Infobrief 359: 17/2017 Englisch verdrängt Isländisch

1. Presseschau vom 21. bis 27. April 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

1. Presseschau vom 21. bis 27. April 2017

Englisch verdrängt Isländisch


Foto: pixabay / CC0 1.0 / Unsplash

Linguisten sowie Islands Ex-Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir warnen davor, dass das Isländische aussterben könnte. Der Tourismus als wichtige Einnahmequelle und ausländische Arbeitskräfte seien dafür verantwortlich, dass in Island besonders viel Englisch gesprochen werde. Das Isländische könne es so nicht in die digitale Welt schaffen, befürchtet Finnbogadóttir. Nur 400.000 Menschen beherrschen die Sprache, viele digitale Geräte unterstützen das Isländische nicht, eine Spracherkennung fehlt bislang. Um dies zu ändern, ist nun eine öffentlich zugängliche Datendank geplant, mit der das Isländische in technische Neuheiten integriert werden soll. (deutschlandfunk.de, stern.de)

 

Englisch an österreichischen Universitäten

In Österreich hat das Englische als Studiensprache zugenommen. An österreichischen Universitäten werden insgesamt 145 fremdsprachige Studiengänge angeboten, die meisten davon in Englisch. An Fachhochschulen sind 15 Prozent und an Privatuniversitäten sogar 24 Prozent des gesamten Studienangebots ausschließlich auf Englisch. Damit wolle man die Berufschancen der Studenten sowie die Attraktivität der Standorte erhöhen. Die meisten fremdsprachigen Angebote sind in Master- und Promotionsstudiengängen zu finden. Elmar Pichl, Sektionschef im Wissenschaftsministerium, sieht diese Entwicklung für alle Fächer als Standard an, der Bestandteil eines global eingebetteten Hochschulsystems sei. Dieser Ansicht hat kürzlich das Verfassungsgericht in Italien widersprochen. Demnach sind bei der Einführung englischsprachiger Lehrveranstaltungen strenge Maßstäbe einzuhalten und der Vorrang der italienischen Sprache zu respektieren. (diepresse.com, adawis.de)

 

Bitte auf Deutsch

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte kürzlich die Berliner „ReDI School for Digital Integration“, eine gemeinnützige Programmierschule, die Flüchtlingen den Einstieg in Technikberufe erleichtern will. Dort sprach Merkel mit Schülern und Absolventen über die Erfahrungen, die sie bisher in Deutschland gemacht haben – auf Deutsch. Denn trotz der Versuche des Moderators, die Unterhaltung auf Englisch zu führen, blieb die Kanzlerin streng. „Wenn er hier erfolgreich werden will, geht das mit Deutsch besser“, erklärte Merkel. Die Sprache war an diesem Tag auch weiterhin Thema, denn für viele Flüchtlinge stellt sie das größte Problem im Alltag und Berufsleben dar. Besonders die im Beamtendeutsch verfassten Formulare bereiten Verständnisschwierigkeiten, für die der Syrer Ghaith Zamrik mit seiner Smartphone-Anwendung Bureaucrazy eine Lösung gefunden haben will. Sprache sei schließlich ein wichtiges Element, Flüchtlinge aus der „Blase, in der sie immer noch zu sehr leben“, herauszuholen, betont das Internetmagazin Gründerszene. (gruenderszene.de)

 

Vor 100 Jahren: Deutsch in den USA

Unter dem Titel „Schluss mit Deutsch“ erinnert die FAZ an den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg und seine Folgen für Deutschamerikaner und ihre Muttersprache. „Die deutsche Kultur in den Vereinigten Staaten, die in den hundert Jahren zuvor gewachsen und aufgeblüht war, erlebte in kürzester Zeit einen totalen Zusammenbruch, von dem sie sich nie wieder erholt hat.“ Vor dem Weltkrieg sei Deutsch die zweitwichtigste Sprache im Land gewesen, eine weltweit anerkannte Wissenschaftssprache und jeder vierte Highschool-Schüler habe Deutsch gelernt. Nach dem Kriegseintritt sei es zu Ausschreitungen gegen Deutschstämmige gekommen, Bach und Beethoven wurden aus den Konzertprogrammen verbannt, „Sauerkraut“ hieß in den USA von da an „liberty cabbage“. (faz.net)

 

2. Berichte

Neue VDS-Internetseite

Seit dieser Woche ist die neue Version der VDS-Netzseite (vds-ev.de) aktiviert. Die vielen VDS-Freunden vertraute Seite ist komplett neu gestaltet und nun auch für Mobilgeräte bestens geeignet. Besonders junge Leser werden diese Veränderung schätzen, da Smartphones heute die bevorzugten Geräte für den Internetzugang sind. Außerdem werden die regionalen Strukturen des VDS klarer dargestellt und alle Termine einheitlich aufgelistet. Gleichzeitig hat der VDS die neue Seite schönetexte.de mit Buchvorstellungen, Kurzgeschichten und Gedichten seiner Mitglieder in Betrieb genommen.

 

3. VDS-Termine

28. April, Region 86/87 (Bayerisch-Schwaben)
Mitgliederversammlung mit Wahl der Regionalleitung
Zeit: 18:00
Ort: Restaurant Berghof, Bergstraße 12, 86199 Augsburg

2. Mai, Region 59 (Hamm, Unna, Arnsberg)
Vortrag Dr. Reiner Pogarell (VDS-Vorstandsmitglied): „Vom Werden der deutschen Sprache“
Zeit: 15:00 – 17:00
Ort: Residenz Am Malerwinkel, Wasserstraße 3, 59505 Bad Sassendorf

2. Mai, Region 38 (Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg)
Arbeitskreistreffen (an jedem ersten Dienstag eines ungeraden Monats)
Zeit: 18:00
Ort: Gliesmaroder Thurm, Berliner Str. 105, 38104 Braunschweig

4. Mai, Region 37 (Göttingen, Holzminden)
Vortrag mit Orgelbegleitung: „Die elf Choräle Dr. Martin Luthers“, anschließend Mitgliederversammlung. Referent und Organist: Günther Nörthemann
Zeit: 19:00
Ort: Katholische Pfarrgemeinde St. Godehard, Godehardstraße 22, 37081 Göttingen

4. Mai, Region 34 (Kassel)
Mitgliederversammlung mit Wahl der Regionalleitung
Vortrag Prof. Dr. Walter Krämer: „Verlierer sprechen Denglisch – Die deutsche Sprache und das Geld“
Zeit: 19:00
Ort: Loge „Zur Freundschaft“, Murhardstraße 6 , 34119 Kassel

Fachtagung in Heidelberg
Das Netzwerk „Mentor – Die Leselernhelfer“ lädt zu seiner 8. Fachtagung am 6. Mai in Heidelberg. Auf dem Programm stehen Vorträge und Arbeitsgruppen zum Thema Ehrenamt und Leseförderung. Anmeldung erfolgt über die Geschäftsstelle des Bundesverbands: mentor-bundesverband.de

 

4. Literatur

Jahrestagung des deutsche PEN-Zentrums

Am Donnerstag begann in Dortmund die Jahrestagung des deutschen PEN-Zentrums. Rund 170 Schriftsteller werden vom 27. bis zum 30. April erwartet. Neben einer Stadtrundfahrt steht die Wahl eines neuen Präsidenten auf dem Programm. Der noch amtierende Präsident Josef Haslinger kandidiert nicht erneut. Der 1921 in England zur Völkerverständigung gegründete PEN (Poets, Essayists, Novelists) unterstützt verfolgte und unterdrückte Schriftsteller. Haslinger sieht besonders die Entwicklungen in der Türkei als bedenklich an. Seit Juli 2016 stehen rund 150 Journalisten und Autoren dort unter Arrest. (waz.de, dw.com)

Ergänzung 28.04.2017: Deutsches PEN-Zentrum hat neue Präsidentin – Die Schriftstellerin Regula Venske ist die neue Präsidentin der PEN in Deutschland. Für den Erhalt der Meinungsfreiheit will die neue Vorsitzende auch im eigenen Land kämpfen (spiegel.de)

 

Welttag des Buches

Am 23. April 1995 hat die UNESCO erstmals den Welttag des Buches ausgerufen, um im Zeitalter der Internetmedien für das gedruckte Wort zu werben. Neben den Todestagen von William Shakespeare und Miguel de Cervantes erinnert der Tag an eine spanische Tradition, bei der sich Partner in Katalonien Rosen und Bücher schenken.

Die Welthauptstadt des Buches ist in diesem Jahr Conakry, die Hauptstadt Guineas. In dem Land, in dem die Analphabetenquote bei 65 % liegt und ein Buch in den wenigen Buchhandlungen beinahe die Hälfte des Monatseinkommens kostet, gilt Lesen als echter Luxus. (dw.com, deutschlandfunkkultur.de)

 

Liebesromantage in Iserlohn

In Lesungen und Arbeitsgruppen kommen in Iserlohn vom 26. bis 30. April rund 70 Autoren und Autorinnen zu den Liebesromantagen zusammen. Die Autorenvereinigung DELIA hat die Veranstaltung erstmals 2003 ausgerufen, um Liebesromane vom Vorurteil des Kitsches zu befreien. Inzwischen hat das Netzwerk über 200 Mitglieder. Sein Ziel ist es, Rollen- und Beziehungsklischees aufzulösen und die romantischen Romane von dem Bild des „naiven Blondchens“, das sich retten lassen muss, zu befreien. „Liebesromane spiegeln das Frauenbild ihrer Zeit, aber sie prägen es auch. Das Heimchen am Herd hat ausgedient“, betont die Westfälische Rundschau. (wr.de, delia-liebesromantage.de)

 

5. Denglisch

She Sheds – Das Gartenhäuschen für die Frau

Was dem Mann sein Hobbykeller, ist der Frau nun ihr Gartenhäuschen. Unter dem Begriff „She Shed“ wirbt der Baumarkt Hornbach für „die modernen Damen-Hütten“. Als Äquivalent zu männlichen Rückzugsräumen stünden diese Gartenschuppen als „Ich-Zeit-Häuser, Yoga-Höhlen, Lese-Inseln, Kreativ-Hütten oder auch lichtdurchflutete Nähstuben im Freien“. Dieser Trend sei aus den USA nach Deutschland gekommen und die Bezeichnungen gleich mit: „River House“ und „She Shed Darling“ nennt Hornbach seine Gartenlauben, die mit vielen Lichterketten und rosa Dekoration geschmückt sind. (hornbach.de, tagesspiegel.de)


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche über die deutsche Sprache. Bestellbar unter: infobrief@vds-ev.de.

RECHTLICHE HINWEISE

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Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Lea Jockisch, Holger Klatte

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