Infobrief vom 1. August 2021: Gendern in Baden-Württemberg subversiv durchsetzen

1. Presseschau

Gendern in Baden-Württemberg subversiv durchsetzen

Die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Theresa Schopper (Grüne), möchte Genderregeln an den Schulen ihres Bundeslandes nicht auf Wandtafeln, sondern durch eine Nebentür zur Geltung bringen. Genderzeichen sollen im Unterricht, wenn nicht vorgeschrieben, so doch zugelassen werden. „Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule für geschlechtergerechte Sprache sensibilisiert werden, und das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist ja auch im Bildungsplan verankert‟, sagte Schopper am vergangenen Montag den Stuttgarter Nachrichten. Es sei zu begrüßen, wenn „Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren.‟ Dies gelte allerdings nur bis zur Prüfung – in Prüfungsarbeiten sollen sich die Schüler weiterhin an das amtliche Regelwerk halten.

Die CDU in Baden-Württemberg verweist darauf, dass damit nicht nur der Koalitionsvertrag verletzt werde. „Wenn das Kultusministerium jetzt sagt, dass jede Schule oder gar jede Klasse das Gendersternchen handhabt, wie sie gerade möchte“, entstehe ein nicht mehr zu verstehendes Nebeneinander, hält die baden-württembergische CDU-Generalsekretärin Isabell Huber dagegen. Der Philologen-Verband des Bundeslandes spricht von „Sprachvergewaltigung“. Auch der Verband Erziehung und Bildung (VBE) protestiert: Schulen würden dem Druck der meinungsstarken Elternschaft ausgesetzt. Vielmehr erwarte der VBE „eigentlich den Schutz der Lehrkräfte und Schulleitungen durch den Dienstherrn.“ Wenn Schulen unterschiedlich vorgehen, folgen daraus uneinheitliche Schreibweisen, so der VBE. Wie Kultusministerin Schopper diese Neuerung legitimieren will, bleibt offen. Denn an Schulen in Deutschland gelte bei der Vermittlung der deutschen Sprache das Amtliche Regelwerk für die deutsche Orthografie. Dessen Herausgeber, der Rat für deutsche Rechtschreibung, empfiehlt Genderzeichen nicht.

Claus Maas, VDS-Bereichsleiter für Deutsch in der Schule, merkt an, dass die Kultusministerin die Sprachnorm nicht zufälligen Übereinkünften beliebiger Lerngruppen überlassen darf. Die Argumentation, der Rechtschreibrat habe „den Asterisk oder den Unterstrich nicht in sein Regelwerk aufgenommen, ihn aber auch nicht als falsch verboten“, sei eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit. (zeit.de, faz.net, bo.de)


Warnglocken für eine uralte Sprache

Im Zuge der Hochwasserkatastrophe wird mangelnde Warnung der Bevölkerung beklagt, aber auch gelächelt. Auf domradio.de verweist Alexander Brüggemann auf den Spott über den Wuppertaler Ordensmann, der die Glocken läuten ließ, um die Bürger in seinem Vorort zu warnen. Brüggemann kritisiert Spiegel Online und das Satireportal Postillion, die sich abschätzig positionierten: Deutschland sei rückschrittlich. Brüggemann betont jedoch die jahrhundertealte Geschichte des Glockenschlags. Er sei nicht nur an die ältere Generation gerichtet, auch bei den Jüngeren kann bei fehlendem Netzempfang oder durch Einschalten des Flugmodus keine Warnapp im Händi rechtzeitig helfen. Glocken seien zuverlässig seit Jahrhunderten und ordneten in der Vergangenheit das Leben eines Dorfes. Dabei hatten unterschiedliche Glockentöne eigene Funktionen. Die Glocke war ein Mittel zur Nachrichtenvermittlung. So gab es die Totenglocke, die Schandglocke um vor Verbrechern zu warnen, die sogenannte Blutglocke, die bei Hinrichtungen geläutet wurde und eben die Signalglocke, die vor Gefahren wie Reiterheeren, Bomben oder auch Feuer und Wasser warnte. Das Läuten der Signalglocke während des jüngsten Hochwassers sei kein rückschrittlicher Akt sondern eine Heldentat gewesen, argumentiert Brüggemann. Das Glockenläuten sei nun mal eine eigene Sprache, die vor allem die ältere Generation noch verstehen und wertschätzen kann. (domradio.de)


Neue Nationalfarben angesagt?

In der ZEIT bekennt Theo Sommer, Historiker und ehemaliger Chefredakteur dieser Wochenzeitung, dass er sich „schwarzärgert“. Ob nun auch der Schwarzwald umzubenennen sei?

Politische Korrektheit solle vor allem in der Sprache durchgesetzt werden. Das werde eine „überempfindliche (…) identitätspolitische Verschandlung der deutschen Sprache“ und eine „Anmaßung von Minderheiten, der Mehrheit vorzuschreiben, was sie denken (…) darf.“ Besonders ärgert ihn die „eilfertige Devotheit, mit der sich staatliche Behörden, öffentliche Institutionen und deutsche Fernsehgrößen den modischen Anwandlungen der Sprach- und Denkpanscher unterwerfen.“ Einen rassistischen Hintergrund habe der Begriff Schwarzfahren nicht. Höchstwahrscheinlich wurde er aus dem rotwelschen oder jiddischen Wort „shvarts“ abgeleitet, es bedeutet „arm“. Sommer erinnert an Schwarzbrot, Schwarzes Brett (Anschlagtafel), Schwarzkittel (Wildschwein), Schwarzrock (Geistlicher) und fragt, ob nun auch die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold zu ändern wären, weil Afrikaner und Chinesen daran Anstoß nehmen könnten?

Sommer beklagt auch die Vergenderung der deutschen Sprache, dadurch verliere sie „an innerer Harmonie, Musikalität, Natürlichkeit, Durchsichtigkeit und Einheitlichkeit.“ Es sei in keiner Weise empirisch zu belegen, dass sich auf diese Weise die politische Wirklichkeit verändern lasse. Er zitiert Judith Sevinç Basad (in der Neuen Zürcher Zeitung), dass sich „Frauen und Queers während der letzten 70 Jahre in rasantem Tempo aus den Fesseln des Patriarchats befreit haben – und dies auch mit dem generischen Maskulinum und ohne Gendersternchen, Unterstriche oder Doppelpunkte.“ Es war schon immer falsch zu glauben, dass sich die Sprache wandelt. Sommer zitiert Peter Schmachthagen (im Hamburger Abendblatt): „Im Augenblick wandelt sich die Sprache nicht, sondern sie wird gewandelt, verunstaltet und missbraucht.“ Mit natürlichem Sprachwandel habe die Gendersprache nichts zu tun. Damit solle eine Weltanschauung durchgesetzt werden, und zwar gegen den Willen der Mehrheit, die zu über 70 Prozent dagegen ist. (zeit.de)


Alle dagegen, aber sie machen es trotzdem

Nicht nur Behörden und Medien beschäftigen sich derzeit mit der Gendersprache, auch viele Mitgliederorganisationen sind verunsichert, ob sie ihrem Sprachgefühl weiterhin trauen dürfen und vor allem mit dem generischen Maskulinum weiterarbeiten können. Viele befragen ihre Mitglieder: Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern ruft in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift KVBforum zu Stellungnahmen auf. Männliche und weibliche Ärzte sollen unter der E-Mail-Adresse kvbforum@kvb.de ihre Meinung zum Gendern kundtun. „Es gibt für die Darstellung der Geschlechtergerechtigkeit in Wort und Schrift bislang keine Musterlösung und auch noch kein Gesetz, das uns zum Handeln verpflichten würde‟, schreibt der KVB-Vorstand im Vorwort. Doch, die Musterlösung gibt es seit langem: Wer einen Arzt braucht, dem ist es in aller Regel gleich, welches Geschlecht der Mensch hat, der ihn behandelt. Auch die christlichen Kirchen suchen verzweifelt nach Wegen, die Männlichkeit Gottes oder Jesus Christus’ zu verschleiern. Nun hat auch das Bistum Hildesheim eine „Handreichung für geschlechtersensible Sprache‟ herausgegeben. Statt „Gott, unser Vater‟ soll es nun heißen „Guter Gott, der du uns Vater und Mutter bist‟, statt „Herr Jesus Christus‟ ab jetzt „Christus, unser Bruder‟ (was am „Bruder‟ weniger männlich sein soll, bleibt offen), und aus „Jüngern‟ werden „Jüngerinnen und Jünger‟. Der NDR befragt in einem Beitrag Passanten, sie haben für die Änderungen überhaupt kein Verständnis. Die Verantwortlichen knicken trotzdem ein. (kvb.de (PDF-Datei), ndr.de)


Ermüdender Sprachkampf

Der Journalist und Sprachwissenschaftler Wolfgang Krischke empört sich in der FAZ über die „fragwürdige Streitschrift‟ des Direktors des Instituts für Deutsche Sprache, Henning Lobin, die im Frühjahr mit dem Titel Sprachkampf. Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert im Duden-Verlag erschienen ist. Lobin stelle Purismus, Kritik an der Gendersprache und politischer Korrektheit und andere „Kampfziele‟ als rechtslastig dar, sie seien nutzbar für nationalistische Propaganda. „Folgt man Lobins Logik,“ sagt Krischke, „müsste jede Äußerung, die eventuell Beifall von der falschen Seite erregen könnte, von vorneherein der Selbstzensur zum Opfer fallen.“ Offenbar schwebe Lobin genau dieses vor, denn er mahnt in seiner Streitschrift, „es sollten sich alle, die sich öffentlich zur deutschen Sprache äußern, darüber bewusst sein, dass ihre Aussagen immer auch im Kontext einer nationalidentitären Politik gedeutet und eingeordnet werden.“

„Nun kann man über den Sinn oder Unsinn all dieser sprachpolitischen Standpunkte streiten, aber keiner ist für sich genommen ‚rechts‘‟, so Krischke. Besonders unangenehm fällt ihm dahre auf, mit welcher Leichtigkeit Lobin Netzwerke zwischen Sprachwissenschaftlern und Rechtspopulisten für bewiesen hält. Wer keinen Sinn für Verschwörungstheorien habe, werde die langatmigen Schilderungen, wer mit wem in bedenklichem Kontakt stand, ermüdend finden. Eine unvoreingenommene, wissenschaftlich fundierte Analyse sei Lobins Buch jedenfalls nicht, meint Wolfgang Krischke. (faz.net)

Alles beim Alten

Die Moderatorin Jana Pareigis übernimmt die Nachfolge der Nachrichtensprecherin Petra Gerster für die Moderation der heute-Nachrichten. Mit diesem Personalwechsel bleibt eines beim alten: Auch Pareigis wird – wie ihre Vorgängerin – gendern. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland betonte die Nachrichtensprecherin auf das Gendersternchen zu setzen, denn ihr sei wichtig, „dass man alle anspricht, nicht nur Männer und Frauen.“ Dass das auch mit dem generischen Maskulinum möglich ist, ignoriert sie. Pareigis sagt zwar von sich selbst, dass diese Sprachpraxis etwas sei „woran man sich gewöhnen“ müsse, aber sie begrüße diese, „weil man sich auch selbst hinterfragt.“ „Ich möchte Nachrichten für alle Menschen machen, deswegen werde ich das Gendersternchen benutzen“, begründet Pareigis ihre Wahl des Sprechens. (rnd.de)

Red.: Vermutlich sind alle Menschinnen mitgemeint.


2. Unser Deutsch

aufparken, nachschärfen, queer

Den Stadtverwaltungen ist das Verb aufparken gut bekannt, den Lexikographen noch nicht. Es geht um die Nutzung halber Bürgersteige fürs Parken. Das Wort erklärt sich selbst: obendrauf wie aufkleben oder aufpacken. Die andere Hälfte des Autos steht auf der Straße. Den Bürgern bleiben oft nur Bürgerpfade, die gerade für einen reichen, kaum für das Schieben eines Rollators. Gegenverkehr unmöglich. Das Wort steht für ein Dilemma: Wem soll in der Verteilung des städtischen Verkehrsraums Vorrang gewährt werden: Autos, Radlern oder Fußgängern? Hier hat ein Umdenken begonnen. Vielleicht wird das Wort bald überflüssig.

Dagegen ist nachschärfen ein vertrautes Wort. Das Messer, die Suppe (mit Gewürzen), das Foto – nur die übertragene Bedeutung ist neu und wird seit einigen Jahren von Politikern geschätzt. Es werden die Hygieneregeln nachgeschärft, das Programm gegen Klimawandel oder die Gesetze gegen Schwarzarbeit. Immer geht es um ein Nachbessern. Mit dem Nachschärfen wird das Eingeständnis umgangen, dass die bisherigen Vorschriften unzureichend waren. Es ist quasi wie bei der Suppe. Nach dem Kosten wird nachgesalzen. Tatsächlich war die Suppe zuvor einfach fad. Jetzt hat sie Bums. So auch die neuen Regeln und Gesetze.

Das Adjektiv queer (gesprochen {kvi:r}) dagegen ist im Deutschen erst seit wenigen Jahren verbreitet, dem Englischen entlehnt. Dort hat es viele Bedeutungen: ‚wunderlich‘, ‚sonderbar‘, ‚anormal‘, ‚kränklich‘, auch ‚schwul‘. Die letzte Verwendung, ursprünglich abschätzig gemeint, hat sich gewandelt, Queer wurde zu einem neutralen Sammelbegriff für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle (LSBTTI), für alle, die nicht in die Zweiteilung weiblich/männlich passen oder sich ihr entziehen. In dieser Bedeutung wurde es ins Deutsche entlehnt. Es wird – anders als oft noch Homo oder Lesbe – ohne Wertung gebraucht, insbesondere von den Betroffenen selbst.

Man sieht: Innovationen im Wortschatz sind auf drei Wegen möglich: als Neubildung (aufparken), als neue, oft übertragene Bedeutung (nachschärfen) oder als Entlehnung (queer). Typisch für solche Neuerungen ist ihr Aufkommen in bestimmten Lebensbereichen, hier das Leben in der Kommune, die allgemeine Politik und die Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit. Ob sie dauerhaftes Bleiberecht in der Sprache erhalten, hängt von der Bedeutung dieser Themen ab.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


3. Kultur

Vortragskunst im Dichterwettstreit „Zauberwort‟

Am 16. Oktober 2021 wird in Kassel der Kulturpreis Deutsche Sprache vergeben. Mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache wird Herta Müller geehrt. Für den mit 5.000 Euro dotierten <Initiativpreis Deutsche Sprache hat die Jury des Kulturpreises Deutsche Sprache 2021 einen Dichterwettstreit ausgeschrieben. Unter dem Titel „Zauberwort“ sind deutschsprachige Dichter und Dichterinnen aus dem In- und Ausland dazu aufgerufen, in einem Videoclip ihre Vortragskunst zum Thema Sprache zu präsentieren. Wer an dem Wettbewerb teilnehmen möchte, lädt seinen Videoclip bis spätestens 31.08.2021 über diese Seite hoch: kulturpreis-deutsche-sprache.de.


Ausstellung zum Thema Sprache und Fliegerei

Eine Ausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Berlin widmet sich unter dem Titel „Bombenwetter! Luftkrieg und Sprache“ dem Zusammenhang zwischen unserem Sprachgebrauch und dem Fliegen. Viele Begriffe und Redewendungen hätten ihren dezidierten Ursprung in der Aeronautik, aber vielen sei das nicht bewusst. Dieses Defizit soll die Ausstellung nun beheben. „Schweben und fliegen haben sich sehr früh in sprichwörtlichen Redensarten niedergeschlagen“, so der Kurator der Ausstellung, Rolf-Bernhard Essig. Aber auch Redewendungen wie die „Reißleine ziehen“ hätten ihren Ursprung in der Luftfahrt. Begriffe wie „Helikoptereltern“, „Sturzflug“, „Absturz“ sind allbekannt. Viele der Begriffe seien während des ersten und zweiten Weltkriegs in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen worden und hätten somit oft einen militärischen Hintergrund, zum Beispiel Schleudersitz, Bombenwetter oder Bombenteppich. Die Ausstellung erklärt die Begriffsherkünfte anhand von Texttafeln, die den Exponaten zugeordnet sind. So wird der Begriff Helikoptereltern vor einem Transporthubschrauber erklärt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Oktober 2021. (nzz.ch, mhm-gatow.de)


4. Berichte

Sprachpanscher 2021: Protzenglisch statt Landessprache

Ursula von der Leyen ist Sprachpanscher des Jahres 2021. Mit dem Negativ-Preis wird jährlich der sträfliche Umgang mit der deutschen Sprache gescholten. Die Preisträgerin ist dabei eine alte Bekannte, bereits 2014 wurde von der Leyen mit dem unrühmlichen Preis bedacht. „Das hatten wir noch nie!“, zeigt sich auch Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache (VDS) von der Wahl erstaunt. In der 24-jährigen Geschichte des Preises sei dies einmalig. Anstatt sich als EU-Kommissionspräsidentin ihrer Muttersprache zu bedienen, nutze sie bei Verhandlungen Mitteilungen auf Englisch, was fehleranfällig sei, da man als Nicht-Muttersprachler meist nicht alle feinen Nuancen einer Sprache kennt. Gleichzeitig „sollte es selbstverständlich sein, als Repräsentantin eines Staates der EU auch dessen Sprache ganz natürlich als Teil dieser Repräsentanz zu sehen“, erläutert Krämer. Auf Platz zwei haben die Mitglieder des VDS das Berliner Kaufhaus KaDeWe (Kaufhaus des Westens) gewählt, das mit unverständlichen denglischen Werbebotschaften auffällt. Platz drei geht an die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, die in einem Gesetzesentwurf konsequent von „Schuldnerin“ und „Geschäftsleiterinnen“ gesprochen hatte. Der Gesetzesentwurf bleibt ein peinlicher Versuch, Genderregeln durch die Hintertür durchzusetzen, er wurde vom Bundesinnenministerium gestoppt. Ebenfalls wegen des Gender-Themas in der Kritik steht der Autobauer Audi, der in einem sprachlichen Leitfaden seine Mitarbeiter zum Gendern verpflichten wollte. Dafür wurden die Ingolstädter auf Platz vier gewählt. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld durch die Zeitung taz, die in einem Artikel im November 2020 Frauen mit der Wortkonstruktion „Menschen mit Gebärmutter“ bezeichnet. (vds-ev.de, rp-online.de, lifepr.de)


5. Denglisch

Deutsch + Deutsch = Englisch

Aus zwei deutschen Bezeichnungen wird eine englische. So geschieht es zur Zeit beim Zusammenschluss der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit der Geologischen Bundesanstalt (GBA). Beide Institute verfügen über eine 170-jährige Geschichte. Nun werden beide Anstalten unter dem Namen „GeoSphere Austria“ firmieren. Ziel sei, „eine zentrale Kompetenzstelle für fast alle Schichten der Geosphäre auf(zu)bauen“, so der österreichische Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Das ist eine gute Sache, die für die deutsche Sprache offenbar zu fein ist. Oder kann eine Sache nur dann wirklich gut sein, wenn sie englisch daherkommt? (science.orf.at)


6. Termine

Dienstag, 3. August, Region Wien (Österreich)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00
Ort: Café Weidinger, Lerchenfelder Gürtel 1, 1160 Wien

Donnerstag, 5. August, Region 28 (Bremen)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00
Ort: Restaurant „Platzhirsch“, Kuhgrabenweg 30, 28359 Bremen

Dienstag, 10. August, Region 65 (Wiesbaden)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00
Ort: Restaurant Royal India, Bahnstraße 33, 65779 Kelkheim

Samstag, 14. August, Region 49 (Osnabrück)
Mitgliedertreffen
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Moorbachhof, Kolpingstr. 23, 49377 Vechta

Donnerstag, 19. August, Region 41/ 47 (Mönchengladbach, Neuss, Viersen/ Duisburg, Moers, Krefeld)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Cafe Extrablatt, Markt 11-15, 41460 Neuss

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln mitunter die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Frank Reimer, Holger Klatte, Asma Loukili, Oliver Baer