Deutsch in der Schule

NeuesThematik

Gehört Gendersprache in die Schule?

An Anreden wie „Liebe KollegInnen“ oder „An die Schüler*innen der Jahrgangsstufe 10“ hat man sich beinahe gewöhnt . Ob auf internen Mitteilungen oder Arbeitsblättern gilt das jetzt als neue Form von angeblich „inklusiver“ Höflichkeit.

Ist das eigentlich Rechtens ? Nein – ist es nicht, denn wenngleich solche Formen im internen Schrift-verkehr inzwischen (aus Vereinfachungsgründen) weitgehend geduldet werden, gibt es klare Vorga-ben für das offizielle Schreib- und Anredeverhalten, nämlich zum einen das „Verwaltungsverfahrens-gesetz“ (BVwVfG), und zum andern die „Amtliche Regelung Deutsche Rechtschreibung“, die ausdrück-lich feststellt, dass die vom „Rat für deutsche Rechtschreibung“ formulierten Vorgaben „innerhalb derjenigen Institutionen (Schule, Verwaltung)“ Gültigkeit haben, „für die der Staat Regelungskom-petenz hinsichtlich der Rechtschreibung“ besitzt.

Dem werden nun ca. 10.000 aufgeregte Gleichstellungsbeauftragte und deren Getreuen entgegenhal-ten, dass doch Gleichstellungsgesetze des Bundes und der Länder eine gegenteilige Feststellung träfen – nämlich:

dass „Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes … die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck bringen“ sollen (§ 3 BGleiG 2015). U.a. in Vordrucken seien „ge-schlechtsneutrale Personenbezeichnungen zu verwenden“ bzw. ersatzweise „die weibliche und die männliche Sprachform“. (LGG NRW 2002)

Aber: Was viele Behörden und Körperschaften ihren Beschäftigten mit so genannten „Leitfäden“ oder „Empfehlungen“ zur „geschlechtergerechten Sprache“ zumuten, hat mit diesen Vorgaben nichts zu tun und ist in keiner Weise durch das Gesetz abgedeckt. Insbesondere ist dort keine Rede von Signaturen wie „Genderstern“, Binnen I, Unterstrich oder Doppelpunkt.

Eine sprachwissenschaftliche Fach-Organisation wie die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) hat im August 2020 zum Gendersternchen eindeutig festgestellt. „Es eignet sich nicht, um genderneutrale Personenbezeichnungen zu bilden. Bei seiner Verwendung entstehen nicht nur grammatisch falsche Formen (z. B. Arzt*in oder Ärzt*in), auch den Regeln der deutschen Rechtschreibung entspricht das Sternchen nicht.“

Die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) hat auf ihrer Jahrestagung im Februar 2021 einen Antrag auf Einführung des Gendersterns in ihre Satzung mit deutlicher Mehrheit abgelehnt und der Direktor des Leibnitz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim konzidiert in einem Interview mit dem „Spiegel“ (Nr. 10 2021), dass der Genderstern „derzeit nicht zum Zeichenbestand der deutschen Orthographie“ gehört, weshalb man streng genommen seine Verwendung „in der Schule also als Fehler anstreichen“ müsse.

Fazit: „Gendersternchen, Gender_Gap und andere sprachentstellende Konstruktionen haben … weder in Wochenplänen noch in Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätternetwas verloren“ – denn: „All diese Formen“ sind „nicht konform mit den Regeln der deutschen Grammatik sowie denen der Rechtschreibung.“ (So formulierte es zu Recht ein Vater zweier schulpflichtiger Töchter, der sich schriftlich beim zuständigen Ministerium für Schule und Kultus in München beschwerte.)

Besitzen Schulabgänger heute noch die elementaren Fähigkeiten des sprach-lichen Ausdrucks ?

Der Spiegel (Nr. 11-2021) berichtet über eine Auswertung von Abiturklausuren im Fach Deutsch aus den Jahren 1984 und 1985. Diese wurden, nachdem sie in einem Gymnasium am Bodensee zufällig aufgefunden worden waren, mit aktuellen Abiturarbeiten aus dem Jahrgang 2019 verglichen. Das Ergebnis kann nicht überraschen:

Die Leistungen im Hinblick auf Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und die Qua-lität des sprachlichen Ausdrucks haben deutlich erkennbar nachgelassen: Wiesen Abiturar-beiten im Fach Deutsch vor 35 Jahren eine durchschnittliche Fehlerquote von 1,5 auf 100 Wörter auf, so waren es 2,2, auf 100 im Jahr 2019 – also eine Fehlerzunahme von rund 50%. (Dabei blieben Klausuren, die 2019 mit weniger als 6 Punkten – also noch glatt ausreichend – bewertet wurden unberücksichtigt, um ungleiche Voraussetzungen bei der Auswahl der Abi-turfächer auszugleichen, denn leistungsschwächere Schüler konnten 1984/85 das Fach Deutsch als Fach der schriftlichen Abiturprüfung abwählen.)

Die Auswertung macht nach Ansicht der Autoren deutlich, dass etwa die große Rechtschreib-reform von 1996 mit den vorgenommenen Vereinfachungen des Regelsystems den angekün-digten Effekt (mit Ausnahme der Zeichensetzungsfehler) schuldig blieb . Im Gegenteil seien bestimmte Fehlertypen wie die Verwechslung von „das“ und „dass“ (früher „daß“) sogar häufiger geworden.

Eine der Ursachen sehen die Verfasser neben den Einflüssen digitaler Kommunikationsmög-lichkeiten und dem allgemeinen Verlust an Schriftlichkeit vor allem in der Lernmethode des „Schreibens nach Gehör“ in den Grundschulen.

Aber auch die Vernachlässigung der korrekten Behandlung von grammatischen Phänomenen in der medialen Öffentlichkeit, z.B. des Konjunktivs in indirekter Rede oder des richtigen Kasusgebrauchs trügen zum Qualitätsverlust bei.

Der Spiegel zitiert die Professorin für Deutsche Sprachdidaktik Julia Knopf, die vor der im öffentlichen Raum häufig vernehmbaren Ansicht warnt, Rechtschreibung sei doch heute nicht mehr so wichtig, solange der Sinn einer Aussage oder eines Gedankengangs verständlich sei. Genau das sei aber aufgrund der sprachlichen Mängel heute schon bei vielen Abiturarbeiten in Teilen nicht mehr der Fall.

Schon im Jahrgang 2019/2020 hat der VDS durch eine Umfrage unter ausgewählten (mittel-ständischen) Ausbildungsbetrieben deren Einschätzung zu den sprachlichen Leistungen von Schulabgängerinnen und Schulabgängern zu Beginn ihrer Berufsausbildung erfragt.

Die Umfrage sollte Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit diese Leistungen sich tatsächlich, wie es immer wieder behauptet wird, deutlich verschlechtert haben, und in welchen Bereichen der Sprachkompetenz besondere Defizite sichtbar werden.

Etwa drei Viertel der befragten Unternehmen hatten den Eindruck, dass die sprachlichen Fähigkeiten ihrer Ausbildungsbewerber in den Bereichen Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz seit Jahren rückläufig sind.

Besonders schlecht stellte sich die Fähigkeit des schriftlichen Ausdrucks dar: nur etwas mehr als ein Drittel der Schulabgänger verfügten in dieser Hinsicht nach Einschätzung der Betriebe noch über wenigstens „ausreichende“ Fähigkeiten. Das galt weitgehend unabhängig davon, ob die Schülerinnen und Schüler einen familiären Migrationshintergrund hatten oder nicht.

Vom Sprachunterricht an den Schulen erwarteten die befragten Betriebe eine stärkere Aus-richtung seiner Anforderungen an den praktischen beruflichen Bedürfnissen sowie eine stär-kere Berücksichtigung des schriftlichen Bereichs bei der Notengebung.

Das genaue Ergebnis und die Daten zu der Umfrage, die im Zeitraum Sommer 2019 bis Januar 2020 durchgeführt wurde, und an der sich insgesamt 63 Unternehmen beteiligt haben, finden Sie hier (pdf-Datei).

Wenn Sie über eigene Erfahrungen mit Auszubildenden verfügen, können Sie uns diese auch weiterhin mitteilen. Das Formular der Umfrage finden Sie hier.

Deutschunterricht im digitalen Zeitalter

Der Anspruch einer fehlerfreien Rechtschreibung und korrekten grammatischen Ausdrucks, findet Julia Knopf , Professorin für Deutschdidaktik an der Universität des Saarlandes, sei gerade im Hinblick auf das digitale Zeitalter von enormer Wichtigkeit, weil es in der digitalen Welt noch mehr als in der analogen auf Genauigkeit und Präzision ankomme und weil digitale Medien nicht über die Fähigkeit der Interpretation oder über pragmatisches Textverständnis verfügten.

Die Frage, wie mit dieser Problematik umzugehen ist, stellt sich auch in unserem Arbeitsbereich: soll der Spracherwerb sich künftig in den Dienst der digitalen Kommunikation stellen – oder sollen sich die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, besonders auch der Umgang mit digitalen Medien, in den Dienst des Sprachunterrichts stellen ?

Welche der beiden Leitideen bestimmen künftig den Deutschunterricht – und wie wird sich fortschreitende Digitalisierung auf die Entwicklung aktiver individueller Sprachkompetenz auswirken? Schließlich: was leistet die Schule eigentlich noch an aktivem Sprachunterricht, um Schülerinnen und Schüler bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen ?

Im Corona-bedingten Fernunterricht lassen sich dazu wohl erste Erkenntnisse gewinnen. Mit der besseren digitalen Ausstattung wird sich die Forderung nach höheren Anteilen digitalen Arbeitens auch im Sprachunterricht allgemein stellen.

Wie Julia Knopf gehen wir von der (konservativen) Vorstellung aus, dass Deutschunterricht vor allem die Fähigkeit von Jugendlichen weiterentwickeln sollte, sich mit Informationen, mit denen sie in vielfältiger Weise konfrontiert werden, sprachlich und gedanklich kompetent und in der Kommunikation präzise auseinanderzusetzen. Das bedeutet, dass sie einerseits das gründliche und systematische verstehende Lesen erlernen müssen und dass sie andererseits einen reichhaltigen Wortschatz und ein möglichst breites Spektrum an sprachlich formalen Mustern erwerben sollten, um sowohl gedanklich differenziert zu urteilen als auch sprachlich flexibel und sensibel zu formulieren. Einfacher ausgedrückt: Schülerinnen und Schüler müssen angehalten werden, sich um ein gutes und niveauvolles Deutsch zu bemühen, und sollen ihre Persönlichkeit namentlich über eine gründliche sprachliche Bildung entfalten.

Bei aller Notwendigkeit, die Möglichkeiten der digitalen Welt kennenzulernen und sie sich zunutze zu machen, muss das sprachlich-logische Denken und die Fähigkeit, selber überzeugend zu formulieren, die Basis für die Wirklichkeitserfassung und die Wirklichkeitsbeschreibung bleiben. Entscheidend ist, dass sich der Deutschunterricht nicht in den Dienst der Digitalisierung stellt, sondern umgekehrt die Digitalisierung in den Dienst des Deutsch – wie auch jeden anderen Fachunterrichts.

Uns interessiert deshalb, wie sich Schulen, Weiterbildungsträger und Medienanbieter auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten, wie sie für sich die digitalen oder digital gestützten Unterrichtsmaterialien weiterentwickeln und inwieweit dabei ausreichend Raum für die Entwicklung elementarer individueller Sprachkompetenz geschaffen wird.

Gerne würden wir darüber mit Ihnen in einen Austausch treten. Diese Seite kann dafür eine Plattform bieten. Ihre Meinungen, Beobachtungen und Vorschläge nehmen wir gerne entgegen. Kontakt: claus.maas@vds-ev.de

Deutsch als „Bildungssprache“ in der Schule

Die Kultusministerkonferenz des Bundes und der Länder (KMK) hat im Jahr 2019 ein Grundsatzpapier zum Thema „Stärkung der Bildungssprache Deutsch“ verabschiedet. Der Sprachunterricht soll demnach durchgängig eine stärkere Akzentuierung in allen Bildungsabschnitten und Bildungsgängen erhalten und als „Querschnittsaufgabe“ für alle Fächer und Lernbereiche verstanden werden.

Die Leitforderungen und die Inhalte des Papiers finden sich unter der Netzadresse: kmk.org.

Die Arbeitsgruppe Deutsch in der Schule hat zu den Inhalten des Papiers und zu den von den Bundesländern eingereichten Angaben eine vergleichende Übersicht erstellt.

Im Ergebnis kann man feststellen, dass zwar fast alle Bundesländer eine respektable Breite an Maßnahmen zur Förderung von Sprachkompetenz bei Kindern mit erschwerten sprachlichen Lernbedingungen z.B. durch einen Migrations- oder bildungsfernen familiären Hintergrund bereithalten, dass aber Impulse zur Stärkung bildungssprachlicher Elemente im „mutter-sprachlichen“ Unterrichtsfach Deutsch nur noch wenig präsent sind. Besonders beim Vergleich der Fortbildungsangebote findet sich dazu kaum etwas. Sehr unterschiedlich stark sind entsprechende inhaltliche Vorgaben oder thematische Akzentuierungen in den jeweiligen Lehrplänen (Schwerpunkt Sekundarstufe I) vertreten. Diese waren zwar nicht ausdrücklich Teil der KMK – Erhebung, müssen aber bei einer Gesamtbetrachtung natürlich berücksichtigt werden.

Die vergleichende Übersicht enthält zu jedem Bundesland eine abschließende Bewertung. Sie können Sie durch einen Klick auf das entsprechende Bundesland über die Karte aufrufen.

Erläuterungen zum Vorgehen und zur Beurteilung sowie die Leitfragen zur Bewertung nach fachdidaktischen Aspekten finden Sie hier.

Eine Zusammenfassung des Ergebnisses finden Sie hier.

Zehn Thesen zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch in der Schule aus der Sicht des VDS finden Sie hier.

Kernlehrplan Deutsch Sekundarstufe I – 2019

Im Rahmen der Verbändebeteiligung wurde der VDS im Frühjahr 2019 aufgefordert, eine Stellungnahme zum neuen Kernlehrplan Deutsch für die Sekundarstufe I (in diesem Fall in NRW) abzugeben.

In unserer Stellungnahme stellten wir Schwachstellen des Lehrplanentwurfs heraus und machten mehrere Verbesserungsvorschläge. Eine unserer Forderungen darin lautete, dass die zentrale Aussage aus dem Kernlehrplan 2007 erhalten bleibt: Deutschunterricht ist Sprachunterricht. Diese war tatsächlich in dem neuen Entwurf nicht mehr enthalten (!). Außerdem sollten nach Ansicht des VDS literarische Texte in den Deutscharbeitsbüchern wieder einen größeren Raum erhalten, die Wortschatzerweiterung stärker akzentuiert und mehr Wert auf den Aspekt der Hoch- oder Bildungssprache gelegt werden.

Kurz vor den Sommerferien wurde nun der überarbeitete Lehrplan veröffentlicht – Fazit aus Sicht des VDS:
Ja, der Satz: „Deutschunterricht ist Sprachunterricht.“ wurde wieder aufgenommen – und ja: die Schülerinnen und Schüler sollen am Ende der Sekundarstufe I „normgerecht sprechen und schreiben können.“ Auch das steht auf Drängen des VDS jetzt wieder im Lehrplan. Die geforderte Stärkung der elementaren Fähigkeiten in Wortschatz und Grammatik fand jedoch wenig Niederschlag – insgesamt blieb es bei weitgehend unkonkreten, schwammigen und wenig verbindlichen Formulierungen zur Beschreibung der Aufgaben des Deutschunterrichts. Es hängt also nach wie vor an den Vorstellungen der Lehrerinnen und Lehrer, dieser Notwendigkeit in der Praxis Rechnung zu tragen – im Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler. Deren individuelle Bildungschancen und deren Aussicht auf persönliche und berufliche Entwicklung sollten allen, die die Sprache unterrichten, so viel wert sein, dass sie sich durch pädagogische Allgemeinplätze und didaktische Spruchblasen auch in Lehrplänen nicht vom Wesentlichen ablenken lassen.

Buchpreis für Abiturientinnen und Abiturienten

Auch in diesem Jahr 2021 vergibt der VDS wieder einen Buchpreis für die beste Abiturien-tenleistung im Fach Deutsch. Der VDS versteht die Aktion zum einen als eine Anerkennung für besondere Leistungen des jeweiligen Schülers bzw. der jeweiligen Schülerin, andererseits auch als ein Signal, dass Leistungen im Fach Deutsch ihrer Bedeutung nach nicht hinter anderen Fächern zurückstehen sollten.

Im vergangenen Jahr haben sich trotz der erschwerten Bedingungen, unter denen sowohl das Abitur als auch die Verabschiedungen der Schülerinnen und Schüler durchgeführt werden mussten, 326 Schulen an der Aktion beteiligt.

Alle Schulen mit Abiturjahrgängen können den Buchpreis 2021 bis zum 30. April bei der Geschäftsstelle des VDS in Dortmund (info@vds-ev.de) oder über den Bereichsleiter `Deutsch in der Schule` claus.maas@vds-ev.de anfordern.

Bitte geben Sie an: Namen und Anschrift der Schule und des Ansprechpartners sowie das (voraussichtliche) Datum der Abiturientenverabschiedung.

Claus Günther Maas

Warum „Deutsch in der Schule“ für uns ein Thema ist

Klagen von Hochschuldozenten, Ausbildungsbetrieben, Behörden und Akademien über mangel-hafte sprachliche Fähigkeiten der Schulabgänger sind inzwischen alltäglich. Zeitungen sind voll mit Leserbriefen und Berichten, in denen die Verrohung und Verflachung der öffentlichen Sprache angeprangert werden. Die Ausbreitung von Anglizismen und eine unangemessene Verwendung von Umgangssprache sowie vielfach fehlerhafter Sprachgebrauch dominieren in den Medien, zugleich fehlt es an Vorbildern, die dem Sprachverfall entgegenwirken.

Eine zentrale Rolle bei Wahrung und Pflege des Sprachgebrauchs kommt dem Deutschunterricht in unseren Schulen zu. Erfahrenere Lehrerinnen und Lehrer wissen aber, dass Richtlinien und Lehrpläne den Aspekten der Sprachrichtigkeit und der Vielfalt des sprachlichen Ausdrucks immer weniger Bedeutung beimessen. Bei Lernstandserhebungen und Bewertungskriterien für schriftliche Arbeiten spielen diese kaum noch eine angemessene Rolle. Seit Jahrzehnten gibt es in den meisten Bundesländern an weiterführenden Schulen keine benoteten Diktate und keine verbindlichen Vorgaben für die Wortschatzerweiterung mehr (die im Fremdsprachenunterricht selbstverständlich sind). Die Ausarbeitung eigener Texte wird durch die aktuellen Aufgabenformate in der Sekundarstufe I immer weniger gefordert, das Nachdenken über angemessene Formulierungen unter den engen Zeitvorgaben für schriftliche Arbeiten massiv erschwert und einer differenzierten Sprachgestaltung zu wenig Beachtung geschenkt.


Was wir als Arbeitsgruppe tun können

Die Arbeitsgruppe „Deutsch in der Schule“ wurde anlässlich der Sprachtage 2018 neu belebt. Sie will die Ursachen der Fehlentwicklung untersuchen und in der Öffentlichkeit auf Abhilfe drängen. Deutschunterricht muss zunehmend auch wieder aktiver Sprachunterricht werden, mit Schwerpunkt auf dem geschriebenen und durchdachten Wort.

Dazu braucht es eine Neubesinnung in der Bildungspolitik, in der Lehrerausbildung und bei den Fortbildungsinstitutionen. Als Arbeitsgruppe wollen wir dazu beitragen, indem wir Erfahrungen und Eindrücke zusammentragen und diese den entsprechenden Akteuren nahebringen. Diese Seite kann dabei als Plattform für Diskussion und Austausch dienen, gerne können auch Vorschläge für Module zum aktiven Sprachunterricht eingereicht und – unter Beachtung der urheberrechtlichen Regelungen – bereitgestellt werden.

Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus allen Berufs- und Erfahrungsfeldern sind uns zur Mitarbeit herzlich willkommen – auch Beiträge, die einfach nur dem Erfahrungsaustausch dienen, werden sehr gerne entgegengenommen. (Kontaktaufnahme über die oben angeführte Mailadresse)


Angebote

Der VDS ist ein Interessenverein, der die Erhaltung und Pflege eines guten deutschen Sprachgebrauchs zum Ziel hat. Dieses Ziel sollte uneingeschränkt auch der Deutschunterricht an Schulen verfolgen – nicht im Sinne der Auslese, aber im Sinne einer anspruchsvollen Förderung.

Wie das auch im Rahmen der geltenden Richtlinien und Lehrpläne möglich ist, das wollen wir gerne mit Lehrerinnen und Lehrern aus der Praxis erörtern und gezielt gemeinsame Konzepte erarbeiten.

Dazu bieten wir sowohl einzelnen Kolleginnen oder Kollegen als auch Fachschaften und Fachgruppen Fortbildungsveranstaltungen und Expertengespräche an, stellen auf Wunsch Referenten und übernehmen Beratung und Moderation zu gegenseitiger Hilfestellung unter den Beteiligten.

Folgende Themen können z. B. behandelt werden:

  • Was leistet Deutschunterricht heute – und was sollten Schüler wirklich lernen?
  • Lese – und Sprachförderung als Qualitätsmerkmal an Schulen
  • „So spricht doch kein Mensch“ – zur Unterscheidung von Alltagssprache und Schriftsprache
  • „Leicht-Deutsch oder Denk-Deutsch“ – über angemessenes Sprachniveau in Schule und Beruf
  • Was können Schüler können – und was müssen sie lernen zu lernen? – Kompetenzentwicklung als Tendenz im (deutschen) Sprachunterricht
  • Deutsch – eine soziale Fremdsprache auch für Muttersprachler ?
  • Was heißt eigentlich „sprachliche Leistung“ ? – Bewertung von Darstellungsleistungen und deren Verbesserung

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