AG Gendersprache

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Unsere Haltung zur Gendersprache

Irreführung

Die Gleichstellung von Frauen und Männern kommt auf keinen Fall dadurch zustande, dass alle zu geschlechterneutralem Sprachgebrauch genötigt werden. Im Gegenteil, manipulierte Sprache wirkt wie ein tropfender Wasserhahn: Bestenfalls wird abgestumpft, wer sich das gekünstelte Gerede anhören muss; schlimmstenfalls vergreift er sich beim Werkzeug gegen die Unwahrhaftigkeit des ewig wiederholten Bekenntnisses zu einer Sache, die sich (Gott sei Dank!) längst von alleine regelt. Mittlerweile muss man an den Schulen schon eingestehen, dass es die Jungen, nicht die Mädchen sind, die es zu fördern gilt.
Das Gendern wird mit unlauteren Mitteln ergaunert: Seine Gegner werden kurzerhand als frauenfeindlich abgestempelt, und auf diesen bösen Trick fallen auch intelligente Menschen herein. Der Trick besteht darin, dass man Dinge gegeneinander ausspielt, die nur scheinbar verknüpft sind. Tatsächlich haben sie ursächlich zunächst nichts miteinander zu tun: Einerseits wird durch das Gendern die Sprache für differenzierenden, seriösen Gebrauch vollends unbrauchbar gemacht; andererseits gilt dieser Verlust als ein vertretbares Opfer, denn die Sache der Frauen würde dadurch vorangebracht.

Unvertretbarer Preis

Bei genauerem Hinsehen erübrigt sich die Abwägung, was wichtiger ist: die Sprache oder die Geschlechterfrage, denn das Opfer ist nicht gerechtfertigt, weil den Frauen damit nicht gedient, sondern sogar geschadet wird. Warum geschadet? Weil das ganze Gendern zu einer endlosen Abfolge von Lippenbekenntnissen gerät, zu der unverbindlichen, also wertlosen Zusage („Was wollen Sie denn jetzt noch? Ich tue doch meine Pflicht“), unter deren Deckmantel fröhlich weiter geblödelt wird.
Lippenbekenntnisse mögen engagierten Feministen genügen. Wir im Verein Deutsche Sprache halten gegenderte Sprache für eine unwürdige Manipulation, für die sich denkende Menschen nicht hergeben müssen. Auch ideologisch ist nicht widerlegbar: Sprache und Denken bedingen einander, jeder Eingriff in die Sprache hat Folgen für die Klarheit des Denkens. Eingriffe zum Zweck der Geschlechterneutralität erschweren den Gebrauch der Sprache, sowohl in der Produktion (beim Sprechen und Schreiben) als auch in der Rezeption (beim Zuhören und Lesen). Wer sich in einer zweitklassigen Sprache bewegt, bringt jedenfalls kein Denken für die erste Liga zustande, und das genügt nicht einmal im Fußball, und schon gar nicht in den Wissenschaften und bei der Entwicklung neuer Produkte.

Vorteil Genauigkeit

Es ist ein Vorzug der deutschen Sprache, dass sie zur Genauigkeit ermuntert (nicht mehr und nicht weniger; dummes Zeug kann man auch auf Deutsch mühelos daherreden). Dass sich Made in Germany als Kennzeichen von Wertarbeit durchgesetzt hat, ist mit den Eigenarten unserer Sprache verknüpft. Sie mag auch Nachteile in sich bergen, das wäre ein Thema für sich. Auf keinen Fall ist es vertretbar, die ohnehin strapazierte Sprache durch überflüssige Mätzchen zu belasten, denen jeder, auch ihre Befürworter, die Willkür ansieht.
Sprachwissenschaftlich ist die Verwechslung von Genus und Geschlecht nicht seriös vertretbar, siehe auch das Interview der taz mit dem Germanisten Dr. Holger Klatte (taz.de). Eine leidlich brauchbare Rechtfertigung für das Gendern liefern Psychologen, wennschon sie nur mit suggestiver Befragungstechnik nachweisbar ist. Im übrigen gilt das Bürgerrecht: Dummes Zeug reden darf jeder. Aber es darf keiner zu sprachlichen Verrenkungen gezwungen werden, egal welche anscheinend gute Absicht dahinter steckt.

Pragmatischer Einwand

Wer sich als Rentner der gegenderten Sprache verweigert, geht kaum ein Risiko ein. Seine Forderung, dass ihm alle nacheifern mögen, ist eine Zumutung für jene, die sich nicht wehren können. Denken wir beispielsweise an Studenten. Sie werden häufig mit der Forderung konfrontiert, ihre Arbeiten geschlechterneutral zu formulieren, verbunden mit der latenten Drohung, sonst gäbe es Abzüge bei der Beurteilung, oder die Arbeit würde rundweg abgelehnt.
Unsere Reaktion darauf ist zweigeteilt. Zum einen bringen wir Verständnis auf, dass die Laufbahn eines einzelnen Menschen nicht durch eine Ideologie zerstört werden darf; so einer verdient keine Häme und keine Hetze. Andererseits bieten wir an, falls jemand zum Widerstand bereit ist: Wir bezahlen die Prozesskosten bis zum Bundesgerichtshof.