Infobrief Nr. 480 (35. Ausgabe in diesem Jahr)

1. Presseschau

Latein als Intelligenzförderung

Bild: pixabay /  jillmackie Pixabay-Lizenz

Bislang genießt Latein einen sehr guten Ruf. Ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland ist der Ansicht, dass Latein das logische Denken fördert und das Erlernen moderner romanischer Sprachen erleichtert. Ein Experiment, in dem Bewerber mit Lateinkenntnissen häufiger zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurden, untermauert dies. Der Soziologe Jürgen Gerhards von der Freien Universität Berlin hält den Zusammenhang zwischen dem Erlernen von Latein und erhöhter Intelligenz jedoch für einen Mythos. Lateinkenntnisse mögen zwar im Lebenslauf hilfreich sein, aber nur, weil die Leute an die Vorteile des Erlernens von Latein glauben. Gerhards zufolge zeigen verschiedene Studien, dass Lateinschüler in der Schule keinen echten Vorteil gegenüber Schülern haben, die eine moderne Fremdsprache lernen. (faz.net, spiegel.de)


Minderheitensprachen ins Grundgesetz

Die Bundesländer Schleswig-Holstein und Sachsen wollen die Minderheiten in Deutschland im Grundgesetz schützen lassen und einen entsprechenden Antrag im Bundesrat einbringen. „Die Aufnahme einer solchen Minderheiten-Klausel ins GG unterstreiche die gesamtstaatliche Verantwortung Deutschlands für den Schutz nationaler Minderheiten‟, sagte der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. Vorgesehen ist folgende Klausel: „Der Staat achtet die Identität der autochthonen Minderheiten und Volksgruppen, die nach dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarats in Deutschland anerkannt sind.“ Der Vorstoß geht zurück auf eine Initiative des Südschleswigschen Wählerverbands, der Partei der dänischen und friesischen Minderheit im Norden. Auch die Domowina – Bund Lausitzer Sorben begrüßt die Initiative.

Aus diesem Anlass darf daran erinnert werden, dass die CDU bereits 2016 beschlossen hat, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern. Die österreichische Verfassung könnte dafür eine Vorlage sein: „Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.‟ (minderheitensekretariat.de)


Dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion

Bundesweit gibt es kaum Fußballstadien, die nach Frauen benannt sind. In Herne (nicht Herne-West) trägt das Stadion der Sportfreunde Wanne-Eickel nun den Namen der Gattin des Bürgermeisters. Ein Jahr lang soll es Livia-Leichner-Stadion heißen, mit dem Zusatz Dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion. „Im besten Ruhrgebiets-Platt“, erklärt Bürgermeister Erich Leichner, der seiner Ehegattin den Stadionnamen zum 60. Geburtstag geschenkt hat. Der Zusatz geht zurück auf den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, der auf die Frage, ob man Fußballstadien nicht auch einmal nach Frauen benennen könne, geantwortet haben soll: „Und wie sollen wir das dann nennen? Dem Ernst Kuzorra seine Frau ihr Stadion?“ Livia Leichner nimmt dieses außergewöhnliche Geburtstagsgeschenk mit Humor und hofft, dass dem Frauenfußball so ein wenig Anerkennung zukomme. (welt.de)


2. Unser Deutsch

cool

Engagierte Leser nörgeln öfter über dieses Modewort und wünschen sich einen kundigen Kommentar. Beginnen wir mit der Aufnahme aus dem Englischen und dem Aufstieg des Wortes von der Jugendsprache in die allgemeine Alltagssprache. Cool ist, sprachgeschichtlich gesehen, die englische Form unseres Adjektivs kühl, mit weitgehend gleicher Bedeutung. Die neuere Verwendung des Lehnworts findet sich zuerst im amerikanischen Englisch, zum Beispiel in Cool Jazz, dem ‚konzertanten, in gemäßigter Form vorgetragenen Jazz‘. Übersetzbar ist das Wörtchen nur schwer, denn gerade die englische Schreibung trägt zur besonderen Bedeutung bei. Cool wurde zum Merkmal von Lässigkeit und souveräner Haltung, zum Beispiel in solchen Wendungen wie cooler Typ, coole Klamotten, coole Location. Mitte der 70er Jahre beginnt der Aufstieg des Wortes unter Jugendlichen. Es wird zum Leitwort einer Generation. Vielleicht finden professionelle Soziologen einmal eine zeitgeschichtliche Erklärung. Auch dafür, dass cool inzwischen zu einem allgemeinen umgangssprachlichen Wörtchen geworden ist. Die stets gärende Jugend hat längst Ersatz gefunden in geil, krass, hip. Und nicht genug mit Neuerungen. Diese verlangen nach Steigerung in megageil, voll krass, ultrahip und hypertrendy.

Blickt man einmal auf alle Generationen, welche den heutigen deutschen Sprachgebrauch repräsentieren – von jenen, die in den 50er Jahren jung waren, bis zu den Kids der Gegenwart – dann finden wir ein ganzes Arsenal bewertender Adjektive. Alle waren einmal neu, die meisten haben diesen Glanz längst verloren. Man kann Etappen der Innovation und des Veraltens beobachten. Die Senioren von heute finden manches noch immer klasse, spitze oder tipptopp. Ihre Kinder, die heute im besten Alter stehen, nennen dasselbe toll, dufte oder prima. Und jene, die das Jugendalter eben verlassen haben, halten fest an stark, super, sauber oder astrein. Diese Wörtchen sind oft ungewollte Erkennungszeichen einer Generation.

Ein Tipp: Bleiben Sie bei Ihrem eigenen Wortschatz und vermeiden Sie sprachliche Anbiederung. Es wird bemerkt: „Hey Alter, was red‘st Du für‘n Stuss“. Im übrigen: nicht schimpfen, nicht wundern, lieber lächeln.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e. V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


3. Kultur

Literatur im Ruhrgebiet

Vom 8. bis 13. Oktober findet zum dritten Mal das internationale Literaturfestival lit.RUHR statt. In sechs Städten des Ruhrgebiets gibt es Lesungen, literarische Themenabende, Gesprächskreise und Autorenporträts. Erwartet werden sowohl internationale Schriftsteller wie zum Beispiel Martin Walker oder Fernando Aramburu, als auch deutschsprachige Autoren wie Cornelia Funke oder Harald Welzer. Als Schwerpunktthema von lit.RUHR geht es in diesem Jahr um Transformationen, die den Blick auf bestehende und bevorstehende Herausforderungen des gesellschaftlichen, historischen und ökologischen Wandels richten sollen. Eröffnet wird das Literaturfestival am 8. Oktober in der Philharmonie Essen. (boersenblatt.net)


4. Berichte

Braunschweiger Till für Anna Harutyunyan

Die Braunschweiger Medizinerin Anna Harutyunyan erhält in diesem Jahr den Sprachpreis „Braunschweiger Till‟, der von der VDS-Regionalgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz verliehen wird. Harutyunyan ist nach dem Übersetzer Hubert Mania die zweite Person, die diesen Preis erhält. „Anna Harutyunyan zeigt, wie Integration über Sprache gelingt, und sie gibt mit ihrer Liebe zu den Schönheiten des Deutschen ein gutes Beispiel auch für uns“, sagte von der Oelsnitz der Braunschweiger Zeitung. (braunschweiger-zeitung.de)

5. Denglisch

Teure Einsprachigkeit

Besonders im internationalen Verkehr verzichten Unternehmen vielerorts auf andere Sprachen als das Englische – am Flughafen zum Beispiel: Werbebanner und Wegweiser sind hier oft nur auf Englisch zu lesen, Übersetzungen kosten ja Geld. Schon bei der Ankunft am Airport und der Suche nach dem Terminal, wartet allerhand Englisches auf den Fluggast, inklusive Check-in und Security Check. Die sprachliche Einseitigkeit ist für die kanadische Fluglinie Air Canada kürzlich recht teuer geworden. Ein Ehepaar aus Ottawa war vor Gericht gezogen, weil Hinweise im Flugzeug nicht in den kanadischen Amtssprachen Französisch und Englisch angegeben waren, sondern nur auf Englisch. Das Gericht gab ihnen Recht und verurteilte die Fluglinie zur Zahlung von 21.000 kanadischen Dollar, rund 14.000 Euro. (abendblatt.de, spiegel.de)


6. VDS-Termine

6. September, Region 25 (West- Schleswig-Holstein)
Mitgliedertreffen
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Gaststätte Tante Jenny, Schiffbrücke 12, 25813 Husum

6. September, Region 53 (Bonn, Voreifel, Ville und Siebengebirge)
Mitgliedertreffen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Tennis-Club Heiderhof, Sommerbergweg 4, 53177 Bonn

7. September, Region 38 (Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg)
Verleihung des Sprachpreises Braunschweiger Till (Bugenhagen-Zimmer, 1. Stock)
Zeit: 10:00 – 12:00 Uhr
Ort: St. Ulrici-Brüdern-Kirche, Schützenstr. 21A, 38100 Braunschweig

7. September, Region 48 (Münsterland)
Infostand auf dem Wochenmarkt
Zeit: 10:00 – 12:00 Uhr
Ort: Marktplatz Emsdetten, 48282 Emsdetten

7. September, Region 67, 68, 69 (Rhein-Neckar)
Infostand anlässlich des TdS auf dem Mannheimer Paradeplatz
Zeit: 10:00 – 16:00 Uhr
Ort: Paradeplatz, Quadrat N1, nahe Eingang Hauptpost, 68161 Mannheim

9. September, Region 20, 22 (Hamburg)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hotel Ibis Alsterring, Pappelallee 61, 22089 Hamburg

10. September, Region 01 (Dresden, Riesa)
Festveranstaltung zum Tag der deutchen Sprache LachHaft auf Bewährung mit Lars Jung (Text), Cornelia Schumann (Viola), Thomas Mahn (Tasten)
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Ortsamt Dresden-Loschwitz, Grundstraße 3, 01326 Dresden-Loschwitz

10. September, Region 65 (Wiesbaden/Kelkheim)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Restaurant Europa, Stadthalle Kelkheim, Gagernring 1, 65779 Kelkheim (Taunus)

10. September, Region 77 (Offenburg)
Vorstellung des neuen Buches des Schriftstellers Klaus Huber Poesie in Klängen, die glücklich machen
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Gemeindeverwaltung Sasbachwalden, Kirchweg 6, 77887 Sasbachwalden

12. September, Region 70/71/73/74 (Stuttgart, Nordwürttemberg)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Brauereigaststätte Dinkelacker, Tübinger Str. 46, 70178 Stuttgart

13. September, Region 20, 22 (Hamburg)
Verleihung des Elbschwanenordens 2019 an den Hamburger Verein Leseleo e. V.
Zeit: 18:30 – 21:30 Uhr
Ort: Gästehaus der Universität Hamburg, Rothenbaumchaussee 34, 20146 Hamburg

14. September, Region 07 (Gera, Jena)
Festveranstaltung zum Tag der deutschen Sprache
Zeit: 14:00 Uhr
Ort: Am Schloss 1, 07907 Schleiz

14. September, Region 60 (Frankfurt/Main)
Informationsstand
Zeit: 11:00 – 15:00 Uhr
Ort: Börsenstr. 1, Ecke Kalbächer Gasse, 60313 Frankfurt am Main

14. September, Region 66 (Pfalz)
Festveranstaltung zum Tag der deutschen Sprache
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Bürgerhaus Waldmohr, Saarpfalzstraße 12, 66914 Waldmohr

14. September, Regionen 72 und 78 (Schwarzwald-Neckar-Alb)
Infostand zum Tag der deutschen Sprache
Zeit: 9:00 – 13:30 Uhr
Ort: Marktplatz, 72108 Rottenburg am Neckar

14. September, Region 77 (Ortenau)
Informationsstand auf dem Bauernmarkt
Zeit: 9:00 – 13:00 Uhr
Ort: Marktplatz Gengenbach, Victor-Kretz-Str. 6, 77723 Gengenbach

14. September, Region 56 (Koblenz)
Preisverleihung im XII. Wettbewerb Werbewerke
Zeit: 15:00 Uhr
Ort: Sparkasse Koblenz, Bahnhofstr. 11, 56068 Koblenz

15. September, Region 97 (Würzburg)
Feierliche Verleihung des regionalen Sprachbewahrerpreises
Zeit: 15:00 – 17:00 Uhr
Ort: Barockhäuser, Ignaz-Neumann-Stube, Neubaustr. 12, 97070 Würzburg

15. September, Region 50/51 (Köln)
Verleihung des Lehrer-Welsch-Sprachpreises
Zeit: 17:00 Uhr (Einlass ab 16:15 Uhr)
Ort: Aula, Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, Leybergstr. 1, 50939 Köln

16. September, Region 44 (Bochum, Dortmund, Herne)
Vortrag und Buchvorstellung von VDS-Mitglied Horst Hensel: Die Sehnsucht der Rosa Luxemburg
Eintritt 2,50€
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Studio B, Stadt- und Landesbibliothek, Max-von-der-Grün-Platz 1-3, 44137 Dortmund

17. September, Region 42 (Wuppertal, Remscheid, Solingen)
Mitgliedertreffen
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Gaststätte Kaiser-Treff, Hahnerberger Str. 260, 42329 Wuppertal-Cronenberg

22. September, Region 18 (Rostock)
Verleihung des Sprachpreises Gutes Deutsch in Mecklenburg-Vorpommern sowie Sprachvorbild 2019
Zeit: 16:00 – 18:00 Uhr
Ort: Gasthaus Zum Bauernhaus Biestow, Am Dorfteich 16, 18059 Rostock

25. September, Region 03 (Cottbus)
Mitgliederversammlung
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hotel Zur Sonne, Taubenstraße 7, 03046 Cottbus


IMPRESSUM

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln mitunter die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Holger Klatte, Alina Letzel, Oliver Baer

© Verein Deutsche Sprache e. V.

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