Infobrief 411 (17/2018): Auszeichnung für Die Fantastischen Vier

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1. Presseschau vom 20. bis 26. April 2018

  • Auszeichnung für Die Fantastischen Vier
  • Deutsch meistgesprochene Sprache Europas
  • Sünde wider den Geist

2. Unser Deutsch

  • Ypsilon (y)

3. Berichte

  • Leseförderung für Schulanfänger
  • Neue VDS-Regionalleiterin für Ostthüringen
  • Sprachpreis der VDS-Regionen Nordost und Schwerin
  • Lesung in der VDS-Geschäftsstelle
  • Neues aus der Region Nürnberg

4. VDS-Termine

5. Literatur

  • Welttag des Buches

6. Denglisch

  • Die Erderwärmung und ihre Folgen (für die deutsche Sprache)

 

 

1. Presseschau vom 20. bis 26. April 2018

Auszeichnung für Die Fantastischen Vier


Foto: Kulturpreis Deutsche Sprache

Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache 2018 geht an Die Fantastischen Vier. Die Musikgruppe erhält den mit 30.000 Euro dotierten Preis für ihre Verdienste um den deutschsprachigen Hip-Hop. „Sie sind Wegbereiter einer neuen deutschen Musikgeschichte. Zu einer Zeit, in der Sprechgesang mit der englischen Sprache verknüpft war, waren sie die ersten, die sich ihrer deutschen Muttersprache bedienten“, erklärte der Sprecher der Jury, Prof. Dr. Helmut Glück in Bamberg. Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre wird die Lobrede auf Die Fantastischen Vier halten. Der mit 5.000 Euro dotierte Initiativpreis Deutsche Sprache geht an die Kampagne „Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind“ des Netzwerks „Frühe Hilfen“ des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Frankfurt am Main. „Wir zeichnen damit den Ansatz der Initiatorinnen aus, den Blick der Betroffenen auf ihre Vorbildfunktion – und nicht auf ihre Mobiltelefone – zu lenken“, begründet Glück die Entscheidung der Jury. Das Bundessprachenamt, das Sprachlehrgänge in über 50 Sprachen für Soldaten und Bedienstete der Bundes- und Länderressorts durchführt, wird für die vorbildliche Arbeit der Abteilung Sprachausbildung, Bereich Deutsch als Fremdsprache, mit dem Institutionenpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet. „Als größter linguistischer Arbeitgeber Deutschlands erfüllen die Multiplikatoren die hohen Qualitätsansprüche in der Umsetzung des Deutschunterrichts mustergültig. Die Lerner nehmen nicht nur das Wissen über die deutsche Sprache mit in ihre Heimat, sondern auch Kenntnisse über die deutsche Kultur“, so die Begründung der Jury. Der dreiteilige Kulturpreis Deutsche Sprache wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache e. V. (Dortmund) für besondere Verdienste um die deutsche Sprache vergeben. Die Preisverleihung findet am 13. Oktober 2018 in Kassel statt. (vds-ev/pressemitteilungen, welt.de, sueddeutsche.de, focus.de)

 

Deutsch meistgesprochene Sprache Europas

Laut dem Nachrichtendienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) gibt es weltweit 7097 Muttersprachen, wobei jedoch die Hälfte der Weltbevölkerung nur 23 Sprachen spricht. Chinesisch hat mit 1,2 Milliarden Menschen die meisten Sprecher, weit dahinter kommt Spanisch mit 399 Millionen Sprechern. Englisch wird von 335 Millionen Menschen in mehr als 100 Ländern gesprochen und befindet sich damit auf dem dritten Platz. In Europa ist Deutsch die meistgesprochene Muttersprache. Insgesamt können sich weltweit rund 90 Millionen Menschen auf Deutsch verständigen – und es werden immer mehr. Derzeit lernen etwa 15,4 Millionen Menschen Deutsch. Vor allem an den Goethe-Instituten ist die Nachfrage nach Deutschkursen in den letzten fünf Jahren um fast 20 Prozent gestiegen. Dennoch sind in Deutschland gesprochene Sprachen wie Saterfriesisch oder Sorbisch gefährdet. Sprachschützer warnen davor, dass innerhalb weniger Jahrzehnte bis zu 50 Prozent aller Sprachen verschwunden sein werden. Um dem akuten Sprachensterben entgegenzuwirken, hat das Goethe-Institut die Initiative #nurinmeinersprache gegründet. Unter dem Motto werden auf Facebook und Twitter weltweit unübersetzbare Wörter gesammelt.

Auch der VDS leistet mit seinem Anglizismen-Index einen Beitrag zur Sprachentwicklung und bietet für viele Wörter aus dem Englischen deutsche Entsprechungen an.  (iwd.de)

 

Sünde wider den Geist

Im Dresdner Lingnerschloss diskutierten der Linguist Peter Eisenberg und der Literaturwissenschaftler Bernd Leistner über den gegenwärtigen Zustand der deutschen Sprache. Den Einfluss des Englischen sahen beide nicht als große Gefahr für die deutsche Sprache an. „Sie werden vom Deutschen verschlungen und passen sich in der Grammatik und der Phonetik an. Der Computer wird genauso gebeugt wie der Eimer“, zitiert die Sächsische Zeitung von der Veranstaltung. Schlimmer wiegen für Eisenberg die Eingriffe Unbefugter auf die Sprachentwicklung, vor allem die Vorgaben der „geschlechtergerechten Sprache“. Die Folgen der Rechtschreibreform sind für Eisenberg noch immer „eine Sünde wider den Geist“, weil sie die Sprachentwicklung behindern. Und Bernd Leistner lenkte das Augenmerk auch auf die „Brutalisierung der Sprache in den sozialen Medien“. (sz-online.de)

 

2. Unser Deutsch

Ypsilon (y)

Lohnt es, diesem seltenen Buchstaben des lateinischen Alphabets eine Glosse zu widmen? Ich denke schon. Wir können mit ihm tief in die Geschichte europäischer Schriftkultur schauen. Und am Ende wartet ein Kuriosum.

Zum Vorkommen: Y begegnet in der deutschen Sprache ausschließlich in Fremdwörtern griechischen Ursprungs, die seit dem Mittelalter, vor allem aber in der Frühen Neuzeit über das Lateinische ins Deutsche aufgenommen wurden. Dazu zählen Analyse, Asyl, Physik, Psyche, Symptom, Syntax, System, Typ, Tyrann, aber auch Hymne, lyrisch, Idylle, Sympathie usw. Insgesamt über 80 Wörter, zusätzlich ungezählte Ableitungen und Zusammensetzungen. An ihnen sehen wir, was wir dem antiken Erbe verdanken. Das Deutsche ist, wie alle modernen europäischen Sprachen, ohne diesen Wortschatz nicht denkbar.

Diese Wörter haben bereits einen langen Weg hinter sich. Die meisten wurden bereits in der Phase griechisch-römischer Kultursymbiose ins Lateinische entlehnt. Der römische Feldherr und Diktator Lucius Cornelius Sulla (138 v. Chr. – 78 v. Chr.) führte den griechischen Buchstaben Y eigens wegen der zahlreichen griechischen Lehnwörter in das lateinische Alphabet ein. Da hat es sich bis heute gehalten, ein Zeugnis außerordentlicher Kontinuität unserer Schriftkultur.

Der Name Ypsilon heißt soviel wie ‚schlichtes i‘. Ursprünglich hatte Ypsilon den Lautwert [u], später (auf Grund des griechischen Lautwandels) den Lautwert [ü] wie noch heute im Deutschen (in phonetischer Lautschrift benutzt man dafür charakteristischer Weise das Zeichen [y]). In der Schweiz nennt man das Zeichen auch ‚griechisches i‘, in Österreich ‚fremdes i‘. Einige Eigennamen wie Schwyz oder Sylt gehen auf ein ursprüngliches ij zurück, das y geschrieben wurde.

Anders das y im Namen Bayern. Wenn vom Bundesland, genauer dem Freistaat Bayern, die Rede ist oder von bayrischen Phänomenen, sei es Oktoberfest, CSU oder Weißwürste, dann wird das Wort mit y geschrieben. Ist vom Dialekt die Rede, vom Bairischen, dann gilt i-Schreibung. Warum? Die Einführung des Ypsilon in den Namen des ehemaligen Königreichs geht auf König Ludwig I. (1786-1868) zurück (den Großvater des berühmteren Ludwig II., den die Bayern liebevoll Kini nennen). Er verordnete in seiner philhellenischen Begeisterung die Adaption des Y. Die griechische Antike war Vorbild seiner unermüdlichen Bautätigkeit, die den Münchenern die Pinakotheken, die Glyptothek, die Feldherrnhalle, das Siegestor und viele mehr beschert hat. Mit dem Hofbaumeister Leo von Klenze hatte Ludwig ein süddeutsches klassizistisches Gegenstück zu Schinkels Berlin geschaffen.

Ludwig ist den Bayern im übrigen durch seine Liebesbeziehung zur Tänzerin Lola Montez in Erinnerung, für die er von seinem Thron abdankte. Bleibend aber ist das Y im Namen Bayern, das dem ehemaligen Königreich bis heute eine graphische Identität verschafft.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de

 

3. Berichte

Leseförderung für Schulanfänger

Gemeinsam mit der Manfred Locher Stiftung hat der Verein Deutsche Sprache 5300 Bücher an Nürnberger Erstklässler verschenkt. Bereits zum zehnten Mal fand die Aktion „Anstoß – Ein Buch für jeden Schulanfänger“ statt, die in diesem Jahr passend zum „Welttag des Buches“ am 23. April ausgerichtet wurde. Ziel des Projektes ist es, „die Leselust von Kindern zu fördern und damit einen guten Start für den weiteren Bildungsweg zu ermöglichen“, berichten die Nürnberger Nachrichten.

Neue VDS-Regionalleiterin für Ostthüringen

Der VDS ist in Ostthüringen wieder besser sichtbar: Am 24. April wurde die Germanistin Karin Wagner aus Bad Köstritz zur Leiterin der VDS-Region 07 (Gera/Jena) gewählt. „Nachdem in unserer Region einige Zeit nichts passiert ist, will ich nun wieder Schwung ins Vereinsleben bringen und vor allem junge Menschen für die deutsche Sprache begeistern“, sagte Karin Wagner nach der Wahl. (gera.otz.de)

 

Sprachpreis der VDS-Regionen Nordost und Schwerin

Auch in diesem Jahr vergibt die VDS-Regionalgruppe Nordost und Schwerin wieder den mit 1000 Euro dotierten Sprachpreis „Gutes Deutsch in M-V “. Bis zum 31. Juli 2018 können die VDS-Mitglieder der Regionen Rostock und Schwerin Vorschläge mit schriftlicher Begründung und Nachweisen einreichen. Eine unabhängige Jury entscheidet über die Empfehlungen und kürt den Preisträger. Die Verleihung des Preises findet wie immer am „Tag der deutschen Sprache“, in diesem Jahr am 8. September 2018, statt. Vorschläge bitte an den Juryvorsitzenden Wilhelm A. Hesse, An der Kesselschmiede 1, 18057 Rostock, (hesse-wah@web.de). (ostsee-zeitung.de)

 

Lesung in der VDS-Geschäftsstelle

VDS-Mitglied und Schriftsteller Calvin Kleemann las am 26. April Auszüge aus seinem neuen Buch „Der Funke schweigt, wenn Feuer träumt“ in der VDS-Geschäftsstelle. Kleemann gehört zu einer jungen Generation von Künstlern, die sich zwischen etablierter Literatur, Poetry-Slam und „Befindlichkeitsakrobatik“ neu zu definieren versuchen. Der in „Der Funke schweigt, wenn Feuer träumt“ enthaltene Stellaris-Zyklus ist nach „Die graue Flut“ bereits das zweite Lyrikkonzept des jungen Autors, der damit neue und alte Formate sprengt und auf sämtliche Konventionen zeitgenössischer Lyrik verzichtet.

 

Neues aus der Region Nürnberg

VDS-Vorstandsmitglied Birgit Schönberger hielt auf der Versammlung der Region Nürnberg einen Vortrag über den Schriftsteller Adelbert von Chamisso (1781-1838), dessen Muttersprache das Französische war. Deutsch war für ihn zunächst eine Fremdsprache, in der er es zur Meisterschaft gebracht hat und in welcher er das bekannte Märchen „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1814) und das Gedicht „Das Riesenspielzeug“ (1831) über die Burg Niedeck im Elsass schrieb.

 

4. VDS-Termine

30. April, Deutsches Musikradio
„Wortspiel“ beim Deutschen Musikradio DMR mit Holger Klatte und Stefan Ludwig.
Schwerpunkt: Sprechgesang
Sendungsseite: http://www.deutschesmusikradio.de/dmr/wortspiel/
Zeit: 20 bis 21 Uhr, Wiederholung: 23 Uhr

3. Mai, Region 28 (Bremen)
Treffen der Sprachfreunde Bremen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Restaurant Luv, Schlachte 15, 28195 Bremen

4. Mai, Region 29 (Celle, Uelzen)
Mitgliederversammlung mit Wahl der Regionalleitung
Vortrag: Dr. Reiner Pogarell (Mitglied des VDS-Vorstandes) zum Thema „Luther und die deutsche Sprache“
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Landhotel Helms, Altensalzkoth 7, 29303 Bergen

 

5. Literatur

Welttag des Buches

Im Jahr 1995 rief die UNESCO erstmals den Welttag des Buches und des Urheberrechts aus. Seitdem wird der Tag jährlich am 23. April gefeiert, am Namenstag des Schutzheiligen Sankt Georg, an dem traditionsgemäß in Katalanien Rosen und Bücher verschenkt werden. Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen veranstalten an dem Tag Lesungen und Aktionen rund um das Thema Buch, koordiniert vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen. „Bücher sind ein Tor zur Welt. Sie ermöglichen den Dialog zwischen unterschiedlichen Generationen und Kulturen“, sagt Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. „Umso wichtiger ist der Welttag des Buches, der seit mehr als 20 Jahren die Bedeutung und das Potenzial von Büchern und vom Lesen in den Blick rückt“, betont Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. (welttag-des-buches.de, deutschlandfunkkultur.de, stiftunglesen.de)

 

6. Denglisch

Die Erderwärmung und ihre Folgen (für die deutsche Sprache)

Die globale Erwärmung verursacht derzeit viele Konflikte – auch bei Energiedienstleistern. Weil davon auch die Heizungsbauerfirma Viessmann betroffen ist, hat sich der „Co-Chief Operating Officer“, oder einfacher, der Junior des Unternehmens, Max Viessman, auf die Suche nach einem zweiten Standbein begeben und in schlimmstem Denglisch gefunden. Neben der Installation eines „Deep Tech Netzwerkes Made in Germany“ für junge „Start-ups“ bietet das Unternehmen neuerdings auch eine mediale Haushaltshilfe an, die auf den Namen Cary hört, nach Bedarf Einkaufslisten schreibt und das Licht koordiniert – ganz im Sinne des „Next Generation Family Business“, wie die Firma formuliert. (welt.de)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache.

RECHTLICHE HINWEISE
Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Lea Jockisch, Holger Klatte, Silke Niehaus-Scherpenberg

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