Infobrief vom 19. Dezember 2021: VDS fordert Gender-Gutachten der Uni Kassel an

Foto: Timo Klostermeier / pixelio.de

1. Presseschau

VDS fordert Gender-Gutachten der Uni Kassel an

Ein Gutachten, das in der Schublade liegt, nicht gedacht für die Öffentlichkeit – obwohl es mit Steuergeldern erstellt worden ist: Die Universität Kassel hatte ein Gutachten zur Gendersprache erstellen lassen, verweigert aber die Herausgabe, sogar an die Presse. Das lässt der Verein Deutsche Sprache so nicht stehen. Der VDS beruft sich dabei auf das Hessische Datenschutz- und Informationsfreiheitsgesetz (HDSIG) und fordert die Uni auf, ihm das Gutachten zugänglich zu machen. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist die Uni zur Herausgabe verpflichtet, da es sich bei dem Gutachten um amtliche Informationen im Sinne von § 80 Absatz 1 Satz 3 HDSIG handelt, also eine Aufzeichnung, die amtlichen Zwecken dient. Der Einwand, dass das Urheberrecht des Autors gewahrt bleiben müsse, ist falsch. Die Universität ist nicht berechtigt, ein fremdes Urheberrecht geltend zu machen, außerdem ist das Urheberrecht nicht als Ausschlussrecht in den §§ 82 bis 84 HDSIG genannt. „Verwunderlich ist, dass die Universität Kassel sich auf eine Vertraulichkeit zwischen ihr und dem Autor beruft, diese Vertraulichkeit aber anschließend bricht, indem sie das Gutachten in einer kommentierten Stellungnahme selbst veröffentlicht“, sagt Krämer, „das ist offensichtlich treuwidrig und rechtsmissbräuchlich.“ (vds-ev.de)

In der Wissenschaft muss aus Sicht des VDS das Argument entscheiden, nicht das Bedürfnis nach Geheimhaltung unbequemer Argumente. Intransparenz darf in einem demokratischen Staatswesen keinen Platz finden.


Lese- und Rechtschreibdefizite bei Grundschulkindern

Laut Bildungsexperten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) besteht dringender Handlungsbedarf bei der Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen von Kindern in Deutschland. Zu viele Schüler verlassen die Grundschule mit deutlichen Defiziten. Die Co-Vorsitzende der SWK, Professorin Felicitas Thiel, betonte, dass man sich der Fragen widmen werde, wie Unterricht gestaltet werden muss um alle Kinder bestmöglich zu fördern, unabhängig von ihren Lebensumständen. Es gebe jedoch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Grundschulen. Die SWK betont, dass sprachliche und mathematische Kompetenzen in der Grundschullaufbahn von zentraler Bedeutung und das Aufeinandertreffen von verschiedenen sprachlichen Hintergründen, sozialen Erfahrungen, kulturellen Orientierungen und ökonomischen Lagen eine große Chance und Herausforderung zugleich seien. (bild.de, wdr.de)


2. Gendersprache

Gutachten: Gendersprache ist Verfassungsgebot

Die Stadt Hannover sieht sich nach einem Gutachten in ihrer Gender-Sprache bestätigt. Erstellt hatte das Gutachten Prof. Dr. Ulrike Lembke, Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Berliner Humboldt-Universität. Lembke stellt in ihrem Gutachten fest, dass sich aus dem Grundgesetz eine Pflicht für öffentliche Stellen ableitet gendergerechte Sprache zu nutzen. „Die Pflicht zur sprachlichen Nichtdiskriminierung besteht von Verfassung wegen und kann durch gesetzliche Regelungen oder durch Verwaltungsvorschriften, Erlasse und Weisungen konkretisiert werden“, schreibt Lembke. Sie leitet daraus einen weitreichenden Auftrag ab: Die De-Privilegierung sei das Gebot der Stunde, Geschlechterrollen müssten überwunden werden. Neben Verwaltungen sollten auch Gerichte und sonstige staatliche oder staatsnahe Einrichtungen gendergerechte Sprache gebrauchen müssen – sollten sie alle das nicht tun, würden sie rechtsstaatliche Grundsätze verletzen.

Reinhard Bingener stellt in seinem Artikel für die FAZ heraus, dass in dem Gutachten Lembke selbst das freiheitliche Denken nicht zulasse, das sie für ihre Sicht fordert: Sie greife die Gegner der Gendersprache stellenweise auf eine Weise an, die sich mit dem Streben nach einer wertneutralen Sprache in der Wissenschaft nicht vereinbaren lasse. „In einer Fußnote ist spöttisch vom ‚heroischen Kampf‘ der Fraktionen von FDP, CDU und AfD im Berliner Abgeordnetenhaus gegen den Genderzwang die Rede, die ein ‚faktenfreies Wahlkampfspektakel‘ dargeboten hätten.“ Auch ihre Anmerkungen zum Rat für deutsche Rechtschreibung oder den BGH ließen die Achtung gegenüber anderen Meinungen vermissen – „jene Achtung, die auch Befürworter der Gendersprache angesichts teils vulgärer Angriffe auf ihre Positionen zu Recht einfordern.“ Die Welt-Chefreporterin Anna Schneider geht in ihrem Kommentar sogar noch weiter: Das Gutachten unterstelle grundsätzlich, dass Männer privilegiert und Frauen nur Opfer sein könnten. „Mit aktivistischen Augen lesen sich Grundrechte eben anders“, resümiert Schneider. (faz.net (Bezahlschranke), hannover.de, welt.de (Bezahlschranke))


Weniger Moralisieren, mehr Textästhetik

Mit einem bemerkenswerten Artikel erscheint die Linguistin Helga Kotthoff im jüngsten Heft Der Sprachdienst der Gesellschaft für Deutsche Sprache (6/21) unter dem Titel: „Gendern auf Teufel*in komm raus?“. Hier distanziert sich die bekennende Vertreterin einer geschlechtersensiblen Sprache (Genderlinguistik, 2018, mit Damara Nübling) deutlich von „bedenklicher Symbolpolitik“, wie sie sich in zahlreichen queer-feministischen Publikationen, in entsprechend ausgerichteten Hochschul- und Studentenkreisen wie auch in den meisten verbreiteten Genderleitfäden in Hochschulen, Behörden und öffentlichen Institutionen breit macht. Sie kritisiert, dass das Gendern inzwischen „erheblich über die Ufer des Sinnvollen getreten“ sei, und beklagt, dass moralische Gängelei zu oft an die Stelle des Sprachgefühls trete. Sie konstatiert ein „problematisches Hochfahren der Symbolebene“ und mahnt im Hinblick auf übermäßige Genderformen: „Wer seine Inhalte vermitteln will, kann das Publikum nicht permanent ablenken“, (meint: sollte … nicht ablenken) Schließlich bedauert sie ausdrücklich, dass die „Textlinguist(inn)en“ sich nicht schon längst „mit Klarstellungen zu Prozessen von Personenreferenz“ zu Wort melden – (meint: nicht jede Gruppenbezeichnung im Plural ist auch eine Personenbezeichnung, wie Genderleitfäden glauben machen wollen – eine weiß Gott überfällige Feststellung!). Ihr Fazit: „Die Diskussion sollte sich mal vom reinen Pro und Kontra wegbewegen, starke Symbolpolitik und ebensolches Moralisieren unterlassen und textästhetische Überlegungen nicht als des Teufels abtun.“ (gfds.de)


Gender-Studien mit langen Armen lesen

Nicht immer steckt dort, wo „Wissenschaft“ draufsteht, auch Wissenschaft drin. Zu diesem Schluss kommt die Autorin und Germanistin Gisela Zifonun in ihrem Buch Das Deutsche als europäische Sprache. Sie rät dazu, die psychologischen Studien, die das Gendern rechtfertigen, mit Vorsicht zu genießen. Das Deutsche biete Besonderheiten, das würde vor allem im Vergleich mit anderen Sprachen deutlich. Zwar hege sie für das Anliegen der geschlechtergerechten Sprache durchaus Sympathie, die Art der politisch-bürokratischen Umsetzung sei jedoch mit Skepsis zu sehen. Die Assoziationstests, die regelmäßig herangezogen würden, um die Pro-Gendern-Seite zu stützen, seien problematisch: „Wer ‚man‘ sagt, verbindet damit noch nicht den Mann. Niemand unterstellt das in der alltäglichen Verständigung“, schreibt Wolfgang Krischke in seiner Rezension in der FAZ. Die Linguistik, so Zifonun, „habe sich ‚weitgehend in die Knechtschaft der experimentellen Psychologie oder der Kognitionswissenschaften begeben‘, weil sie ‚Bedeutungen‘ nur noch als geistige, durch Wörter erzeugte Bilder begreife.“ Dabei bestünde die Bedeutung von Wörtern und Sätzen vor allem in den Regeln des Gebrauchs; außerdem sei ausschlaggebend, aus dem Gehörten und Gelesenen die angemessenen Schlüsse zu ziehen. (faz.net)


3. Sprachspiele: Unser Deutsch

Bürgergeld

Die neue Regierung verspricht, Hartz IV durch ein Bürgergeld zu ersetzen. Es soll bisherige Sanktionen zeitweise außer Kraft setzen, weiterhin helfen, aber Diskriminierung vermeiden. Neu sind die Regeln, vor allem aber der Name. Es erinnert an das Gute-Kita-Gesetz und andere sprechende Gesetzesbezeichnungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus der Amtszeit von Franziska Giffey. Namen können diskreditieren, allerdings auch schönreden. Hartz IV war ursprünglich eine volkstümliche Bezeichnung für ein neues Sozialgesetz, das der ehemalige Arbeitsdirektor bei VW, Peter Hartz, im Auftrag des Kanzlers Gerhard Schröder vor 20 Jahren entworfen hatte. Was zunächst als Großleistung gefeiert wurde, entwickelte sich mit ausgeklügelter Gängelei der ‚Hartzer‘ zu einem bürokratischen Monstrum, einem Alptraum der Sozialdemokratie. Zumal ein weiteres Odium hinzukam: die Aufdeckung von ‚Lustreisen‘ aus VW-Mitteln, die Peter Hartz organisiert und mitgenossen hatte.

Der neue Name bedient sich eines Leitwortes unseres demokratischen Rechtsstaates, das in unzähligen Zusammensetzungen von Bürgerbegehren bis Bürgerwehr etwas bezeichnet, das teils von Bürgern ausgeht wie die Bürgerinitiative, teils für sie gemacht ist wie der Bürgersteig oder ihnen zusteht wie das Bürgerrecht. Es ist ein Charakteristikum dieser sogenannten Determinativkomposita, dass sie verschiedene syntaktische und semantische Beziehungen zweier Wörter in einem neuen Wort zusammenraffen. So soll Bürgergeld wohl vor allem verstanden werden als eine Leistung für Bürger. Sie wird jedoch letztlich auch von Bürgern erbracht. Diese Ambivalenz verleiht dem Wort zusätzliches Gewicht.

Ein weiterer Punkt ist interessant: Dieses Kompositum enthält mit dem Bestimmungswort Bürger ein generisches Maskulinum, das sowohl weibliche wie männliche oder auch als divers geltende Menschen bezeichnet. Die GRÜNEN hatten in ihrem Wahlprogramm sämtliche Wörter auf –er systematisch gegendert, auch im Wortinneren wie in Bürgerinnenamt, Bürgerinnenbegehren und Bürger*innenrechte. Davon ist im Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Regierung nichts zu sehen. Tatsächlich sind gerade diese Bildungen sprachwidrig, da die grammatischen Kategorien Genus, Numerus und Kasus im Bestimmungsglied eines Kompositums ausgeschaltet sind. Sie spielen im Satz eine Rolle, aber nicht innerhalb eines Wortes.

Überhaupt glänzt dieser 170-seitige Text mit sprachlicher Korrektheit und Verständlichkeit. Es wird überhaupt nirgends gegendert. Nur an wenigen Stellen kommen Doppelbezeichnungen wie Bürger und Bürgerinnen vor, und zwar dort, wo es geboten ist, ausdrücklich auf die beiden Geschlechter hinzuweisen. Möge unsere neue Regierung sich auch künftig als bürgernah und bürgerfreundlich erweisen.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


4. Kultur

Wortneuschöpfungen

Die Pandemie hat sich in der Sprache niedergeschlagen: Boostern, Homeoffice und Flatten the Curve (Die Kurve abflachen lassen) sind nur ein paar Beispiele für Wörter und Begrifflichkeiten, die Einzug in den Sprachgebrauch gefunden haben. Aber schon vor Corona sind bemerkenswerte Wortneuschöpfungen entstanden, die nun im Neologismen-Wörterbuch des Leibnitz-Instituts für deutsche Sprache stehen. Gafferwände, die bei Unfällen neugierige Blicke abhalten sollen, ist jetzt darin zu finden, ebenso wie die Mietpreisbremse und die Mütterrente. Und wo sonst häufig Frauen als Vorreiter der Modewelt gelten, sind es in diesem Jahr mal die Männer mit dem Männerdutt, den knotenförmig zusammengebundenen Haaren an einem Männerschädel. (br.de)


5. Berichte

Keine Indianer in der Konditorei

Die österreichische Traditionskonditorei Aida wird auf Wunsch der Stammkunden ihrer zahlreichen Filialen die Bezeichnung Indianer für eine ihrer Süßspeisen nun ändern. Beim Indianer handelt es sich um einen glacierten Krapfen mit Schlagobers, eine fragwürdige Kalorienbombe dunkler (!) Färbung, man stelle sich das vor. Es ist nicht das erste Mal, dass die Konditorei ihre Produkte politisch-korrekt umbenennt. Zuvor wurde auch der Mohr im Hemd hinterfragt: Hierbei handelt es sich um eine im Wasserbad pochierte Ungeheuerlichkeit, allein derentwegen eine Reise nach Wien gerechtfertigt ist. Die Reaktionen auf das Vorhaben sind gespalten. Unter einem Facebook-Beitrag kann man noch bis zum 18. Dezember für einen neuen Namen anstelle des Indianers abstimmen. Zur Auswahl stehen die Begriffe Schokobombe, Dalmatiner, Schoko Burger und Wolke im Schokohimmel. (heute.at, facebook.com)


6. Denglisch

Deutsche Aussprache sorgt für Spott im Netz

Lothar Matthäus, Annalena Baerbock und Christian Lindner standen in der vergangenen Woche in den Schlagzeilen und sorgten für Fremdschämen im Internet aufgrund ihres prägnanten deutschen Akzents beim Sprechen englischer Sätze. Lothar Matthäus bewarb sogenannte Non-Fungible Tokens (NFTs), also eine Technik, die eingesetzt wird, um digitale Kunstwerke als Einzelstücke zu kennzeichnen. Auf der beworbenen Website soll Künstlern die Möglichkeit gegeben werden, diese fälschungssicher zu präsentieren; ein Konzept, welches in einer Fremdsprache noch schwerer als auf Deutsch zu erklären ist. Sein Stolpern über einzelne Worte sorgte für Erheiterung im Netz. Bei Annalena Baerbock waren die Nutzer im Internet kritischer. Da sie zwei Jahre in London studiert hat, hinterfragten Nutzer auf Twitter ihre wackeligen Englischkenntnisse sowie die Aussprache. Ein Muttersprachler des Englischen bewertete sogar ihre Reden auf Tiktok. Auch der neue Finanzminister Christian Lindner sorgte mit seinem Antrittsbesuch in Frankreich für Belustigung. Das Gespräch mit seinem Amtskollegen Bruno Le Maire in Paris fand zum großen Teil auf Englisch statt, es brachte ihn ins Stocken. Die Fremdsprachenkenntnisse aller drei Personen seien ausbaufähig, so die verbreitete Grundstimmung. (derwesten.de, express.de, t-online.de)

Anmerkung: Beschwerden über die Aussprache sind grundsätzlich unfair. Eine gute Aussprache besagt wenig über die Angemessenheit des Gesprochenen. Zudem ist zur korrekten Aussprache ein Lautwerkzeug erforderlich, das nicht jedem gegeben ist; es springt auch nicht jeder Athlet über zwei Meter hoch. Hier wird ein bereits abgestandener Denkfehler zum hundertsten Mal wiederholt. Gegenüber einem englischen Muttersprachler sind 99,9 Prozent aller Deutschsprachigen inhaltlich sowieso unterlegen, und im Gespräch unter Nichtmuttersprachlern ist Englisch bestenfalls zum gehobenen Plaudern und vielleicht noch zu vereinfachter Verhandlungsführung geeignet. Zur Vermeidung von Missverständnissen – und allfälliger Missstimmung – gibt es Dolmetscher und Übersetzer. In der EU bitten diese immer wieder darum, dass jeder in seiner Muttersprache vortragen möge, damit die Dolmetscher verstehen und korrekt übersetzen können, was der Sprecher eigentlich meint! Wichtiger als ein fehlerarmer Erwerb des Englischen wäre daher die Besinnung auf Präzision und Prägnanz der Muttersprache, alles andere erledigen die Profis, und die Frage nach der Aussprache erübrigt sich. (ob)


Denglisch in der DDR

Sprachkritiker Peter Littger untersucht in seinem neuen Buch Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch und wie man ihn shootet den Umgang mit der englischen Sprache in Deutschland und widmet sich in einem Kapitel auch dem englisch-deutschen Sprachmix in der DDR, welcher womöglich der Vorbote des heutigen Denglisch war. Auch wenn nur wenige die Sprache in der DDR fließend sprechen konnten, vollzog sich laut Littger eine Anglisierung der Alltagssprache in der DDR. Nicht nur unter den Verbündeten der USA und im internationalen Handel wurde Englisch gesprochen, seit den 1960er-Jahren schafften es immer mehr englische Begriffe in die Alltagssprache. 1956 waren im Duden des Ostens noch 347 Anglizismen verzeichnet, 1986 waren es bereits mehr als 5000. Der Einfluss der Beatles und anderer internationaler Prominenter auf die Jugend sorgte für die Etablierung englischer Begriffe und Littger erläutert, dass die Regierung diese Amerikanisierung kritisch betrachtete, da man befürchtete, dass so auch die politischen Werte der USA Einzug in den Osten fanden. Ökonomische Sprachimporte etablierten sich in DDR-Betrieben, aber auch im Alltag sprach man beispielsweise von Managern, Jobs, Toaster, Make-up usw.. Auch die Vornamen, welche vor allem junge Eltern in der DDR ihren Kindern verliehen, zeigten den Wunsch an eine sprachliche Annäherung. Cindy, Peggy, Mandy und Maik waren geläufig. Das bekannteste Beispiel für Denglisch in der DDR war der Broiler, das Brathähnchen. Der englische Alltagsbegriff war im Osten geläufiger als im Westen. Sogar während der Montagsdemo in Leipzig am 09. Oktober 1989 wurde der Ausruf „Wir sind keine Rowdys!“ berühmt und prägte laut Peter Littger auch die heutige deutsch-englischsprachige Gegenwart. (spiegel.de)

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Alina Letzel, Asma Loukili, Dorota Wilke