Infobrief vom 13. Juni 2021: Mütter unerwünscht

1. Presseschau

Mütter unerwünscht

US-Präsident Joe Biden stellte kürzlich den Haushaltsentwurf für das Jahr 2022 vor. Mehrere internationale Nachrichtenportale berichten, dass ein Detail im Entwurf zum veröffentlichten Dokument anders formuliert war. In der Passage über die Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems war das Wort „Mütter“ durch „gebärende Personen“ („birthing people“) ersetzt worden. Hintergrund für Formulierungen dieser Art (wie auch schon aus Australien berichtet) ist die Sorge vor CC, vor der sogenannten Cancel Culture.

To cancel ist im Englischen ein vielgenutztes Wort, Freunde des Denglischen sagen damit unerwünschte Termine ab. Es bedeutet unter anderemauch absetzen, annulieren, kündigen, streichen, widerrufen, tilgen. Demnach wäre Absagekultur noch eine euphemistische, eine wohlwollende Beschreibung für einen steigenden Trend unter politischen Eiferern. Da werden vermeintlich rassistische, diskriminierende Inhalte und Aussagen, oder auch Personen, denen man eine tendenziöse Haltung einfach unterstellt, öffentlich angeprangert, und zwar mit der Absicht, Personen oder auch ganze Organisationen mundtot zu machen, die abweichender Meinung sind oder zu sein scheinen. Im vorliegenden Fall des US-Präsidenten sollten geschlechterneutrale Neudefinitionen wie „gebärende Personen“, oder auch „Menschen, die schwanger werden und bluten“, die Biden-Regierung vor öffentlicher Ächtung bewahren, denn der Ausdruck „Mütter“ könnte ihr als transphob ausgelegt werden. (washingtontimes.com)


Geschlechterforschung nicht legitimiert

Der Bundestagsabgeordnete der CDU und Herausgeber des Wetzlar Kuriers Hans-Jürgen Irmer kritisiert in einem Artikel die geschlechterneutrale Sprache und die Praxis des Genderns. Irmer betont, dass die deutsche Sprache als Literatur- und Wissenschaftssprache etabliert sei. Die Formen des generischen Maskulinums, generischen Femininums und generischen Neutrums schließen in unserer Sprache in Wirklichkeit niemanden aus. Er erläutert, dass das Gendern seinen Ursprung in der feministischen Linguistik des späten 20. Jahrhunderts habe. Es werde als Mittel genutzt, um gesellschaftliche Veränderungen zu erzwingen. Irmer hält die Genderforschung, für eine Verschwendung von Steuergeldern. In China werden öffentliche Gelder in die Erforschung künstlicher Intelligenz (KI) gesteckt, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Deutschland hingegen finanziere die Einichtung von Professuren der Genderstudies. Irmer bezeichnet diese Entwicklungen als nicht legitimiert, sie seien der Versuch linker Eliten, ihre Ideologie durchzusetzen. Tatsächlich muss an Universitäten und in der Arbeitswelt bereits Konsequenzen befürchten, wer nicht gendergerecht formuliert. Dies sei die Gefahr der politischen Korrektheit. Genderleitfäden, wie die der Evangelischen Kirche oder des Dudens, bezeichnet er als Absurditäten. Irmer plädiert für die Stimme des Volkes in dieser Angelegenheit, da die Mehrheit der Deutschen das Gendern ablehne. (wetzlar-kurier.de)


Gender-Sprache als Wahlkampfthema

Eine im Auftrag der Tagespost durchgeführte Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere ergibt, dass rund ein Drittel der befragten Katholiken und Protestanten die Kritik am Sprachgendern für ein geeignetes Wahlkampfthema halten. Bei den katholischen Befragten waren 31 Prozent der Ansicht, Kritik am Gendern sollte ein Wahlkampfthema werden, dagegen stimmten 38 Prozent der Befragten. Ähnlich bei den protestantischen Befragten: 33 Prozent dafür, 37 Prozent dagegen. Die freikirchlich Befragten stimmten der Aussage mit einer relativen Mehrheit zu: 42 Prozent dafür, 24 Prozent dagegen. Insgesamt ließ sich beobachten, dass Männer deutlich öfter für die Genderkritik als Wahlkampfthema stimmten als Frauen. Während laut Tagespost das Alter keine entscheidende Rolle spielt, sei die Parteiaffinität ein wichtiges Kriterium: AfD- und FDP-Wähler positionierten sich mit deutlicher Mehrheit von 49 zu 29 Prozent beziehungsweise 47 zu 38 Prozent für die Genderkritik als Wahlkampfthema. Bei den Wählern der Union, SPD, der Linken und der Grünen überwiege die Ablehnung. (die-tagespost.de)


Wie in Frankreich (nicht) gegendert wird 

Bemühungen um geschlechtergerechte Sprache gibt es auch bei unseren Nachbarn. Der politische Umgang mit dem Thema jedoch fällt verschieden aus. Während man in Deutschland gegenderte Formen per Duden festschreibt, werden in Frankreich Verbote ausgehängt. So untersagte der ehemalige Premierminister Édouard Philippe die Verwendung der inklusiven Sprache in amtlichen Texten, was kürzlich vom heutigen Bildungsminister Jean-Michel Blanquer erneuert und auf Bildungseinrichtungen ausgeweitet wurde. Die Argumente für oder gegen Gendersprache seien in Frankreich dieselben wie in Deutschland, sagt Germanist Vincent Balnat, Dozent an der Universität von Strasbourg und Mitglied im Verein Deutsche Sprache. Der Streit werde jedoch in Frankreich weniger aggressiv geführt, was Balnat auf den Einfluss der Académie française zurückführt, die seit Jahrhunderten streng über die Sprache im Land wache. Ein Beispiel seien feminisierte Berufsbezeichnungen, gegen die sich die Académie française sehr lange gewehrt habe – erst Anfang 2019 gab sie bekannt, dass sie „prinzipiell keine Hindernisse für die Feminisierung von Berufsbezeichnungen“ sehe. In der aktuellen Debatte stehen demnach die graphischen Formen des Genderns im Mittelpunkt. Den aus Deutschland bekannten Genderstern zieht man in Frankreich nicht in Betracht, dafür werden andere Formen genutzt, wie etwa Binde- oder Schrägstrich, Punkt oder Mittelpunkt, runde Klammern oder eine groß geschriebene Endung. Gesprochene Formen der Gendersprache gibt es in Frankreich bislang gar nicht. (berliner-zeitung.de)


Debatte um geschlechtliche Nachnamen in Tschechien

In vielen slawischen Sprachen markiert der Nachname das Geschlecht. So sieht etwa die tschechische Sprache für Frauen die Endung -ová vor. Ein Nachname wie Mlynár gilt folglich nur für Männer, die Frau hingegen erhält den Namen Mlynárová. Das soll sich aber bald ändern – mit großer Mehrheit hat das tschechische Parlament einer Gesetzesnovelle zugestimmt, die es Frauen ermöglicht, künftig selbst über die Form des eigenen Nachnamens zu entscheiden. Schon länger gibt es Proteste gegen die geschlechtliche Markierung im Namen. Bereits 2019 bezeichnete die Sprachwissenschaftlerin und Germanistin Jana Valdrová die Ová-Namensform als „symbolische Erniedrigung der Frauen“. Andere hingegen befürchten die „Verstümmelung“ der tschechischen Sprache und sprechen sich für den Verbleib der Ová-Namensform aus. Eine Debatte, die zunächst sehr an den hierzulande geführten Streit über die Gendersprache erinnert. Das Anliegen ist ein feministisches, die Argumente sind dieselben. Die Sache selbst ist jedoch eine gänzlich andere. Man könnte sogar sagen, die Debatten verfolgen zwei komplett gegenläufige Ziele. Während in Deutschland darum gerungen wird, die Frauen in der Sprache sichtbar zu machen, soll in Tschechien die sprachliche Markierung der Frau entfernt werden. Sie wird sogar als diskriminierend empfunden. Das gibt zu denken: Wie können zwei Länder eine so ähnliche Debatte führen und mit denselben Argumentationsmustern derart gegenläufige Ziele verfolgen? Geht es möglicherweise nicht so sehr um die Sache als vielmehr um den Protest gegen das Bestehende? In jedem Fall zeigt dieser Vergleich, dass sprachliche Sichtbarmachung nicht als rein feministisches Anliegen verstanden werden kann, wenngleich es in der Öffentlichkeit als solches dargestellt wird. (faz.net)


Mit Leidenschaft und Augenmaß

Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der Universität Mainz und Mitglied der CDU, befasst sich in einem Gastbeitrag für die WELT mit den diskursiven und realpolitischen Implikationen der geschlechtergerechten Sprache. Anfänglich erschien die Einführung des Gendersterns als unausweichliches Schicksal der Sprachgemeinschaft, mittlerweile gebe es immer größeren und auch prominenten Widerstand, auch gedeckt von einer Mehrheit der Bevölkerung. Denn „zwei Drittel der Bevölkerung sind gegen das Gendern“. Diese müssten auch politisch repräsentiert werden, so Rödder. These der Befürworter des Genderns sei, dass das generische Maskulinum fast ausschließlich mit dem männlichen Geschlecht verbunden sei. Bei einem Arzt denke man automatisch an einen Mann. Rödder lässt solche Beispiele nicht gelten, denn „auch wer sagt er geht zum „Arzt“, würde natürlich von der „Chirurgin“ sprechen, die den OP betritt“. Mit dem generischen Maskulinum werde somit niemand mitgemeint, es sei schlichtweg das „genus commune, das gemeinsame grammatikalische Geschlecht.“ Gleichzeitig müsse konstatiert werden, dass die Genderkonstruktionen grammatikalisch nicht mit der deutschen Sprache vereinbar seien. Man müsse sich fragen, „wer außerhalb der politisch korrekten Blasen will so sprechen?“ Hinter der scheinbar inklusiven Sprache stehe auch ein politisches Programm. Die bürgerliche Mitte werde unter Generalverdacht gestellt, rassistisch, sexistisch oder diskriminierend zu sein.

Dabei sei die geschlechtergerechte Sprache ein Mittel, einer Mehrheit die Ziele einer Minderheit aufzuzwingen. So handele es sich beim Gendern nicht „um einen harmlosen Sprachwandel“, sondern „um Sprachzwang“. Solchen Zwängen müsse entschieden entgegen gearbeitet werden. Es gelte auf die verbindlichen Regeln zu pochen. Von den Befürwortern des Genderns erwartet der Autor Respekt vor den demokratischen Mechanismen der Sprachpolitik. Wenn man die Sprache ändern wolle, dann brauche man hierfür eine demokratische Legitimation und keine Hinterzimmerpolitik. „Dabei geht es nicht darum, den Status quo der Sprache in Beton zu gießen“, so der Historiker. Sprachänderungen seien natürlich und für die Weiterentwicklungen der Sprache gelte es weiterhin kritisch deren Gebrauch zu reflektieren. Aber diese Maßgaben müssten sich notwendig aus einem offenen politischen Diskurs ergeben. Benötigt werde eine offene Debatte und nicht die moralische Anmaßung einer (vermeintlichen) Mehrheit, sie dürfe anderen ihre Meinung aufzwingen. (welt.de, hinter Bezahlschranke)


Ähnliche Ablehnung in Österreich

Laut einer repräsentativen Studie, die von der Zeitung Krone zitiert wird, glauben 56 Prozent der Probanden nicht, dass „gendergerechte Sprache sich positiv auf das Leben der Österreicherinnen auswirkt.“ Offenbar gehen 63 Prozent der Befragten sogar davon aus, dass sich Frauen auch beim generischen Maskulinum angesprochen fühlen.

Es gibt bekanntlich eine unermüdlich wiederholte und durch fragwürdige Studien nur scheinbar gestützte Erkenntnis, bei dem Wort „Lehrer“ dächten die Kinder zuerst an Männer. Es kommt halt darauf an, wie und in welchem Zusammenhang man Fragen stellt. Einen hübschen Widerspruch findet der Autor Thomas Kubelik. Er hält die komplette Verschriftlichung – wie in „Schüler und Schülerinnen“ – für sinnvoll, wenn es wichtig sei, die Unterschiede herauszustreichen, andernfalls nicht. Wenn es heiße: „Am Montag haben alle Schüler frei“, gebe es weder ein Missverständnis, noch werde irgendjemand diskriminiert. (krone.at)


2. Unser Deutsch

Buchstabiertafel

M wie Martha, U wie Ulrich, N wie Nordpol usw. so pflege ich meinen Namen am Telefon zu buchstabieren. Das gehört zu meinem Sprachwissen, seit ich telefoniere. Und es gehört zum Sprachwissen von zig Millionen Deutschen. Darum bin ich irritiert, dass das ‚Deutsche Institut für Normung (DIN)‘ den Plan verfolgt, diese seit über 100 Jahren bewährte Diktierregel grundlegend umzugestalten. Den Anstoß gab der Antisemitismusbeauftragte von Baden-Württemberg, Michael Blume. Er entdeckte, 75 Jahre nach dem Zusammenbruch des III. Reiches, einen verborgenen Antisemitismus in der von den Nazis korrigierten Buchstabiertafel. Biblische Namen (damals ‚jüdische‘ Namen genannt) wie Samuel, David, Nathan wurden ersetzt durch Siegfried, Dora, Nikolaus. Blume empfahl den Stand vor 1933 wiederherzustellen. Spät aber berechtigt.

Zuständig fühlt sich das DIN-Institut, da die Diktierregel dort als DIN-Norm Nr. 5009 verzeichnet ist. Das Institut kündigte an, die Liste grundlegend zu erneuern, da die Vornamen „die kulturelle Diversität der deutschen Bevölkerung nicht ausreichend widerspiegeln“. Stattdessen wolle sie eine Liste mit deutschen Städtenamen erstellen, die auch die Bundesländer angemessen berücksichtige.

Zwei Fragen stellen sich dazu: Ist das Institut überhaupt befugt, diesen speziellen Sprachbesitz der Deutschen einfach zu verwerfen und durch einen anderen zu ersetzen? Wäre das nicht auch ein Sprachdiktat? Und ein viel Umfänglicheres als das der Nazis. Zum zweiten: Geht es hier überhaupt um eine Widerspiegelung?

Die Planer im DIN setzen im Grunde in umgekehrter Weise die Methode der Nationalsozialisten fort. Diese wollten alle Juden aus dem deutschen Volk ausschließen und tilgten deshalb auch die ‚jüdischen‘ Namen aus der Diktierliste. Die DIN-Kommission will nun gerade die Vielfalt der Deutschen in der Diktierliste repräsentieren. Was ist daran verkehrt? Dass es hier gar nicht um irgendeine vermeintlich gerechte Repräsentanz geht, sondern um etwas ganz anderes und ganz Einfaches: um eine Liste geläufiger Wörter, die sich leicht aussprechen und gut verstehen lassen. Eigennamen sind dafür besonders geeignet, weil sie keine Bedeutung haben und nur etwas identifizieren, einen Ort, eine Person, einen Fluss. Die Diktierregeln vieler Sprachen, zum Beispiel des Englischen und Französischen, bedienen sich der Vornamen, da sie oft seit Jahrhunderten zum festen Bestand des Namenwortschatzes gehören. Die meisten Vornamen sind zweisilbig und im Wechsel von Vokal und Konsonant sehr einfach strukturiert. Damit kommen sie dem Zweck leichten Verstehens besonders entgegen.

Am Ende ist aber auch zu fragen: Wie wichtig ist heute, im Zeitalter von e-mail und SMS, eine solche Liste? Wer übermittelt noch Wörter und Namen am Telefon? Das war 1880 anders, als das erste Berliner Telefonbuch herauskam, eine Revolution mündlicher Fernkommunikation. Schon 1903 wurde die Diktierliste mit Vornamen erstellt. Offenbar haben dabei erfahrene Phonetiker mitgewirkt. Heute ist das alles ein Randbereich. Die geplante umfassende Neuregelung verkennt völlig den eigentlichen Zweck der Diktierliste und ist darum gänzlich überflüssig. Es reicht aus, den Stand vor 1933 in wesentlichen Punkten wiederherzustellen. Solche Zurückhaltung ersparte dem DIN-Institut den Vorwurf, Sprachpolitik zu betreiben, für die es weder kompetent noch befugt ist.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


3. Kultur

Herta Müller erhält Kulturpreis Deutsche Sprache 

Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller wird für ihre Verdienste um die deutsche Sprache mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache ausgezeichnet. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache e. V. verliehen. Gewürdigt werden herausragende und denkwürdige Leistungen auf dem Gebiet der deutschen Sprache. Herta Müller habe in ihren Werken die deutsche Sprache auf hervorragende Weise genutzt. In ihrer Sprache habe sie sich das Deutsche „biegsam und geschmeidig gemacht, aber auch kantig und widerständig gelassen“, so der Sprachwissenschaftler und Juror Helmut Glück. Dabei sei Müller auch immer ein streitbarer Geist gewesen, eine „Kämpferin gegen Totalitarismus jeder Färbung, auch in der Sprache.“ Müller befindet sich nunmehr im Kreis illustrer Preisträger, wie Cornelia Funke, Udo Lindenberg, Loriot oder Peter Eisenberg. Der Preis wird am 16. Oktober in Kassel verliehen, die Laudatio hält Prof. Dr. Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. (zeit.de, deutschlandfunk.de, adz.ro, lifepr.de, vds-ev.de)


4. Denglisch

Diversity statt Vielfalt

Nicht nur Senioren fühlen sich von der Vermengung von Deutsch und Englisch genervt. Auch für die Jüngeren wirkt Denglisch oft unfreiwillig komisch und forciert. Marcel Knorn unterstreicht dies in einem Artikel für webmoritz.de. Anglizismen seien schon lange nicht mehr nur Teil eines Jargons einer gewissen Klientel. Für die meisten Menschen sei der Mischmasch von Deutsch und Englisch Alltag. Was dadurch allerdings entstehe, klinge so, „als wäre es ein Cocktail aus der Hölle von Chefkoch.de“, urteilt Knorn. Das Denglische „zersägt und klebt wie Dr. Frankenstein“. Diese Entwicklungen seien dabei auch der zunehmenden Internationalität der Lebensrealitäten zuzuschreiben. Ferner sei Englisch für das berufliche Fortkommen absolut notwendig. Trotzdem gelte es, den eigenen Sprachgebrauch kritisch zu reflektieren. Davon abgesehen glauben viele, sie könnten sich durch ihr Denglisch einen kosmopolitischen Anschein geben, „denn das sei hip und international“. Dies wirke mitunter lächerlich: „Auch ein Flat White Caramell Flavourmacht aus Ückeritz nicht Soho“, betont Knorn. Eher grenze man durch das Denglische Menschen aus, es „begräbt die Teilhabe, denn wer nur Englisch oder Deutsch kann oder erst lernt, kann mit Denglisch nichts anfangen.“ Die deutsche Sprache bietet vielfältige Möglichkeiten, sich treffend und klar auszudrücken. Hin und wieder sei gegen den Gebrauch von englischen Begriffen nichts einzuwenden, so der Autor. Er appelliert an das Sprachbewusstsein und den bewussten Umgang mit der eigenen Sprache: „Wenn’s mal sein muss, nehmt halt das Brainstorming. Diversitykannst du aber dalassen, wir haben noch Vielfaltzuhause.“ Der Autor ist übrigens dem Verein Deutsche Sprache wenig wohlgesonnen, in dieser Angelegenheit aber gleicher Meinung. (webmoritz.de)


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Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Alina Letzel, Asma LoukiliFrank Reimer

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