Deutsch in der Schule

NeuesThematik

Die Arbeitsgruppe Deutsch in der Schule interessiert sich für die Sprachkenntnisse von Schulabgängern und Auszubildenden

Sprachliche Leistungen von Schulabgängern

Wie gut beherrschen Schulabgänger noch ihre Sprache, und wie wirkt sich das in der Berufs-ausbildung aus?

Die Entwicklung der sprachlichen Leistungen von Schulabgängerinnen und Schulabgängern wollten wir durch eine Umfrage unter ausgewählten (mittelständischen) Ausbildungsbetrieben zu Beginn des Ausbildungsjahres 2019/ 2020 erfragen und dokumentieren.

Anders als die landläufig bekannten Studien wie PISA oder Lernstandserhebungen, die sehr allgemeine Aussagen über die „Kompetenzentwicklung“ von Schülerinnen und Schülern innerhalb ihrer Ausbildungszeit machen, betraf unsere Erhebung besonders diejenigen sprachlichen Fähigkeiten, die Schulabgänger beim Übergang in das Ausbildungs- und Berufsleben praktisch und tatsächlich benötigen.

Die Umfrage sollte Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit diese Leistungen sich tatsächlich, wie es immer wieder behauptet wird, deutlich verschlechtert haben, und in welchen Bereichen der Sprachkompetenz besondere Defizite sichtbar werden.

Im Ergebnis kann man sagen, dass etwa drei Viertel der befragten Unternehmen den Eindruck haben, dass die elementaren sprachlichen Fähigkeiten ihrer Ausbildungsbewerber in den Bereichen Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz seit Jahren rückläufig sind.

Besonders schlecht stelle sich die Fähigkeit des schriftlichen Ausdrucks dar: nur etwas mehr als ein Drittel der Schulabgänger verfügten in dieser Hinsicht noch über wenigstens „ausreichende“ Fähigkeiten. Dies gelte im übrigen weitgehend unabhängig davon, ob die Schülerinnen und Schüler einen familiären Migrationshintergrund hätten oder nicht.

Vom Sprachunterricht an den Schulen erwarten die befragten Betriebe eine stärkere Ausrichtung seiner Anforderungen an den praktischen beruflichen Bedürfnissen sowie eine stärkere Berücksichtigung des schriftlichen Bereichs bei der Notengebung.

Das genaue Ergebnis und die Daten zu der Umfrage, die im Zeitraum Sommer 2019 bis Januar 2020 durchgeführt wurde, und an der sich insgesamt 63 Unternehmen beteiligt haben, finden Sie hier (pdf-Datei).

Ich danke allen, die an der Erhebung mitgewirkt haben, und bin dankbar für Rückmeldungen, Kommentare und Ergänzungen.

Wenn Sie über eigene Erfahrungen mit Auszubildenden verfügen, können Sie uns diese auch weiterhin mitteilen. Das Formular der Umfrage finden Sie hier.

Deutschunterricht im digitalen Zeitalter

Welche Prinzipien bestimmen künftig den Deutschunterricht? Wie wirkt sich fortschreitende Digitalisierung auf die Entwicklung der aktiven individuellen Sprachkompetenz aus – und was leistet die Schule eigentlich noch an aktivem Sprachunterricht, um Schülerinnen und Schüler bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen ?

Das sind die zentralen Fragen unserer Beschäftigung mit neuen Lehrplänen oder Programmen und Konzepten der Unterrichtsentwicklung. Dabei gehen wir von der (konservativen) Vorstellung aus, dass Deutschunterricht vor allem die Fähigkeit von Jugendlichen weiterentwickeln sollte, sich mit Informationen, mit denen sie in vielfältiger Weise konfrontiert werden, sprachlich und gedanklich kompetent auseinanderzusetzen. Das bedeutet für uns, dass sie einerseits das gründliche und systematische verstehende Lesen erlernen müssen und dass sie andererseits einen reichhaltigen Wortschatz und ein möglichst breites Spektrum an sprachlich formalen Mustern erwerben sollten, um sowohl gedanklich differenziert zu urteilen als auch sprachlich flexibel und kommunikativ sensibel zu formulieren. Einfacher ausgedrückt: Schülerinnen und Schüler müssen angehalten werden, sich um ein gutes und niveauvolles Deutsch zu bemühen und ihre Persönlichkeit namentlich über eine gründliche sprachliche Bildung zu entfalten.

Uns interessiert deshalb u. a., wie sich Schulen, Weiterbildungsträger und Medienanbieter auf die anstehende Digitalisierung des Unterrichts vorbereiten, wie sich die digitalen oder digital gestützten Unterrichtsmaterialien weiterentwickeln, inwieweit angesichts der fortschreitenden Digitalisierung noch Raum für die Entwicklung elementarer individueller Sprachkompetenz bleibt, und auf welchen Anspruchsniveaus.

Meinungen, Beobachtungen und Vorschläge dazu nehmen wir gerne entgegen. Kontakt: claus.maas@vds-ev.de

Bildungssprache Deutsch in der Schule

Die Kultusministerkonferenz des Bundes und der Länder KMK hat im Jahr 2019 das Thema „Stärkung der Bildungssprache Deutsch“ zum Arbeitsschwerpunkt erklärt und im Dezember dazu ein Grundsatzpapier verabschiedet.

Ein Anliegen des Beschlusses ist die Forderung, dass Sprachunterricht durchgängig eine stärkere Akzentuierung in allen Bildungsabschnitten und Bildungsgängen erhalten soll und dabei als „Querschnittsaufgabe“ für alle Fächer und Lernbereiche verstanden werden muss.

Im Verlauf des Beratungsverfahrens konnten wir mit Dr. Christopher Textor, dem verantwortlichen Referenten im Hessischen Kultusministerium Kontakt aufnehmen und ihm unsere „Thesen zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch“ zukommen lassen. Die Leitforderungen des von der KMK verabschiedeten Papiers liegen jetzt unter www.kmk.org/aktuelles vor und können dort eingesehen werden.

Besonders interessieren uns darin die Inhalte der Thesen 4 und 5:

  • Sprachliche Bildung und Sprachförderung tragen zu einer ganzheitlichen Persönlichkeits-entwicklung und Welt- sowie Wertorientierung bei.
  • Sprachliche Bildung und die gezielte Ausbildung bildungssprachlicher Kompetenzen tragen zur individuellen Begabungsentfaltung bei.

Zur Zeit setzen wir uns mit den Inhalten des Dokuments und mit den programmatischen Erklärungen der beteiligten Bundesländer auseinander. Eine Sichtung und Bewertung wird auf dieser Seite nachzulesen sein. Sodann wird der VDS zu den Inhalten Stellung nehmen und sich auf dieser Grundlage an die Kultusministerien der Länder wenden um zu erfahren, in welcher Weise das beschlossene Konzept Eingang in die Unterrichtsentwicklung, die Praxis der Lehrerausbildung und den Unterrichtsalltag finden wird, und was im einzelnen geschieht, um die Erkenntnisse umzusetzen.

Auch hierzu nehmen wir gerne Hinweise und Anregungen aus der Praxis entgegen.

Kontakt: claus.maas@vds-ev.de

Kernlehrplan Deutsch Sekundarstufe I – 2019

Im Rahmen der Verbändebeteiligung wurde der VDS im Frühjahr 2019 aufgefordert, eine Stellungnahme zum neuen Kernlehrplan Deutsch für die Sekundarstufe I (in diesem Fall in NRW) abzugeben.

In unserer Stellungnahme stellten wir Schwachstellen des Lehrplanentwurfs heraus und machten mehrere Verbesserungsvorschläge. Eine unserer Forderungen darin lautete, dass die zentrale Aussage aus dem Kernlehrplan 2007 erhalten bleibt: Deutschunterricht ist Sprachunterricht. Diese war tatsächlich in dem neuen Entwurf nicht mehr enthalten (!). Außerdem sollten nach Ansicht des VDS literarische Texte in den Deutscharbeitsbüchern wieder einen größeren Raum erhalten, die Wortschatzerweiterung stärker akzentuiert und mehr Wert auf den Aspekt der Hoch- oder Bildungssprache gelegt werden.

Kurz vor den Sommerferien wurde nun der überarbeitete Lehrplan veröffentlicht – Fazit aus Sicht des VDS:
Ja, der Satz: „Deutschunterricht ist Sprachunterricht.“ wurde wieder aufgenommen – und ja: die Schülerinnen und Schüler sollen am Ende der Sekundarstufe I „normgerecht sprechen und schreiben können.“ Auch das steht auf Drängen des VDS jetzt wieder im Lehrplan. Die geforderte Stärkung der elementaren Fähigkeiten in Wortschatz und Grammatik fand jedoch wenig Niederschlag – insgesamt blieb es bei weitgehend unkonkreten, schwammigen und wenig verbindlichen Formulierungen zur Beschreibung der Aufgaben des Deutschunterrichts. Es hängt also nach wie vor an den Vorstellungen der Lehrerinnen und Lehrer, dieser Notwendigkeit in der Praxis Rechnung zu tragen – im Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler. Deren individuelle Bildungschancen und deren Aussicht auf persönliche und berufliche Entwicklung sollten allen, die die Sprache unterrichten, so viel wert sein, dass sie sich durch pädagogische Allgemeinplätze und didaktische Spruchblasen auch in Lehrplänen nicht vom Wesentlichen ablenken lassen.

Buchpreis für Abiturientinnen und Abiturienten

Auch in diesem Jahr vergibt der VDS einen Buchpreis für die beste Abiturientenleistung im Fach Deutsch. Über 350 Schulen nahmen 2019 bundesweit an der Aktion teil und beehrten ihre besten Deutschabiturienten mit dem Buch „Edelsteine – Sternstunden deutscher Sprache“. Für 2020 stehen erneut 500 Exemplare zur Verfügung. Interessierte Schulen melden sich bitte möglichst bis Ende April unter claus.maas@vds-ev.de oder direkt bei der Geschäftsstelle des VDS (siehe Impressum).

Claus Günther Maas

Warum „Deutsch in der Schule“ für uns ein Thema ist

Klagen von Hochschuldozenten, Ausbildungsbetrieben, Behörden und Akademien über mangel-hafte sprachliche Fähigkeiten der Schulabgänger sind inzwischen alltäglich. Zeitungen sind voll mit Leserbriefen und Berichten, in denen die Verrohung und Verflachung der öffentlichen Sprache angeprangert werden. Die Ausbreitung von Anglizismen und eine unangemessene Verwendung von Umgangssprache sowie vielfach fehlerhafter Sprachgebrauch dominieren in den Medien, zugleich fehlt es an Vorbildern, die dem Sprachverfall entgegenwirken.

Eine zentrale Rolle bei Wahrung und Pflege des Sprachgebrauchs kommt dem Deutschunterricht in unseren Schulen zu. Erfahrenere Lehrerinnen und Lehrer wissen aber, dass Richtlinien und Lehrpläne den Aspekten der Sprachrichtigkeit und der Vielfalt des sprachlichen Ausdrucks immer weniger Bedeutung beimessen. Bei Lernstandserhebungen und Bewertungskriterien für schriftliche Arbeiten spielen diese kaum noch eine angemessene Rolle. Seit Jahrzehnten gibt es in den meisten Bundesländern an weiterführenden Schulen keine benoteten Diktate und keine verbindlichen Vorgaben für die Wortschatzerweiterung mehr (die im Fremdsprachenunterricht selbstverständlich sind). Die Ausarbeitung eigener Texte wird durch die aktuellen Aufgabenformate in der Sekundarstufe I immer weniger gefordert, das Nachdenken über angemessene Formulierungen unter den engen Zeitvorgaben für schriftliche Arbeiten massiv erschwert und einer differenzierten Sprachgestaltung zu wenig Beachtung geschenkt.


Was wir als Arbeitsgruppe tun können

Die Arbeitsgruppe „Deutsch in der Schule“ wurde anlässlich der Sprachtage 2018 neu belebt. Sie will die Ursachen der Fehlentwicklung untersuchen und in der Öffentlichkeit auf Abhilfe drängen. Deutschunterricht muss zunehmend auch wieder aktiver Sprachunterricht werden, mit Schwerpunkt auf dem geschriebenen und durchdachten Wort.

Dazu braucht es eine Neubesinnung in der Bildungspolitik, in der Lehrerausbildung und bei den Fortbildungsinstitutionen. Als Arbeitsgruppe wollen wir dazu beitragen, indem wir Erfahrungen und Eindrücke zusammentragen und diese den entsprechenden Akteuren nahebringen. Diese Seite kann dabei als Plattform für Diskussion und Austausch dienen, gerne können auch Vorschläge für Module zum aktiven Sprachunterricht eingereicht und – unter Beachtung der urheberrechtlichen Regelungen – bereitgestellt werden.

Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus allen Berufs- und Erfahrungsfeldern sind uns zur Mitarbeit herzlich willkommen – auch Beiträge, die einfach nur dem Erfahrungsaustausch dienen, werden sehr gerne entgegengenommen. (Kontaktaufnahme über die oben angeführte Mailadresse)


Angebote

Der VDS ist ein Interessenverein, der die Erhaltung und Pflege eines guten deutschen Sprachgebrauchs zum Ziel hat. Dieses Ziel sollte uneingeschränkt auch der Deutschunterricht an Schulen verfolgen – nicht im Sinne der Auslese, aber im Sinne einer anspruchsvollen Förderung.

Wie das auch im Rahmen der geltenden Richtlinien und Lehrpläne möglich ist, das wollen wir gerne mit Lehrerinnen und Lehrern aus der Praxis erörtern und gezielt gemeinsame Konzepte erarbeiten.

Dazu bieten wir sowohl einzelnen Kolleginnen oder Kollegen als auch Fachschaften und Fachgruppen Fortbildungsveranstaltungen und Expertengespräche an, stellen auf Wunsch Referenten und übernehmen Beratung und Moderation zu gegenseitiger Hilfestellung unter den Beteiligten.

Folgende Themen können z. B. behandelt werden:

  • Was leistet Deutschunterricht heute – und was sollten Schüler wirklich lernen?
  • Lese – und Sprachförderung als Qualitätsmerkmal an Schulen
  • „So spricht doch kein Mensch“ – zur Unterscheidung von Alltagssprache und Schriftsprache
  • „Leicht-Deutsch oder Denk-Deutsch“ – über angemessenes Sprachniveau in Schule und Beruf
  • Was können Schüler können – und was müssen sie lernen zu lernen? – Kompetenzentwicklung als Tendenz im (deutschen) Sprachunterricht
  • Deutsch – eine soziale Fremdsprache auch für Muttersprachler ?
  • Was heißt eigentlich „sprachliche Leistung“ ? – Bewertung von Darstellungsleistungen und deren Verbesserung

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