Infobrief vom 4. Dezember 2021: EU-Sprachleitfaden sorgt für Aufruhr

Foto: Petra Bork / pixelio.de

1. Presseschau

EU-Sprachleitfaden sorgt für Aufruhr

Ein geplanter Sprachleitfaden der EU-Gleichstellungskommissarin Helena Dalli sorgt für Aufruhr. In dem inzwischen zurückgenommenen Dokument wurde vorgeschlagen, Wörter wie „Weihnachten“ oder „Maria“ nicht zu verwenden. Im Sinne einer diskriminierungsfreien Sprache sowie einer achtsamen Kommunikation sollte der Leitfaden die inklusive Sprache und Vielfalt fördern. Auch die Anrede „Damen und Herren“ wurde in dem Dokument kritisiert, und es sollte nicht mehr von „Behinderten“, sondern von „körperlich beeinträchtigten Menschen“ gesprochen werden. Damit ist die EU-Kommissarin Dalli jedoch über das Ziel hinausgeschossen. Vor allem die Empfehlungen, aus Rücksicht auf Nicht-Christen „Weihnachten“ zu vermeiden, oder „Malika und Julio“ statt der biblischen Namen „Maria und Josef“ zu verwenden, werden abgelehnt. Nicht nur der Vatikan empfand den Leitfaden als fragwürdig. Die Gleichstellungskommissarin hat ihn nun zurückgezogen, nachdem die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen um Überarbeitung bat. Das unausgereifte Dokument verletze die Religionsfreiheit und das Anrecht der christlichen Gemeinde, ihr Weihnachtsfest benennen und ihre Traditionen leben zu dürfen. (br.de, bazonline.ch)


Die rätselhafte Sprache des Koalitionsvertrags

Das Leitmotiv des Koalitionsvertrags von SPD, FDP und Grünen lautet „Mehr Fortschritt wagen“. Dies erinnert an Willy Brandts Regierungserklärung: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Wer einen Blick in den Koalitionsvertrag wirft, wird mit einem rätselhaften Text konfrontiert, der offenbar seine eigenen Autoren aufmuntern soll. Der Koalitionsvertrag glänzt mit einer Rhetorik des Entschlossen-Seins, mit der Themen wie Digitalisierung, Mitbestimmung und soziale und nachhaltige Innovationen aufgegriffen werden. Was fehlt, ist mitunter die Entschlüsselung der recht kryptisch beschriebenen Vorhaben. Die Bundesregierung muss nun eine Pragmatik entwickeln, mit der sie die ausschweifenden und teils hochtheoretischen Versprechungen verwirklicht. (sueddeutsche.de)


Woher kommt das „Bla, bla, bla“?

„No more blah, blah, blah“ forderte Klimaaktivistin Greta Thunberg auf einer Demonstration zum Weltklimagipfel in Glasgow. Offenbar ist „bla, bla, bla“ ein universeller Ausdruck für inhaltsloses Gerede. In der schwedischen, italienischen, französischen und deutschen Sprache wird einheitlich das „bla, bla, bla“ verwendet, die Amerikaner kennen es als „blah, blah, blah“, die Finnen als „blaa, blaa, blaa“ und die Russen als„блa-блa-блa“. Diese Lautfolge hat internationale Berühmtheit erlangt, wobei die Wortherkunft noch umstritten ist. Lange stand es nicht im gedruckten Duden. Laut des etymologischen Wörterbuchs der deutschen Sprache lässt sich der Ursprung des „bla, bla, bla“ auf das 14. Jh. zurückführen. Ursrpungswort dürfte das lateinische Wort blatare (plappern) sein. Im 20. Jh. gelang dem „bla, bla, bla“ der mediale Durchbruch. Vor allem in Comics wurde der Ausdruck verwendet, wenn die Zeichner die Sprechblasen der Protagonisten mit ausschweifendem, aber ganz sicher nichtssagendem Dialog befüllen wollten. Der Ausdruck gehört zur lexikalischen Kategorie der Interjektionen, Befindlichkeitsäußerungen, die ohne konkreten Kontext aufgestellt werden. Ähnliche Begriffe sind das Igitt oder Autsch. (zeit.de)


Jubiläum für das Wort des Jahres

Vor 50 Jahren wurde zum ersten Mal das Wort des Jahres gekürt. Die Wahl fiel auf aufmüpfig, das vom schweizerdeutschen Wort müpfig herleitet, welches seinerseits auf muffig (mürrisch, verdrießlich) zurückgeht. Die Idee zum Wort des Jahres hatte der Mainzer Professor Broder Carstensen, der damals in einem Aufsatz „Die Wörter des Jahres 1971“ präsentierte. Dazu zählten die heißen Höschen (hot pants), Mondauto, Nostalgie oder Umweltverschmutzung. Carstensens Favorit war jedoch aufmüpfig, da dieser Begriff durch die „Sprache der Linken“ immer gebräuchlicher wurde. Obwohl es das Wort des Jahres vor 50 Jahren erstmalig gab, wurde es erst 45-mal gekürt. Nach 1971 dauerte es sechs Jahre, bis die Gesellschaft für deutsche Sprache Carstensens Idee wieder aufgriff. In den Folgejahren fiel die Wahl dann auf Worte wie Szene (1977) oder konspirative Wohnung (1978). So wie heute auch lassen sich die zeitgeschichtlichen Gegebenheiten stets am Wort des Jahres ablesen. (nordbayern.de)


2. Gendersprache

Gendern ist reaktionär!

Der Schriftsteller Torsten Schulz und die Lingustin Luise Pusch haben im Zeit-Podcast „Warum denken Sie das?“ über das Gendern diskutiert. Luise Pusch, bekannt als die Begründerin der feministischen Linguistik, wiederholte ihre These, dass Frauen im Deutschen systematisch zum Verschwinden gebracht würden. Schulz, der in der DDR aufgewachsen ist, empfindet das Gendern als Angriff auf die persönliche Freiheit – zumal wenn es oktroyiert wird. Vor allem kritisiert er, dass viele Varianten des Genderns „den Fokus zu stark auf das Geschlecht legten, obwohl der Mensch durch vielfältige Merkmale geprägt sei, etwa durch sein Alter oder seine soziale Herkunft.“ Schulz ist einer der Erstunterzeichner des VDS-Aufrufs „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ von 2019. (zeit.de)


Von Wohlklang der Sprache

Im gedruckten Jahresrückblick 2021 des Spiegel widmet sich Barbara Supp der ungewöhnlichen Aufmerksamkeit für die deutsche Sprache. Es gebe guten Grund, die Sprache verändern zu wollen, sagt sie, allerdings werde man in der deutschen Sprache wenig Logik finden, wo es um den Umgang mit Geschlechtern geht. Immerhin sei mit dem Wort „Fräulein“ ein Bild aus dem Alltag gestrichen worden, das dafür fällig war. Sein „Verschwinden war im Einklang mit der sozialen Veränderung einer Zeit“, sagt Supp, nämlich der Sechziger/Siebziger. Das Bild und das Wort verschwanden wie von alleine. Seit die taz in den Achtzigern das Binnen-I zu drucken begann, erblüht nun die Hoffnung, „man könne die Wirklichkeit verändern, indem man sie anders benennt.“

Im Gegensatz zu anderen Autoren greift Supp ein schwerwiegendes Argument gegen das Gendern auf: Es gibt Sprachen, sie nennt das Persische und das Ungarische, in denen nicht sie oder er die Küche putzt, sondern „jemand“ – ein Pronomen, das alles bedeuten kann: weiblich, männlich, divers. Stehen sich die Frauen in diesen Ländern besser? Eher nicht. Wie schon Svenja Flaßpöhler (in Hart aber fair) bemerkte, gab es in der DDR keine „Dreherinnen“, denn Dreher waren selbstverständlich Frauen wie Männer. „Was ist also wichtiger?“ fragt Supp, „das Wort, die Tat?“ Sie plädiert für Fantasie. Es sei der „richtige Moment für Versuche, fürs Ausprobieren.“ Welche Texte lassen sich geschlechterneutral verfassen, bei welchen gelingt es gar nicht oder nur auf Kosten der Lesbarkeit? Immerhin gibt es Autoren, die behaupten gegenderte Prosa geschrieben zu haben. Unbekannt ist, wie viele sie lesen. Supp plädiert für Freiwilligkeit. Bisher werde „niemand von Staats wegen gezwungen, in geschlechtersensible Sprache zu verfallen.“ (Anmerkung: Das dürften Studenten anders sehen, die ihre Bachelor- und Masterarbeiten brav gendern, um der drohenden Notenherabstufung zu entgehen.)

Für Sprachsensible rettet Supp das Thema am Ende doch über die Runden. Sie erinnert an etwas, das als Luxus gilt, in Wirklichkeit aber zum Gelingen einer Gesellschaft unerlässlich ist: das Wissen, dass Sprache „aus Rhythmus, aus Melodie“ besteht, zum Beispiel hier: ‚Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde‘. Und ‚jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt‘ (aus Martin Luthers Lukas-Evangelium). Nicht jeder könne sich so ausdrücken, „aber den Klang, manchmal: den Wohlklang zu verteidigen, den die deutsche Sprache haben kann, das ist ein paar Kämpfe wert“, sagt Supp, bevor sie zuguterletzt die Maßstäbe wieder zurechtrückt: Wie sieht es aus mit Sprache und Realität eines weitbekannten deutschen Unternehmens? Für Geschlechtersensibilität gebe es dort Unterlagen zum Nachschlagen. Der Standort Hamburg mit 840 Arbeitsplätzen werde indes geschlossen, „weil die Löhne in Polen so viel niedriger sind.“ Vermutlich geschieht das total geschlechterneutral …


3. Sprachspiele: Wort-Schätze von Christian Hirdes

Die Zeit unter der Lupe

„In der Zeitlupe wird klar: Die Hand ist am Ball und weit weg vom Körper, also ein berechtigter Elfmeter.“ „Jawoll, richtig so!“ Das wäre wohl eine angemessene Reaktion auf diesen Reportersatz.

Oder auch: „Quatsch, angeschossen aus nächster Nähe, das ist doch ein Skandal!“

Mir aber geht plötzlich durch den Kopf: „Zeit-Lupe! Was für eine wunderschöne Metapher!“

Es gibt zahlreiche Komposita, die mit dem Wort „Zeit“ beginnen und von ihr handeln, ihre Bedeutung aber durch den nachgestellten Begriff erhalten, der in räumlichen bzw. physischen Dimensionen beheimatet ist: der Zeitabstand beispielsweise, auch der Zeitdruck, den man spürt, wenn man zeitgebunden ist, weil etwas zu erledigen ist in einem bestimmten Zeit-Raum. Neuerdings auch innerhalb eines Zeitfensters.

Abgesehen vom letzten Beispiel sind all diese Ausdrücke derart internalisiert, dass sie nicht als sprachliche Bilder wahrgenommen werden. Sie zeigen, dass der Mensch das abstrakte Phänomen Zeit irgendwie sprachlich zu fassen versucht in seiner körperlichen Welt. Und so kann er den Hund an der kurzen Leine halten bei einem ebenfalls kurzen Gassi-Gang; auch muss er lange die Luft anhalten können, um eine lange Strecke tauchend zurückzulegen.

So weit, so konventionell. Sprachlich innovativ wird es, wenn (etwa durch den menschlichen Schöpfergeist) Neues entsteht, das dann einen Namen erhält, manchmal durch den Erfinder selbst. Nicht immer setzen sich die ersten Wortschöpfungen durch. So ist die „Kinematographie“ nur noch Fachleuten geläufig. Dabei wäre das Wort auch im Digitalzeitalter noch zutreffend im Gegensatz zum „Film“, mit dem das Produkt dieser Technik bis heute bezeichnet wird.

Eine technische Voraussetzung für das „Filmen“ in Zeitlupe lieferte der österreichische Priester und Physiker August Musger, der sein Patent eines „Serienapparates mit Spiegelrad“ jedoch aus finanziellen Gründen nicht in die Tat umsetzen konnte. Die Patentrechte erloschen 1914, und zwei Jahre später präsentierten die Dresdner Ernemann-Werke, deren Techniker Dr. Hans Lehmann mit Musger im regen Austausch gestanden hatte, den ersten „Zeitlupenapparat“. Musger ging leer aus, wenngleich Lehmann ihm gegenüber offen gestanden hatte, dass dessen Arbeit die Basis gewesen war für „den neuen Apparat, welchen man ‚Zeitmikroscop‘ nennen könnte (weil er die Zeit vergrößert, in welcher rasche Bewegungsvorgänge erfolgen, denen das Auge bei der natürlichen Geschwindigkeit nicht folgen kann).“ Man beachte: Die Zeit wird „vergrößert“ – da sind wir wieder beim Versuch, das Abstrakte durch räumliche Begriffe auszudrücken. So ergab sich für Lehmann ganz natürlich die Metapher des Mikroskops, später ersetzt durch „Lupe“.

Musgers Ausbootung mag ebenso fragwürdig sein wie sein Anteil an der Erfindung. Die Inschrift unter seiner Büste an der Grazer Burg jedenfalls ehrt ihn als „Erfinder der Zeitlupe“. „Eins zu Null für Österreich“, könnten seine Landsleute da meinen und narrisch werden, auch wenn der Videobeweis fehlt.

Immerhin, das sprachliche Verdienst aber ist dem Piefke wohl nicht zu nehmen, wenn man der Gedenktafel auf dem Friedhof in Todtmoos im Schwarzwald glaubt: „Dr. Hans Lehmann führte am 30. März 1916 den von ihm geschaffenen kinematographischen Zeitdehner in Dresden erstmals öffentlich vor und gab ihm den Namen Zeitlupe.“

Auch die hier beiläufig daherkommende Umschreibung „Zeitdehner“ ist bemerkenswert, bildet sie doch eine Analogie zum „Zeitraffer“, mit dem der gegenteilige filmische Effekt bezeichnet wird und der ebenfalls eine schöne Metapher ist: Hier geht es nicht um Raffgier oder darum, ob Sie eigentlich raffen, was ich hier schreibe. Sondern, so meine ich, um das Raffen, wie man es bei Textilien praktiziert: Was tun mit einer Gardine, die länger ist als das ihr zugedachte Fenster? Man schiebt sie derart zusammen, dass sie gleichmäßige Falten wirft und passt!

Der Zeitraffer ist allerdings nicht hilfreich, wenn es darum geht, ein mögliches Handspiel im Strafraum zu erkennen, hierfür muss man vielmehr die Szene noch einmal unter die Lupe nehmen. Und auch wenn der kleinliche Videoassistent den Fehler mit der Lupe suchen muss, gibt’s am Ende den Elfmeter – der nebenbei vielleicht einem bisherigen Doppeltorschützen die Gelegenheit zum lupenreinen Hattrick verschafft.

Christian Hirdes aus Bochum (geb. 1974) ist seit knapp 20 Jahren hauptberuflich als Musikkabarettist, „komischer Poet und Wortakrobat“ tätig und auf Comedy-, Kabarett- und Varietébühnen zu Hause. Neben einigen TV-Auftritten (z. B. bei „Stratmanns“ und „TV total“) und dem Gewinn renommierter Kleinkunstpreise wie dem Prix Pantheon, der St. Ingberter Pfanne und dem Ruhrgebietspreis „Tegtmeiers Erben“, hat er auf seinem durch die Liebe zu Musik und Sprache geprägten Lebensweg auch ein nach vielen Jahren erfolgreich abgebrochenes Germanistik-Studium vorzuweisen.


4. Kultur

Namenslexikon mal anders

Wer die letzten Tage auf TikTok und Instagram aktiv war, dem ist sicherlich ein neuer Trend nicht entgangen. Nutzer posten die Bedeutung ihres Names aus dem Urban Dictionary. Bei dem Urban Dictionary handelt es sich um ein Urgestein des Internets. Das digitale Wörterbuch erklärt englische Slangwörter und alltagssprachliche Begriffe und Abkürzungen. Die Texte werden von den Nutzern verfasst. Häufig handelt es sich um unterhaltsame aber sinnfreie Definitionen. Die Texte mit den meisten Daumen nach oben werden auf der Internetseite an vorderster Stelle angezeigt und somit als gemeinläufige Definitionen akzeptiert. Unter anderem findet man dort auch die Definition von Vornamen. Dabei handelt es sich aber definitiv nicht um Etymologie, sondern eher um individuelle und willkürliche Beschreibungen, die der Unterhaltung dienen. Diese Definitionen können dann via Instagram oder TikTok für ein paar Lacher geteilt werden, und schon hat man einen neuen Internettrend. Laut Urban Dictionary habe Thomas eine Persönlichkeit wie niemand sonst, und auch wenn er anderen Leuten manchmal merkwürdig vorkommen mag, so sei dies der beste Teil an ihm. Mohammad sei ein attraktiver und loyaler Typ, könne jedoch auch ganz schön zickig sein, und Maria sei ein lustiges und liebes Mädchen, welches einen immer zum Lachen bringen könne. (urbandictionary.com, zeit.de)


Fußball auf Kölsch und Platt

„Von wejen Maskenball, nit überall“, hieß es vergangenen Samstag im Kölner Rhein-Energie-Stadion. Das Fußballspiel des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach stand wegen der vollen Zuschauer-Auslastung in der Kritik, konnte auf der anderen Seite aber mit einer Fernsehübertragung der besonderen Art glänzen: Es wurde auf Kölsch kommentiert. „Denn da kütt der Fehler! Jeschenk versenkt!“ – eine Aussage, die bei insgesamt fünf Toren wohl öfter fiel. Während der „Oberjeisbock“ Steffen Baumgart am Ende den 4:1-Sieg bejubelt, denken sich die Gladbacher: „Leckes en de Täsch!“ Die Spielzusammenfassung auf Kölsch zum Nachhören gibt es hier: youtube.com.

Aber nicht nur in Köln wurde Dialekt gesprochen. Auch das Spiel zwischen Holstein Kiel und Werder Bremen durfte sich eines besonderen Kommentars erfreuen: „Op Platt“ kommentierte der ehemalige Hörfunk- und Fernsehmoderator Ludger Abeln das Duell der zwei Nordvereine. Initiiert wurde die Aktion von Radio Bremen. „Es ist uns ein Anliegen, mit kreativen Programmideen die niederdeutsche Sprache lebendig zu halten“, so Programmdirektor Jan Weyrauch. „Und ein Fußballspiel live ‚op platt‘ – das hat es meines Erachtens so noch nie gegeben.“ Auch dieses Spiel lässt sich in einer kurzen Zusammenfassung nachhören: youtube.com. (radiobremen.de)


Mandarin gegen Minderheitensprachen

Neue Forderungen der chinesischen Regierung setzen die Minderheitensprachen vor Ort unter Druck. Sprachliche Konformität sei notwendig, um die Erfordernisse der modernen Wirtschaft zu erfüllen, argumentiert die Regierung. Dafür müsse Mandarin stark gefördert werden. Bis 2025 würden 85 Prozent der chinesischen Bürger Mandarin sprechen, bis 2035 solle Mandarin praktisch zur Universalsprache gemacht werden. Das gelte auch für ländliche Regionen und ethnische Minderheiten. Dieses Vorgehen könnte Regionalsprachen und Dialekte wie Kantonesisch oder Hokkien unterdrücken. Auch Minderheitensprachen wie Tibetisch, Mongolisch und Uigurisch würden so zurückgedrängt. Unterstützt werde diese Vereinheitlichungspolitik durch eine gesetzliche Aufsicht, berichtet die Tagesschau. So solle sichergestellt werden, dass „die nationale gemeinsame gesprochene und geschriebene Sprache als Amtssprache von Regierungsbehörden und als Grundsprache von Schulen, Nachrichten und Publikationen, Radio, Film und Fernsehen, öffentlichen Diensten und anderen Bereichen“ genutzt werde. (tagesschau.de)


Latein als Rap

Für viele Schüler ist Latein bis heute nicht nur eine tote, sondern auch höchst langweilige und unattraktive Sprache. Die Lateinlehrerin Katharina Klause geht daher einen modernen Weg, um die Konjugationen und Deklinationen, die gepaukt werden müssen, zu lehren: Sie rappt. Per Sprechgesang, so Klause, bleiben die Vokabeln besser im Gedächtnis haften. Dabei war der Latein-Rap zu Beginn nur ihr persönlicher Spaß, erst danach kamen immer mehr Zuschauer und Klicks über die Videoplattform Youtube zusammen. Und ihre Schüler sind begeistert: „Ich hätte gedacht, Latein wird am Anfang schwer, aber sie macht die Stunde irgendwie einfacher“, so eine ihrer Schülerinnen. (stern.de)


Der Dialekt und seine Vorteile

„Was kann der Dialekt, was das Standarddeutsch nicht kann?“ fragt die Journalistin und Wahl-Kölnerin Katty Salié und begibt sich auf Spurensuche. Sie selbst kommt aus der Region Hannover, die für ihr Hochdeutsch bekannt ist. Sie erlebt sich dialektfrei – und das findet sie schade. Für Wolfgang Niedecken, Gründer der Kölsch-Band BAP, ist sein Dialekt die Sprache seiner Seele. Sie wurde zu Hause gesprochen, mit Hochdeutsch kam er erstmals in der Schule in Kontakt: „Damals war Kölsch ja auch noch verpönt, Kölsch war die Gossensprache.“ Mittlerweile – auch durch die Musik von BAP – ist es salonfähig geworden und wird als sympathisch wahrgenommen. „Man verbindet mit dem kölschen Dialekt viele positive Sachen“, so Niedecken, „man weiß, die Kölner sind gemütlich, nahbar und nicht verbissen.“ Kölsch sei auch bei ihm zu Hause noch aktuell, mittlerweile würde das Lokale jedoch immer mehr verschwinden. Auch die Komikerin und Schauspielerin Annette Frier ist Kölnerin durch und durch und identifiziert sich mit Kölsch, auch wenn es bei ihr zu Hause nicht gesprochen wurde – dennoch sei es „Heimat“. Und damit der Dialekt auch über den Karneval und über Köln hinaus bekannter und gängiger wird, gibt es Fortbildungen – an der „Akademie für uns Kölsche Sproch“. (zdf.de)


5. Denglisch

Denglische Krankheit

Nach einer aktuellen Allensbach-Studie halten 34,99 Millionen Deutsche ihr Englisch für ziemlich gut (23,91) oder sogar sehr gut (11,08). Dass diese Englisch-Kenner damit oft falsch liegen, beschreibt der Sachbuchautor und Kolumnist Peter Littger. Besonders gern nimmt er das Denglisch der Wirtschaft aufs Korn. Obwohl das meiste, was es an deutsch-englischen Verwirrungen gibt, sprachlich zum Heulen ist, betont Littger in seinem neuen Buch eher die komischen Seiten sprachlicher Fehlleistungen („Hello in the round! – Der Trouble mit unserem Englisch und wie man ihn shootet“, C·H·Beck, 256 Seiten). So betonte ein BMW-Manager 2020 auf einer Konferenz in München„In our company you have to be physically fit.“ Was er eigentlich sagen wollte, dass BMW-Mitarbeiter etwas von Physik verstehen müssen. Auch den falschen Nebensatz ,weil das ist anders‘, anstatt ,weil das anders ist‘ (mit Verbletztstellung) hält Littger für einen Anglizismus – bzw. für „Anglizitis. Für mich ist das eine Krankheit“, so Littger. (rnd.de)

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Alina Letzel, Asma Loukili, Dorota Wilke