Infoseite Region 42


Willkommen auf der Infoseite der Regionalgruppe Bergisch-Land im VDS e. V.

Die Regionalgruppe Bergisch-Land im VDS e. V. begrüßt Sie herzlich auf unserer Infoseite.

Wir von der Regionalgruppe Bergisch-Land vertreten seit 2006 das Anliegen des VDS im Raum Remscheid – Solingen – Wuppertal und den umliegenden kleineren Städten. Durch vielfältige Aktionen wie die Verleihung des Bergischen Sprachpreises „Die Eule“, die Ausstrahlung selbst produzierter Radiosendungen und vieles andere mehr weisen wir im Bergischen immer wieder auf unser wichtiges Anliegen, Erhalt und Förderung der deutschen Sprache, hin.

Interessiert? Informieren Sie sich auf unserer Infoseite über unsere Arbeit.

Machen Sie als aktives Mitglied mit oder stärken Sie uns durch Ihre passive Mitgliedschaft ohne weitere Verpflichtung. Auch bei uns im Bergischen gibt es für den Schutz der deutschen Sprache viel zu tun.


Schwebebahn, Bereich Diedenhofer Straße, Barmen. Foto: W. Saurenbach

An die 7.700 Anglizismen sind bereits in die deutsche Sprache eingedrungen, meist ohne Not und Grund, durch Medien, Werbung und uns selbst, Tendenz leider steigend.

Oft aus Wichtigtuerei, Angeberei aber auch aus Gedankenlosigkeit. Wir halten dagegen.

Wir wünschen eine schöne Sommerzeit

Unsere letzte Radio-Sendung wurde am 19.06.2022 ausgestrahlt.Vielleicht hatten Sie Gelegenheit, im Rahmen der knapp einstündigen Sendung unsere Sicht der Dinge zu den Themen „Denglisch“ und „Gendersprache“ näher kennenzulernen. Wie wir alle wissen, spielt das Thema „Gendern“ mittlerweile eine immer stärkere Rolle und gewinnt massiv Einfluss auf die deutsche Sprache. Wenn wir auch in der Öffentlichkeit bis jetzt überwiegend mit der Denglisch-Kritik identifiziert werden, so müssen wir uns nun auch dem Problem der Gendersprache stellen und dort Stellung beziehen. Die Themen „Denglisch“ und „Gendern“ werden deshalb auch in Zukunft im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen.

Im Juli 2022 stehen nun zunächst die Regionalwahlen zwecks Neuwahl des Vorstandes der Regionalgruppe Bergisch-Land an.

Für das zweite Halbjahr 2022 planen wir weitere Aktionen, über die wir zu gegebener Zeit berichten werden.


Bitte beachten Sie auch unsere neue Rubrik „Forum“.

Dort besteht für unsere Mitglieder die Möglichkeit, eigene Texte einzustellen und so auch ohne aktive Mitarbeit in der Regionalgruppe von zu Hause aus an der Meinungsbildung im VDS mitzuwirken. Näheres erfahren Sie im „Forum“.

Wir werden Sie an dieser Stelle wie immer mit Neuigkeiten versorgen und über unsere Aktivitäten berichten. Schauen Sie von Zeit zu Zeit immer wieder einmal auf unsere Infoseite.

Ihre Regionalgruppe Bergisch-Land im Verein Deutsche Sprache e. V.

An dieser Stelle informieren wir über einige von uns durchgeführte Veranstaltungen und Aktionen. Zur Zeit finden Sie folgende Berichte:

  • Deutschland ist (D)englischland – Ausstellung mit Karikaturen von Friedrich Retkowski 2018
  • Bergischer Sprachpreis – Die Eule 2018
  • Cronenberger Werkzeugkiste 2017
  • Bergischer Sprachpreis – Die Eule 2016
  • Bergischer Sprachpreis – Die Eule 2014

Einen Schwerpunkt unserer Tätigkeit bildet unser „Bergischer Sprachpreis – Die Eule“, der bereits seit 2012 von uns alle zwei Jahre für Verdienste um die deutsche Sprache verliehen wird. Im Jahre 2020 fiel die Eulen-Verleihung im Zusammenhang mit der Corona-Krise leider aus. Wir hoffen, die Verleihung im Laufe des Jahres 2021 nachholen zu können.

Unsere Wanderaussstellung „Deutschland ist (D)englischland“ mit Karikaturen des Künstlers Friedrich Retkowski war im Herbst 2018 zwei Monate lang in den Räumen der Stadtsparkasse Wuppertal zu sehen. Nachfolgend präsentierten wir die Ausstellung im Frühjahr 2019 in der Stadtbibliothek Remscheid und der Sparkasse Radevormwald, im Frühjahr 2020 in der Bibliothek der Stadt Solingen. Leider musste diese Ausstellung wegen Corona dann vorzeitig beendet werden.

Weitere Berichte werden an dieser Stelle zu gegebener Zeit folgen. Schauen Sie immer mal wieder vorbei.


Zum Tag der deutschen Sprache 2018…

…  hatte sich die Regionalgruppe „Bergisch-Land“ etwas Besonderes einfallen lassen. Die Bedeutung dieses in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Gedenktages sollte durch zwei größere Veranstaltungen herausgehoben werden.

So wurde am Montag, dem 3. September 2018, um 11 Uhr in der Foyer-Galerie der Wuppertaler Stadtsparkassen-Hauptstelle am Islandufer in Elberfeld eine Ausstellung mit Karikaturen des Hamelner Graphikers Friedrich Retkowski eröffnet. Vierzehn DIN A1-formatige Kopien in von der Stadtsparkasse gestellten Glasrahmen waren den Besuchern an einer stark frequentierten Stelle, nämlich gegenüber der Schließfachanlage, acht Wochen lang zugänglich, was die Sparkassenkunden auch intensiv zu nutzen wussten. Ergänzt waren die Ausstellungsbilder durch einen fünfzehnten Informationsrahmen, der Auskunft gab über den Künstler, über die Regionalgruppe „Bergisch-Land“ und natürlich über den Verein Deutsche Sprache e. V., und einen Monitor, in dem einer Dia-Schau gleich VDS-Kernaussagen für die Besucher zu lesen waren.

Die hohe beobachtete Besucherzahl und eine entsprechende Würdigung in der Wuppertaler Presse zeigten, dass die Regionalgruppe mit ihrem Konzept richtig lag, mit Hilfe einer zweimonatigen humorvollen und interessanten Ausstellung das Anliegen des Vereins Deutsche Sprache einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Das ist auch der Grund, dass diese Ausstellung als Wanderausstellung an weiteren Orten der Region „Bergisch-Land“ in den nächsten Monaten zu sehen sein wird, wovon sich die Regionalgruppe eine deutliche Erhöhung des Bekanntheitsgrades unseres Vereins und seines Anliegens verspricht, was ja bekanntlich von vielen VDS-Mitgliedern als das größte VDS-Defizit empfunden wird.

Noch in der gleichen Woche, nämlich am Freitag, dem 7. September 2018, um 17 Uhr fand eine weitere große Veranstaltung statt: im Lichthof des Wuppertaler Rathauses in Wuppertal-Barmen am Johannes-Rau-Platz wurde dem Redaktionsleiter Roderich Trapp der Bergische Sprachpreis DIE EULE 2018 für seine Verdienste um die deutsche Sprache verliehen. Etwa 60 Besucher hatten sich eingefunden, um dem Verleihungsakt beizuwohnen, der von der Wuppertaler Mundartmusikgruppe Striekspöen einen hervorragenden musikalischen Rahmen erhielt. Der Laudator Martin Bang, verantwortlich für das Wuppertaler Stadtmarketing, hob in einer humorvollen Rede die sprachlichen Fähigkeiten des Ausgezeichneten hervor, für die sich der Preisträger in einer nicht weniger humorvollen Erwiderung zur Freude der Besucher gekonnt bedankte. So ging man nach etwa 90 Minuten gut gelaunt wieder auseinander in dem Gefühl, eine tolle Werbung in Wort und Musik für die deutsche Sprache erlebt zu haben, was sich auch in entsprechenden Presseberichten niederschlug.


Die Verleihung des Bergischen Sprachpreises DIE EULE 2018 am 7.9.2018

Der Regionalleiter begrüßt die Besucher und die STRIEKSPÖEN heizen ihnen musikalisch ein – und das gefällt dem Laudator Martin Bang (Wuppertaler Stadtmarketing), dem Sprachpreisträger der EULE 2018 Roderich Trapp (Redaktionsleiter der Wuppertaler Rundschau), seiner Frau und allen Besuchern.

Der stellvertretende Regionalleiter Hans-Ulrich Mundorf weiß die Besucher mit einer teils humorvollen, teils aber auch wieder ernsthaften Rede zu fesseln und Sprachpreisträger Roderich Trapp, Regionalleiter Jörg Peter Schundau und die „Aktivistin“ Karin Michels bilden zum Abschluss ein „Gruppenbild mit Dame“.

Jörg Peter Schundau

Laudatio von Martin Bang

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Roderich Trapp, machen wir eine Zeitreise ins Jahr 1963 – alle warten aufs Christkind und viele auf Roderich Trapp.
Da Roderich nicht nur beim Schreiben und Tischtennis ein Flinker ist, schaffte er es im Endspurt noch am 23.12. um 18 Uhr auf die Welt.
Unbestätigten Gerüchten zur Folge raunten sich da schon die Hebammen beim Anblick des properen Kerlchens sofort zu: „Oh, Dat gippt einen !“.
Von seinen Eltern aus der Landesfrauenklinik auf Einern verschleppt ist er dann an den unteren Barmer Anlagen aufgewachsen.
Kindergarten und Grundschule in der Berg-Mark-Straße und von da auf das Gymnasium Sedanstraße, wo er bei der legendären Deutsch-Leistungslehrerin Ruth Berns die Liebe zur deutschen Sprache entdeckte und das Abitur machte. Über seinen Werdegang an der Bergischen Uni bat er mich zu schweigen.
Roderich ist als waschechter Wuppertaler nie aus der Stadt weggegangen.
Als Stadtmarketing-Chef finde ich so einen Lebenslauf natürlich vorbildlich.
Zumal ich weiß, dass er stolz ist, Wuppertaler zu sein, auch wenn er einmal das hier geschrieben hat:
„Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört der bezaubernde Duft im Großkatzenhaus des Wuppertaler Zoos. Dass ich trotz des mehrfachen Einatmens dieser Kombination aus kondensiertem Puma-Pipi und ausgasenden Löwenkötteln noch nennenswert gewachsen bin, wundert mich bis heute.“
Trotz dieser Widrigkeiten groß geworden und ausgestattet mit dem Handwerkszeug des Germanisten wurde er Redakteur bei der Wuppertal Rundschau.
Damit leite ich über zum 22. September 1990, dem zweiten Geburtstag von Roderich Trapp:
An diesem Tag ist seine allererste Glosse in der Wuppertaler Rundschau erschienen.
Wenn man ihm damals gesagt hätte, dass er das die nächsten 28 Jahre praktisch jeden Samstag eine schreiben soll, hätte er ziemlich sicher geantwortet: „Dat gippt keinen !“
Genau so heißt übrigens auch einer meiner Lieblingstexte von Roderich Trapp, in dem er sich mit der Wuppertaler Eigenart auseinander setzt, sämtlichen Neuerungen gegenüber grundsätzlich mehr als skeptisch zu sein.
Sie kennen das sicherlich, meine Damen und Herren, den etwas mangelnden Optimismus der Eingeborenen, den Roderich als bergischen GENDEFEKT so nett beschreibt. Beispiel gefällig ?
Döppersberg: dat gippt keinen, Nordbahntrasse: dat gippt keinen, der Erste Lange Tisch: oh dat gippt keinen, als es dann doch Spaß gemacht hat, war dem gendefekten Wuppertaler relativ schnell klar: nächstes Mal gippt dat keinen mehr.
Ob dat denn demnächst einen gippt – können Sie übrigens beim Langen Tisch am 29.Juni 2019 selbst überprüfen. – Hierzu lade ich Sie schon heute herzlich ein.
Bezogen auf seine Glossen war die Wuppertaler Grundskepsis bei den Lesern allerdings schnell verflogen. Und das aus gutem Grund:
Denn ganz egal, ob Roderich Trapp Wuppertal oder den Rest der Welt satirisch aufs Korn nimmt – er tut das immer als absolut scharfsinniger Wortakrobat, der mit einem großen Repertoire an Stilmitteln virtuos jongliert.
Er sorgt damit aber nicht nur für herzhafte Lacher, sondern verbindet das mit starken Aussagen, die manchmal lange nachwirken.
Zum Beispiel, wenn sich Roderich Trapp selbst mit unserer Sprache beschäftigt. Ich weiß wovon ich rede. Denn früher hätte ich an dieser Stelle vielleicht gesagt:
Es macht Sinn, Roderich Trapp einen Sprachpreis zu verleihen. „Sinn machen“ sage ich aber nicht mehr, seit ich 2016 bei Roderich Trapp das hier gelesen habe:
Früher hatte etwas Sinn oder eben nicht. Inzwischen gibt es aber offensichtlich wichtige Leute, die Sinn machen können. Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, dann bitte ich Sie herzlich darum, mich über Details des Fertigungsprozesses zu informieren.“
Man sieht daran, dass Roderich Trapp im positiven Sinn ein Wortklauber ist, der sprachlichen Unsinn nicht wie viele andere einfach so hinnimmt oder sogar übernimmt. Nehmen Sie nur mal das Wort zeitnah. Darüber hat er folgendes geschrieben:
Man muss ja nicht jeden Blödsinn mitmachen. Zum Beispiel das Wort „zeitnah“ benutzen. Wo kommt das eigentlich so plötzlich her? Waren bewährte Begriffe wie „bald“ oder „zügig“ eventuell in Reparatur oder in Urlaub, so dass man als Verzweiflungstat auf diese Fehlkonstruktion zurückgreifen musste? – Nein ! „Zeitnah“ ist einfach nur eine weitere Ausgeburt des dämlichen Wichtigtuer-Sprechs, mit dem wir immer flächendeckender überschüttet werden.
Sehen wir uns doch dieses „zeitnah“ doch mal zeitnah näher an, also jetzt:
Zeitnah heißt ja, dass man nah an der Zeit ist, aber offensichtlich nicht direkt dran. Da es aber nach meinem Kenntnisstand aktuell auf dem Markt noch keine Zeitmaschinen zu kaufen gibt, wird man diesen Rückstand auch nicht aufholen können. Wer „zeitnah“ etwas erledigt, ist also auf jeden Fall immer zu spät.
Ich muss darüber nachdenken und werde versuchen dieses Wort zu vermeiden, wenn ich meinem Aufsichtsrat die Erledigung einer Arbeit in Aussicht stelle.
Ich komme jetzt also besser nicht zeitnah, sondern zügig zum Schluss. Allerdings nicht ohne noch zu betonen, dass ich es mit Roderich Trapp auch nicht immer leicht habe.
Wir Werber stehen sowieso nicht im Verdacht immer vorbildlich mit Sprache umzugehen
– denken Sie nur mal an die großen Plakate an den WSW Bussen, die mit „JULIA hat HANDYTICKET“ für eine bahnbrechende Neuerung zur Beförderungsentgelt-Entrichtung warben.
Er guckt uns aber nicht nur bei der Sprache auf die Finger, sondern prüft auch, ob die Arbeit der Wuppertal Marketing SINN macht – ÄH natürlich SINN hat und wo wir imagetechnisch noch eine Schüppe drauf legen können. Eine Glosse dazu hat mich so nachhaltig geprägt, dass ich den Originalausschnitt aus der Rundschau noch an der Wand im Büro hängen habe.
2009 schrieb er Folgendes über Wuppertal-Ansichtskarten:
Wuppertal sieht auf den meisten Ansichtskarten so aus, als hätte man in den frühen 70er-Jahren eine orange-blaue Hängebahn in einen Vorort von Bukarest gebaut. Lassen Sie es einmal wirken !
Das Faszinierende für mich ist nämlich, dass Roderich nicht nur einfach Texte verfasst, sondern mit Buchstaben und Worten Bilder malen kann.
Daher kann ich der Jury für die Auswahl dieses Preisträgers nur gratulieren und noch einmal sagen.
DAT GIPPT EINEN und zwar den Bergischen Sprachpreises „Die Eule“ 2018 für RODERICH TRAPP.


Erwiderungsrede von Roderich Trapp

„Wenn dat mitte Ehrungen los­geht, isset bald vorbei”, hat mir der in dieser Hinsicht erfahrene Paul Decker vorige Woche er­klärt, als mir im Barmer Rat­haus der Sprachpreis „Die Eule 2018″ verliehen wurde. So ganz kann das aber nicht hinhauen, weil er selbst mit den „Striekspöen” vor vier Jahren ebenfalls diesen Preis des Vereins Deut­sche Sprache verliehen bekam und die Jungs jetzt bei meiner Ehrung immer noch verdammt gute Musik gemacht haben. Die kann ich Ihnen hier zwar nicht vorspielen, aber ich wurde gebeten, meine kleine Dankes­rede noch einmal abzudrucken. Das tue ich gerne, wenn auch leicht gekürzt, weil Sie ja dieses Wochenende möglicherweise auch noch was anderes zu tun haben. Und eigentlich…
… wusste ich bis vorhin auch noch gar nicht, was ich zu die­ser tollen Auszeichnung sagen soll. Das ist eigentlich zu viel der Ehre. Dann kam ich am Alten Markt an einer Bäckerei vorbei. Da klebt im Schau­fenster: „Wir backen. Du Kö­nig.” Dazu muss man wissen: Das ist kein Verschreiber, son­dern ein bewusst gewählter Werbespruch einer bundes­weit operierenden Kette.
„Wir backen. Du König.” Was wollen uns diese vier Worte sagen? Auf jeden Fall eines: Es ist bestimmt keine schlechte Idee, auf unsere deutsche Sprache weiter gut aufzupassen. In dem Zusam­menhang fällt mir etwas ein, das ich neulich in Elberfeld er­lebt habe. Da gibt es auf dem Wall so ein Ärztehaus, wo ich im Vorbeigehen mithörte, wie sich zwei junge Frauen trafen. Die eine sagte: „Was machst du denn hier?” Die andere: „Isch geh Ohrarzt.” Ohrarzt – das ist im Prinzip gar nicht mal so ganz falsch. Denn meistens tut ja nur ein Ohr weh, wenn man zum Arzt muss.
Aber wir sehen hier ein Phänomen, das mir wirklich Sorgen macht. Ich habe das in einer meiner Glossen mal so umrissen:
Jüngere Menschen müssen offenbar inzwischen auf den unterschiedlichsten Kanälen so viel kommunizieren, dass sie keine Zeit mehr haben, vollständige Worte und ganze Sätze zu bilden. Deshalb wer­den vermehrt einzelne Buch­staben oder ganze Worte ein­gespart. „Schapp” ist zum Bei­spiel das neue „Ich habe”. In einem geläufigen Satz wie „Schapp voll kein Bock” wer­den auf diese Weise locker ein ganzes „habe” und gleich noch das eigentlich erforderli­che „en” von „keinen Bock” wegrationalisiert. Letzteres ist normal, weil jugendsprachlich betrachtet nur noch der vordere Teil vom Akkusativ benö­tigt wird. Und zwar als Ener­giequelle fürs Handy…
Was ich damals nicht ge- schrieben habe: Sparen könn­te man sich auch das, was ich die sprachliche Völlerei nen­ne. Denn heute muss ja bei Menschen unter 30 in jedem Satz ein „voll” vorkommen. Das hört man überall: Voll doof. Voll schön. Und im Sommer war voll warm. Ich warte nur noch auf den ers­ten, der sagt: „Mein Glas ist voll leer.” Da würde ich dann antworten: Ich gieß dir was ein, dann ist es wieder voll voll.
Was man angesichts dieser sprachlichen Fehlleistungen aber überraschend selten hört, ist folgender Satz:
Ich hab voll das schlechte Abi. Schlechte Abis gibt es nämlich kaum noch. Dazu habe ich Zahlen vorliegen:

Am Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal machten im Jahr 2015 exakt 171 Schüler das Abitur. Sage und schreibe 77 davon hatten einen Noten­schnitt mit einer 1 vor dem Komma. Davon legten sieben eine glatte 1,0 hin. Das ringt mir allergrößten Respekt ab. Denn da hätte mein 1982 er­worbener Abischnitt bei fast der Hälfte dieser Absolventen gleich mehrfach reingepasst. 1,0 kannten wir damals ei­gentlich nur als Promillewert. Wer sowas aber als Abiturno­te hatte, wurde sofort studien­begleitend als Chefarzt oder Raketenwissenschaftler einge­stellt Für diese erstaunliche Ent­wicklung gibt es eigentlich nur zwei mögliche Erklärun­gen. Die Eine: Herr Schundau, der Vorsitzende der ber­gischen Regionalgruppe des Vereins deutsche Sprache, war ja lange Lehrer an diesem Gymnasium und hat da so he­rausragende Arbeit geleistet, dass die Schüler ein schier un­glaubliches Niveau erreicht haben. Und die andere: Die Anforderungen im Abitur sind einfach so gewaltig ge­sunken, dass es wirklich ernst­hafte Reifeprüfungen heute nur noch bei Käse gibt. Zu­mindest wenn es um sprachli­che Leistungen geht, bin ich leider felsenfest davon über­zeugt, dass Variante zwei stimmt.
Ich muss das mal so deut­lich und ausnahmsweise ganz ernst sagen: Wir haben aus meiner Sicht sprachliche Bil­dung in der Schule in un­glaublicher Form schleifen lassen. Da wundert es mich dann auch nicht, wenn ich Mails wie diese bekomme: „Hey Leute, bin Studi und wollte mal fragen, ob ich bei euch Jornalist werden kann.”
Jornalist selbstverständlich oh­ne u geschrieben … Also noch einer, der die weit verbreitete Allgemeine Hochschulunreife erworben hat… Wohin das irgendwann füh­ren kann, zeigt sich zum Bei­spiel so: Ich habe als Journa­list (mit ou) seit
bestimmt 30 Jahren mit Kommunalpolitik und Stadtverwaltung in Wup­pertal zu tun. Dabei war es früher immer so, dass Verwal­tungsvorlagen absolut präzise und gestochen formuliert wa­ren. Das ist ja auch nicht ganz unwichtig, wenn man kom­plexe Sachverhalte erklären will und rechtswirksame Be­schlüsse formulieren muss. Heute sieht das etwas anders aus.
Ich zitiere mal aus einer Verwaltungsvorlage, in der es um den Neubau des Sport­platzhauses an der Widukindstraße ging. Verfasst hat sie ein Diplom-Ingenieur. Zitat: „Es wird geplant die Räume Umkleiden, Duschen, Toiletten und Technik im Erdgeschoss einzuplanen. Im aus­baufähigen Dachgeschoss sol­len künftig Veranstaltungen durch den Sportverein ermög­licht werden und wird separat über einen Treppenraum er­schlossen.” Wen der Treppen­raum erschließt, erschließt sich dem Leser leider nicht. Und genauso rätselhaft ist der Schlusssatz: „Wir gehen hier von reduzierten Planungsan­sätzen aus, orientierende Rah­menplanungen.”
Wie gesagt: eine hochoffi­zielle Drucksache der Stadt Wuppertal. Ich hoffe, der Mann kann besser bauen als schreiben. Sonst stürzt das Häuschen garantiert beim ers­ten abgefälschten Fernschuss ein.
Auf Denglisch würde man zu sowas sagen: Das ist ein Megafail! Aber Denglisch ist ja heute streng verboten. Ich muss in diesem Zusammen­hang auch noch etwas richtig stellen. Es ist nicht so, dass ich in meinen Texten ganz bewusst auf Anglizismen ver­zichte. Ich habe nur einfach so viel Spaß am Jonglieren mit deutschen Begriffen, dass ich die Englischen relativ sel­ten brauche.
Ich muss dabei immer an ein Schild denken, das ich mal in einem Barmer Sani­tätshaus gesehen habe. Da stand drauf: „Stützbestrumpfung im Hause”. So schöne Formulierungen gehen ein­fach nur auf Deutsch. Ansonsten finde ich es ei­gentlich egal, ob der Haus­meister Hausmeister heißt oder Facility Manager. Wichti­ger wäre, dass er freundlich ist. Als langjähriger Nutzer städtischer Turnhallen weiß ich, wovon ich rede.
Außerdem könnten wir ja auch den Spieß mal umdre­hen und mehr deutsche Wor­te ins Englische einschleusen. Mit Zwieback und Kindergar­ten hat das ja bekanntlich schon geklappt. Dafür muss man nur kreativ sein: Neh­men wir mal an, eine deut­sche Firma hätte vor 20 Jah­ren die führende Suchmaschi­ne fürs Internet erfunden und hätte sie auch genau so ge­nannt. Dann würde heute die ganze Welt nicht googlen, son­dern Suchmaschineln.
Ich finde, das ist ein richtig putziges Wort: Suchmaschi­neln! Vielleicht suchmaschinel ich demnächst mal mei­nen Namen. Und wenn dann da als ein Treffer erscheint „Gewinner des Bergischen Sprachpreises 2018″, werde ich sehr gerne an die Verlei­hung zurückdenken.
Und weil man über alles re­den darf, nur nicht über 10 Minuten, möchte ich noch ei­ne letzte Bemerkung machen: Die Eule hier steht ja auch für Weisheit. Ich wünsche ganz, ganz vielen Leuten die Weis­heit, gut auf unsere Sprache zu achten. Denn:
„Wir backen. Du König.” –
das ist mir zu wenig!
Bis die Tage!

[Quelle: Wuppertaler Rundschau vom 15.09.2018]


Bericht zur Cronenberger Werkzeugkiste 2017


Der Bergische Sprachpreis „Die Eule” – für die Regionalgruppe Bergisch-Land der Höhepunkt des Jahres 2016

Alle zwei Jahre vergibt die VDS-Regionalgruppe „Bergisch-Land” den Bergischen Sprachpreis DIE EULE. Zum ersten Mal, und zwar im Jahre 2012, ging DIE EULE an Frau Blumberg, Inhaberin eines großen Fleischhandels in Hückeswagen (bei Remscheid) für ihre stets in vorbildlichem Deutsch gereimten Werbeverse. Ihr folgte 2014 als zweiter Preisträger die Wuppertaler Mundartgesangsgruppe STRIEKSPÖEN unter ihrem Sprecher Paul Decker für ihr jahrzehntelanges Engagement bei der Pflege der Wuppertaler bzw. Bergischen Mundart.

2016 wurde DIE EULE nun zum dritten Mal verliehen. In den für diesen Zweck ganz hervorragend geeigneten Räumlichkeiten des Deutschen Werkzeugmuseums erhielt der Geschäftsführer vom FACHVERBAND WERKZEUGINDUSTRIE e. V. in Remscheid, Herr Rainer Langelüddecke, den Sprachpreis für seinen beharrlichen Einsatz in Brüssel, in der EU-Verwaltung der deutschen Sprache Gleichberechtigung neben Englisch und Französisch zu verschaffen, was ja aufgrund der Sprecherzahl innerhalb der EU (rund 20 % haben Deutsch als Muttersprache) eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, es aber in der Realität eben nicht ist. Konkret kämpft Herr Langelüddecke dafür, dass z.B. sämtliche EU-Ausschreibungen zeitgleich nicht nur auf Englisch und Französisch, sondern eben auch auf Deutsch veröffentlicht werden, damit die deutsche Werkzeug-industrie keinen Wettbewerbsnachteil erleidet.

Entsprechend lautete auch der Text der Verleihungsurkunde:
Der Verein Deutsche Sprache e. V. Regionalgruppe Bergisch-Land verleiht hiermit Herrn Assessor Rainer Langelüddecke in seiner Funktion als Geschäftsführer des Fachverbandes Werkzeugindustrie e. V. (FWI) in Remscheid den Bergischen Sprachpreis DIE EULE für seine Initiativen, die Verwendung der deutschen Sprache durch die EU und ihre Institutionen zu stärken. Die Dominanz des Englischen als Sprache und Arbeitsgrundlage in der EU führt derzeit für kleine und mittlere Unternehmen zu erheblichen Schwierigkeiten, sich frühzeitig in den Gesetzgebungsprozess bei der EU einzubringen. Die Initiativen des Geschäftsführers des FWI sind auf ein breites Echo gestoßen und werden mittlerweile von vielen Abgeordneten des Europäischen Parlaments, aber auch des Bundestages und des Landtages NRW unterstützt. Die Regionalgruppe Bergisch-Land im Verein Deutsche Sprache e. V. würdigt im Jahre 2016 mit der Verleihung des Bergischen Sprachpreises „Die Eule” an den Geschäftsführer des FWI e. V. diese überaus wichtigen sprachpolitischen Initiativen. Remscheid, den 2.September 2016 Prof.Dr.Walter Krämer, 1.Vorsitzender des VDS; Jörg Peter Schundau, Regionalleiter Bergisch-Land.

Jörg Peter Schundau

Die Eröffnung der Veranstaltung in Form einer kleinen thematischen Einführung und die Moderation übernahm der Leiter der Regionalgruppe Bergisch-Land, Jörg Peter Schundau; für den musikalischen Rahmen sorgte mit mitreißenden Mundartliedern die Wuppertaler Gesangsgruppe STRIEKSPÖEN, Sprachpreisträger von 2014.

Den inhaltlichen Programmablauf eröffneten Hans-Ulrich Mundorf und Wolfgang Saurenbach mit einem unterhaltsamen Dialog zum Thema „Anglizismen”. Dem schloss sich ein nachdenklicher Beitrag von Karin Michels über die Schönheit der deutschen Sprache an, auf den dann ein Kurzreferat des VDS-Geschäftsführers Dr.Holger Klatte zum Thema „Wer ist der Verein Deutsche Sprache und was will er erreichen ?” folgte. Sämtliche Beiträge wurden von den Besuchern sehr interessiert aufgenommen und mit großem Beifall belohnt. Höhepunkt war dann die hintergründige Laudatio, die der Gründer der Baumarktkette OBI, Prof.h.c. Manfred Maus, mit einem „Augenzwinkern” vortrug und damit die Besucher begeisterte. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten die zum Schmunzeln anregende Erwiderung des Preisträgers und die eigentliche Preisübergabe, die der Regionalleiter Jörg Peter Schundau gemeinsam mit seinem Stellvertreter Hans-Ulrich Mundorf vornahm (der Preis besteht aus einer Urkunde und einer Eulenfigur mit entsprechender Beschriftung).

Die Besucher waren sich darin einig, dass sie eine rundum gelungene und niveauvolle Veranstaltung miterleben durften. Dieses Echo, das im Übrigen auch von der örtlichen Presse tags darauf geteilt wurde, wird der Regionalgruppe Bergisch-Land Ansporn sein, nicht nachzulassen, sich für die deutsche Sprache auch weiterhin einzusetzen und dafür zu sorgen, dass sie in Europa und nicht zuletzt auch in den Herzen der Deutschen selbst den Platz erhält, der ihr gebührt.

Jörg Peter Schundau


Grüße aus dem bergischen Denglisch – Land

vorgetragen zur Preisverleihung „Die Eule”, am 02.09.2016
von Hans-Ulrich Mundorf und Wolfgang Saurenbach

H.-U.: Hello, Wolfgang, alter Keeper, alles easy? Was macht der Sport?

W: Ich bin kein Keeper mehr, Fußball ist bei mir out!
Komm, ich hole uns einen Coffee-To-Go, dann relaxen und chatten
wir dort auf der Bank.
Im Bikers-Shop habe ich mir soeben Equipment für mein Mountainbike
und Outdoor-Klamotten besorgt, alles Sale-Sachen, sehr stylish!
Bald ist nämlich wieder bei uns Bike-Racing, dann geht es mit Speed
und Power up- and downhill, hoffentlich ohne Crash!
Eine Poleposition käme mir gerade noch recht.

H.-U.: Ja, unser Bergisches Land ist schon die richtige Location für solche Events. Aktiv sein ist eigentlich ja besser als relaxen, chatten oder Public Viewing!
Habt Ihr bei den Bikern noch den Sponsor, der immer so viel undercover für Eure Community und besonders för die Kids tut? Der hatte doch auch Euer Charity-Event finanziert!

W: Ja, die Eltern sind ja so happy, aber keiner kennt bis heute diesen Supporter.
Die Kids üben zudem in Workcamps, lunchen dort und leben nicht nur von Fast-Food und Snacks, wie z.B. Chicken-Wings mit Baked Potatoes.

H.-U.: Cool, hört sich gut an!
Beim nächsten Voting hat der Vorstand gute Chancen; ein Kandidaten-Ranking ist absolut überflüssig.

W: Stimmt, unsere Biker-Community ist sehr zufrieden.

H.U.: Anderer Gedanke: Wolfgang, Du kennst mich, immer Fun, aber
„no sports”. Also: Fun bedeutet für mich was anders: Entertainment mit guter Performance und als Highlight ein angepasstes Wellnessprogramm, das macht Sinn!
Dieser Lifestyle löst bei mir keinen Stroke aus, sonst müsste ich am Ende noch in eine Stroke-Unit unseres Krankenhauses …….
………..Du, neulich meinte doch der frühere NRW-Arbeitsminister
Guntram Schneider: „Bessere Englischkenntnisse können den Patienten helfen, ihre Ärzte zu verstehen.” Wie findest Du denn diesen Gedanken?

W.: Gut! Wörterbuch raus, Schulenglisch dazu und dann ab ins Krankenhaus!

H.-U.: Ja, das wäre dann das Highlight unserer Anglomanie. Toll!

W.: Genau!

Text: Wolfgang Saurenbach


Bericht zur Verleihung der Eule im Jahre 2014

Unsere Mitgliedertreffen finden b. a. w. nach Absprache in privaten Räumlichkeiten statt. Interessenten sind bei uns weiterhin herzlich willkommen.

Sie erreichen uns wie folgt:
Regionalleiter: Dipl.-Ök. Hans-Ulrich Mundorf
Tel.: 02195 8652
hu-mundorf@web.de

Hier schreiben die Mitglieder der VDS-Region Bergisch-Land (PLZ-Bereich 42) und unsere Gäste

In unserer Rubrik „Forum“ besteht für die Mitglieder im Bergischen Land die Möglichkeit, auch ohne aktive Mitarbeit in der Regionalgruppe von zu Hause aus an der Meinungsbildung im VDS mitzuwirken. Darüber hinaus sind auch Gäste willkommen. Wir freuen uns auf Ihre Texte. Bitte machen Sie mit.

Schreiben Sie einen Text zu unseren Themen, gerne auch mit Regionalbezug, und schicken ihn an die Netzanschrift des Regionalleiters (hu-mundorf @web.de). Bitte versehen sie ihn mit dem Zusatz „Ich bin mit der Veröffentlichung im Forum der VDS-Regionalgruppe Bergisch-Land im VDS e. V. einverstanden“. Die Veröffentlichung geschieht mit Namen und Wohnort (Stadt) des Einsenders aber ohne dessen Anschrift. Bitte geben Sie Ihre Anschrift aber an. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eingesandter Texte. Wir behalten uns sinnwahrende Kürzungen vor.

Die veröffentlichten Texte geben ausschließlich die persönliche Meinung des Einsenders wieder.


Ist es „originell“, vor Denglisch zu warnen?

Am 04.12 2021 wurde im RGA im Rahmen eines Artikels über die Corona-Proteste das Buch „So lügt man mit Statistik“ des VDS-Vorsitzenden Professor Walter Krämer durchaus positiv erwähnt. Es hieß aber auch: „Man muss nicht alles toll finden, was der Dortmunder Hochschullehrer Walter Krämer macht. Unter anderem ist der Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache, dessen Mitglieder es originell finden, vor „Denglisch“ zu warnen, als hinge davon das Überleben der deutschen Kulturnation ab“. Zitat Ende. (Fettdruck bei „originell“ vom Verfasser vorgenommen).

Ich schrieb am 06.12.2021 dazu: „ … gestatten Sie mir … hinsichtlich Ihrer Aussage zum Verein Deutsche Sprache eine Anmerkung. Nach Erhebungen des VDS sind mittlerweile an die 8000 englische Begriffe in die deutsche Sprache eingedrungen. Tendenz täglich steigend. In vielen Bereichen, so in der Wissenschaft und größeren Teilen der Wirtschaft, spielt Deutsch eine immer kleiner werdende Rolle. Eine Sprache, in der zudem neue Entwicklungen fast ausschließlich englisch benannt werden und in der bestehende Begriffe zunehmend durch englische ersetzt werden, verliert ihre Zukunftsfähigkeit und langfristig auch ihre Lebensfähigkeit. Dies immer wieder zu thematisieren finden die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache nicht wie Sie schreiben „originell“ sondern – leider – zwingend notwendig.“

Hans-Ulrich Mundorf, Radevormwald, Juni 2022, entnommen unserer Radiosendung aus dem gleichen Monat


Deutschland, ein Land von Papageien! Wieso?

Nun! Wir plappern zum Beispiel alle Anglizismen nach, die uns Tag für Tag von Medien eingetrichtert werden, wie eben bei einem Papagei. Der plappert auch alles nach, ohne es unbedingt zu verstehen.

Das nennt man: medialer Bildungsauftrag – eigentlich ist es Entkoppelung unserer Sprache. Täglich neue englische Vokabeln, wo soll das enden?

Gerade auch in Corona-Zeiten, wo eigentlich klares Deutsch Pflicht sein müsste, um alle Deutschsprachigen problemlos in Gesundheitsfragen zu erreichen. Ich dachte lange, unser deutscher Wortschatz sei reichhaltig genug, alle Lebensbereiche abzudecken, aber: Wir bedienen uns ohne Not der Hilfssprache Englisch.

In zurückliegenden Jahrhunderten haben sich schleichend auf allen Kontinenten europäische Sprachen etabliert und das Sterben vieler einheimischer Sprachen und Kulturen begünstigt. Führt der von uns eingeschlagene „moderne Weg“ Stück für Stück dahin?

Prinz Charles soll einmal gesagt haben: „Die Deutschen können mit ihrer Sprache machen, was sie wollen. Aber sie sollen unsere englische in Ruhe lassen.“

Recht hat er! Aber die Deutschen hängen geradezu gierig am englischen Rockzipfel angestrebter sprachlicher „internationaler Anpassung“.

Es wird eine „Challenge“ in Sachen „Understanding“ innerhalb unserer „Community“ von immerhin 110 Millionen Menschen, abgesehen von Problemen mit Neubürgern.

Helene Wolters, Krefeld Januar 2022


Unser aller Lebenswelt?

Ein alter Witz vom Kellner, der die Bestellung eines „Bräserings“ nicht versteht, ist heute aktueller denn je. Können Sie das geschriebene Wort „Brathering“ noch ohne zu zögern lesen und aussprechen? Oder drängt es Sie, „Bräsering“ daraus zu lesen? Die Schülerin kommt fröhlich nach Hause und ruft: „Du Mutti, nächste Woche fangen wir in der Schule mit den „Baddenbruhks“ von Thomas Mann an“. „Bräsering“ und „Baddenbruhks“ statt „Brathering“ und „Buddenbrooks“: Typisch für die Sprachentwicklung in Deutschland?

Es wurde in der Remscheider Lokalpresse im Rahmen eines Artikels über die Einführung des bilingualen Unterrichts an einem hiesigen Gymnasium und die damit verbundene Freude ein Mitglied des „Lehrkörpers“ zitiert: „Nicht zuletzt entspricht die englische Sprache unser aller Lebenswelt, vor allem aber die der Jugendlichen.“ (RGA, 20.08.2020). Harter Tobak für mich alten Hasen. Aber hat der Mann nicht vielleicht sogar Recht? Was heute mit der deutschen Sprache passiert, ist das noch anders zu erklären? Die englische Sprache entspricht unser aller Lebenswelt? Ganz sicher nicht von uns allen aber doch von vielen, Tendenz leider steigend! Aber wird uns das nicht nur täglich und überall aufgezwungen und kaum einer wehrt sich? „Home-Office“ und „Boostern“ lassen grüßen.

Im Dezember 2021 las man in der Remscheider Lokalpresse, dass die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache „es originell finden, vor „Denglisch“ zu warnen, als hinge davon das Überleben der deutschen Kulturnation ab“ (RGA. 04.12.2021). Ein diesen Satz korrigierender Leserbrief mit dem Hinweis, dass wir unsere Tätigkeiten nicht „originell“ sondern „zwingend notwendig“ finden, blieb unveröffentlicht bzw. unbeantwortet. Es blieb bei „originell“.

Also: Die englische Sprache entspricht unser aller Lebenswelt. Und jetzt schlägt auch noch die „Gendersprech-Fraktion“ zu. Oh Mann, oh Mann, was denn noch?

In der heutigen Welt sollte man englisch können, in vielen Bereichen muss man es, das ist klar und richtig. Das ist nicht zu verwechseln mit dem dummen Denglisch, mit dem wir die deutsche Sprache täglich zerstören und worüber sich englischsprachige Menschen mit Recht amüsieren oder weshalb sie sich veralbert fühlen. Bilingualer Unterricht kann dagegen als freiwilliges Zusatzangebot für Sprachbegabte eine gute Sache sein, wenn man nicht vergisst, bevorzugt auch gutes Deutsch zu vermitteln.

Aber ist Englisch nun unser aller Lebenswelt? Was denken Sie? Zumindest wird überall versucht, Englisch dazu zu machen und das trifft auf eine meist gleichgültige Öffentlichkeit. Sinnvolles Englischlernen ist selbstverständlich nicht das Problem. Aber das komplette Verdrängen unserer Sprache aus immer mehr Bereichen unseres Lebens, so z.B. in den Medien, der Arbeitswelt, bei der EU und die allgegenwärtige Versuchung zum Nachplappern des Denglischen, das sind die steten Tropfen, die den Stein höhlen. Lassen wir es nicht zu!

Nahezu alle Leute, die ich kenne, sprechen gutes Deutsch mit allenfalls wenigen oder gar keinen Anglizismen. Ich kenne auch niemanden, der privat gendert. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt das klar ab. Geben wir unsere Kultur also nicht selbst auf. Niemand in der Welt verlangt von uns, unsere Sprache aufzugeben. Tun wir es nicht freiwillig!

Hans-Ulrich Mundorf, Radevormwald Januar 2022

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Deutscher Sprachwahnsinn, die aufgedrängte Neuordnung unserer Sprache

Mit jedem Tag, den Gott kommen und gehen lässt, überraschen uns Medien und die Geschäftswelt mit immer neuen Fremdwörtern, Begriffen, Redewendungen, meistens auf Englisch, das geht schon seit Jahrzehnten so – ungebremst.

Mittlerweile hat sich ein weiteres Experimentierfeld aufgetan: der Gender-Blödsinn.

Wird der Bildungsauftrag insbesondere bei den „Öffentlich-Rechtlichen“ falsch verstanden? Gerade wir Deutschen opfern uns unbewusst / bewusst gerne auf diesem Altar in vorauseilender Erwartungshaltung der englischsprachigen Welt.

Wollen wir das, bei scharfem Nachdenken? Wollen wir diese aufgedrängte Neuordnung? Sicher nicht, aber kaum einer will aus dem „Trend“ ausscheren, gar Flagge zeigen. Abgesehen von der Verantwortung, die wir alle gegenüber diesem unserem Kulturgut Sprache haben sollten, ist es grotesk, dass uns hier oft Waren in fremder Sprache vorgestellt werden, angefangen von Autos über Zigaretten bis hin zu Nahrungsmitteln und Dingen täglichen Bedarfs.

Deutsch wird sicher bald Feierabendsprache – Wissenschaftssprache Deutsch war gestern. In der Muttersprache zu denken, zu forschen, Vorlesungen an Unis zu halten und zu hören bleibt am effektivsten. Wer freiwillig als Ausländer bei uns studiert, hat sich eben so entschieden. Ergebnisse können immer noch in der Weltsprache Englisch zusammengefasst und veröffentlicht werden.

Es gehört längst in unser Grundgesetz: Die Sprache der BRD ist Deutsch. Das war leider in keinem Programm einer Partei bei der letzten Wahl 2021 zu finden.

Der Stellenwert von Deutsch ist in Brüssel bei der EU unterrepräsentiert, oder ist beabsichtigt, überflüssige Dolmetscher in einigen Jahren nach Hause zu schicken?

Wolfgang Saurenbach, Wuppertal und Krefeld Januar 2022

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