierte Besucher sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen. Auch die Schreibwerkstatt bzw. der Verlag von VDS-Mitglied Martina Rellin ist auf der Buchmesse vertreten. Rellin hält auch mehrere Vorträge und Workshops mit Inspirationen zum eigenen Schreiben.

Mehr dazu hier: martinarellin.de.


6. Denglisch

Anglizismen ohne Not

In seiner Kolumne für das Nachrichtenportal OM Online beschreibt der Reporter Heiner Stix die „seltsamen Blüten“ der Anglifizierung der deutschen Sprache. Zwar sei etwa das Einkaufszentrum schon lange ein „Shopping Center“, jedoch sei auch die Kundenkarte bereits zu bieder und man wolle Kunden als „Member“ werben. Grundsätzlich habe er nichts gegen englische Begriffe, schreibt Stix, schließlich sage heute kaum noch jemand „Rechenmaschine“ statt Computer. Irritierend werde es aber, wenn alltägliche Wörter ohne Not ersetzt würden: Wenn man plötzlich „lost“ statt verwirrt ist, „safe“ zur Party kommt, eine Hose „nice“ findet oder von jemandem „geghostet“ wird. (om-online.de)


7. Buchwelt

Wortgeschichten in Burglengenfeld

Der Lehrer und Autor Peter Kaspar hat mittlerweile den 3. Band seiner Reihe „Deutsche Sprache? Schöne Sprache!“ im IFB Verlag veröffentlicht. In den Büchern dieser Reihe geht es um die Geschichte der Wörter. Thematisch nach Gruppen geordnet erläutert Kaspar in flüssigem Prosastil, woher die Wörter unseres Wortschatzes stammen. Als Beispiel greifen wir mal den Wortschatz rund um die Möbel Tisch und Bett heraus: Tisch aus altgriechisch dískos (Platte), auch verwandt mit englisch dish.

Bett dagegen aus ahd. betti (‚Liegestatt, Lager, Bett, Federbett‘ aber auch ‚Beet‘) und so weiter und so fort. Aus Kaspars gut verständlichen Wortetymologien kann man viel über den deutschen Wortschatz lernen.

Dies haben sicherlich auch die Gäste einer Lesung in der vergangenen Woche im Bürgertreff in Burglengenfeld in der Oberpfalz getan. Peter Kaspar las dort aus seinen Büchern in der Reihe „Aktion Städtedreieck“ vor. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Martin Pilz, regional sehr bekannt als Hammerhack. (oberpfalzecho.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel

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