Infobrief vom 17. März 2024: GKI in der Buchbranche

1. Presseschau

GKI in der Buchbranche

Kurz vor dem Start der diesjährigen Leipziger Buchmesse befasst sich die FAZ mit einer möglicherweise bedrohlichen Entwicklung der Buchbranche. Diese lebt von Internationalität, deshalb müssen Bücher übersetzt werden, damit neue, ausländische Märkte erreichbar werden. Übersetzer waren bisher unersetzbar, wegen der immer besser werdenden generativen künstlichen Intelligenz (GKI) droht diesem Beruf ein Nischendasein. Zwar lesen sich per GKI übersetzte Texte oft flüssig, aber nicht immer stimmt die Übersetzung mit dem Original überein, und das auf unberechenbare Weise. „Eine Übersetzungsmaschine kann in einem Satz eine richtige Entscheidung treffen, und im nächsten Satz steht sie vor demselben Problem und entscheidet falsch“, zitiert die FAZ den Projektleiter André Hansen. Die Übersetzer müssten daher auch anscheinend richtige Texte nachprüfen, also sei die Zeitersparnis am Ende wieder verloren.

Ein weiteres großes Problem sei der sogenannte Priming-Effekt: Die GKI gebe einen Grundton vor, von dem man sich schwer lösen könne. Eine gute Übersetzung gehe über den wörtlichen Sinn des Ausgangstextes hinaus, sie müsse ein Gespür für den Ton und die Eigenheiten des Autors haben und in der anderen Sprache wiedergeben. Es zählt zum Handwerkszeug der Übersetzer, dass man sich mitunter vom Ausgangstext entfernt, sagt Janine Malz, Übersetzerin aus dem Englischen, Italienischen und Niederländischen. Eben das könne GKI nicht, sie klebe oft an einem Satzbau, der dem Deutschen ganz einfach nicht entspricht. So entstünden „unpassende, ungelenke Formulierungen“. Die Mehrdeutigkeit von Sprache werde von GKI bisher kaum bewältigt. Malz befürchtet, dass eine große Menge so künstlich generierter Texte unsere Lese- und Schreibkompetenz beeinflusse, die Sprache verflachen werde und, „dass man abstumpft gegenüber Übersetzungen, die okay sind, aber eben nicht schön. Dass alles ein Einheitsbrei wird.“ Schon sei zu bemerken, dass ihre Studenten Anglizismen oft nicht mehr als solche erkennen.

Mehrere deutschsprachige Übersetzer haben über ihre Verbände vor dem Einsatz von GKI gewarnt, sie fordern eine starke Regulierung und Kennzeichnungspflicht von reinen so geschaffenen Inhalten und den Schutz der Urheberrechte. Der „kulturelle Auftrag des Literaturübersetzens und die Zukunft des Berufs“ seien gefährdet. Den Übersetzern geht es laut FAZ nicht nur um die Sorge, dass eine berufliche Perspektive wegfallen könnte. Vielmehr gehe es um eine „grundsätzliche Beziehung zu Sprache und Kultur, die durch ihre Automatisierung verloren zu gehen droht, weil sie ja nur durch intellektuelle Techniken lebendig bleibt.“ (faz.net (Bezahlschranke))


Umfangreiches Deutsch

Die Redaktion des Radiosenders SWR3 ist in der Rubrik „Kurze Frage, kurze Antwort“ der Frage nachgegangen, wie viele Wörter der deutsche Wortschatz besitzt. Hanna Gottschalk von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Mannheim erklärt, das sei fast unmöglich nachzuzählen. Die endlosen Kombinationsmöglichkeiten von Nomen ermöglichen es, Wörter zu bilden, die nicht im Duden auftauchen, zum Beispiel „die Tischbeinkante“. Im Duden stehen aktuell 148.000 deutsche Wörter, jedoch benutzen Muttersprachler nur einen Bruchteil davon regelmäßig. Laut Duden benutze man im Durchschnitt 12.000 bis 16.000 Wörter, darin enthalten 3.500 Fremdwörter. Zu diesem aktiven Wortschatz komme ein passiver Wortschatz von mindestens 50.000 Wörtern hinzu. Laut sprachwissenschaftlichen Schätzungen gehört Deutsch zu den umfangreichsten Sprachen der Welt. Aktuellen Einschätzungen zufolge haben neben Deutsch auch Arabisch und Englisch die größten Wortschätze. (swr3.de)


Gehirn entspannt bei Muttersprache

Eine Forschergruppe rund um Evelina Fedorenko vom US-amerikanischen Massachusetts-Institut für Technologie (MIT) fand bereits 2021 heraus, dass bei Menschen mit Kenntnis mehrerer Fremdsprachen das Sprachverarbeitungsnetzwerk im Gehirn weniger aktiv sei, während sie die Muttersprache hören. In ihrer neuen Studie wollten die Forscher nun ermitteln, ob das gleiche für polyglotte Menschen gilt, die fünf oder mehr Sprachen auf unterschiedlichem Niveau beherrschen. Für die Studie wurden 34 polyglotte Personen hinzugezogen, einige von ihnen beherrschten über zehn Sprachen, eine Person sogar 54. Mithilfe einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) wurden die Gehirne gescannt, während verschiedene Textpassagen in acht verschiedenen Sprachen vorgetragen wurden. Die Sprachen waren gezielt ausgesucht. Wie die Gehirnanalysen zeigten, war das Sprachnetzwerk am aktivsten tätig, wenn die Probanden Fremdsprachen hörten, die sie am besten beherrschten. Offenbar steigt die Reaktion im Sprachnetzwerk mit dem Verständnis der Sprache. Beim Deuten der Muttersprache sei das Sprachnetzwerk viel weniger aktiv, entsprechend müsse sich das Gehirn im geringeren Ausmaß anstrengen. Die polyglotten Personen in der aktuellen Studie haben laut eigenen Angaben ihre Fremdsprachenkenntnisse erst in der späten Jugend oder im Erwachsenenalter erlangt. Die Forscher planen weitere Studien in der Zukunft, diesmal mit Personen, die von klein auf zwei oder mehr Sprachen gelernt haben. Herauszufinden sei dann, ob die Gehirnaktivität bei diesen beiden Sprachen dann ähnlich gering sei, oder inwieweit das Gehirn nur „Platz für eine Muttersprache“ habe. (mdr.de, sueddeutsche.de (Bezahlschranke))


Kein Spanisch? Kein Spieler!

Der 24-jährige Fußballspieler Ben Brereton Díaz war bis vor kurzem noch Teil der chilenischen Nationalmannschaft. Nun flog er dort wegen mangelnder Spanischkenntnisse heraus. Díaz wuchs zwar in England auf, da seine Mutter aber aus dem südamerikanischen Land stammt, war der 24-jährige für Chile spielberechtigt. Der neue Nationaltrainer der chilenischen Mannschaft, Ricardo Gareca, betont jedoch, dass es in seinem Kader nicht nur auf die spielerischen Leistungen ankomme, sondern auch auf die sprachlichen. Er lege vermehrt Wert darauf, dass sich die Spieler in der Landessprache verständigen können. Díaz bringe nicht gut genug Spanisch mit. Dabei habe Díaz zwei Jahre Zeit gehabt, seine Sprachkenntnisse zu verbessern, bedauert der Trainer. (tag24.de)


Mehr als nur Wörter

Unter diesem Titel finden Leser des gedruckten Spiegels diese Woche eine Klärung aktueller Begriffe. Sie haben, je nach Standort, eigene Bedeutungen angenommen. Es handelt sich um die zur Zeit am meist genutzten Begriffe, in der online-Fassung stehen sie unter dem Titel: „Wo endet Kritik, wo beginnt Antisemitismus?“ Eine besinnlich stimmende Lektüre. (spiegel.de (Bezahlschranke))


2. Gendersprache

Reaktionär, rückständig, schrullig oder frauenfeindlich

In der WELT haben der Germanist und Buchautor Fabian Payr sowie der Psychologe Stefan Beher ausgewertet, wie Gendersprache in Informationssendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dargestellt wird. „Bei vielen der von uns analysierten Sendungen war eine eindeutige Präferenz pro Gendern zu erkennen“, so die Autoren, obwohl der Medienstaatsvertrag die Sendeanstalten zu Objektivität und Unparteilichkeit in der Berichterstattung verpflichtet. Dennoch hätten in den meisten Sendungen Gender-Befürworter einen deutlich größeren Redeanteil als Genderkritiker. Diese würden häufig „reaktionär, rückständig, schrullig oder frauenfeindlich“ dargestellt. So habe der bekannte Moderator Harald Lesch in seiner Sendung „Leschs Kosmos“ (vom 5. Oktober 2020) das generische Maskulinum terminologisch falsch als „männliche Form“ bezeichnet und damit den kategorialen Unterschied von Genus (grammatisches Geschlecht) und Sexus (biologisches Geschlecht) verwischt. „Berechtigte Kritik an den Thesen der Genderbefürworter fällt bei Lesch vollständig unter den Tisch“, so Payr und Beher. Offenbar beruhe Genderkritik darauf, dass ältere Herren kognitiv überfordert seien; „kreative“ Formen (wie Gendersternchen und Co.) seien bloß „ungewohnt“, Sprachwandel habe es schon immer gegeben. (welt.de (Bezahlschranke))


Journalistin gegen Queer-Aktivist*in

Im Video-Format Sag’s mir des Senders ZDFkultur treffen die Journalistin Julia Ruhs und die Queer-Aktivist*in Saskia Michalski (Eigenschreibung) aufeinander. Ruhs ist hauptsächlich für den Bayerischen Rundfunk tätig, gendert selbst nicht und lehnt die meisten Genderformen ab, Michalski betreibt einen Podcast, schreibt Bücher und identifiziert sich selbst als nicht-binär. Ruhs bemängelt, dass, wenn sie nicht gendert, Leute den Eindruck von ihr haben, sie sei reaktionär oder rückständig oder hätte „noch nicht die oberste Stufe des moralisch guten Sprechens erklommen.“ Dass sich bei diesem Thema zwei Lager bildeten, tue der Gesellschaft nicht gut und würde sie spalten. Es dürfe jedoch nicht sein, dass eine Minderheit einer Mehrheit vorschreibe, wie diese zu sprechen habe. Als Journalistin finde sie es bedenklich, wenn Medien Gendersprache übernehmen, so verliere man den Zuspruch der Gesellschaft. Michalski hält dagegen, dass Sprache das Denken beeinflusse. Sprachlich in „männlich“ und „weiblich“ zu denken befeuere Geschlechterrollen erst recht. Gendern würde Personengruppen sichtbar machen, die bisher von der Sprache nicht erfasst würden. (youtube.com/unbubble)


Auf den Kontext kommt es an

Bekanntlich gibt es psychologische Studien, die scheinbar beweisen, dass das generische Maskulinum im Deutschen Männer bevorzuge (eine hilfreiche Zusammenfassung hier: berliner-zeitung.de). Die Fragwürdigkeit dieser mit methodischen Fehlern behafteten Studien spricht sich ebenfalls herum und es scheint, als würden sich nicht einmal mehr die klaren Verfechter der Gendersprache auf diese Studien berufen. Nun haben sich Psychologen der Universität Würzburg an ein ähnliches Studiendesign etwas veränderter Fragestellung und mit größerer Probandenzahl (200) herangewagt.

Das Ergebnis: Die mögliche männliche Lesart des generischen Maskulinums verschwindet, wenn aus dem Kontext klar wird, dass beide Geschlechter einbezogen sind, wie in „Die Nachrichtensprecher trugen schicke Anzüge und Kleider“. Dieses Ergebnis kommt der allgemeinen Auffassung über das Verständnis geschlechtsübergreifender Personenbezeichnungen recht nahe, dass in einem Satz wie „Die Einwohner Berlins dürfen nochmal wählen“ aus dem Kontext klar ist, dass das Geschlecht der „Einwohner“ keine Rolle spielt. Allerdings genüge das bloße Wissen über die generische Bedeutung nicht, „um asymmetrische Geschlechterrepräsentationen auszugleichen“, lautet trotzdem das Fazit der Autoren. Um die laufende wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte voranzubringen, sei ein tieferes Verständnis der zugrundeliegenden psychologischen Prozesse entscheidend. (idw-online.de)

Volksinitiative in Brandenburg geht an den Start

In Brandenburg hat auch die AfD Anfang der Woche eine eigene Volksinitiative vorgestellt, womit die Gendersonderzeichen (Stern, Unterstrich, Binnen-I) aus Behörden, öffentlichen Dienststellen sowie Schulen und Hochschulen verschwinden sollen. Das Landesgleichstellungsgesetz in Brandenburg hatte Behörden bereits zur Verwendung von männlichen und weiblichen Formen verpflichtet. Die AfD-Landesvorsitzende Birgit Bessin legt das so aus, dass Sonderformen hierbei jedoch nicht vorgesehen seien. Die Initiative benötigt zunächst 20.000 Unterschriften, damit sich der Landtag mit dem Thema befasst. Einen bestimmten Zeitplan oder eine Frist gibt es nicht. Bessin sagt weiterhin, dass man plane, Verstöße gegen die genderfreie Sprache auch justiziabel zu machen. Demnach könnten beispielsweise Beamte sanktioniert werden, wenn sie bei Hochschulprüfungen Punkte abziehen, falls Genderzeichen nicht benutzt werden. Bessin betont, man wolle die Landesregierung nicht zu sehr eingrenzen, es gehe nur darum, rechtliche Vorgaben für die deutsche Sprache zu schaffen. (rbb24.de)


3. Kultur

Latein-Rap gewinnt Wettbewerb

Im mecklenburg-vorpommerschen Waren hat die Schülerin des Richard-Wossidlo-Gymnasiums, Matthäa Schubert, den landesweiten Lateinwettbewerb „Certamen Balticum“ gewonnen. Der Wettbewerb soll Schüler für die antike Sprache begeistern und dem Lateinischen „neues Leben einhauchen“. Die Lateinlehrerin Dr. Dorothea Rother erläutert, wie die Schüler nach der ersten Qualifikation in der zweiten Runde Texte aus den Metamorphosen Ovids, Fragen zu Metrik, Grammatik und Interpretation beantworten bzw. lösen mussten. Lateinlehrer Max Neujahr erinnert daran, dass Latein in der Alltagssprache weiterhin allgegenwärtig sei, und das wolle man den Schülern bewusst machen. So verweise er seine Schüler auf Begriffe aus dem Fußball wie Defensive, Offensive oder Semifinale, die alle aus dem Lateinischen stammen. Auch die Zaubersprüche der Film- und Buchreihe Harry Potter seien alle auf Lateinisch. Schubert, die den Wettbewerb letztendlich gewann, überzeugte auch mit einem lateinischen Rap-Lied, das sie zusammen mit ihrem Lehrer im Dezember vortrug. Erstaunlich war hierbei, dass die Schülerin der 11C im Lateingrundkurs nur drei statt fünf Unterrichtsstunden in der Woche habe, und trotzdem überzeugen konnte. Schuberts Klausur landete von etwa 100 bewerteten auf dem ersten Platz. (nordkurier.de)


4. Berichte

Hamburger Volksbegehren in den Sommerferien

Das Volksbegehren gegen Gendersprache in Bildung und Verwaltung wird in den Sommerferien stattfinden. Die rot-grüne Mehrheit der Hamburgischen Bürgerschaft hat gemeinsam mit den Linken beschlossen, eine Verschiebung abzulehnen. Damit findet das vom VDS unterstützte Volksbegehren genau dann statt, wenn viele Hamburger wegen der Ferien nicht in der Stadt weilen. Dieses Vorgehen hat vor allem deswegen ein Gschmäckle, weil bei anderen Initiativen eine Verschiebung gewährt worden war. „Ausgerechnet die Parteien, die sich gerade in den letzten Wochen am lautesten für die Demokratie ausgesprochen haben, behindern nun das Verfassungsrecht der Bürger auf direkte Teilhabe“, sagt Dr. Claudia Guderian, die sich als ehemalige PEN-Generalsekretärin für die Volksinitiative engagiert. Auch der pensionierte Hamburger Schulleiter Dr. Hans Kaufmann, weitere Vertrauensperson der Volksinitiative, zeigt sich vom Verhalten der Bürgerschaft enttäuscht: „Offensichtlich wollten die Regierungsfraktionen so eine Abstimmung innerhalb der Ferien erzwingen, damit möglichst wenig Hamburger daran teilnehmen. Dies entspricht nicht den demokratischen Gepflogenheiten und zeigt, dass der Senat ein klares Votum der Bürger fürchtet.“ Hamburg positioniere sich damit gegen andere Bundesländer mit ähnlichen politischen Konstellationen, heißt es in einer Mitteilung der Organisatoren: In Hessen schaffe gerade die SPD den Genderstern in Verwaltung und Bildung ab, in Baden-Württemberg sollen Genderzeichen in der Verwaltungssprache ebenfalls untersagt werden. Die Hamburger Bürger haben dennoch die Möglichkeit, am Volksbegehren durch Briefwahl teilzunehmen, Informationen dazu gibt es zeitnah auf ohne-gendern.de. (stoppt-gendern.de)


Zum Zahnschmerz der Kopfschmerz

„(2) Wenn ein/eine Patientenanwalt/Patientenanwältin oder eine zahnärztliche Patientenschlichtungsstelle vom/von der Geschädigten oder Schädiger/Schädigerin oder von einem/einer ihrer bevollmächtigten Vertreter/Vertreterinnen schriftlich um Vermittlung ersucht wird, so ist der Fortlauf der Verjährungsfrist von dem Tag an, an welchem dieses Ersuchen beim/bei der Patientenanwalt/Patientenanwältin oder bei der zahnärztlichen Patientenschlichtungsstelle einlangt, gehemmt.“

Dieses ist wortwörtlich ein Absatz im § 41 des österreichischen Zahnärztegesetzes (ZÄG): Außergerichtliche Patientenschlichtung. Gesetzesprosa dieser Kunstfertigkeit ist nützlich, wenn man erzwingen möchte, dass der Gesetzgeber zur Lachnummer werde. Damit genügt der Text für die Kabarettbühne. Na ja, beinahe. (jusline.at)


5. Denglisch

Nieselregen der Linsen

Mehr Poesie im Büro-Englischen wünscht sich Peter Littger in seiner Kolumne in der Wirtschaftswoche. So gebe es mit dem poetischen Plural im Englischen viele Möglichkeiten, treffende Bezeichnungen für eine Gruppe von Menschen, Dingen oder Tieren zu finden oder zu erfinden – abhängig vom Anlass, Umstand sowie der Stimmung und nicht zuletzt vom Humor der Beteiligten. Statt a board of directors, a panel of speakers oder a team of colleagues könne man die drei Gruppen auch als Chor bezeichnen: a choir of directors, a choir of speakers oder a choir of colleagues. Für Littger sind solche bildhaften Entsprechungen eine Möglichkeit, die Alltagssprache fantasievoller zu machen und einer Aussage eine symbolische oder ironische Bedeutung beizufügen. Glücklicherweise vergisst Littger mit Beispielen wie „Berg der Schulden“ oder „Lawine voller Probleme“ nicht, darauf hinzuweisen, dass Sprachbilder auch in deutscher Sprache möglich sind. Dennoch lasse die englische Sprache sehr viel mehr Spielraum, findet Littger. „Wir kennen weder eine ‚Hand voller Bananen‘ noch einen ‚Nieselregen der Linsen‘“. (wiwo.de)


6. Soziale Medien

Migros im Gender-Fokus

Die schweizerische Supermarkt-Kette Migros wollte ihren Kunden erklären, warum Gendern wichtig sei – und kassierte Zorn und Empörung. Unzählige negative Kommentare häuften sich unter dem Video im Netz. „Das ist nicht mehr meine Migros“ schrieb ein Nutzer, manche drohten mit Boykott. Der Markensoziologe und Konsumphilosoph Oliver Errichiello wundert sich nicht darüber und sagt: „Es macht markentechnisch keinen Sinn, dieses Thema aufzugreifen, wenn es nicht zum Kern der Marke gehört. Migros ist ein beeindruckendes Unternehmen in Hinblick auf seine Leistungen. Aber ‚gesellschaftlicher Wandel‘ gehört nicht zur DNA der Marke.“ (nau.ch)


Die Passagierenden beim SRF

Politisch korrekt muss es zugehen beim SRF (Schweizer Radio und Fernsehen). So kam es, dass der Sender bei X (Twitter) über Streiks von „Mitarbeitenden“ an den Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen berichtete. Den Vogel schoss das SRF ab, als es direkt danach schrieb, dass „Passagierende“ keine Rückflüge mehr mit der Fluglinie Swiss antreten könnten, da sie nicht mehr kontrolliert würden. Die hämischen Kommentare flogen sofort ein, sodass das Posting gelöscht und mit „Passagieren“ neu verfasst wurde, die „Mitarbeitenden“ blieben aber erhalten. (weltwoche.ch)


Weiteres aus den sozialen Medien

Die evangelische Kirchengemeinde Scherzingen-Bottighofen (Schweiz) sucht eine „Pfarrperson“:instagram.com/vds

Wir packen die ersten Sachen für die Leipziger Buchmesse: tiktok.com/vds


7. Kommentar

Bürgerschaft vergisst ihr Niveau

Die Verlogenheit ist dieselbe wie bei den vielen Versicherungen, es bestehe keinerlei Zwang zum Gendern und jede Behauptung, es gebe Zwang, sei eine Verleumdung durch – den Rest kennt man: reaktionäre, rückständige, schrullige, frauenfeindliche, alte weiße Männer (die alten weißen Frauen zitiert mal wieder keiner). So tut sich nun die Hamburger Bürgerschaft hervor (sagte da jemand Bürgerinnenschaft?), die das Votum aufgeklärter Bürger durch den schäbigsten aller Tricks zu verhindern sucht: Man muss nur dafür sorgen, dass die Abstimmung zu einem Zeitpunkt geschieht, wenn der Gegner nicht vollzählig ist. Richtig, es geht um das Volksbegehren gegen Gendersprache in Bildung und Verwaltung, das wurde in aller Sorgfalt in die Sommerferien verlegt, in der Hoffnung, dass sich die ernstzunehmenden Hamburger dann anderswo aufhalten. Aber die sind nicht so blöd, die machen per Brief mit. Derweil blamiert sich die Bürgerinnenschaft der Hansestadt mit Kleingeisterei. (Oliver Baer)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Jeanette Zangs

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