Infobrief vom 17. Mai 2026: Großer Wortschatz schon vor der Kita wichtig

1. Presseschau

Großer Wortschatz schon vor der Kita wichtig

Jedes 6. Kind im Alter von 6-10 Jahren hat eine Sprachentwicklungsstörung – das zeigt eine Metaanalyse der Krankenkasse KKH. Deswegen sei es wichtig, sich bereits im Kindergartenalter und auch schon vorher um die Sprachentwicklung zu kümmern. „Jedes Wort zählt. Und für manche Kinder entscheidet es über ihre Zukunft“, schreibt Margrit Stamm, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Schweizer Universität Fribourg, in einem Beitrag auf dem Berufs-Netzwerk LinkedIn: „Kinder aus privilegierten Familien verfügen bereits früh über einen deutlich größeren Wortschatz als Gleichaltrige aus weniger begünstigten Verhältnissen. Der Abstand ist nicht marginal, sondern erheblich.“ Der Wortschatz eines Kleinkindes sei damit ein entscheidender Faktor für die Startchancengleichheit im Bildungssystem. Der Vorteil eines ausgeprägten Wortschatzes ziehe sich durch die gesamte Schullaufbahn. Man spreche, so Stamm, von dem sogenannten Matthäus-Effekt: Vorteile würden sich verstärken, Nachteile jedoch auch: „Im Bereich Sprache bedeutet das: Kinder mit großem Wortschatz lernen schneller und verbessern sich immer mehr. Kinder mit kleinem Wortschatz haben es schwerer und fallen weiter zurück.“
Die ersten Unterschiede im Wortschatz zeigten sich bereits im Alter von 3 Jahren und folgtem dem Bildungshintergrund der Eltern. In Haushalten mit höherer Bildung werde mehr gesprochen, differenzierter formuliert und aktiver auf das Kind eingegangen. In sozial benachteiligten Familien falle der Wortschatz geringer aus. Um das aufzufangen, müsse die Förderung bereits in der Kita beginnen, und das unter Einbeziehung der Familien. Der frühere Lehrer Salman Ansari arbeitete jahrelang in verschiedenen Kindertagesstätten, in denen viele Kinder Deutsch nicht als Muttersprache hatten. Für ihn ist es besonders wichtig, Kinder zum Sprechen, Beschreiben und Vergleichen zu bringen. Mit einfachen Fragen wie „Was denkst du? Was meinst du? Erzähl mir mal!“ entstehe Sprache im Dialog. (fr.de, linkedin.com/margrit-stamm)


Die Sprache Kam retten

Viele afrikanische Sprachen sind in Gefahr. Insbesondere die kleineren Sprachgemeinschaften sind durch die wirtschaftliche und soziale Transformation der einzelnen Länder vom Aussterben bedroht, so auch die Sprache Kam im Nordosten Nigerias. Kam wird nur noch von etwa 8.000 bis 11.000 Menschen im nigerianischen Bundesstaat Taraba gesprochen und zählt zu den gefährdeten Sprachen. Der Sprachwissenschaftler Jakob Lesage von der Humboldt-Universität zu Berlin hat die Sprache in den vergangenen zehn Jahren gemeinsam mit Mitgliedern der Kam-Gemeinschaft dokumentiert. Dabei entstanden unter anderem eine Grammatikbeschreibung, ein Wörterbuch sowie mehr als 300 Audio- und Videoaufnahmen zu Sprache, Alltag, Geschichte und Traditionen der Gemeinschaft. Die Materialien sind inzwischen online zugänglich. Um dies möglich zu machen, wurden die einzelnen Mitglieder der Kam-Gemeinschaft selbst zu Dokumentaristen ihrer Sprache ausgebildet. Laut Lesage führte dieses gemeinschaftsbasierte Vorgehen sogar zu umfangreicherem Material als klassische Forschungsansätze. Kam, auch bekannt als Nyingwom, ist eine von etwa 1.500 Sprachen der Niger-Kongo-Sprachfamilie, zu der auch das in ganz Ostafrika verbreitete Swahili zählt. Eine Besonderheit der Sprache Kam sei unter anderem die Bildung des Futurs durch die Wiederholung des Verbs. Statt „Ich werde essen“ heißt es sinngemäß „Ich esse essen“. Zudem nehme Kam innerhalb der Niger-Kongo-Sprachfamilie eine ungewöhnlich isolierte Stellung ein, da verwandte Sprachen vermutlich bereits ausgestorben seien, erklärt Lesage. (hu-berlin.de)


Neuer Name für die Deutsche Post

Bei der Deutschen Post steht eine Namensänderung an. Der Konzern wird künftig offiziell „DHL AG“ heißen. Die Aktionäre stimmten dem Vorhaben auf der Hauptversammlung in Bonn mit großer Mehrheit zu. Als Grund hierfür nennt der Konzernchef Tobias Meyer die zunehmende Internationalisierung der ehemaligen Deutschen Bundespost, die inzwischen den Großteil ihres Geschäfts außerhalb des klassischen Brief- und Paketversands in Deutschland macht. Der Name DHL gehört bereits seit 2002 zum Konzern, nachdem die Deutsche Post den gleichnamigen US-Logistiker übernommen hatte. Das Kürzel steht für die Firmengründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn. Bereits 2023 war der Markenname von „Deutsche Post DHL“ zu „DHL“ verkürzt worden, nun folgt auch die offizielle Umbenennung des Konzerns. Ganz verschwinden wird der Name „Deutsche Post“ allerdings nicht. Künftig bezeichnet er nur noch die neue Tochtergesellschaft für das Deutschlandgeschäft, also den Brief- und Paketversand im Inland. Die Umstrukturierung soll zum 1. September wirksam werden und rund 37 Millionen Euro kosten. Zwar sprach Konzernchef Meyer durch diese neue Umstrukturierung von „mehr Klarheit“, er erntete aus der Politik allerdings Kritik für sein Vorhaben, sich von dem historischen Namen zu trennen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff bezeichnete den Abschied von der traditionsreichen Marke Deutsche Post als „schwer verständlich und schade“. (tagesschau.de)


Mehrsprachige Schule in Offenbach eröffnet

In Offenbach wurde der Neubau der Erasmusschule eröffnet. In der neuen Bildungseinrichtung lernen künftig 536 Kinder und Jugendliche. Besonderes Merkmal der Schule ist der dreisprachige Unterricht nach der Immersionsmethode: Deutsch, Englisch und Spanisch werden im Alltag parallel genutzt. Laut des Sozialwissenschaftlers Rolf Schmidt hätten Kinder kaum Probleme damit, mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen. Das frühe Sprachtraining wirke sich zudem positiv auf die Entwicklung der deutschen Sprache aus. Die Schule arbeitet außerdem nach der italienischen Reggio-Pädagogik, bei der selbstständiges, kreatives Lernen im Mittelpunkt steht. Geplant sind unter anderem jahrgangsübergreifendes Lernen und ein System ohne klassische Noten in der Grundschule. Der Neubau auf dem ehemaligen Polizeigelände kostete rund 40 Millionen Euro. (op-online.de)


2. Gendersprache

Einseitige Diskussion

Unter dem Titel „Sprache und Gender(n)“ hatte die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Ende April zu einer Podiumsdiskussion geladen. Leider, so Stefan Beher in der FAZ, versäumte sie es, Vertreter unterschiedlicher Meinungen einzuladen. Die Teilnehmer der Diskussion waren ausschließlich Befürworter des Genderns, und das nicht nur aus linguistischer Sicht. Die präsentierten Studien, die die positiven Aspekte der Gendersprache darstellten, wurden ohne Kontext zur Kritik vorgestellt. Die Ablehnung des Genderns in der Bevölkerung wurde ins Lächerliche gezogen: „Die Gleichstellungsbeauftragte suggerierte in ihren Äußerungen gar, wer Gendersprache ablehne, habe etwas gegen die Gleichberechtigung von Frauen, sei womöglich gar ein Frauenfeind. Die Ablehnung des Genderns wurde ohne erkennbare empirische Grundlage primär mit Ängsten, Unsicherheiten und einer Abwehrhaltung gegenüber Innovation assoziiert.“ Wer also nicht gendere, sei entweder böswillig oder irrational. Von dieser moralischen Ebene aus erübrigte sich daher jede inhaltliche Auseinandersetzung.
Außerdem betonte die Gleichstellungsbeauftragte, die Sprachleitlinien der Uni seien lediglich „Vorschläge“. Diese Sichtweise lässt Beher nicht gelten und verweist auf die institutionelle Praxis. Die Medizinische Fakultät stellt eine Broschüre zur „geschlechtergerechten Sprache“ des Gleichstellungsbüros bereit, Studenten sollten vor der Abgabe von Arbeiten mit ihrem Dozenten Rücksprache halten, um „mögliche Notenabzüge“ zu vermeiden. Die Fakultät zeigte sich auf Nachfrage einsilbig und wollte die Broschüre nicht kommentieren.
Insgesamt, so Beher, sei eine differenzierte Diskussion gar nicht erst möglich gewesen, da essenzielle Gegenpositionen gefehlt hätten: „Wo Einigkeit vorausgesetzt, Evidenz selektiv dargestellt und Verantwortung diffus gehalten wird, geht es nicht mehr um Wissenschaft, sondern um Agenda-Setting auf der Grundlage feststehender Überzeugung.“ (FAZ-Druckausgabe vom 13.05.2026)


3. Kultur

Jacob-Grimm-Preis für Annette Humpe

Die Sängerin und Musikproduzentin Annette Humpe wird mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet. Die Eberhard-Schöck-Stiftung und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleihen den Jacob-Grimm-Preis für ihr gesamtes Wirken: „Mit dem musikalischen Werk von Annette Humpe wurde die deutsche Sprache cool, lässig und emotional“, so Prof. Dr. Wolf Peter Klein, Sprecher der Jury. Humpe macht bereits seit 1979 Musik, zunächst mit ihrer Schwester Inga, mit der sie in Berlin ihre erste Band „Neonbabies“ gegründet hat. Mit der Gruppe „Ideal“ war sie eine der Vorreiterinnen der Neuen Deutschen Welle, 2004 tat sie sich mit Adel Tawil zu „Ich + Ich“ zusammen. Der Hauptpreis, den Humpe bekommt, ist mit 30.000 Euro dotiert.

Der Verein „MundArt in der Kirche“ erhält den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis. Der Verein verbindet religiöse Texte mit deutschen Dialekten. Der undotierte Institutionspreis Deutsche Sprache geht an das Erika-Fuchs-Haus, das erste Comicmuseum in Deutschland. Die Preisverleihung findet am 3. Oktober in Baden-Baden statt. (kulturpreis-deutsche-sprache.de)

Struwwelpeter in 50 Sprachen

Udo Frank Kürschner sammelt seit 45 Jahren Struwwelpeter-Exemplare aus aller Welt. 500 Ausgaben in 50 Sprachen sind dabei mittlerweile zusammengekommen. Heute fasziniert ihn aber nicht nur das Sammeln selbst, sondern vor allem die Geschichten hinter den Übersetzungen. So hieß der estnische Struwwelpeter „Kolumats“ und erschien, als Estland noch Teil der Sowjetunion war. Erst nachdem alle 80.000 Exemplare gedruckt waren, fiel dem Zensor auf, dass es im Kommunismus keinen Engel und kein Christkind geben durfte. „Aber weil vor Weihnachten noch alles fertig werden musste, mussten Schreibkräfte, Lektoren, selbst die Herausgeber händisch die Ausgabe verbessern“, erzählt Kürschner. In Dänemark und Schweden habe es die erste Übersetzung bereits 1847 gegeben, in Norwegen erst 11 Jahre später, hier hieß er dann „Buste-Peer“. Die Übersetzung ins Norwegische habe ihre Wurzeln dabei im österreichischen Wien, wo die Übersetzerin Hedvig Sonnleithner (später Hedvig Mariboe) 1814 geboren wurde. Sie engagierte sich für Frauen und Kinder, dazu gehörte auch die Übersetzung des Kinderbuchs „Struwwelpeter“. Den Hinweis auf sie fand Kürschner in einer Frauenzeitschrift aus dem 19. Jahrhundert, wo ein Artikel ihre Arbeit würdigte – und das, obwohl die norwegische Version als eine langweilige Übersetzung gelte, so Kürschner, „mit schweren Reimrhythmen und gestelzt geschrieben.“ Im Nachhinein betrachtet sei das aber nicht verwunderlich, da jetzt klar sei, dass eine Nicht-Muttersprachlerin das Buch übersetzt habe.

Der Struwwelpeter sei ein Klassiker der Kinderliteratur, auf der ganzen Welt sei die Figur bekannt, bis heute würden politische Versionen von ihm, dem fliegenden Robert oder dem Suppen-Kaspar adaptiert. (hna.de)


Mundartwettbewerb im Allgäu

Der Verein mundART veranstaltete zum dritten Mal den Mundart-Wettbewerb „So schwätz i“ im schwäbischen Wertach. 125 Kinder und Jugendliche nahmen teil und zeigten, dass der Allgäuer Dialekt weiterhin lebendig ist. Laut Angaben des Vereins beteiligten sich elf Allgäuer Schulen, so viele wie noch nie zuvor. Die Schüler präsentierten Theaterstücke, Lieder oder Gedichte, teilweise sogar in Tracht und alles im heimischen Dialekt. Insgesamt wurden 3750 Euro Preisgeld vergeben, dabei lobten die Juroren besonders die Vielfalt und Qualität der Beiträge. Einen Sonderpreis erhielt die Grundschule Pfronten für ihr Projekt „Zeitreise Eisr Pfronten“, bei dem sich die Schüler mit Dorfgeschichte, Sagen und regionalem Brauchtum beschäftigten. Besonders viel Applaus bekam auch die Schülerin Maria Theresia Meichelböck aus Petersthal, die ein eigenes Dialektgedicht vortrug. Wertachs Bürgermeisterin, Gertrud Knoll, lobte die jungen Teilnehmer auf Mundart und betonte, wie schön es sei, dass sie den Dialekt in den Schulen weitergeben. (kreisbote.de)


Dialektförderung für Flüchtlinge

In Österreich ist eine umfassende Integrationsreform geplant, um dem hohen Alphabetisierungsbedarf vieler Flüchtlinge entgegenzukommen. Neben einem verpflichtenden Integrationsjahr, in dem die Deutschkenntnisse verbessert werden sollen, wurden bereits seit April dieses Jahres die Deutschkurse des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) umgebaut. Ziel der neuen Kurse sind mehr Alltagstauglichkeit, mehr Eigenverantwortung und eine stärkere Mitwirkung der Teilnehmer. Neu ist unter anderem, dass inzwischen auch regionale Umgangssprache und Dialekte vermittelt werden, damit sich Migranten im Alltag besser verständigen können. Laut ÖIF gehe es darum, typische Begriffe und sprachliche Besonderheiten der jeweiligen Region verstehen zu lernen, „um mitreden zu können“. Carla Pirker, Leiterin der Deutschförderung beim ÖIF, erklärt, dass die Dialektschulung einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten könne, da dadurch die sprachliche Realität besser abgebildet werde. Die geplante große Integrationsreform der Regierung, die unter anderem strengere Regeln und mögliche Sozialhilfekürzungen vorsieht, soll derzeit ab 2027 umgesetzt werden. (diepresse.com)


4. Berichte

Ausstellungseröffnung „Autos sind tödlich!“

„Wenn ich erst mal groß bin! …“ Erwachsene dürfen über ganz viele Dinge selbst entscheiden und auch etwas tun, das schlecht für sie ist. Dennoch hebt der Staat bei einigen Sachen den mahnenden Finger, zum Beispiel beim Rauchen. Doch warum finden sich keine Warnhinweise auf Autos, Süßigkeiten oder Pizza? Erstere können bei Unfällen für Tote sorgen, die anderen beiden bei übermäßigem Genuss für gesundheitliche Probleme. Wer entscheidet, wann bevormundet wird und wann nicht? Und warum sind einige dieser Bevormundungen gesellschaftlich akzeptiert, andere nicht? Der Schriftsteller und Künstler PH Gruner zeigte zur Eröffnung der Ausstellung „Autos sind tödlich!“ im Sprachhof die absurden Gegensätze auf und lud das Publikum ein, selbst über Sinn und Unsinn solcher Warnhinweise zu diskutieren.

Die Ausstellung auf dem Sprachhof in Kamen ist noch bis Anfang Juni geöffnet, die Zeiten gibt‘s auf unserer Internetseite oder weiter unten hier im Infobrief unter „Termine“. (instagram.com/vds, facebook.com/vds, tiktok.com/vds)


5. (D)englisch

„Hey, hey, hey“

Französische Politiker sprechen in der Öffentlichkeit nicht oft Englisch – auch weil sie die internationale Stellung der französischen Sprache betonen wollen (so sagt man). Mitunter entstehen dadurch Gerüchte, dass Politiker aus Frankreich Englisch als Fremdsprache gar nicht beherrschen.

Präsident Emmanuel Macron hat nun das Gegenteil bewiesen. Bei einem Wirtschaftsgipfel in Nairobi unterbrach er die Redner auf der Bühne, weil ihm die Nebengeräusche im Publikum zu viel wurden. Macron betrat abweichend vom Protokoll die Bühne, wandte sich auf Englisch an die Zuhörer mit den Worten: „Entschuldigung, ihr alle – hey, hey, hey“ und hielt das Publikum dazu an, den Rednern zuzuhören („totale Respektlosigkeit“) oder den Saal zu verlassen.

Französische Radiomoderatoren haben vorgeschlagen, aus Macrons Intervention ein Pop-Lied zu machen. (ksta.de)


6. Soziale Medien

Der „Erikativ“

Bei Instagram wirft der Nutzer @textmanufakturklaus einen Blick auf den „Erikativ“. Diese Verbform beschreibt die lautmalerischen Geräusche in Comics. Eigentlich ist sie bereits als „Inflektiv“ bekannt und zeichnet sich durch das Weglassen der Infinitivendung -en aus. In den 1950er Jahren hat die Übersetzerin Erika Fuchs einen Weg gesucht, die lautmalerischen Begriffe in den Micky-Maus-Comics ins Deutsche zu übertragen. Ihre Nutzung von Wörtern wie „quietsch“, „seufz“ oder „stöhn“ ist dabei so prägend für die Comics geworden, dass diese Form scherzhaft zum „Erikativ“ erhoben wurde. (instagram.com/textmanufakturklaus)


„Black Forest Power Region“

Der Nutzer @rasenspiesser teilte auf X ein Foto, das die Einweihung eines touristischen Hinweisschildes zeigt. Diese braunen Schilder stehen meist an Autobahnen und weisen auf touristische Attraktionen in der Nähe hin. Auf dem genannten Schild stand „Black Forest Power Region“. Die Initiatoren, das Netzwerk Nectanet, wollten auf die Innovationskraft der Region aufmerksam machen. Warum das ausgerechnet auf Englisch passieren soll, erschließt sich jedoch nicht, das bemängeln auch die X-Nutzer. „Wirtschaftsregion Schwarzwald“ wäre zum Beispiel eine mögliche sinnvolle und verständliche Übersetzung gewesen, oder „Ökonomiestandort“. So schreibt der Nutzer @Armin_Sommer aufgrund der Tatsache, dass das Schild im Bundesland Baden-Württemberg steht, das sich selbst „The Länd“ nennt: „Nach dem grenzdebilden ‚The Länd‘ der nächste Scheiss. Muss das sein???“ Und @StrahlMarianne findet: „Oh mein Gott! Was stimmt mit Deutschland nicht mehr? Warum müsst ihr ständig alles in Englisch verfassen? Ahhhhhh“ (x.com/vds)


7. Buchwelt

Pulitzer-Preis vergeben

In den USA ist der Pulitzer-Preis vergeben worden. Für die Kategorie „Fiktion“ ging er an „Angel Down“ von Daniel Kraus. Das Besondere: Das Buch besteht aus einem einzigen Satz. Mit ihm wird das Leben in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges beschrieben. Soldaten machen am Himmel eine Erscheinung aus, viele glauben an ein Wunder, sehen einen Engel. Das Portal Lesering beschreibt das Stilmittel, nur einen Satz zu benutzen, als „strukturelle Erfahrung“: „Der Text kennt keine echte Unterbrechung, keinen sicheren Halt, keinen ruhigen Atem. Lesen wird hier körperlich. Der Roman zwingt seine Leser in denselben Zustand permanenter Überforderung wie seine Figuren.“
In der Kategorie „Geschichte“ gewann „We the People: Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung“ von Jill Lepore. Sie präsentiert in ihrem Buch die Kompromisse, Auslassungen und sprachlichen Konstruktionen, „die bis heute politische Wirklichkeit formen.“ Dabei stellt sie auch heraus, wie schwer sie zu verändern sei und warum dies gleichermaßen eine Stärke und Schwäche des Systems darstelle. (pulitzer.org, lesering.de, lesering.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion wider.

Redaktion: Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Stephanie Zabel

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