Infobrief 382 (40/2017): Mahnung an die Abgeordneten

6. Oktober 2017

1. Presseschau vom 29. September bis 5. Oktober 2017

  • Mahnung an die Abgeordneten
  • Motivation schlägt Talent
  • Drei Chinesen mit dem Wörterbuch

2. Unser Deutsch

  • Handy

3. Berichte

  • Alle zweisprachig

4. VDS-Termine

5. Literatur

  • Literaturnobelpreis
  • Es war einmal: das Kinderbuch

6. Denglisch

  • „Pseudoenglish is our Spleen“

 

 

1. Presseschau vom 29. September bis 5. Oktober 2017

Mahnung an die Abgeordneten


©Wikipedia / CC BY-SA 3.0 / Times

Angesichts der Ankündigungen von Politikern, ihre Kollegen im Parlament „jagen“ oder ihnen „in die Fresse“ geben zu wollen, hat sich nun der noch amtierende Bundestagspräsident Norbert Lammert mahnend an die neu gewählten Bundestagsabgeordneten gewandt. Noch vor der ersten Sitzung des neu gewählten Bundestages warnte er davor, die Sprachkultur im Parlament zu beschädigen. „Ein Parlament ist kein Jagdrevier“, sagte er, besonders an die AfD gerichtet. Ein Bundestagsmandat erfordere „sprachliche Disziplin in der Debatte, die die Bedeutung eines Parlamentes erkennen lässt und nicht Provokationen anstelle von Kooperationen setzt“.

Lammert ist in diesem Jahr Träger des Jacob-Grimm-Preises Deutsche Sprache der Eberhard-Schöck-Stiftung und des VDS. Er erhält den Preis auch deswegen, weil die grundlegende Bedeutung der Sprache für das Gemeinwesen stets eine Leitlinie seines politischen Handelns war. Die Preisverleihung findet am 11. November 2017 in Kassel statt. (spiegel.de, vds-ev.de)

 

Motivation schlägt Talent

Die Begabung für das Erlernen von Sprachen wünschen sich viele Menschen. Häufig sprechen sie sich dieses Talent aber ab, sobald sie auf Schwierigkeiten stoßen. „Ich kann das halt nicht“, ist dann oft zu hören. Sprachlernforscher beschäftigen sich mit den Voraussetzungen, die jemand mitbringen muss, um ein erfolgreicher Lerner zu sein. „Sprachlerneignung“ nennen sie die Fähigkeiten, die wohl angeboren sind. Hierzu zählen die Fähigkeit, Laute in der Fremdsprache erkennen und mit der schriftlichen Form in Verbindung bringen zu können, die grammatische Funktion von Wörtern zu erkennen und die Fähigkeit zum Auswendiglernen. Es sind also ein gutes Hörverstehen, Sprachgefühl und Gedächtnis vonnöten.

Diese Faktoren stellten Sprachforscher in den USA bereits in den 50er-Jahren fest. Mit solchen Tests sollte damals darüber entschieden werden, ob jemand überhaupt für einen Sprachkurs geeignet ist.

Heute geht man davon aus, dass neben den genannten Eigenschaften ein weiterer Faktor für den Erfolg des Spracherwerbs wichtig ist: die Motivation. Interesse an Land und Kultur und Möglichkeiten, die Sprache im Zielsprachenland oder im Kontakt mit Muttersprachlern einzusetzen, führen zu einer hohen Lernbereitschaft, mit der ausgeglichen werden kann, wenn es an Eignung fehlt. Deshalb gilt für viele moderne Sprachkurse: Motivation schlägt Sprachlerneignung. (deutschlandfunk.de)

 

Drei Chinesen mit dem Wörterbuch

Das Goethe-Institut Peking und andere Sprachlernzentren in China verzeichnen ein steigendes Interesse der chinesischen Bevölkerung an der deutschen Sprache. Gründe dafür sind beispielsweise die Absicht junger Menschen, in Deutschland zu studieren, Begeisterung für deutsche Philosophie, deutsches Recht oder auch deutsche Musik.

Befördert werden könnte diese Entwicklung in Zukunft von Deutschunterricht an den chinesischen Mittelschulen. Dort soll neben Englisch eine zweite Fremdsprache unterrichtet werden, zum Beispiel Deutsch. (deutschlandfunknova.de, deutschlandfunk.de)

 

 

2. Unser Deutsch

Handy

Dies ist einer der erfolgreichsten Anglizismen im gegenwärtigen Deutsch. Er klingt typisch englisch (mit kurzem e wie bei Camp, Fan, Champion) und endet mit einem typisch englischen –y wie in Baby, Pony, Party. Aber bekanntlich gibt es dieses Wort im Englischen gar nicht. Dort heißt das kleine Gerät einfach mobile (abgekürzt aus mobile phone). Daraus wurde der offizielle deutsche Name Mobiltelefon abgeleitet. Er ist über das Amts- und Geschäftsdeutsch nicht hinausgekommen. Die Verbraucher haben sich längst für das griffige Handy entschieden und zig neue Zusammensetzungen kreiert vom Handyanbieter übers Seniorenhandy bis zum Handyvertrag.

Woher kommt dieser eingängige Anglizismus? Deutsche Hobbyfunker sollen das Handmikrofon ihres Funkgeräts so benannt haben, vielleicht nach den Handie Talkies, den tragbaren Funkgeräten der Firma Motorola aus den 40er Jahren. Auf diesem Umweg wurde das englische Adjektiv handy ‚handlich, griffbereit‘ zu einem deutschen Substantiv. So erklärt sich auch, warum dies Wort nur im Deutschen und in keiner anderen Sprache heimisch wurde. Man könnte es in die Kategorie ‚German English‘ aufnehmen, unseren Beitrag zum Lexikon des Englischen.

Könnte man es auch Händi schreiben? Das Deutsche Fremdwörterbuch (Band 7, 2010, S. 45) verzeichnet zwei Belege für Händy. Daneben begegnet anfangs „Handy“ mit Anführungszeichen – eine typische Markierung neuer Entlehnungen. Sehr schnell setzt sich dann die englische Schreibung und Aussprache im Deutschen durch. Das entspricht seit Beginn des 20. Jahrhunderts dem üblichen Umgang mit englischen Entlehnungen. Eine Ausnahme ist Streik für englisch strike. Beim Handy kommt eines hinzu: Die erkennbare Verwandtschaft mit deutsch Hand und englisch hand in Schreibung, Aussprache und Bedeutung gibt dem Wort einen sicheren Halt. So stützt die Sprachverwandtschaft auch den erfolgreichen Sprachkontakt.

Horst Haider Munske

Die Artikel der Rubrik „Unser Deutsch“ bieten häufig Anlass zur Diskussion. Wer mitdiskutieren möchte, ist im VDS-Rundbriefforum herzlich dazu eingeladen: http://rundbrief.vds-ev.de.

 

3. Berichte

Alle zweisprachig

Die Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace aus Straßburg stellte am 3. Oktober die zweisprachigen deutsch-französischen Klassen an zwölf Kindergärten und Grundschulen im Elsass und in Lothringen vor, die vom VDS-Partnerverein „ABCM-Zweisprachigkeit“ getragen werden. Der an den ABCM-Einrichtungen eingeführte Immersionsunterricht in deutscher Sprache wird zunehmend beliebter und die Stundenzahlen werden ausgeweitet. (dna.fr)

 

4. VDS-Termine

6. Oktober, Region 86, 87 (Bayerisch-Schwaben)
Regionalversammlung
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Restaurant Berghof, Bergstraße 12, 86199 Augsburg

9. Oktober, Region 42 (Wuppertal, Remscheid)
Mitgliedertreffen
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Gaststätte „Kaiser-Treff“, Hahnerberger Straße 260, 42329 Wuppertal-Cronenberg

10. Oktober, Region 45 (Essen)
Stammtisch
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Restaurant Kiepenkerl (Essen), Teichstraße 1, 45127 Essen

11. Oktober, Region 04 (Leipzig)
Regionalgruppentreffen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Tangermann, Ludolf-Colditz-Straße 34, 04299 Leipzig

13. Oktober, Region 83 (Rosenheim, Oberbayern)
Regionalgruppentreffen
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hotel Neuer am See, Seestraße 104, 83209 Prien am Chiemsee

 

5. Literatur

Literaturnobelpreis

Den diesjährigen Literaturnobelpreis erhält der britische Autor Kazuo Ishiguro. Das entschied die Jury der Schwedischen Akademie am Donnerstag in Stockholm. Ishiguros Romane seien „von starker emotionaler Kraft“ und legten „den Abgrund unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt“ bloß, heißt es in der Begründung der Jury. Ishiguro erlangte 1989 mit „Was vom Tage übrig blieb“ weltweite Bekanntheit. Der Literaturnobelpreis ist mit 940.000 Euro dotiert und wird seit 1901 vergeben; er würdigt auf Wunsch des Preisstifters Alfred Nobel „das Ausgezeichnetste in idealer Richtung“. Im vergangenen Jahr sorgte die Schwedische Akademie mit der Ehrung des Musikers Bob Dylan für Aufsehen, in deren Folge man um die literarische Autorität des Komitees fürchtete. (welt.de, spiegel.de, zeit.de)

 

Es war einmal: das Kinderbuch

Anspruchsvolle, aufwendige und avanciert gestaltete Kinderbücher scheinen nicht mehr rentabel zu sein. Nach fünf Jahren stellt der Carlsen-Verlag die Kinderbuchreihe „Königskinder“ ein. Obwohl die Bücher von Kritikern gelobt und mit Preisen bedacht wurden, war ihr Absatz zu gering. Für die im Vergleich aufwendigeren und daher etwas teureren Bücher fanden sich schlicht zu wenig Käufer. 80 Prozent der Bücher in diesem Sektor werden von Erwachsenen für Kinder gekauft. Quantität vor Qualität – diese Losung scheinen Eltern für ihre Kinder, Onkel und Tanten für Nichten und Neffen vorzugeben. (faz.net)

 

6. Denglisch

„Pseudoenglish is our Spleen“

Mit englischen Einsprengseln im Deutschen liegt man bekanntlich meistens falsch. Es gibt sogar englische Fremdwörter, die Engländer und US-Amerikaner gar nicht kennen – zumindest nicht in der Bedeutung wie im Deutschen: Evergreen, Mobbing, Mailbox. SPIEGEL-Online fragt zwölf Scheinanglizismen ab, mit denen man sich im (englischsprachigen) Ausland blamieren kann. (spiegel.de)

 


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