Infobrief vom 21. August 2022: Das wird wyld, Digga!

1. Presseschau

Das wird wyld, Digga!

Der Langenscheidt-Verlag sucht das Jugendwort 2022. Zehn Wörter stehen zur Vorwahl, darunter „wyld“ (heftig, krass), „Gommemode“ (unendlich stark, unbesiegbar) und „Digga“ (Kumpel, Freund). Die Wörter sind bereits eine gefilterte Liste aus Vorschlägen, die von Jugendlichen eingesendet wurden, so der NDR. Aus ihnen werden bis zum 13. September 2022 die „Top 3“ gewählt, und nur diese stehen dann bis zum 18. Oktober zur Wahl. Eine Woche später, am 25. Oktober, wird das Jugendwort des Jahres verkündet. Im vergangenen Jahr hat „cringe“ das Rennen gemacht. Das Wort beschreibt etwas, das peinlich oder zum Fremdschämen ist. Falls sich Leser wundern, warum das anscheinende Adjektiv Gommemode groß wie ein Substantiv geschrieben wird: Es ist zusammengesetzt aus französisch „gomme“ = Gummi und aus englisch „mode“ = Modus. Weitere Aufschlüsse bieten die folgenden Verweise: ndr.de, langenscheidt.com, giga.de.


Goethes Faust ist raus

Der Faust ist die letzte Pflichtlektüre an bayerischen Gymnasien. Damit ist es ab dem Schuljahr 2024/25 vorbei. Dann können Lehrer fünf Bücher, die bayerische Gymnasiasten in den letzten beiden Schuljahren lesen müssen, aus einer 170 Werke umfassenden Liste mit Lektürevorschlägen aussuchen. Die Aufregung darüber hält sich in Grenzen. Unter dem Titel „Mehr Friedriche als Frauen“ (gemeint sind Autoren im etablierten Bildungskanon, Anmerkung der Red.) kommentiert der Spiegel wohlwollend: „Es ist Zeit, (…) den Schülern Alternativen zu bieten und den deutschen Kanon endlich zu verabschieden“. Das könne eine Chance bieten, „den Kanon endlich diverser zu machen.“ Die Süddeutsche Zeitung beschwichtigt: „In Bayern wird wohl noch lange Faust I gelesen, zu wahrscheinlich ist es, dass im Abitur Fragen dazu drankommen.“ Mit Bedauern und Sorge reagierte die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar Ulrike Lorenz und forderte Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in einem offenen Brief auf, die Entscheidung zu überdenken. Gründlicher mit dem Thema befasst sich die Frankfurter Allgemeine (ohne Bezahlschranke), indem sie darauf verweist, dass mit fünf Pflichtlektüren in zwei Jahren „viele an den Universitäten dann der Ohnmacht nahe sind, wenn von ihnen erbeten wird, die siebzig Seiten der ‚Strafkolonie‘ in einer Woche zu lesen und womöglich noch Kommentare dazu?“ (spiegel.de (Bezahlschranke), sueddeutsche.de (Bezahlschranke), faz.net)


Kinderprogramm in vielen Sprachen

Der Sender Super RTL bündelt unter der Marke Toggo sein Kinderprogramm. Nun richtet sich der Sender auch an Kinder, die zwar in Deutschland leben, jedoch kein Deutsch sprechen. Die Aktion „Fun for everyone – Spaß für alle“ bietet im Netz verschiedene Sprachversionen der beliebten Kinderserien an. Darunter sind Inhalte auf Ukrainisch, Arabisch, Russisch, Spanisch, Französisch, Serbisch, Türkisch, Englisch und Portugiesisch. Nun gibt es „Spongebob Schwammkopf“ auf Arabisch, „Ninjago“ auf Türkisch oder „Peppa Pig“ auf Ukrainisch. Der Sender begründet die Entscheidung damit, dass in Deutschland mittlerweile viele Kinder leben, die ihre Heimat verlassen mussten und sich mit einer neuen Sprache konfrontiert sehen. Einige Inhalte in der Muttersprache beizubehalten sei in der unsicheren Zeit für die Kinder also wichtig. Bisher stehen 100 verschiedene Episoden in sieben Sprachen zur Verfügung. Ein größeres Angebot ist vorgesehen. (stadt-bremerhaven.de)


2. Gendersprache

Die „Sessel-Linguisten“ schlagen zurück

Dem Aufruf gegen die „Genderpraxis im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ haben sich mittlerweile fast 300 Sprachwissenschaftler angeschlossen. Damaris Nübling, Professorin für Sprachgeschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, antwortete darauf in der vergangenen Woche in einem Interview mit der FAZ. Tenor: Die Unterzeichner würden nicht die in Forschung und Lehre aktive germanistische Linguistik repräsentieren. Die meisten von ihnen hätten nie linguistisch geforscht und publiziert. Einige der dort von Nübling so bezeichneten „Sessel-Linguisten“ nehmen nun dazu Stellung. Die WELT berichtet und zitiert aus der Stellungnahme: „Viele der Unterzeichner haben einen exzellenten Ruf und sind international renommierte Linguisten und Germanisten, deren Forschungsleistung das Fach zu dem gemacht haben, was es heute ist (…).“ Die Grundlagen aller psycholinguistischen Behauptungen zur Gendersprache seien darüber hinaus keineswegs auf der Grundlage gewissenhafter Beobachtung gewonnen: „Die Genderlinguistik ist nämlich auf weiter Flur die einzige Disziplin, die sich mit Sprachvorschriften durchzusetzen versucht, anstatt wie alle wissenschaftlichen Disziplinen des Fachs deskriptiv und theoretisch erklärend zu arbeiten“, so die Unterzeichner des Aufruf.

Die Netzseite „Linguistik vs Gendern“ enthält eine informative Chronik zur Wirkung des Aufrufs mit aussagekräftigen Originaltexten. Darunter befindet sich ein Verweis auf die heiße Diskussion der Wikipedia-Aktiven, die sich ausführlich mit dem Abschnitt „Aufrufe gegen das Gendern“ (im Wikipedia-Eintrag „Geschlechtergerechte Sprache“) befassen. (welt.de, linguistik-vs-gendern.de, de.wikipedia.org, de.wikipedia.org)


Kein Gendern an Berliner Schulen

Gendern habe an Schulen nichts zu suchen, weder in der Sprech- noch in der Schreibweise. Das habe jetzt der Senat der Stadt Berlin klargestellt, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Schulen müssten sich an die Lehrpläne halten, damit ein normgerechter Spracherwerb und -gebrauch sichergestellt wird. Anlass war die Anfrage von CDU-Abgeordneten. Laut Senat würden abweichende Normen, die die Verwendung von Binnen-Stern, Binnen-I oder anderen sprachlichen Genderformen regelten, nicht existieren. Entsprechend dürfe der Gebrauch der amtlichen Rechtschreibung auch nicht negativ bewertet werden. Laut Senat liegen der Stadt zwei Briefe von Eltern vor, in denen das Gendern an den Schulen ihrer Kinder kritisiert wird, außerdem bemängele ein Schüler die Verwendung des Gendersternchens an seiner Schule. Der Senat geht davon aus, dass Lehrer im Unterricht die „allgemeinverbindlichen Vorgaben der deutschen Rechtschreibung“ verwenden. Für die Kommunikation mit Eltern und Kollegen sei diese Nutzung aber nicht geregelt, hier dürften Lehrer weiterhin gendern. Die Linguistin Carolin Müller-Spitzer (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim) sprach sich unterdessen im Tagesspiegel für den Gebrauch von Genderzeichen an Schulen aus. Sie würden Menschen einbeziehen, die sich nicht mit dem Gegensatz zwischen männlich und weiblich identifizierten, so Müller-Spitzer: „Was sie ausdrücken wollen, muss ich respektieren.“ Geschlechtergerechte Sprache sei nicht falsch, die aktuell gültigen Regeln deckten sie jedoch noch nicht ab, sagt sie. Darüber hinaus sei es sowieso sinnvoll, die „männerdominierte Sicht“ aufzulösen. Ausdrücke wie „Land unserer Väter“ oder „Brüderlichkeit“ sollten hinterfragt werden. (rnd.de. berliner-zeitung.de, rnd.de, plus.tagesspiegel.de (Bezahlschranke), sueddeutsche.de)


Merz gegen Gendersprache

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat in einem Gastbeitrag für die Badischen Neuesten Nachrichten einen Forderungskatalog an den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) formuliert. Ein Punkt gilt dem Gendern: „Die Journalisten des ÖRR haben eine wichtige Vorbildfunktion für die Öffentlichkeit, derer sie sich bewusst sein sollten. Das gilt auch und besonders für ihre Sprache.“ Weder einzelne Sprecher noch Kommentatoren und Moderatorinnen hätten das Recht, von den allgemein anerkannten Regeln des Gebrauchs der deutschen Sprache abzuweichen, so Merz. Mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung gebe es bei Bund und Ländern eine Institution, welche die behutsame Fortentwicklung unserer Rechtschreibung begleitet. Gendersternchen und andere Elemente einer „geschlechtergerechten“ Sprache seien ausdrücklich nicht in dieses Regelwerk aufgenommen worden. „Daran sind auch die gebührenfinanzierten Sender und ihre Repräsentanten gebunden. Alles andere verstößt gegen die Grundsätze einer ausgewogenen und verständlichen Berichterstattung.“ (bnn.de)


Gender- statt Meistersternchen

Beim letzten Heimspiel des FC St. Pauli gegen den 1. FC Magdeburg haben die Hamburger ein „Sondertrikot“ getragen. Wo sonst ein Meistertitel-Stern über dem Vereinsemblem prangt, war nun ein gesticktes Gendersternchen zu sehen. „Bereits seit zwei Jahren ist unsere Satzung gegendert, im Sprach- und Schriftverkehr nutzen wir den Genderstern regelmäßig. Für uns ist das mittlerweile Alltag. Man erkennt aber an einigen Meinungsäußerungen in der Genderdiskussion deutlich, wie nötig das Ganze nach wie vor ist“, sagt Präsident Oke Göttlich auf der Internetseite des FC St. Pauli. Das Gendersternchen sei auch auf Dauerkarten zu sehen und soll laut Verein die Diversität in der Gesellschaft unterstreichen. Das Tragen des Sondertrikots war möglich geworden durch eine neue DFL-Richtlinie. Nach dieser darf ein zusätzliches Trikot in der Saison getragen werden, wenn es thematisch mit Diversität oder Nachhaltigkeit zu tun hat. (fcstpauli.com)

3. Sprachspiele: Unser Deutsch

Milder Verlauf

Als mich Omikron erwischte, vulnerables Alter, vorerkrankt, ansonsten rüstig, wie es so wohlmeinend heißt, dachte ich: Gut, den milden Verlauf dieser Corona-Variante wirst Du wohl überstehen. Erster Tag: die Nase läuft über, niesen, niesen, niesen, der Hals schmerzt, dann die Nacht ohne Schlaf, die Glieder schmerzen. Wie eine schlimme Grippe, die ich durch Impfung über Jahre abgewendet hatte. Zweiter Tag: früh zu Aldi, Tests besorgen. Wie befürchtet: positiv. (Die Erinnerung an diese blöde Bezeichnung einer negativen Gesundheitslage.) Hausarzt angerufen, eine halbe Stunde auf Wartestellung „noch ein Anrufer vor Ihnen, ein Mitarbeiter ist gleich für Sie da“, endlich Kontakt und Rat, sofort PCR-Test einholen, sonst darf kein Medikament verschrieben werden. Es eile, sonst nützt es nichts mehr. Am dritten Tag früh ins Testzentrum, überraschenderweise leer und schnell erledigt. Nach 12 Stunden Beleg als PDF: positiv. Sofort zur Apotheke, wird bestellt und gebracht. Nun habe ich je 3 Pillen früh und abends verzehrt, von der Regierung bezahlt. Es hat genutzt, zumindest vorläufig.

Zurück zum ‚milden Verlauf‘. Mich erinnert die Wendung an den ‚gemäßigten Taliban‘, den es, wie wir inzwischen wissen, nie gab. Was ist hier milde? Das mögen Betroffene unterschiedlich sehen. Hier nur ein Schnupfen, dort lähmende Schmerzen. Hier eine Episode, bei anderen ein lebenslanges Leiden. Tatsächlich ist milder Verlauf eine Charakterisierung aus Sicht der Gesundheitsministerien, die sich um die Überlastung von Krankenhäusern und Intensivstationen kümmern, um fehlende Ärzte und ihre Helfer. ‚Milder Verlauf‘ heißt: die Patienten bleiben daheim und kurieren sich selbst aus. Sie gehen auch gar nicht in Statistiken ein. Erfasst werden nur die offiziell Getesteten, dann meldet sich das Gesundheitsamt und spricht die Quarantäne aus. Früher wurde auch noch Nachverfolgung betrieben: mit wem waren sie zusammen, wann und wo? Das hat sich als unmachbar erwiesen und war am Ende nutzlose Bürokratie. Wer selber entscheiden will, wann er wieder arbeitet, einkauft, ins Lokal geht – der meidet offenbar offizielle Tests.

Man müsste die Umsätze für Schnelltests bei Aldi, Lidl, Rewe usw. auswerten, um zu sehen wie weit die Pandemie wirklich fortgeschritten ist. Eine allgemeine Durchseuchung auf dem Niveau von sogenanntem mildem Verlauf? Dies ist ein gefährlicher Euphemismus, ein Schönreden von Millionen Erkrankungen, eine verbale Beruhigungspille.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


4. Kultur

Per Schlager zur Sprache

„Ich will immer wieder… dieses Fieber spür’n“ und „Atemlos durch die Nacht“ – mit Liedern wie diesen ist die Sängerin Helene Fischer unverhofft zur Deutschlehrerin für eine Gruppe von Krankenschwestern in Namibia geworden. Die vier Frauen arbeiten seit zwei Jahren an der Uniklinik Düsseldorf. Vorher hatten sie am Goethe-Institut in Windhoek einen Deutschkurs absolviert. „Wir hatten jeden Tag so viel zu lernen. Waren oft müde. Eines Tages spielte uns unsere Deutschlehrerin das Lied ‚Atemlos‘ von Helene Fischer vor. Wir waren auf Anhieb begeistert, tanzten, hatten Spaß‟, erzählt Susan, eine der vier examinierten Krankenschwestern. „Wir haben mit Helene Fischers Liedern Deutsch gelernt. Sie hat eine positive Energie, die uns angesteckt hat von der ersten Sekunde. (…) Ihre Musik macht uns glücklich, da verschwindet auch das Heimweh.“ (bild.de)


Jugendliche sprechen Bairisch im Netz

Sprachforscher Konstantin Niehaus berichtet, dass Jugendliche in Chat-Gesprächen, wie beim Nachrichtendienst Whatsapp, bairische Dialekte verwenden. Der Germanist forscht an der Universität Salzburg zu Mundart und Dialekt in den sozialen Medien und gab dem Münchner Merkur bekannt, dass in geschriebenen Nachrichten der Jugendlichen untereinander statt ichi, ned/net statt nicht oder des statt das verwendet wird. Es werde so getippt, wie im Alltag gesprochen wird. Die über 30-jährigen seien dazu erzogen worden, Schriftsprache auch in den sozialen Medien und im Nachrichtenaustausch untereinander zu verwenden. „Jüngere Generationen kommunizieren hingegen in der Netzwelt genauso wie im Alltag.“ Niehaus erklärt außerdem, je näher man an Österreichs Grenze gehe, desto mehr gesprochenes Bairisch finde man auch im Netz. (stern.de, tagesspiegel.de)


5. Berichte

Erinnerung an die Petition der Frauen

Sabine Mertens, Leiter der AG Gendersprache im VDS, hat im Juli eine Petition gestartet, die zeigen soll, dass Bedenken gegen die Gendersprache keineswegs nur von Männern stammen. Zu der Initiative gehören unter anderem die Schauspielerin Gabriele Gysi, die Literaturwissenschaftlerin Elvira Grözinger und die Islamwissenschaftlerin Nasrin Amirsedghi. Bisher zählt die Petition 25.000 Unterschriften. Männer sind als Mitzeichner natürlich willkommen, denn das Sprachgendern „schadet insbesondere den Frauen, aber letztlich allen“, sagt Mertens. (openpetition.de)


Fragwürdige Sprachmanipulation

Im Vorfeld der bevorstehenden Delegiertenkonferenz des VDS in Wittenberg haben die Mitglieder der VDS-Regionalgruppe 56 (Koblenz) in einer Pressemitteilung Stellung zur Gendersprache bezogen. Prof. Dr. Hartmut Weber, ehemaliger Präsident des Bundesarchivs stellt fest: „Wenn ich in Texten auf die lächerlichen Sprachgebilde stoße, die das Gendern hervorbringt, gewöhnte ich mir an, spätestens beim ersten Genderstern das Lesen abzubrechen, um Ärger zu vermeiden und meine Zeit sinnvoller zu verbringen.“

Regionalleiter Prof. Dr. Heinz-Günther Borck erklärte: „Der Versuch, durch erzwungene Sprachregelungen (vgl. das „Neusprech“ in George Orwells Buch „1984“) eine Bewusstseinsveränderung herbeizuführen, ist zwar in totalitären Systemen durchaus üblich, mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aber unvereinbar und ohnehin nicht Gegenstand der Regelungskompetenz der Verwaltung, wie das Bundesverfassungsgericht bereits am 14.7.1998 festgestellt hat.“ (pr-inside.com)


6. Denglisch

Peinlich-schräge Erfindungen

Im Positiv-Magazin, einer Internet-Zeitung für gute Nachrichten, wird der VDS-Anglizismen-Index 2022 vorgestellt. „Das fröhlich unreflektiert ‚erfundene‘ Home Office im Deutschen reiht sich also ein in die peinlich-schrägen Erfindungen wie Handy (englisch: Mobile), das Public Viewing (engl.: Leichenschau), das Rucksack-Surrogat Body Bag (amerikanisch: Leichensack), den Beamer (engl.: data projector), den lachhaften Coffee to go (engl.: Take away coffee) und den oberlachhaften Facilitymanager, die dummdreiste Wortschöpfung zur Vermeidung des Begriffs Hausmeister. Auf Englisch heißt der Mann Caretaker.‟ (positiv-magazin.de)


7. Soziale Medien

Blinder Eifer

Der Redaktion liegt der lektorierte Text einer wissenschaftlichen Arbeit vor, er war im Hinblick auf korrekte Sprache überprüft worden, eine „Textklinik“ hatte Änderungen vorgeschlagen. Hier einige der Blüten. Zum besseren Verständnis haben wir die von einer „Textklinik“ beanstandeten Wörter durchgestrichen, den geschlechtergerechten Änderungsvorschlag fett betont; unsere Anmerkungen lesen Sie in Kursivschrift:

„Das Erbrecht … machte vor allem vielen Bauern im Bauerntum vielen eine Existenz unmöglich.“ — Dieses Wort ruft das Machwerk „Bauerntum als Heger deutschen Blutes“ (mit einem Geleitwort des Reichsbauernführes R. Walther Darre) in Erinnerung.

„Vor der vorletzten Jahrhundertwende machten so Immigranten Immigrierende aus Deutschland für mehrere Jahrzehnte vor denen aus Irland den größten Anteil an Zuwanderern Zuwandernden in die Vereinigten Staaten aus.“ — Was damals geschah, ist Vergangenheit, da ist das Partizip der Gegenwart ganz einfach falsch: Die damals Immigrierenden haben längst aufgehört zu immigrieren, sind längst Immigranten geworden.

„(…) die ab 1955 als „Gastarbeiter” Gastarbeitende nach Deutschland kamen“ — Da wird rückwirkend ein seit Jahrzehnten vertrauter Begriff à la mode aufgebürstet – und bösartig verharmlost. Diese Leute kamen aus Not, nicht zur Beschäftigungstherapie nach Deutschland.

Blinder Eifer schadet nur, sagt faltiger Volksmund. Wir geben den Titel der wissenschaftlichen Arbeit bekannt, sobald sie, selbstverständlich ohne die „Korrekturen“, in Druck geht. Das Beispiel hat der Verein bereits auf Twitter vorgestellt. (twitter.com/vds_weltweit)


8. Kommentar

Die Verstockten

Auf die Dauer erstaunt die Beharrlichkeit, mit der jede Kritik am Sprachgendern als Äußerung alter weißer Männer („die üblichen Verdächtigen“, „typisch rechts“) eingeordnet wird. Als gäbe es keine ernstzunehmenden Einwände, aber na gut, das macht man so mit Gegenargumenten: Auch relevante Tatsachen lässt man gar nicht erst gelten, es genügt, den eigenen Standpunkt vorzutragen. Damit kann man, muss man leben in einer offenen Gesellschaft, da darf jeder reden, wie es ihm einfällt. Man muss ihn ja nicht ernst nehmen. Was aber nicht geht: Wenn jeder Zweifler am Sprachgendern ohne näheres Hinsehen als Frauenfeind, als homophob, als Kolonialist gilt, so ist das nur Polemik. Ergiebiger wäre, diese Dinge mit Entgegenkommen zu erörtern. Gerechtigkeit ist eine ernste Angelegenheit, Sprache ist eine ernste Angelegenheit. Sie gehören aber zu verschiedenen Kategorien. Ob Gerechtigkeit durch Sprachvorgaben herstellbar wäre, bleibt nämlich erst zu beweisen, und zwar gründlich, wissenschaftlich, verifizierbar. Bis dahin könnte man die Sprache denen überlassen, die sie tatsächlich entwickeln. Das sind ihre Sprecher und Schreiber, da mögen auch Verstockte dabei sein. (Oliver Baer)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel, Jeanette Zangs

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