Infobrief vom 29. August 2021: Tierische Redewendungen und deren Ursprung

Bild: Erwin Lorenzen / pixelio.de

1. Presseschau

Tierische Redewendungen und deren Ursprung

Tierische Metaphern bereichern die Sprache vermutlich seit Menschen sprechen. Sie werden mit Tieren verglichen, die tierischen Eigenschaften werden auf sie übertragen. Begriffe wie bärenstark, Wespentaille, Adlerauge und toller Hecht ermöglichenbildhafte Vergleiche und schaffen mit wenigen Worten ganze Geschichten. Wie sind die Tiere in unseren Sprachgebrauch geraten? Sie umgeben uns seit jeher, Vergleiche mit Tieren bieten sich an, spontan leuchten einem die tierischen Metaphern ein. Haus- und Hoftiere sind besonders oft vertreten, Hunde und Schweine in der westlichen Kultur schon wegen ihrer Bedeutung für das Überleben. Metaphern wurden vor allem durch antike und neuzeitliche Fabeln verbreitet, auch Märchen und die Bibel verewigten ihre Volkstümlichkeit. So schaffte es der Wolf im Schafspelz oder die falsche Schlange aufgrund als Zitate aus der Bibel in fast alle europäischen Sprachen. (srf.ch)


John Cleese ergründet die Löschkultur

Die grotesken Sketche der Gruppe Monty Python sind legendär: Egal ob das Ministerium für dümmliche Gangarten, der außerordentlich tote Papagei, oder das Philosophiefinale Deutschland gegen Griechenland (Rückspiel) – die Cambridger Komiker um John Cleese stehen weltweit für den britischen Humor der absurden Art. Dabei fanden die Briten nicht immer komisch, was Monty Python brachte. John Cleese bekam bei seiner Serie Fawlty Towers Ärger mit einer Folge, wo es um den Zweiten Weltkrieg ging. Entgegen seiner erklärten Absicht („Bloß nicht den Krieg erwähnen!“) stößt er, als Hotelbesitzer, seine deutschen Gäste wiederholt vor den Kopf, marschiert sogar er im Stechschritt durch den Speiseraum. Nachdem die Folge zunächst gar nicht gezeigt wurde, kommt sie neuerdings mit einer mahnenden Vorbemerkung. John Cleese ist die Löschkultur vertraut. Als offenbar unvermeidbares Lehnwort Cancel Culture importiert umfasst sie das Bestreben, vermeintlich unangenehme oder nicht allgemeinheitstaugliche Beiträge zu zensieren oder zu löschen, und Veranstaltungen abzusagen oder gleich zu verbieten. Jetzt will er in einer neuen Serie die Bewegung der woke generation ergründen („woke“ bedeutet erwacht, das soll heißen: besonders aufmerksam gegenüber wahrgenommenen Ungerechtigkeiten). Er will mit Menschen sprechen, die selber gegängelt wurden und mit Aktivisten, die Löschaktionen in Gang gebracht haben. „Ich freue mich, dass ich die Chance habe, vor der Kamera alle Aspekte der sogenannten political correctness zu ergründen“, so Cleese. (faz.net)


Jugendwort des Jahres entlarvt

In einer vergangenen Ausgabe des Infobriefs wurde die Wahl des Jugendworts 2021 vorgestellt. Nun gibt es Kritik an den zehn zur Auswahl stehenden Begriffen. Die Faszination für die alljährliche Wahl beruht auf dem Wunsch junger Leute, sich von den Alten abzugrenzen. Der Medienlinguist Jannis Androutsopoulos kritisiert das Verfahren des Langendscheidt-Verlags. Es gebe keine methodologische Grundlage um sicherzustellen, dass unter den Jugendlichen eine tatsächlich repräsentative Menge befragt wird. Auch werde nicht kontrolliert, ob die eingereichten Vorschläge von Jugendlichen oder Erwachsenen stammen, oder Stimmen mehrmals abgegeben werden. Hier die von Langenscheidt veröffentlichte Liste:

  • Cringe: bezeichnet alles, wofür man sich schämt oder fremdschämt
  • akkurat: drückt Zustimmung aus
  • Geringverdiener: so werden scherzhaft Loser bezeichnet
  • Sheesh: Ausruf des Erstaunens oder Erschreckens
  • Digga: Bezeichnung für einen Freund oder Kumpel
  • same: drückt Zustimmung aus
  • papatastisch: etwas schönes, außergewöhnliches oder fantastisches
  • sus: verdächtig, shady
  • Mittwoch: „Es ist Mittwoch meine Kerle“ (Internet-Meme)
  • wild: heftig, krass oder intensiv

Androutsopoulos hegt den Verdacht, dass Wortschöpfungen aus dem Internet, etwa auf Foren wie Reddit, die Auswahl der Kandidaten zum Jugendwort stärker beeinflussen als die wirklich gesprochene Ausdrucksweise unter jungen Leuten. Mithin sei das System offen für Manipulation. Er berichtet von Wortkreationen in Foren, die in der Alltagssprache Jugendlicher keinerlei Bedeutung haben, in der aktuellen Auswahl beispielsweise papatastisch und Mittwoch. Manche machen sich nun mal einen Spaß daraus, mit dem Wettbewerb Spielchen zu treiben; man verabredet sich zur konzertierten Abstimmung für chancenlose oder frei erfundene Kandidaten.
Langenscheidt mache sich die verbreitete Gleichsetzung von Jugendkultur und Netzkultur zunutze.
Der Verlag ruft in der einzig möglichen Sprache: „Let the voting begin!“ (welt.de, langenscheidt.com)

Da stutzt der aufmerksame Netzbürger, er weiß längst: Wo man voten, nicht abstimmen soll, ist die Umfrage nur begrenzt aussagefähig, denn abgestimmt haben nur die Angesprochenen, und von denen nur ein Teil. Repräsentativ für „die Jugend“ kann das Ergebnis daher nur zufällig sein. Es enthält bestenfalls einen gewissen Unterhaltungswert, als Marketingkniff ist so etwas fragwürdig.


Die Zukunft der künstlichen Intelligenzen

Im Interview mit Der Standard spricht Datenexperte Siegfried Handschuh über die Fortschritte und Gefahren von künstlichen Intelligenzen (KI). Die Komplexität der menschlichen Sprache sei zwar einzigartig und nicht mit der Kommunikation unter Tieren zu vergleichen, jedoch könnten Maschinen und Computer bald konkurrenzfähig, aber auch hilfreich sein. Wissenschaftler arbeiten daran, die menschliche Sprache in ihrer Vielfalt für Maschinen und Programme verständlich zu machen. Sprachassistenten wie Siri, Alexa und der Google Assistant sind bereits bekannt. Mit ihnen setzt man Vorgänge in Gang („Schließ die Rolläden!“), was manchem bereits als Intelligenzleistung vorkommt. Der Handlungsspielraum der Assistenten ist vorerst eingeschränkt.

Handschuh versichert, dass künstliche Intelligenzen nicht so leicht in der Lage sind, aufmerksame Menschen zu täuschen. Chatbots sind Anwendungen, die mithilfe künstlicher Intelligenz das Gespräch zwischen Maschine und Mensch in natürlicher Sprache ermöglichen. Ein Algorithmus erschließt sich den Zusammenhang unter Verwendung gespeicherter Texte und erzeugt aus Wörtern und Wortschnipseln grammatisch sinnvolle Antwortsätze. Jedoch sind diese Bots noch langsam in ihren Antworten. Ob man mit einer Maschine oder einer Person spricht, lässt sich leicht prüfen. Man spricht Unsinn, darauf antwortet der Chatbot zwanghaft, er kann nie zugeben, dass er um Antworten verlegen ist und reagiert auf Unsinn – mit Unsinn.

Auf den Verdacht, dass mithilfe KI Falschnachrichten im Netz massenhaft verbreitbar seien, entgegnet Handschuh, diese Sorge klinge so „als ob Menschen immer ehrlich wären.“ Theoretisch könnten Chatbots Lügen zwar wesentlich schneller und massiver verbreiten, aber sobald man als Mensch mit einem Chatbot hin und her debattiert, könne die KI des Chatbots nicht mehr mithalten. Mangels Langzeitgedächtnis fehle ihm bald der rote Faden; das müsse dem Menschen komisch vorkommen. Die Gefahr sieht Handschuh dennoch. Viel von unserer Kommunikation habe mit Vertrauen und Reputation zu tun. Texte von Maschinen können Menschen in ihren Ansichten bestärken, denn man glaube bekanntlich eher Inhalten, welche die eigene Meinung bestätigen. Spricht man sie per KI gezielt an, kann man ihnen Gerüchte als Fakten einflüstern.

Handschuh betont, KI solle Menschen nicht ersetzen, sondern die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine verbessern. Gewissen, Logikstruktur, Empathie und Bewusstsein seien menschliche Faktoren, Programme beherrschen diese nicht. Kritisch reflektieren könne am besten der Mensch. (derstandard.de)


Kontroverse Buchstabiertafel

Gibt es etwas zu ordnen, tritt das Deutsche Institut für Normung (DIN) auf den Plan. Dieses hat sich nun die DIN 5009 „Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen“, bekannt auch als Buchstabiertafel, vorgenommen. Die geläufige Version erregt Anstoß, weil vor 75 Jahren alle anscheinend jüdischen Namen in der Tafel ersetzt wurden: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol und so weiter. Das DIN-Institut schlägt stattdessen Städtenamen vor und zwar solche, die auf Kraftfahrzeugskennzeichen mit nur einem Buchstaben erscheinen, also München, Hannover, aber auch Quickborn, Iserlohn und Xanten. „Mit Städtenamen wurden auch in anderen europäischen Ländern gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Eberhard Rüssing, Fachbereichsleiter für die Lernfelder beim DIN-Institut.

Der Erlanger Sprachwissenschaftler Horst Haider Munske bleibt skeptisch. Die vorgesehenen Städtenamen erfüllten die sprachlichen und mnemotechnischen Grundbedingungen einer Diktierliste nur mangelhaft. Bei einigen Städten wie „Chemnitz“ oder „Stuttgart“ unterscheide sich die Lautung von der Schreibung. „Dem DIN-Ausschuss hat es offensichtlich an Sachverstand gefehlt“, schreibt er in der WELT und fragt sich: „Was befugt den DIN-Ausschuss eigentlich, diesen spezifischen Sprachbesitz von vielen Millionen Deutschen einfach zu verwerfen und durch einen anderen zu ersetzen?“. Das DIN-Institut bittet um Kommentare und Ideen zu dem Entwurf der DIN 5009 bis zum 30. September 2021. (welt.de, din.de)


Fledermäuse sprechen Babysprache

Berliner Forscher haben festgestellt, dass junge Sackflügelfledermäuse Laute ähnlich wiederholen wie Babys. Sie brabbeln dabei immer wieder die gleichen rhythmischen Laute nach, so wie Babys es beim ersten Sprechen mit „dadadada“ und „mamamama“ machen. Mit diesen Tönen üben sie mit ihrem Sprechapparat, also Lippen, Stimmlippen, Zunge und Kiefer. Erst danach werden aus diesen Lauten echte Wörter. Auch bei Sackflügelfledermäusen dauert es etwas, bis aus den ersten „Sprechproben“ die unterschiedlichen Rufe werden, mit denen sie sich später unterhalten können. (sueddeutsche.de)


2. Gendern

Von queeren Bären und Trans-Taliban

Die öffentlich-rechtlichen Sender treten beim Gendern in ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Das ZDF hat in einem kurzen Film bei Instagram den Einmarsch der Taliban in Kabul mit dem Bildtext „Islamist*innen“ unterlegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den radikalislamischen Kämpfern tatsächlich Frauen und Transsexuelle mitmarschieren, ist doch sehr gering. Dennoch wurde aus politischer Korrektheit heraus das Gendersternchen bemüht – die Wirklichkeit auf dem Boden der Tatsachen spielt keine Rolle. Nur kurz darauf hat – ebenfalls bei Instagram – die Plattform Funk (ein gemeinsames Online-Projekt von ARD und ZDF) Erklärkacheln zu Braunbären hochgeladen. Auf einer davon wurde dem Leser mitgeteilt, dass Bären zu 75 Prozent Veganer:innen seien. Einen Verweis zu einer Umfrage, wie viele Bären sich als queer identifizieren, wurde nicht geliefert. In beiden Fällen war der Gegenwind enorm – im ersten mit den Taliban führte er sogar dazu, dass das ZDF den betreffenden Film wieder löschte. (bild.de)

Hallervorden kritisiert Gendern scharf

Der Kabarettist Dieter Hallervorden polarisiert aktuell die Gender-Gemeinde. Bei einem Termin in seinem Schlosspark Theater sagte er: „Das Schlosspark Theater wird, so lange ich da ein bisschen mitzumischen habe, sich am Gendern nicht beteiligen.“ Den Mitarbeitern stehe es frei, das zu tun, aber seitens des Theaters werde nichts, was rausgeht, „dazu dienen, die deutsche Sprache zu vergewaltigen.“ Diese deutlichen Worte kamen nicht bei allen gut an. Kritisiert wurde vor allem der Vergleich mit einer Straftat. Auch eine weitere Ausführung stieß nicht überall auf Gegenliebe: „Natürlich entwickelt sich Sprache. Aber sie entwickelt sich nicht von oben herab auf Befehl. Es hat in der letzten Zeit nämlich zwei Versuche gegeben. Einmal von den Nazis und einmal von den Kommunisten. Beides hat sich auf Druck durchgesetzt, aber nur temporär – und zwar auf Zwang.“ Der Hinweis auf die deutschen Diktaturen sei überzogen und unangebracht, hieß es vor allem auf Twitter, er sei der Prototyp des alten, weißen Mannes. Karin Christmann schrieb im Tagesspiegel, Hallervorden fehle das Gespür für die Gleichstellung. (n-tv.de, tagesspiegel.de, deutschlandfunk.de)

Anmerkung: Christmann fehlt das Gespür dafür, dass beim Gendern die Anliegen aus zwei Kategorien verwirbelt werden, die einander keineswegs widersprechen müssen. Man kann zum Beispiel Veganer sein und musizieren.


Antirassismus kein Kinderspiel

Wohlwollend zitiert der SPIEGEL den Erfolgsautor Asfa-Wossen Asserate. Er fremdle „mit dem antirassistischen Aktivismus junger Persons of Color.“ Er ist äthiopischer Abstammung und nennt sich selber einen alten weißen Mann. Die Eiferer ertappt er beim unbedachten Umgang mit der Sprache: „Wenn alle oder die allermeisten weißen Menschen per Definition rassistisch sein sollen, wird der Begriff untauglich.“ Den Titel seines Buches Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? bezieht er von dem gleichnamigen, alten Kinderspiel, das neuerdings als rassistisch gilt. Asserate wurde 2015 mit dem Jacob-Grimm-Preis der Eberhard-Schöck-Stiftung und des Vereins Deutsche Sprache geehrt. (Quelle: Spiegel Druckausgabe Nr. 34 vom 21. August 2021)


3. Unser Deutsch

Politvokabular: robust, moderat, einschätzen

In Verlautbarungen aus Ministerien und von Amtsträgern der Politik begegnen uns immer wieder standardisierte Wendungen. Neuerdings ist vom robusten Mandat für die letzten Truppen in Afghanistan die Rede, aber auch von einem moderaten Flügel der Taliban, außerdem entschuldigend: man habe die Lage dort falsch eingeschätzt.

Werfen wir einen genaueren Blick auf diese drei Wörter! robust taucht schon im 17. Jahrhundert in deutschen Texten auf, wohl entlehnt aus lateinisch robustus ‚aus Hartholz, aus Eichenholz‘, häufiger erst seit Ende des 18. Jahrhunderts, jetzt angelehnt an französisch robuste. Im Deutschen wird es meist übertragen gebraucht. Die Rede ist von robuster Gesundheit, von robuster Konstitution. Auch die Konjunktur wird robust genannt. In der Ankündigung der Verteidigungsministerin heißt robustes Mandat soviel wie ‚mit Kampfeinsatz‘, also Kriegführung.

Moderat dient im politischen Diskurs der Charakterisierung von Teilen radikaler Gruppen, die sich gebessert haben, mit denen man reden kann. Das Adjektiv ist seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen belegt, entlehnt aus dem lateinischen moderatus. Meist wird es für Gehaltsforderungen und Lohnabschlüsse gebraucht, die erträglich sind. Ein Synonym ist gemäßigt, ein indigener Zwillingsbruder, das Partizip zum Verb mäßigen. Diese Durchsichtigkeit macht es weniger geeignet, das Gemeinte undeutlich zu lassen. Ob es überhaupt moderate Talibanführer gibt, wird sich zeigen.

In diesem Zusammenhang begegnet uns das Verb einschätzen. Man habe, bekennt der Außenminister zum Blitzsieg der Taliban in Afghanistan und zu den schmählichen Versäumnissen bei der Evakuierung der ehemaligen afghanischen Helfer, man habe, so sagt er kühl, die Lage falsch eingeschätzt. Von allen drei verbalen Beschönigungen ist das die dürftigste und unverfrorenste. Etwas einschätzen heißt soviel wie ‚etwas über den Daumen bewerten, eine Vermutung über etwas anstellen‘. Auch die Steuerschätzung gehört hierher. Das Afghanistan-Desaster mit falscher Einschätzung zu erklären, beleuchtet noch nachträglich Können und Moral der Verantwortlichen.

Euphemismen zeichnen sich durch scheinbare Harmlosigkeit aus, bei Licht betrachtet, verraten sie aber, was sie verbergen wollen. Sprache kann betrügen, aber die Dinge ändern kann sie nicht.

Anhang des Autors in eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

Drei Jahre konnten Sie in jedem Infobrief des VDS eine Glosse über ‚Unser Deutsch‘, über ein deutsches Wort lesen. Jetzt nehme ich mir eine kreative Pause. Andere Autoren werden für mich einspringen, nur ab und zu werde ich mich beteiligen.

Sehr viele von Ihnen haben mir regelmäßig geschrieben, oft kamen bis zu einem Dutzend Mails zu einer Glosse, mit viel Zustimmung, Verbesserungen, weiterführenden Ausführungen. Dafür danke ich Ihnen. Ich habe mich bemüht, allen zu antworten. Diese Gespräche haben mir immer wieder Ansporn gegeben, jede Woche etwas Aktuelles, etwas Bedenkenswertes, etwas Interessantes zu erklären und zu kommentieren.

Falls Sie einmal in älteren Glossen blättern wollen, sie sind in zwei Sammelbänden publiziert und im Netz umsonst einzusehen: Horst Haider Munske, Unser Deutsch. 100 Glossen zum heutigen Wortschatz. FAU University Press, Erlangen 2019, 180 Seiten sowie Unser Deutsch II. Neue Glossen zum heutigen Wortschatz. FAU University Press, Erlangen 2020, 184 Seiten. Im Netz zu finden unter Munske, Glossen.

Ich wünsche allen Lesern des Infobriefes weiterhin Freude an Unserem Deutsch.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an:
horst.munske@fau.de


4. Kultur

Ausstellung Alpha*Beten

Am 12. September 2021 wird erstmals die Ausstellung Alpha*Beten des Künstlers Michael Brendel gezeigt. Der erste Ausstellungsort ist das Kloster Mariensee bei Hannover. Brendels Arbeiten zeigen „Verschriftungen“, die das Wesen der Handschrift zeitgemäß bildkünstlerisch durchdringen und den Blick auf die historischen Dimensionen ermöglichen sollen. Brendel entwirft ein künstlerisches Spielfeld mit Schriftzügen, erfundenen Buchstaben, Zeichen, Schreibrhythmen, Kürzeln, Flecken und Färbungen. Sie geben Anreiz, der Verflechtung von Sprache, Schrift und Bild nachzuspüren. Im Kloster Mariensee sind die Arbeiten bis zum 9. Januar zu sehen und sollen danach an weiteren Orten der ursprünglichen Herstellung, Verbreitung und Kultivierung von Schrift, den (ehemaligen) Klöstern und Kirchen im deutschsprachigen Raum, gezeigt werden. Die Ausstellung und der dazugehörige Katalog wurden gefördert von der Kulturförderung Dahme-Spreewald, dem Klosterland e.V., dem Verein Deutsche Sprache und der Stiftung Deutsche Sprache. (micha-brendel.de)


5. Berichte

Flensburger Briefmöwen sammeln Briefe für Seniorenheime

Die Coronakrise hat bei vielen Menschen das Gefühl von Einsamkeit verstärkt, besonders Senioren leiden unter der Isolation. Das Projekt Briefmöwen, bestehend aus sechs Flensburger Studenten, hat dies zum Anlass genommen, Briefe gegen Einsamkeit an Seniorenheime zu senden. Geschrieben werden die Briefe von jedem, der Lust hat mitzumachen. „Werdet kreativ und schickt uns Briefe mit positiven, inspirierenden Gedichten, Geschichten, Erlebnissen, Gedanken, gemalten oder fotografierten Bildern und was euch sonst noch einfällt“, heißt es in dem Aufruf auf der Internetseite der Briefmöwen. Diese Briefe werden dann gesammelt und an Seniorenheime oder mobile Pflegedienste verteilt.

Der Verein Deutsche Sprache vermittelt seit mehreren Jahren Brieffreundschaften und wird diesbezüglich mit den Briefmöwen kooperieren, sodass aus den einmaligen Briefsendungen vielleicht auch längerfristige Brieffreundschaften entstehen können. Wer Interesse hat, an dem Projekt der Briefmöwen mitzuwirken und Briefe gegen Einsamkeit zu schreiben, kann diese an folgende Adresse senden: Briefmöwen, Postfach 12 37, 24902 Flensburg. Auch wer selbst in einem Seniorenheim oder einer ähnlichen Einrichtung arbeitet und Briefe dort verteilen möchte, meldet sich bei den Briefmöwen, am besten per Mail an info@briefmoewen.de. Genaueres zu dem Projekt gibt es in den sozialen Medien oder unter briefmoewen.de.


Tag der deutschen Sprache 2021

Der Tag der deutschen Sprache am 11. September 2021 ist leider auch in diesem Jahr nur eingeschränkt möglich. Trotzdem wird es in einigen VDS-Regionen Veranstaltungen geben, natürlich stets unter Corona-Bedingungen, zum Beispiel die Verleihung des Sprachpreises „Gutes Deutsch in Mecklenburg-Vorpommern‟ und ein vom VDS gefördertes Literaturkonzert in Osnabrück. Eine vollständige Liste gibt es hier.

Im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln findet eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Gendersprache für alle – wollen wir das?‟ statt, die von der VDS-Regionalgruppe Köln und insbesondere von Claus Maas organisiert wird. Es referieren dort unter anderem die Buchautorin Birgit Kelle und die Schauspielerin und Regisseurin Gabriele Gysi. Für alle Teilnehmer ist vorherige Anmeldung erforderlich und zwar über dieses Formular auf der VDS-Internetseite.


6. Denglisch

Hustle – das Jugendwort mit Anpassungsfähigkeit

Dass Jugendsprache einen hohen Anteil an Anglizismen aufweist, ist nichts Neues. Früher wurden die englischen Begriffe eingedeutscht (Streik für strike) oder verdeutscht (Knautschprüfung für crashtest). Das geschieht im Schriftlichen kaum noch, dafür halten sich im Gesprochenen haarsträubende Aussprachfehler, mit denen man sich vor Engländern übrigens fabelhaft blamiert. Eine neue Entlehnung ist das Wort „hustle“, welches im Jahr 2019 zu den beliebtesten Jugendwörtern des Jahres in Deutschland gehörte. Im Englischen bedeutet es „drängen“, „schubsen“ oder „hasten“. Als Nomen steht es für „Abzocke“, „Schwindel“, auch für „Betriebsamkeit“. Der Bedeutungsrahmen spannt sich jedoch weiter, als der erste Eindruck vermittelt. Umgangssprachlich kann man auch „Geld besorgen“ meinen. Laut einem Beitrag in futurezone lasse sich damit auch bezahlter Geschlechtsverkehr oder das Anschaffen auf dem Strich bezeichnen. Die Bedeutung hängt, wie so oft, vom Zusammenhang ab. In der deutschen Jugendsprache wird das Wort „hustle“ meist in Zusammenhang mit harter Arbeit verwendet. (futurezone.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Alina LetzelAsma Loukili, Dorota Wilke