1. Presseschau
Deutschkenntnisse im Freibad
Freibäder sind dieser Tage gut besucht. Im Heidebad in Halle an der Saale sorgt eine neue Einlassregel für Aufregung. Badbesucher ohne Deutschkenntnisse können dahingehend überprüft werden, ob sie die Baderegeln ausreichend verstanden haben. Badbetreiber Mathias Nobel begründet die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken. Wenn jemand nur in seiner Muttersprache um Hilfe rufen könne, verstünden die Bademeister dies unter Umständen nicht, erklärte er.
Anlass für die Regelung sei ein Vorfall gewesen, bei dem er ein Kleinkind aus tiefem Wasser retten musste. Bestimmtes Verhalten könne man als Wasserretter nicht tolerieren, sagte auch ein weiterer Bademeister aus der Region, der nicht namentlich genannt werden möchte.
Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt sowie die Partei Die Linke bezeichneten die Maßnahme hingegen als diskriminierend. Sie fordern stattdessen mehrsprachige Badeordnungen oder Piktogramme, um Sicherheit und Teilhabe gleichermaßen zu gewährleisten. Die Stadt Halle hat den Badbetreiber gebeten, die Vorgabe zurückzunehmen. Oberbürgermeister Alexander Vogt sagte: „Ich erhalte im Ausland an einem öffentlich als Badegewässer zugelassenen See auch kein Badeverbot, weil ich der Landessprache nicht mächtig bin.“
Mittlerweile hat der Betreiber des Heidebades klargestellt: „Entgegen mancher Berichterstattung geht es nicht um die deutsche Sprache oder Sprachbarrieren. Entscheidend ist ausschließlich, dass sicherheitsrelevante Informationen verstanden werden können.“ (n-tv.de)
Das Goethe-Institut wird 75
Als 1952 das erste Goethe-Institut in Athen eröffnet wurde, sollte die als gemeinnütziger Verein in München ansässige Organisation vor allem der Ausbildung ausländischer Deutschlehrer dienen. Gegründet wurde dieser Verein ein Jahr zuvor und feiert deswegen 2026 seinen 75. Geburtstag. Heute gibt es 150 Standorte des Goethe-Instituts in 99 Ländern und es ist weit mehr als eine Ausbildungsstätte für Deutschlehrer, die zu rund zwei Dritteln aus dem Etat des Auswärtigen Amtes finanziert wird. Seit 1976 hat das Goethe-Institut durch einen Rahmenvertrag mit dem Auswärtigen Amt quasi hoheitliche Aufgaben als Mittlerorganisation für die Kulturpolitik Deutschlands im Ausland, wird sogar als dritte Säule der deutschen Außenpolitik bezeichnet. Ein Schwerpunkt ist weiterhin die Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache, die Durchführung von Sprachkursen und das Abnehmen von Prüfungen. Eine weitere zentrale Aufgabe ist die kulturelle Zusammenarbeit mit anderen Staaten. Dabei geht es nicht nur um Sprachkultur, sondern auch um Film, Tanz, Ausstellungen und andere Ausdrucksformen. Drittes Hauptziel ist die Vermittlung eines vielschichtigen und zeitgemäßen Deutschlandbildes durch Kultur-, Bildungs- und Medienarbeit. Zum Festakt in Berlin in der vergangenen Woche kam deswegen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Gesche Joost, seit 2024 Präsidentin des Goethe-Instituts, betonte auch die Arbeit in aktuellen Krisenregionen, z. B. in der Ukraine: „Wir haben erkannt, dass wir in Krisenregionen wichtige Partner der Zivilgesellschaft sind. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, sensibel und diplomatisch zu agieren, um nicht ausgewiesen zu werden.“ (dw.com)
Konsumereignis oder Rückfall?
In der NZZ wird über vermeintlich beschönigende Fachsprache in der Medizin diskutiert. Auslöser ist der Begriff „Konsumereignis“, der in der Suchthilfe zunehmend anstelle von „(Drogen-)Rückfall“ verwendet wird. Christian Lorenz, Leiter des medizinisch-therapeutischen Bereichs der Forel Klinik in Zürich, und Thomas Meier, ärztlicher Leiter der Klinik, argumentieren jedoch, dass diese neue Wortwahl nicht die Folgen einer Suchterkrankung verharmlosen solle, sondern ein verändertes medizinisches Verständnis widerspiegele. Abhängigkeit werde heute als Krankheit und nicht als moralisches Versagen betrachtet. Der Begriff „Rückfall“ vermittle vielen Betroffenen hingegen das Gefühl, alle bisherigen Fortschritte verloren zu haben. „Konsumereignis“ solle verdeutlichen, dass erneuter Konsum zwar ernst zu nehmen sei, aber auch Teil eines längeren Genesungsprozesses sein könne. Sprache transportiere dabei immer auch eine Haltung: Sie soll respektvoll und präzise sein, ohne Probleme zu beschönigen oder Betroffene zu stigmatisieren. (nzz.ch (Bezahlschranke))
Von Eiern und Pferdeschwänzen beim Fußball
Die Fußballsprache ist oft militärisch angehaucht. Es wird gestürmt, verteidigt und geschossen. Fußballsprache ist auch immer Fachsprache, sie soll sogar exklusiv sein, damit sich Fans untereinander erkennen und professionell austauschen können. Das Militärische der Kaiserzeit habe sich dabei durchgesetzt, weil sich das Spiel in dieser Zeit verbreitet habe, so der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker von der TU Dresden. Damals habe das Militär „allergrößtes gesellschaftliches Prestige genossen. Und dann waren diese Metaphern besonders anschlussfähig und sind es auch über viele Jahrzehnte hinweg geblieben.“ Heute werde dabei aber immer weniger brutal und martialisch über den Sport gesprochen als noch in den 1950er Jahren, viele Floskeln wie „im Abseits stehen“ würden auch von Nicht-Fußball-Fans verstanden, die Sprache habe also Einzug in den allgemeinen Wortschatz gehalten. Auch Politiker sprächen davon, dass „der Ball in der Hälfte des Gegners liegt“ oder „rote Karten“ verteilt werden. Auch der Frauenfußball habe dazu beigetragen, gerade dort werde in den Medien mit anderen sprachlichen Mitteln berichtet. Dabei gebe es auch dort durchaus das ein oder andere Schmankerl, so Meier-Vieracker. „Übrigens haben die Frauen das mal wunderschön gekontert mit einer Werbekampagne, wo sie gesagt haben: ‚Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze‘. Und das fand ich sehr schön.“ (mdr.de)
2. Gendersprache
Mike Krüger braucht kein Gendern zur Gleichberechtigung
Kürzlich veröffentlichte Mike Krüger mit seinem Lied „Die Gender Jünger“ eine Abrechnung mit den überzeugten Gender-Freunden. In ihrem Podcast „Gestatten, von Sinnen!“ versuchte die Moderatorin Hella von Sinnen nun, Krüger von den Vorzügen des Genderns zu überzeugen. Mike Krüger zeigte sich wenig beeindruckt. Er lebe in einem „Frauen-Umfeld“ und denke da nicht drüber nach, denn bei ihm sei man bereits gleichberechtigt. Dass das weltweit nicht so sei, wisse er durchaus, aber er liebe nun mal die deutsche Sprache. Bei ihm erwecke Gendern den Eindruck von Zwang, es sei drüber, Frauen extra zu erwähnen. (web.de)
3. Sprachspiele: Wörterwunderwelt
Brühgruppen und Gabelstapler
Ich liebe meine Küche, wir sind ein schönes Paar / Ich mag ihre Gerüche, und ich mag ihr Inventar.
Man wird diesen Vers guten Gewissens als Küchenlyrik bezeichnen dürfen. Widerspruch würde sich aber sicherlich erheben, wenn man hier von zwei Küchenzeilen sprechen wollte. Dieser Begriff ist heute leider anders besetzt.
Das Lied, das mit den zitierten Worten beginnt, ist etwa 30 Jahre alt und stammt aus der Feder von Reinhard Mey. Weil es ein hübscher Text ist, dürfte das Lied getrost mal wieder veröffentlicht werden. Vielleicht von einer Band mit dem Namen Brühgruppe?
Küchenzeile und Brühgruppe: Wenn man sich in den heimischen vier Wänden nur einmal um die eigene Achse drehen muss, um gleich zwei so schöne deutsche Wörter zu finden (und wenn wir die Hausfrauentunke und die Pampelmuse noch mitnehmen, dann sind es schon vier): Was erwartet uns da erst draußen vor der Tür? Nun, nicht weniger als eine Wörterwunderwelt. Man muss halt nur die Augen offen halten, dann stößt man auf Exemplare, die so hübsch aussehen, als seien sie erfunden. Und manche sind es ja auch. So wie die Heizölrückstoßabdämpfung, die nur deshalb erfunden wurde, weil sie aus 24 Buchstaben besteht, von denen keiner zweimal vorkommt.
Aber die wahren Schönheiten sind doch die natürlich gewachsenen Wörter, die nicht nur gut aussehen und klingen, sondern auch noch etwas bedeuten. Zum Beispiel das Dokument, das jemand in einer Prüfung erwerben muss, bevor er einen Gabelstapler lenken darf. Der Gabelstapler wird, weil das Wort zu schön ist für die Behördensprache, amtlicherseits Flurförderfahrzeug genannt. Schon das ist ein Wort, das einiges hermacht. Es ist aber noch steigerungsfähig. Und Sie ahnen, was der Gabelstaplerfahrer aus der Latzhose zieht, wenn er seine Befähigung nachweisen muss: seinen Flurförderfahrzeugführerschein.
Bernd Meier
Der Autor lebt in Bremen und hat viele Jahre für den Weser-Kurier geschrieben, u. a. mehr als 1000 Texte für die tägliche Kolumne „Tach auch“. Die Edition Temmen hat in zwei Bänden eine Auswahl aus diesen Texten veröffentlicht.
4. Kultur
Sprachenfest in Dachau und München
Beim 35. Sprachenfest des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen wurden in diesem Jahr gleich zwei erste Plätze vergeben. Die Siegergruppen kamen vom Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg und vom Hermann-Böse-Gymnasium in Bremen. Die Regensburger Schüler gewannen mit einem lateinischen Beitrag, in dem sie die Götterwelt des antiken Roms als modernes Influencer-Universum inszenierten. Die Bremer Gruppe gewann mit einem englischsprachigen Beitrag über die Frage, ob Soziale Medien für unter 16-Jährige verboten werden sollten. Am Wettbewerb beteiligten sich im laufenden Schuljahr mehr als 10.000 Schüler in über 2.000 Gruppen. Eingereicht wurden fremdsprachige Theaterstücke, Filme und Hörspiele in Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Latein. Die besten 36 Gruppen präsentierten ihre Beiträge beim Finale in Dachau und München vor einer Expertenjury. Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Bayerische Kultusministerin, sprach sich für den Wettbewerb aus, da „junge Menschen stark gemacht werden für das Leben und Arbeiten in einer global vernetzten Welt“. (presseportal.de)
„Griehgeniffte“ im Vogtland
Im sächsischen Vogtland wird bis heute vielerorts Vogtländisch gesprochen. Um die regionale Mundart zu pflegen, findet dort jährlich die Wahl zum Vogtländischen Wort des Jahres statt. In diesem Jahr siegte „Griehgeniffte“, die regionale Bezeichnung für geriebene grüne Klöße. Bei der Abstimmung setzte sich das Wort mit 24,6 Prozent der Stimmen gegen fünf weitere Dialektbegriffe wie „Forzkapsel“, „biedln“ oder „Babuschn“ durch. Mehr als 1.200 Menschen beteiligten sich an der Wahl. Landrat Thomas Hennig betonte dabei die enge Verbindung von Sprache, Tradition und regionaler Küche, die das Vogtland unverwechselbar mache. (mdr.de)
5. Berichte
VDS beim Tag der Niedersachsen
Musik, Aufführungen und Mitmachaktionen – beim Tag der Niedersachsen Mitte Juni hat sich in Braunschweig auch der VDS präsentiert. Bei vielen anregenden Gesprächen konnten die Besucher etwas über die vielfältigen Angebote und Projekte des VDS erfahren, und auch für unsere Regionalleiter Dr. Tobias Hillemacher und Dr. Alexander Börger war es eine gute Gelegenheit, neue und spannende Kontakte für die Vereinsarbeit zu knüpfen. (facebook.com/vds, instagram.com/vds, x.com/vds)
6. (D)englisch
Douglas mit neuem Denglisch
Nach „Come in and find out“ hat die Parfümeriekette Douglas jetzt ein neues Denglisch-Ungetüm in die Werbelandschaft geworfen: „Welcome to beautiful“. Allerdings schlägt da vermutlich jeder Englisch-Muttersprachler die Hände über dem Kopf zusammen. Selbst eine Substantivierung über „the beautiful“ klingt ungelenk und entspricht nicht dem Sprachgebrauch. Schönheit würde eigentlich „beauty“ heißen, „Welcome to beauty“ würde also immerhin noch einen sinnvollen Satz darstellen, schien aber bei Douglas keine Alternative zu sein. (facebook.com/vds, instagram.com/vds)
7. Soziale Medien
Artzt, Resigeur und Schallosin
Ein Nutzer hatte die TikTok-Gemeinde gefragt, bei welchen Wörtern sie Probleme hat. Rausgekommen sind lustige Rechtschreibfallen wie Chiwaptschitschi und Artzt, aber auch Philip, Philipp, Phillipp und Phillip sorgten regelmäßig für Kopfschmerzen. Die Nutzerin @its.naoomi.de fasst die Kommentare unter einem anderen Video zusammen. (tiktok.com/its.naoomi.de)
Deutsch lernen per Wahrsagerin
Das Goethe-Institut Wrocław hat sich eine besonders humoreske Art einfallen lassen, um Polen Deutsch beizubringen. Das virale Video einer Wahrsagerin, die Karten legt, wurde mit Deutsch/Polnisch untertitelt. Die absurden und kurzen Gespräche mit Telefonanrufern wirken so doppelt lustig. (tiktok.com/goethe.wroclaw)
Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.
Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel
