Infobrief vom 20. Februar 2026: Deutsch überwiegt

1. Presseschau

Deutsch überwiegt

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird in 77 Prozent der Haushalte in Deutschland ausschließlich Deutsch gesprochen. Weitere 17 Prozent der Bevölkerung nutzen neben Deutsch mindestens eine weitere Sprache, 6 Prozent sprechen zu Hause gar kein Deutsch. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2024 und wurden anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am 21. Februar veröffentlicht. Unter den Mehrsprachlern verwenden 26 Prozent Deutsch als vorwiegende Sprache im häuslichen Umfeld, während 74 Prozent hauptsächlich eine andere Sprache nutzen. Insgesamt sprechen damit rund 15,5 Millionen Menschen in Deutschland zu Hause überwiegend oder ausschließlich eine andere Sprache als Deutsch. Am häufigsten sind Türkisch mit 14 Prozent, Russisch mit 12 Prozent und Arabisch mit 9 Prozent vertreten. Bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte sprechen 22 Prozent ausschließlich Deutsch. 55 Prozent verwenden Deutsch und mindestens eine weitere Sprache, 23 Prozent sprechen im Alltag zu Hause kein Deutsch. Als Personen mit Einwanderungsgeschichte gelten Menschen, die selbst oder deren beide Elternteile nach 1950 nach Deutschland eingewandert sind. (welt.de, sueddeutsche.de)


Latein bleibt relevant

An den beiden Gymnasien im nordrhein-westfälischen Kaarst müssen sich Sechstklässler weiterhin zwischen Französisch und Latein als zweite Fremdsprache entscheiden. Die Schulleiter und Lateinlehrer Volker Werker vom Georg-Büchner-Gymnasium und Bruno von Berg vom Albert-Einstein-Gymnasium halten diese klassische Kombination weiterhin für zeitgemäß und angemessen. Französisch sähen sie als wichtige moderne Fremdsprache mit europäischer und internationaler Bedeutung, insbesondere mit Blick auf die deutsch-französische Zusammenarbeit. Latein wiederum sei prägend für die deutsche Sprache, schule analytisches Denken und stärke Lese- sowie Ausdrucksfähigkeit. Zudem vermittle es ein grundlegendes Sprachverständnis, das beim Erlernen weiterer Sprachen hilfreich sei. Dass Spanisch weltweit noch verbreiteter ist, sehen die Schulleiter nicht als Argument gegen Französisch. Beide betonen dessen politische und europäische Relevanz. Hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades gebe es keinen grundsätzlichen Unterschied. Französisch erfordere Sprachpraxis und sichere Grammatikkenntnisse, Latein verlange kontinuierliches Lernen von Vokabeln und genaues Arbeiten. (rp-online.de (Bezahlschranke))


KI übersetzt Ostergottesdienst

Der Vatikan testet im Petersdom eine neue KI-gestützte Simultanübersetzung. Wie das Kommunikationsdikasterium mitteilte, startet die Erprobung in den kommenden Tagen und soll bis zum Frühjahr abgeschlossen sein. Bei erfolgreichem Verlauf könnten Besucher bereits in der Osternacht die Predigt des Papstes per Smartphone in bis zu 60 Sprachen mitverfolgen. Zum Einsatz kommt eine Anwendung namens „Lara“ des Unternehmens Translated, maßgeblich entwickelt vom deutschen KI-Forscher Alexander Waibel am Karlsruher Institut für Technologie. Es handelt sich um den bislang größten Einsatz dieser Technologie in einem Gotteshaus. Um die Übersetzungsfunktion zu nutzen, müssen die Gottesdienstbesucher am Eingang einen QR-Code scannen und ihre Sprache auswählen, um die Liturgie als Text oder Audioübertragung zu verfolgen. Eine zusätzliche App sei nicht nötig. (katholisch.de)


Mehr KI in den Amtsstuben

Auch in deutschen Amtsstuben kommen immer mehr KI-Systeme zum Einsatz, um schwer verständliches Amtsdeutsch in bürgernahe oder sogar Leichte Sprache zu übersetzen. Hintergrund ist, dass viele Verwaltungstexte selbst für Muttersprachler schwer zugänglich sind. Eine Studie des H & H Communication Lab in Ulm aus dem Jahr 2024 belegt, dass die Internetseiten großer Städte, der Bundesministerien und öffentlich-rechtlichen Körperschaften oft nur schwer verständlich sind. Die Texte für Laien verständlich zu machen, sei jedoch auch mit Herausforderungen verbunden, erklärt Dr. Jörg Hensiek vom Wissenschaftsjournal Haufe. Verwaltungssprache orientiere sich stark an juristischen Vorgaben. Fachbegriffe könnten daher nicht einfach gestrichen, sondern müssten erläutert werden. Zudem müsse die öffentliche Verwaltung alle Bürger gleichermaßen ansprechen, was als sprachlich anspruchsvolle Aufgabe gelte. KI-Programme sollen hierbei Abhilfe schaffen und einfachere Formulierungen anbieten. Dafür wird die KI mit großen Mengen an Gesetzes- und Verwaltungstexten trainiert. Bereits im Einsatz sind unter anderem Textassistenten wie F13 in Baden-Württemberg, spezielle Behördenprogramme wie Assistent.iQ oder VBG-KlarText von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft sowie Anwendungen wie SUMM AI zur Umwandlung in Leichte Sprache. Städte wie Berlin, Koblenz, Gelsenkirchen oder Bremerhaven setzen KI-basierte Chatbots ein, die Bürgeranfragen direkt verständlich beantworten. (haufe.de)


2. Sprachspiele: Unser Deutsch

niedergelassen

Wir kennen das Wort vor allem in der Verbindung niedergelassener Arzt. Aber mancher wird sich schon gefragt haben: Was ist das für ein Arzt? Was bedeutet eigentlich niedergelassen? Ärzte wissen das natürlich. Spätestens nach dem Examen stellt sich die Frage: Kann ich mich mit eigener Praxis selbständig machen? Wenn das gelingt, heißt es „er hat sich niedergelassen“. Das Verb niederlassen hat hier eine übertragene Bedeutung. Wörtlich bedeutet es ‚sich auf etwas herunterlassen‘. Von Vögeln kann es heißen „sie haben sich auf einem Baum niedergelassen‘. Wenn Menschen sich vor jemandem niederlassen, dann knien sie. Heute wohl selten. Darum gilt diese Verwendung als veraltet. Beim übertragenen Gebrauch geht es nicht mehr um eine reale Bewegung von oben nach unten, sondern quasi um die Landung, die Verankerung einer gewerblichen Einrichtung in einer Gemeinde. Diese Verwendung ist schon im Mittelhochdeutschen belegt. In dem Substantiv Niederlassung hat sie seit dem 18. Jahrhundert einen festen Platz im deutschen Wortschatz. Oft bezeichnet dies einen Teilbetrieb, eine Geschäftsstelle, auch Zweigniederlassung genannt. Jede Niederlassung bedarf im Übrigen einer Erlaubnis durch die zuständige Gemeinde. Dort wird in der Regel Gewerbesteuer gezahlt, eine der wichtigsten Einnahmequellen der Kommunen. Mit dem Wort Niederlassung und vielen weiteren Zusammensetzungen wie Niederlassungsrecht und Niederlassungsfreiheit wird also ein wichtiger Aspekt unseres Wirtschaftslebens bezeichnet. Dagegen ist der Ausdruck niedergelassener Arzt eher ein Fachbegriff, den nicht jeder auf Anhieb versteht.

Verschiedenes lässt sich an diesem einfachen Beispiel erkennen. 1. Wörtliche und übertragene Bedeutung existieren oft nebeneinander. Beim Verb niederlassen ist die wörtliche nur noch eingeschränkt, die übertragene (als Adjektiv niedergelassen) vor allem in fester Verbindung mitArzt üblich. 2. Die übertragene Bedeutung hat sich vor allem im SubstantivNiederlassung verfestigt.Der Bezug zur wörtlichen Bedeutung des Verbs niederlassen ist hier weitgehend verlorengegangen. 3. Die Entwicklung einer Wortfamilie zieht sich über Jahrhunderte hin. Das vorliegende Beispiel zeigt die Entstehung von Substantiv und partizipialem Adjektiv (Niederlassung, niedergelassen) aus Verben, teils mit übertragener, teils mit wörtlicher Bedeutung. Beim intransitiven Gebrauch ist die wörtliche Bedeutung im Aussterben, beim transitivem (etwas herunterlassen) bewahrt. Solch komplizierte Verhältnisse sind sprachgeschichtlich der Normalfall. Das Grimmsche Wörterbuch hat diese Vielfalt schon im 13. Band aus dem Jahre 1889 gut dokumentiert.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


3. Kultur

Fering wird gefördert

Auf der nordfriesischen Insel Föhr haben zwei Sprachwissenschaftler der Ferring Stiftung, Robert Kleih und Hauke Heyen, einen KI-gestützten Online-Übersetzer für die Föhrer Variante der nordfriesischen Sprache, Fering, entwickelt. Das kostenlose Programm mit dem Namen „Fering Auersaater“ überträgt Texte aus dem Hochdeutschen oder Englischen ins Föhrer Friesisch und umgekehrt. Rund 3000 Menschen sprechen Fering noch aktiv, damit zählt es zu den seltensten Sprachen Europas. Ziel des Projekts sei es, die Sprache digital zu sichern und weiterzuentwickeln. Da es kaum digitale Sprachdaten gab, mussten tausende Sätze manuell gesammelt und übersetzt werden. Technische Grundlage bildet das KI-Sprachmodell des Meta-Konzerns „No Language Left Behind“, das für Fering angepasst wurde. Der Übersetzer richte sich nicht nur an Insulaner, sondern auch an Interessierte und Nachfahren von Föhrer Auswanderern weltweit. Ergänzend fördert die Stiftung die Sprache auch auf anderen Wegen, etwa durch die Übersetzung bekannter Kinderbücher, wie beispielsweise der Kinderbuchklassiker „Der Regenbogenfisch“ von Marcus Pfister, ins Inselfriesische. (abendblatt.de)


4. Berichte

VDS-Buchspende in Halle/Saale

Die Buchspende des VDS an alle Erstklässler der Stadt Halle an der Saale hat nun auch die überregionalen Medien erreicht. In der WELT wurde ein Beitrag aufgegriffen, der vor zwei Wochen bereits in dem Infoportal dubisthalle.de erschienen war. Demnach hatten mehrere Abgeordnete des Stadtrates beantragt, die Buchspende abzulehnen. Grund: Der VDS sei „rechtspopulistisch“, weil er den Gebrauch von Fremdwörtern eindämmen wolle und Gendersprache ablehne. In der Kommentarspalte unter dem WELT-Artikel bezogen über 400 Leser Stellung zu dem Vorgang: „Goethe, Bach, Hölderin und Brecht? Sie sind eindeutig rechtsradikal“, schrieb „Lesender“. „In allen anderen Ländern dieser Erde würde ein Verein, der die Tradition der Sprache bewahren will und sich an Gesetze hält, gefeiert werden“, so „Queroland“. VDS-Geschäftsführer Holger Klatte hatte bereits gegenüber dubisthalle.de betont, dass es völlig legitim sei, „Denglisch als unpassend und Gendersternchen als unverständlich anzusehen“. Aber ohnehin hat der Stadtrat der Bücherspende mehrheitlich zugestimmt und die bereits angelieferten Bücher aus dem Verlag Ravensburger werden nun an die rund 2.000 im Jahr 2025 eingeschulten Kinder verteilt. (welt.de)


5. Soziale Medien

Von „Eisbrechenden“ und „LNG-Tankenden“ 

Der NDR berichtete auf seiner Netzseite über ein defektes Mehrzweckschiff, den Eisbrecher „Neuwerk“. Und obwohl im Beitrag nüchtern von Schleppern, LNG-Tankern und dem defekten Ostsee-Eisbrecher berichtet wird, erstaunt die Überschrift mit einer bizarren Form der Gendersprache, denn dort wird der Eisbrecher zum „Eisbrechenden“. Auch der VDS bemerkte diesen Patzer und bot netterweise eine Korrektur an. Getreu dem Motto „wenn schon, denn schon“, kam der Rotstift zum Einsatz, um das fehlende Sprachverständnis der Redaktion hervorzuheben. Wenn der Eisbrecher gemäß der Gendersprache zum „Eisbrechenden“ wird, dann kann aus dem Schlepper auch der „Schleppende“ und aus dem LNG-Tanker der „LNG-Tankende“ werden. (x.com/vds, facebook.com/vds)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel

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