Infobrief vom 5. September 2021: Politische Kampfbegriffe und Sprachmissbrauch

Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de

1. Presseschau

Politische Kampfbegriffe und Sprachmissbrauch

Berühmtheit hat Donald Trumps Pressesprecherin Kellyanne Conway erlangt, als sie den Einwand eines Journalisten mit der Bemerkung quittierte: „Wir haben alternative Tatsachen“ (alternative facts). Aufmerksame Beobachter erinnert dieser Satz an George Orwell. Dieser attestierte im Jahr 1946 eine „Krise der Sprache“. Sie sei „verantwortlich für die Zerfallserscheinungen der Demokratie“, und als einzige Lösung sah er einen „reflektierten Sprachgebrauch“. So zitiert ihn Kevin Hanschke in einem FAZ-Beitrag über David Ranans Buch Sprachgewalt. Missbrauchte Wörter und andere politische Kampfbegriffe. Ranan setzt seine Analyse bei Victor Klemperers „Lingua Tertii Imperii“ an (Die Sprache des Dritten Reiches), einem Grundlagenwerk zur Bedeutung der politischen Rhetorik in Diktaturen.

Ranans Buch hilft dabei, die Verrenkungen hinter der Sprache zu verstehen. Es ist ein Glossar der gängigsten politischen Begriffe und zugleich ein Leitfaden für eine differenzierte politische Sprache, verfasst unter Beteiligung von dreißig Forschern der Politik- und Kommunikationswissenschaften, der Geschichtswissenschaft und der politischen Praxis. Am aufschlussreichsten nennt Hanschke das Kapitel zum Begriff Fake News, verfasst von der österreichischen Kommunikationswissenschaftlerin Jana Laura Egelhofer. Sie sieht den Begriff zum einen als bewusste, pseudojournalistische Information, die zur Verbreitung von Fälschungen dient. Zum anderen und viel häufiger werde der Begriff Fake News als Instrument genutzt, mit dem Nachrichtenmedien gezielt oder auch generell als Fälscher diskreditiert werden. (faz.net)

Anmerkung: In dem Maße, wie solche Diskreditierung gelingt, wird jede aufrichtige Suche nach Ursachen und Folgen von Ereignissen bis zur völligen Lähmung erschwert, indem schon die Aufdeckung von Lügen als Lügengespinst entwertet wird. Bemerkenswert an Conways „alternativen Fakten“ ist die Unverfrorenheit, mit der sie die Sprache missbraucht, denn eine Alternative zu Tatsachen können nur Nichttatsachen sein, zum Beispiel Vermutungen, Gerüchte, Lügen. Man ahnt, was sie meinte, nämlich andere Auslegungen, andere Auffassungen. Aber 20°Celsius bleiben 20°C, auch wenn man sie in Fahrenheit ausdrückt: 68°F.


​Durchgemampftes im Wahlkampf

Kein gutes Haar lässt im ntv.de der Autor und Moderator Hendrik Wieduwilts an der Sprache der Wahlkämpfer: Es gebe „statt großer Erzählungen … den schlaffen Sound der Politik.“ Zumal der Kanzlerkandidat Laschet macht ihm Sorgen. Seine Aussagen seien „ein Symptom für sprachliche Gedankenlosigkeit.“ Sogar die Taliban hätten dieser Tage besser kommuniziert als die deutsche Politik. Ihr Sprecher sagte: „Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit.“ Mit diesem arabischen Sprichwort lässt sich das Scheitern der NATO in Afghanistan bereits zur Hälfte erklären. „Warum auch nicht?“ fragt Wieduwilts, „die Formulierung ist plastisch, hat Rhythmus, gemacht für die Ewigkeit.“ Dagegen servierten die Parteien im Wahlkampf „durchgemampften Wortbrei“. Man könnte Wieduwilts Verriss mit dem Hinweis auf Fußballtrainer ergänzen, die nach dem Spiel völlig ungerührt die immer vorhersagbaren Durchhalteparolen absondern. (n-tv.de)


​Kein Job für Weiße

Wohin politisch korrekte Sprache führen kann, hat jetzt die Humboldt-Universität Berlin erfahren, das berichtet Christian Gehrke in der Berliner Zeitung. „Der sogenannte Referent_innenrat (RefRat), die Selbstverwaltung der Studenten“, suchte für eine Antidiskriminierungsstelle einen neuen Mitarbeiter unter dieser Bedingung: „In der Beratungsarbeit hat sich gezeigt, dass dies am besten gelingt, wenn der_die Berater_in Schwarz oder als Person of Color positioniert ist. Wir bitten daher weiße Menschen, von einer Bewerbung für diese Beratungsstelle abzusehen.“ Mit dieser offenbar als leicht lesbar geltenden Formulierung hat das Referat Empörung in den sozialen Medien ausgelöst. Denn die Einschränkung lässt nicht zu, dass sich etwa Russen, Rumänen oder Polen bewerben – alles Menschen hellerer Hautfarbe, die dennoch häufig Diskriminierungen ausgesetzt sind. Sogar die Universität, selber nicht Urheber der Stellenanzeige, sah sich zu einer Stellungnahme genötigt und verwies darauf, dass es nicht in ihrem Sinne sei, Menschen zu diskriminieren. Die Selbstverwaltung der Studenten überarbeitete die Anzeige, jetzt heißt es an der betreffenden Stelle: „In der Beratungsarbeit hat sich gezeigt, dass dies Menschen am besten gelingt, die aus Perspektive der eigenen Betroffenheit von rassistischer Diskriminierung beraten können. Daher möchten wir insbesondere Personen, die rassistische Diskriminierungserfahrungen machen, dazu ermutigen, sich auf die Stelle zu bewerben.“ (berliner-zeitung.de)

Anmerkung: Gehrke erwähnt in seinem Beitrag auch den in Stellenausschreibungen verwendeten Begriff „disableisierte Personen“ (gemeint sind Menschen mit Behinderung), eine jener dunkellila-schwarzkarierten Blüten des Sprachpanschens, die einem nur einfallen, wenn weder die deutsche noch die englische Sprache als Mittel der Verständigung gilt.


​Sprach-App soll Covid-19 erkennen

Eine Sprach-App könnte in Zukunft dafür sorgen, dass eine Corona-Infektion früher erkannt wird. Wissenschaftler der Universität Augsburg hoffen, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Merkmale zu unterscheiden – etwa die Rauigkeit der Stimme und eine veränderte Sprechgeschwindigkeit. Erste Erkenntnisse im Bereich der maschinellen Stimmanalyse, die über Sprecher und Spracherkennung hinausgehen, begannen Ende der 90er Jahre. Offenbar schlagen sich Stress und verschiedene Emotionen in der Stimme nieder. Zu Autismus, Parkinson, Erkältung oder auch Depression werden an der Universität Augsburg seit Jahren Studien durchgeführt. Die Vermutung lag nahe, dass eine Atemwegserkankung wie die Corona-Infektion sich auf die Stimme auswirken muss. Ziel der Forschung ist die Entwicklung einer täuschungssicheren App, mit der Covid-19 von Erkältung unterscheidbar aus Husten sowie aus der Sprache von Erkrankten erkannt wird. (web.de)


​Erwachsene lernen Sprachen schwerer

Forscher aus den USA haben untersucht, warum es Erwachsenen schwerer fällt, eine neue Sprache zu lernen. Dabei haben sie mit Erwachsenen, die wegen einer Erkrankung Elektroden im Gehirn tragen, Tests gemacht. Ihnen wurde Mandarin vorgespielt. Hirn-Messungen ergaben, dass es neben Lern-Phasen auch Phasen mit Rückschlägen gab. In dem Gehirnbereich, der für Sprache zuständig ist, gab es in einigen Regionen mal mehr, mal weniger Aktivität. Offenbar, so die Forscher, sucht das Gehirn ein Gleichgewicht. Eine bereits gelernte Muttersprache ist so stabilisiert, dass dem Gehirn der Aufwand, Neuronen für eine neue Sprache zu programmieren, einfach schwerer fällt als im Kindesalter – auch wenn der Wille da ist. (deutschlandfunknova.de)


​Deutsch in Dänemark

In Dänemark wird aktuell diskutiert, ob und wie viel Deutsch an den Grundschulen unterrichtet werden soll. In einer Umfrage hielt weniger als die Hälfte (47 Prozent) der Befragten den Deutschunterricht für wichtig oder sehr wichtig. Als Ursache wird vor allem die Stellung des Englischen als Fremdsprache gesehen. Eine untergeordnete Rolle in diesem Zusammenhang spielten für die Teilnehmer der Umfrage die politischen und kriegerischen Konflikte zwischen Dänen und Deutschen: der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 und die beiden Weltkriege. (nordschleswiger.dk)


​2. Gendern

Keine Gender-Sonderzeichen in Sachsen

Das Kultusministerium in Sachsen hat angeordnet, dass an Schulen keine Gender-Sonderzeichen wie das Sternchen oder der Doppelpunkt mehr verwendet werden. Ein Schreiben wurde bereits an die Schulleiter verschickt. Die Regelung bezieht sich auf Unterrichtsmaterialien, offizielle Schreiben sowie Briefe an die Eltern. Anstatt der Sonderzeichen im Sinne der genderneutralen Sprache empfiehlt das Ministerium Paarformen (Beidnennung) wie „Schülerinnen und Schüler“, oder geschlechterneutrale Begriffe wie „Lehrkräfte“. Begründet wird die Entscheidung damit, dass Klarheit geschaffen werden soll. Sanktionen oder Kontrollen solle es aber in Zukunft nicht geben. (welt.de, bietigheimerzeitung.de)


​Nein zu Gendern und Duzen

Genderpausen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk halten nur 22 Prozent der Befragten für einen sinnvollen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit. Das hat eine Umfrage der Theo-Münch-Stiftung für die deutsche Sprache ergeben, die der Deutschen Sprachwelt vorliegt. Der Großteil von 56 Prozent lehnt sie ab. Die meisten Befürworter der Geschlechtergerechtigkeits-These finden sich unter den Grünen (31 Prozent) und der CDU (28 Prozent), die größte Ablehnung gibt es bei den Anhängern der FDP (74 Prozent) und der AfD (67 Prozent). Generell lehnt parteiübergreifend die Mehrheit das Gendern ab. Auch das Duzen und Siezen im Kundenbereich wurde abgefragt. Nur ein Drittel (32 Prozent) der Befragten möchte als Kunde geduzt werden, die Mehrheit (48 Prozent) lehnt es ab. Besonders ältere Menschen fühlen sich vom Duzen gestört. Insgesamt kippt das Verhältnis, lieber mit „Sie“ als mit „Du“ angesprochen zu werden, bei etwa 40 Jahren. (deutsche-sprachwelt.de, deutsche-sprachwelt.de)

3. Unser Deutsch

Attila

Mir ist beim Beantworten einer Mail ein dummer Fehler passiert. Ich habe einen Leser mit dem Vornamen Attila als Frau angesprochen. Das hat der Leser moniert. Ich müsste doch wissen, dass Attila ein männlicher Vorname sei, dazu erinnert er an Attila Hörbiger und andere Prominente mit diesem Vornamen. Allerdings, so berichtet er, passiere ihm das öfter, zum Beispiel bei Sprechstundenhelferinnen, die ihn nicht kennen und seinen Namen aufrufen.

Was ist der Grund für diese Missverständnisse? Der Laie würde sagen, wegen des –a in der Endung, vielleicht weist er auch auf die Silbenzahl hin. Denn weibliche Vornamen sind meist länger. Tatsächlich lassen sich die allermeisten Vornamen als weiblich oder männlich erkennen. Die Namen für Mädchen enden überwiegend auf Vokal –a oder –e wie Anna und Grete, die der Jungen häufiger auf Konsonant wie Fritz und Hans. Solche einsilbige Vornamen sind immer männlich, mehrsilbige häufiger weiblich. Damit hängt auch die Betonung zusammen: Bei Jungennamen liegt der Hauptakzent meist auf der ersten, bei Mädchen auf einer anderen Silbe, man vergleiche Dieter und Ludwig mit Maria und Annette. Dies Thema ist gut erforscht. In der Namenkunde spricht man von der ‚Geschlechtsspezifik‘ der Rufnamen. Das heißt: Mädchen- und Jungennamen sind hinsichtlich Betonung, Silbenzahl und auslautendem Vokal verschieden aufgebaut. Bei der Namenwahl steht den Eltern je ein Inventar von Vornamen für Mädchen und für Jungen zur Verfügung. Dazu heißt es in § 262 der ‚Dienstanweisung für Standesbeamte und deren Aufsichtsbehörden: „Für Knaben sind nur männliche, für Mädchen weibliche Vornamen zulässig.“

Allerdings ist unser Vornamensystem nicht so eindeutig geordnet wie im Lateinischen mit Claudius und Claudia. Die Geschichte der Namengebung kennt viele Umbrüche und Neuerungen. Dazu gehören einerseits die unzähligen Kurzformen wie Johann, Jochen, John, Johnny,, Hannes, Hans und andere aus Johannes, andererseits Doppelnamen wie Hans-Peter, August-Wilhelm, Liselotte, die wieder zu Hape, Auwi, Lilo gekürzt werden. Außerdem ist es erlaubt, Vornamen, die im Ausland üblich sind, auch bei uns zu wählen. So kam es dazu, dass der ungarische Vorname Attila auch im deutschen Sprachgebiet, vor allem wohl in Österreich verbreitet ist. Am Rande sei hier vermerkt, dass der Hunnenkönig Attila, vielleicht eine Koseform des kindersprachlichen atta, schon im Mittelalter ins Deutsche aufgenommen wurde, allerdings in mehrfach integrierter Form. Im Nibelungenlied heißt er Etzel. Das ist eine regelhafte Anpassung durch Lautverschiebung (tt zu tz), i-Umlaut (anlautend a- zu e- wegen i in der Folgesilbe), Schwächung des i zu Schwa-e wegen des Initialakzents und (aus gleichem Grund) Abfall des auslautenden Vokals. In dieser Form Etzel entspricht der Name dann auch den Regeln der Geschlechtsspezifik im Deutschen.

Nicht selten begegnet Attila auch als Name eines Pferdes. Aber solche Übernahme von Rufnamen in den nicht-menschlichen Bereich ist ein anderes Kapitel.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


​4. Kultur

​Indigene Sprachen enthalten medizinisches Wissen

Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes vernichtet den Lebensraum indigener Völker. Sprachgemeinschaften werden auseinandergerissen. Ihre Sprachen enthalten ein umfangreiches Wissen über Medizinalpflanzen. Mit dem Verlust der Sprachen wird ihr Wissen endgültig verloren gehen. Die weltweit über 7400 indigenen Sprachen haben zwar einen begrenzten Wortschatz und wurden nie niedergeschrieben, aber sie enthalten besonders viele Begriffe zur Beschreibung von Pflanzen, Tieren und Umwelt. Die Menschen im Regenwald können Krankheiten, Verletzungen und Bisse heilen. Forscher der Universität Zürich sind der Frage nachgegangen, wie stark das Wissen über Medizinalpflanzen mit einzelnen Sprachen verknüpft ist. Sie untersuchten in 236 indigenen Sprachen 3597 Medizinalpflanzen und 12 495 damit verknüpfte Begriffe zur Behandlung. Mit dem Verlust der indigenen Sprachen werde das Wissen schon in drei bis vier Jahrzehnten für immer verloren sein. In Papua-Neuguinea sprechen bereits 58 Prozent der Schüler ihre Muttersprache nicht mehr fließend, das medizinische Wissen ist entsprechend zurückgegangen. Ob diese Entwicklung im Sinne der weltweiten Pharmaindustrie ist, war nicht Teil der Untersuchung. Jedenfalls sei der Grossteil der Medizinalpflanzen bisher nicht einmal ansatzweise pharmazeutisch erforscht. (nzz.ch)


​Sprache für die Beliebtheit von Podcasts

Der Audio-Anbieter Spotify hat die Sprache beliebter und unbeliebter Podcasts untersucht. Offenbar ist nicht nur das „Was“ interessant für den Hörer, sondern auch das „Wie“ in der Sprache. Untersucht wurden rund 5.000 englischsprachige Episoden – mit überraschenden Ergebnissen.

Erfolgreichere Episoden zeichnen sich durch lange und gründliche Beschreibungstexte von hoher Informationsdichte aus, sie enthalten vielfältiges Vokabular und eher positive als negative Emotionen. Gespräche und persönliche Erzählungen kommen gut an, Fluchen und Schimpfwörter senken die Beliebtheit. Eine höhere Hörerbindung erzielen nicht Podcastanbieter mit unverwechselbarer Sprache, sondern wer die Ausdrucksweise eines durchschnittlichen Podcasts-Erstellers wählt. Außerdem sind Sprecher mit einer schnelleren Sprechgeschwindigkeit beliebter und solche, die mehr Konjunktionen erhalten, sowie Wörter die mit Vorfreude assoziiert werden. Eigennamen und Adjektive sind weniger beliebt. (wuv.de)


​5. Berichte

Tag der deutschen Sprache 2021

Der Tag der deutschen Sprache ist leider auch in diesem Jahr wieder nur eingeschränkt möglich. Trotzdem wird es in einigen VDS-Regionen Veranstaltungen geben, natürlich stets unter Corona-Bedingungen, zum Beispiel die Verleihung des Sprachpreises Gutes Deutsch in Mecklenburg-Vorpommern und ein vom VDS gefördertes Literaturkonzert in Osnabrück. Die Regionalgruppe Dresden lädt am 14. September zu einer Festveranstaltung mit dem Titel: ICH verstehe DICH schlecht oder Was ich Dir schon immer verschweigen wollte mit dem Schauspieler Ahmad Mesgarha und der Pianistin Olga Nowikowa. Eine vollständige Liste gibt es hier.

Im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln findet eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Titel Gendersprache für alle – wollen wir das? statt, die von der VDS-Regionalgruppe Köln und insbesondere von Claus Maas organisiert wird. Es referieren dort unter anderem die Buchautorin Birgit Kelle und die Schauspielerin und Regisseurin Gabriele Gysi. Für alle Teilnehmer ist vorherige Anmeldung erforderlich und zwar über dieses Formular auf der VDS-Internetseite.


​6. Denglisch

​Denglisch-Liebhaber in der Germanistik

Ein eindrucksvolles Beispiel für den Bedeutungsverlust der deutschen Sprache in der Wissenschaft liefert ausgerechnet das Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Kölner Universität: Auf seiner Internetseite lädt das Institut zu einer Konferenz ein unter dem Titel Sinn und Bedeutung 26. Die gesamte Veranstaltungsankündigung ist in englischer Sprache verfasst – dabei kommen die (ungegenderten) invited speakers von sprachlich so unterschiedlichen Institutionen wie der Bielefeld University, der Osnabrück University, der Goethe University Frankfurt a.M. – aber auch von der Universität Tübingen, der Humboldt Universität Berlin oder der Universität Potsdam. Das Organizing team gehört dem Institute of German Language and Literature der University of Cologne an. Es gibt poster rooms, lunch – und coffee-breaks und so weiter …

Es handelt sich um eine internationale Konferenz, da mag der Gebrauch des Englischen für die Kommunikation zweckmäßig erscheinen (vorausgesetzt alle Teilnehmer beherrschen ausgezeichnetes Englisch auf C2-Niveau, sonst wären gedolmetschte Muttersprachen vorzuziehen – aber das gilt als unsachlicher Einwand). Einstweilen notieren die

Studenten auf der Internetseite meet and greet-Termine und orientieren sich unter frequently asked questions. Warum die Mitwirkenden auch in deutschsprachig angelegten Projekten members sein müssen – das fragen sich wahrscheinlich nur alle, die nicht eingeladen sind? (idsl1.phil-fak.uni-koeln.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Alina LetzelAsma Loukili, Dorota Wilke