Infobrief 410 (16/2018): Niederländischer Tag der deutschen Sprache

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1. Presseschau vom 13. April bis 19. April 2018

  • Niederländischer Tag der deutschen Sprache
  • Dialektpreis schützt Bairisch
  • „Leichte Sprache“ ist Abiturthema

2. Unser Deutsch

  • Eigentlich

3. Berichte

  • Einmaligkeit der Sprache schützen

4. VDS-Termine

5. Literatur

  • Leseclubs motivieren Kinder

6. Denglisch

  • Denglisch ohne Mehrwert

 

1. Presseschau vom 13. April bis 19. April 2018


Niederländischer Tag der deutschen Sprache


Foto: Pixabay, User: tivolikeith, CC0-Lizenz

Seit 2012 feiern die Niederländer den Tag der deutschen Sprache, in diesem Jahr am 17. April. Unter dem diesjährigen Motto „Deutsch im Berufsleben“ organisierten Schulen und Kultureinrichtungen zahlreiche Veranstaltungen, darunter Lesungen und Sprachstammtische. Initiiert wurde der Tag der deutschen Sprache von der Initiative Duits (eine Zusammenarbeit der Deutschen Botschaft in Den Haag, des Duitsland Instituuts in Amsterdam, der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, des Goethe-Instituts und der Bildungsorganisation nuffic), um auf die Relevanz des Deutschen als Sprache der Wissenschaft und Wirtschaft aufmerksam zu machen und Niederländer wieder verstärkt fürs Deutschlernen zu motivieren. Gründe für den Rückgang der Zahl niederländischer Deutschsprecher sind zum einen der Mangel an Lehrpersonal, zum anderen eine Bildungsreform aus dem Jahr 2016, die ausschließlich Englisch als verpflichtende Fremdsprache vorsieht. 2019 soll die Zweite Kammer der niederländischen Regierung noch einmal über die Einführung einer verpflichtenden zweiten modernen Fremdsprache entscheiden. Der vom VDS eingerichtete Tag der deutschen Sprache findet in diesem Jahr am 8. September statt. (machmit.nl, rtvdrenthe.nl, duitslandinstituut.nl)

 

Dialektpreis schützt Bairisch

Am 16. April wurde der Dialektpreis Bayern für „besondere Verdienste in den Bereichen Dialektpflege und Dialektologie“ vergeben. Preisträger sind die Kabarettistin Monika Gruber, die Musikkabarettgruppe Couplet AG und acht weitere Dialektpfleger aus den Sprachregionen Bayerns. „Unsere Sprache und unsere Dialekte sind identitätsstiftend und Fundament und Ausdruck unserer Werte und Traditionen“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) während der Verleihung. Die Preisträger tragen maßgeblich dazu bei, die regionale Vielfalt der heimischen Dialekte zu pflegen und für die kommenden Generationen zu erhalten“, so der Ministerpräsident weiter. Der Dialektpreis war 2017 erstmals vom damaligen Kultusminister Ludwig Spaenle unter anderem an den Liedermacher Willy Michl vergeben worden. (welt.de, focus.de, bayern.de)

 

„Leichte Sprache“ ist Abiturthema

Die Debatte um „Leichte Sprache“ ist nun auch in den Abiturprüfungen im Fach Deutsch an baden-württembergischen Schulen angekommen. Zum Essay „Sprache – leicht gemacht“ sollten Schüler in diesem Jahr das Für und Wider der „Leichten Sprache“ abwägen. Die Meinungen der Schüler am Gymnasium in Ehingen waren breit gefächert: Von „Verdummung“ durch einen zu häufigen Gebrauch bis zu steigenden Chancen der Integration vertraten die Abiturienten sehr unterschiedliche Ansichten. Einig waren sich die Schüler jedoch darin, dass Gattungen wie Lyrik, Fachliteratur oder Prosa stilistische Mittel und einen entsprechenden Wortschatz jenseits der „Leichten Sprache“ enthalten, berichtet die Südwest Presse.

Die „Leichte Sprache“ ist auf Verständlichkeit ausgerichtet und soll vor allem Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder geringen Deutschkenntnissen die gesellschaftliche und politische Teilhabe ermöglichen. Der VDS spricht sich für „Leichte Sprache“ bei bestimmten Zielgruppen aus, kritisiert jedoch die häufige Verletzung der Rechtschreib- und Grammatikregeln, wie beispielsweise in der Wahlbenachrichtigung in Schleswig-Holstein zur Landtagswahl im Mai 2017. (swp.de, vds-ev.de)

 

2. Unser Deutsch

Eigentlich

Ein Gespräch über Sprache. Die Therapeutin massiert meinen Nacken und berichtet: Sie habe sich, ganz jung noch, heftig verliebt und hätte ihn gerne geheiratet. „Aber er hat immer eigentlich gesagt. Das hat mich unheimlich gestört. Da habe ich es gelassen.“ Was hat es mit diesem Wort auf sich?

Die Wortgeschichte zeigt eine Ableitung mit dem Adverbialsuffix –lich aus althochdeutsch eigan, schon mittelhochdeutsch findet sich –t als eingeschobener Übergangskonsonant (wie auch in wesentlich und öffentlich). Von der Vielfalt der Verwendungen in Rechts- und Gemeinsprache, welche die Neubearbeitung des Grimm’schen Wörterbuchs dokumentiert (leider noch nicht im Netz), sind heute vor allem drei weit verbreitet:

als Adjektiv in der Bedeutung ‚wirklich, tatsächlich‘, zum Beispiel sein eigentlicher Name, mein eigentlicher Beruf – stets attributiv bei einem Substantiv;

als Adverb in der Bedeutung ‚in Wirklichkeit, im Grunde genommen‘ , zum Beispiel eigentlich dürfte ich jetzt nichts essen, ich habe eigentlich keine Zeit, das ist eigentlich kein Frühling;

als Abtönungspartikel (auch Modalpartikel genannt), häufig in Fragesätzen, zum Beispiel was wollt Ihr eigentlich von mir? Wie spät ist es eigentlich? Warum geht das eigentlich nicht?

Diese letzte Verwendung ist die interessanteste, auch am schwierigsten zu beschreibende. Denn es ist eine Domäne der gesprochenen Sprache. Dem Sprecher stehen etwa 20 Wörter wie bloß, denn, etwa, ja, halt, schon, wohl zu Verfügung, um seine Einstellung zu einer Äußerung auszudrücken, einschränkend oder unterstreichend oder abwägend. Er ist halt krank – damit entschuldigt der Sprecher ein Verhalten des Betreffenden; hast Du etwa wieder getrunken? – der Sprecher bekundet seine Empörung; sag das bloß nicht noch mal! – der Sprecher verstärkt eine Drohung.

Alle diese Wörter kommen meist auch in anderen Funktionen, als Adjektiv, Adverb oder Konjunktion vor, deshalb ist ihre besondere Rolle erst in der neueren Linguistik, der Erforschung der Syntax und der gesprochenen Sprache entdeckt und beschrieben worden. Bei manchen dieser Partikeln gibt es regionale Varianten. So zeigt der ‚Atlas der deutschen Alltagssprache‘, dass in dem Satz „Das mag ich … nicht“ im Norden Deutschlands überwiegend eben (oder ebend), im Süden halt eingesetzt wird. Ähnliches gilt für eh und sowieso, zum Beispiel: „Das kann ich eh/sowieso nicht bezahlen“. Der Sprachgebrauch im deutschen Süden breitet sich nach Norden aus.

Was war nun der verbale Fehler des Freundes der Therapeutin? Offensichtlich hatte er sich das eigentlich angeeignet, um seine Aussagen zu relativieren. Ich hätte heut‘ Lust auf ein Bier, eigentlich – womit er in Frage stellt, ob er es sich gönnt. Eigentlich gefällt mir Deine Frisur – aber offenbar hat er auch Vorbehalte. Der Eigentlich-Mann, nennen wir ihn mal so, ist sich zu oft unschlüssig, macht halbe Rückzieher, verpackt seine Kritik im eigentlich.

Das hat ihn die Liebe gekostet. Denn die Freundin wollte einen wirklichen Mann, keinen eigentlichen.

 

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de

 

3. Berichte

Einmaligkeit der Sprache schützen

Nach seiner Wiederwahl als VDS-Leiter der Region 48 traf sich Günter W. Denz zum Gespräch mit der Grevener Zeitung, um über den Verein Deutsche Sprache und seine Arbeit zu sprechen. „Die deutsche Sprache hat eine fundamentale Bedeutung für die deutsche Kultur, sie ist eben einmalig, einzigartig“, machte Denz deutlich. Ein bewusster Umgang mit der deutschen Sprache, nicht der „krampfhafte Versuch, deutsche Wörter anstelle feststehender Bezeichnungen aus anderen Sprachen einzusetzen“, sei der Schlüssel für einen gelungenen Sprachschutz, besonders in Zeiten der Globalisierung. „Wir und speziell unsere Region Münster und Umland wollen nicht gegen etwas arbeiten, sondern uns vielmehr für die deutsche Sprache einsetzen“, betonte Denz. (muensterschezeitung.de)

 

4. VDS-Termine

23. April, Region 50, 51 (Köln)
Regionalversammlung
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Cöllner Hof, Hansaring 100,50670 Köln

23. April, Deutsches Musikradio
„Wortspiel“ beim Deutschen Musikradio DMR mit Holger Klatte und Stefan Ludwig.
Schwerpunkt: Achim Reichel
Sendungsseite: www.deutschesmusikradio.de/dmr/wortspiel/
Zeit: 20 bis 21 Uhr, Wiederholung: 23 Uhr

24. April, Region 07 (Gera, Jena)
Regionalversammlung mit Wahl der Regionalleitung und einem Vortrag von VDS-Vorstandsmitglied Jörg Bönisch. Ab 17:30 Uhr Führung und Verköstigung in der 200 m vom Hotel entfernten Köstritzer Schwarzbierbrauerei. Die Brauereibesichtigung dauert ca. 2,5 Stunden und kostet 8 € pro Person. Zur Planung wird um eine Anmeldung in der Dortmunder VDS-Geschäftsstelle gebeten.
Zeit: 16:30 Uhr
Ort: „Blauer Salon“ des Hotels „Goldener Löwe“, Heinrich-Schütz-Straße 5/5a, 07586 Bad Köstritz

25. April, Region 03 (Cottbus)
Mitgliedertreffen (immer am letzten Mittwoch des Monats)
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hotel „Zur Sonne“, Taubenstr. 7, 03046 Cottbus

25. April, Region 84 (Landshut, Niederbayern)
Auch im Sommersemester 2018 bietet der Verein Deutsche Sprache e. V. in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk Landshut e. V. (ebw) wieder Zusammenkünfte für literarisch Interessierte an. Das Besondere dieser Treffen besteht darin, dass jede oder jeder der Anwesenden einen sprachlich oder inhaltlich beeindruckenden Text vortragen kann.
Zeit: 19:00 bis 21:00 Uhr
Ort: Evangelisches Bildungswerk Landshut (II. Stock), Luitpoldstr. 3, 84034 Landshut

26. April, Region 44 (Dortmund)
Lesung mit Calvin Kleemann aus seinem neuen Buch „Der Funke schweigt, wenn Feuer träumt“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Geschäftsstelle des VDS, Martin-Schmeißer-Weg 11, 44227 Dortmund

26. April, Region 21 (Hamburger Süden, Lüneburg, Stade)
Regionalversammlung mit Wahl der Regionalleitung. Vortrag Dr. Reiner Pogarell (VDS-Vorstandsmitglied) „Luther und die deutsche Sprache“
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gemeindehaus St. Nikodemus Kirche, Kirchenstraße 9, 21256 Handeloh

26. April 2018, Region 60 (Frankfurt am Main)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Bürgerhaus Griesheim, Schwarzererlenweg 57, 65933 Frankfurt am Main

 

5. Literatur

Leseclubs motivieren Kinder

Kinder lesen immer weniger. Um dagegen vorzugehen, fördert die Stiftung Lesen bundesweit rund 400 Leseclubs, die Kinder wieder an Bücher heranführen und zum Lesen animieren sollen. „Nur wer lesen kann, hat Chancen auf schulischen und beruflichen Erfolg“, betont Daniel Schnock, Sprecher der Stiftung. Besonders in Familien mit geringer Bildung haben die Kinder kaum Chancen, richtig lesen zu lernen. Deshalb werden sie von ehrenamtlichen Vorlesern unterstützt und angeleitet. Neben Kinderbuchklassikern wie den Geschichten Astrid Lindgrens können die Kinder auch Comics oder Fußballgeschichten lesen. Es gehe darum, einen Rückzugsort zu schaffen, ganz ohne Leistungsdruck und Anforderungen, so die Lehrerin Lilli Föhres. Gleichzeitig wolle man für das gedruckte Buch werben, besonders in Zeiten der Digitalisierung. Im Gegensatz zum gedruckten Wort erfasse man einen elektronischen Text viel selektiver, das Geschriebene könne so nicht nachhaltig eingeprägt werden, erklärt die Pädagogin Ann-Katrin Ostermann und schließt ab: „Uns geht es auch darum, die Buchkultur zu bewahren.“ (news4teachers.de)

 

6. Denglisch

Denglisch ohne Mehrwert

Im Internetblog BASIC thinking, der sich unter anderem mit technologischen und digitalen Entwicklungen beschäftigt, findet sich auch eine Rezension des Unternehmensgründerratgebers „Dealterms.vc“. Der Blogger Carsten Lexa kritisiert darin die verwendete „schnoddrige“ Sprache, die eine Mischung aus englischen Floskeln, Denglisch und Deutsch sei und die von den Autoren mit Blick auf die Zielgruppe gerechtfertigt werde. Lexa stellt jedoch klar: „In der Praxis ist es eben nicht so, dass hippes Denglisch überall verwendet wird, wie es das Buch suggeriert. Die Verwendung scheint sich vielmehr auf einen relativ kleinen Personenkreis zu konzentrieren“. Denglisch verstehe man vielleicht noch in Berlin und Hamburg, „in der deutschen ‚Provinz‛ jedoch wirkt diese Sprache einfach nur gekünstelt und gezwungen hip. Einen Mehrwert bietet sie leider nicht.“ (basicthinking.de)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache.

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Redaktion: Lea Jockisch, Holger Klatte, Silke Niehaus

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