Infobrief vom 6. August 2022: Sprachwissenschaftler fordern Abkehr von Gendersprache

1. Presseschau

Sprachwissenschaftler fordern Abkehr von Gendersprache

Ein Aufruf von fast 200 renommierten Linguisten und Philologen hat den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) kalt erwischt. Sie fordern von ARD und ZDF die Abkehr von der Gendersprache. Darunter zu finden sind Prof. Gisela Zifonun (Grammatik-Expertin), Prof. Martin Neef (TU Braunschweig), Dr. Olaf Krause (Deutscher Rechtschreibrat), Dr. Claudia Guderian (PEN-Zentrum Deutschland). Initiiert hatte den Aufruf der Germanist und Romanist Fabian Payr, Autor des Buches “Von Menschen und Mensch*innen” (2021).

Die Unterzeichner kritisieren die Ignoranz, womit der ÖRR am Hörer und Zuschauer vorbeisendet. ARD und ZDF seien „Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern“, und daraus erwachse die Verpflichtung, sich an geltende Sprachnormen zu halten und „mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen“, zitiert die Welt den Aufruf. Geltende Rechtschreibregeln dürften nicht missachtet werden, Gendersterne und andere Zeichen seien nicht mit dem Bildungsauftrag der Sender vereinbar, die Sprechpause vor dem „innen“ entspreche nicht geltenden Aussprachenormen. Zu beachten sei ohnehin das Prinzip der politischen Unparteilichkeit, dem der ÖRR durch den Medienstaatsvertrag verpflichtet ist. Die feministische Linguistik der späten 1970er-Jahre, auf die das Gendern zurückgeht, sei unwissenschaftlich und ideologisch, zu ihr müsse der ÖRR eine kritische Distanz wahren. Vielmehr müssten die betreffenden Medien anerkennen: Es gibt im Deutschen einen Unterschied zwischen dem grammatikalischen und dem biologischen Geschlecht. Die Sprachgemeinschaft lehne Gendersprache mehrheitlich ab, die ständige Nutzung sorge daher für einen „erheblichen sozialen Unfrieden.“

Der ÖRR, der in den Programmen der Sender unterschiedlich stark gendert (im Internet jedoch nahezu durchgängig), behauptet gern, das Gendern sei in der Sprachwissenschaft längst Konsens. Die Unterzeichner bringen die Rundfunkanstalten nun in die Defensive, denn die Argumente für korrektes Deutsch fußen auf der Arbeit von zu vielen namhaften Linguisten und Philologen, als dass man sie übergehen könnte. Während nach der Veröffentlichung des Aufrufs alle großen Medien (Welt, FAZ, Rheinische Post, Berliner Zeitung) direkt berichteten, brauchten ARD und ZDF zwei Tage, um eine Stellungnahme abzugeben. Erst am Montag kam die Reaktion: Die ARD teilte mit, das Thema werde in den Rundfunkanstalten „durchaus unterschiedlich diskutiert und gehandhabt“. Das ZDF betonte, es gebe keine Vorgaben, einige „‘Moderator*innen‘ und ‘Korrespondent*innen‘ gendern gelegentlich“, zitiert die Berliner Zeitung das ZDF. Die Ausdrucksweise gibt offenbar die Stimmung in dem Sender wieder. (welt.de (Bezahlschranke), bild.de, linguistik-vs-gendern.de (Aufruf: bis Redaktionsschluss 194 Linguisten und Philologen))


Die Sprache der Katzen

Die Hauskatze existiert seit etwa 3600 Jahren, sie begeistert die Menschen mit ihrem besonderen Charme und ihrer Anmut. Entsprechend feinsinnig verständigen sich die Katzen, sie drücken Gefühle sowohl mit Lauten als auch Gesten aus. Da kommt es immer wieder zu Verständnisproblemen. RP Online erklärt in einer Bilderstrecke die Sprache der Katzen. Tatsächlich kommunizieren Katzen untereinander nicht durch Miauen, das tun nur Kätzchen und rollige Katzen. Miau-Laute sind als ein direkter Befehl an den Menschen zu verstehen. Auch der Katzenbuckel oder die Schwanzhaltung drücken Gemütszustände aus, sei es die Aufforderung zum Spielen, Aggression oder Nervosität. Die Sprache der Katzen ist vielfältig und beruht auf Körpersprache. Ein guter Rat: Wer seine Katze anlächeln möchte, sollte langsam blinzeln. Diese Geste wird als Lächeln verstanden und vielleicht „lächelt“ der Vierbeiner auch zurück. (rp-online.de)


Sorge um Buchwissenschaften in Leipzig

Eine Neubesetzung der Professur Buchwissenschaften an der Universität Leipzig sorgt für Unmut. Als im Winter 2020/2021 die Suche nach einem Nachfolger für Siegfried Lokakis bekannt wurde, der im September emeritiert wird, schien es noch so, als könnte diese traditionsreiche Professur weiter bestehen. Die Ausschreibung jedoch hatte wenig Bewahrendes, vielmehr wurde jemand gesucht, der „zum Wandel des Mediums Buch und vergleichbarer Schrift- und Lesemedien im digitalen Zeitalter“ beitragen sollte. Die klassische Buchwissenschaft schien ausgedient zu haben. Auf Platz 1 der Wunschliste landete ein Kandidat, „der sich bislang nur um Neue Medien und Social Media gekümmert habe“, so der Deutschlandfunk. Der Geschäftsführer des Literaturhauses Leipzig, Dr. Thorsten Ahrend, sieht das mit Sorge und befürchtet eine schleichende Beseitigung des Studiengangs, denn ohne das Fundament Buchwissenschaft gebe es im Studiengang eine erhebliche Lücke, so Ahrend. Studenten würden womöglich lieber woanders studieren, sagte er dem Deutschlandfunk. (boersenblatt.net, deutschlandfunk.de)


Kein „vegetarisches Fleisch“ mehr in Frankreich

Vegetarische Fleischersatzprodukte dürfen in Frankreich ab dem 1. Oktober nicht mehr als „Steak“ oder „Wurst“ betitelt werden. Die entsprechende Verordnung sieht vor, dass „die Verwendung von Begriffen, die traditionell mit Fleisch und Fisch in Verbindung gebracht werden, zur Bezeichnung von Erzeugnissen, die nicht zum Tierreich gehören, nicht mehr möglich sein wird“, berichtet die Frankfurter Rundschau. Die Fleischindustrie fordert bereits seit einiger Zeit eine solche Verordnung. Der Europäische Gerichtshof entschied bereits 2017, dass Milchprodukte auf pflanzlicher Basis in der EU nicht mehr unter den gängigen Namen für Kuhmilchprodukte verkauft werden dürfen. Als Ausnahmen gelten jedoch längst etablierte Bezeichnungen wie Erdnussbutter oder Kokosmilch. Die Vermarktungsvorgabe in Frankreich gilt nur für in Frankreich hergestellte Produkte. Verbraucherschutzorganisationen kritisieren jedoch, dass durch das Namensverbot der Übergang zur nachhaltigeren, pflanzlichen Ernährung gefährdet werden könnte. (fr.de)


2. Gendersprache

Sprachliches durch Nichtsprachliches ersetzen

Der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg meldet sich in der Berliner Zeitung zu Wort, diesmal auch vermittelnd zum Thema Gendersprache. Er bezieht sich auf einen Beitrag der Soziologen Armin Nassehi und Irmhild Saake in der FAZ, die feststellen, dass es „dringend nötig sei, die Sichtbarkeit von Frauen in Kontexten, in denen man sowohl ihr Geschlecht als auch ihre Kompetenz sieht“, zu erhöhen. Diese Forderung ist nach Eisenberg, etwa in der Medizin, ebenso richtig wie weitgehend erfüllt. So arbeiten dort gegenwärtig etwa 500.000 Ärzte und fünf Millionen Pflegekräfte, unter ihnen rund 200.000 Ärztinnen und 1,3 Millionen männliche Pfleger. Wenn Medizinerinnen bestimmte Sprachmuster als männlich hinstellen, „lassen sie sich auf die traditionelle Rolle der Krankenschwester ein“, also den männlichen Medizinern unterlegen. Das träfe vielleicht für die Gruppe der Chefärzte zu, aber generell sicher nicht mehr, sagt Eisenberg.

Männern, die ungern gendern, werde zumeist vorgeworfen, sie „beteiligten sich am Diskurs mit Grammatik.“ Eisenberg klärt hier ein schwelendes Missverständnis: Der Begriff Grammatik sei weitgehend negativ konnotiert, denn darunter stelle man sich „Ansammlungen von Flexionstabellen, normativen Behauptungen und kleinlichen Rechthabereien vor.“ Das aber sei Schnee von vorgestern. Die Frage für den Grammatiker sei nicht, „ob es Anfang dieses Jahres oder Anfang diesen Jahres heißt, sondern unter welchen Bedingungen jede der beiden Formen verwendet wird und warum sie gerade so und nicht anders gebraucht werden.“ Wenn Grammatiker gegenderten Formen zu Leibe rückten, gehe es nicht um Grammatik, sondern um Sprache. „Ohne grammatische Begriffe kann man gar nicht präzise und konkret verständlich über Sprache reden.“ Das sei jedoch nötig, denn gegenderte Sprache solle uns nicht nur einen bestimmten Sprachgebrauch vorschreiben, sondern sie solle erreichen, „dass wir Sprachliches zugunsten von Nichtsprachlichem (…) aufgeben.“ Wenn er als Grammatiker widerspreche, verteidige er „das höchste soziale und politische Kulturgut, das wir haben“, so Eisenberg. Denn es habe „viele Jahrhunderte gedauert, bis das Deutsche eine einheitliche, im gesamten Sprachgebiet verständliche Sprache“ wurde. (berliner-zeitung.de)


Bürger:innen-Service statt Kundenzentrum

Die Hamburger Gleichstellungs-Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) überlegt, die 23 Kundenzentren der Stadt Hamburg umzubenennen. Sie sollen zum „Bürger:innen-Service“ werden, schreibt die Bild. Grund sei eine umfassende Neuordnung, so die Behörde. Die Zentren bekämen neue Aufgaben, daher solle sich „der Service-Gedanke auch im Namen wiederfinden.“ Bei den Menschen, welche die Bild dazu befragt hat, löst diese Idee meist nur Kopfschütteln aus. „Das ist völlig unnötig“, sagte der 19-jährige Ruben Rentzow, „das braucht es nicht. Die Arbeit könnte man woanders investieren.“ Und Josefine Stange, eine 46-jährige Lehrerin, ergänzt: „Das Wort Kundenzentrum umfasst doch alle.“ (bild.de)

3. Sprachspiele:

aus Des Teufels Wörterbuch

Angesichts des Mangels an Beiträgen in dieser Rubrik aufgrund des medialen Sommerlochs greifen auch wir zurück auf enorm unwichtige Dinge und blasen sie auf zu unanständiger Bedeutungsfülle. In der deutschen Übersetzung (1986) von The Devils Dictionary (Erstveröffentlichung 1911) findet sich dieser Eintrag über Englisch: „Eine Sprache, die so hochmütig und reserviert ist, daß es nur wenigen Schriftstellern gelingt, sich mit ihr auf vertrauten Fuß zu stellen.“ Dass es sich hierbei um eine Boshaftigkeit handelt, bedauern wir pflichtgemäß und wenden den Blick zurück auf unsere eigene Sprache. Ähnliches dürfte bald für sie gelten, wennschon nicht wegen irgendwelcher Fallhöhe, sondern wegen Plattheit infolge fortwährenden Missbrauches. Ein weiteres Pröbchen aus der vorliegenden antiquarischen Fassung von Des Teufels Wörterbuch ist die Erklärung des Wortes Absurdität: „Das Argument eines Widersachers. Ein Glaube, in dem unterwiesen worden zu sein man nicht das Unglück hatte.“


4. Kultur

Was gilt als „Muttersprache“?

Eine Umfrage des Landesinstituts für Statistik in Bozen hat festgestellt, dass die italienischen, deutschen und ladinischen Sprachgruppen unterschiedliche Auffassungen von dem haben, was als „Muttersprache“ bezeichnet wird. 46 Prozent der Befragten sahen die Sprache, die sie als „Eigene“ betrachten, als Muttersprache an, so das Portal suedtirolnews.it. Sie wurde mit der Identität und der Zugehörigkeit zu einer Gruppe verbunden. Für 38 Prozent war es die Sprache, die als erste erworben wurde. 14 Prozent sahen die Fachkompetenz, mit der sie eine Sprache beherrschen, als Faktor für den Begriff „Muttersprache“ an. Mehr Frauen als Männer verstehen unter „Muttersprache“ die „Sprache der Mutter“, während Männer eher die „Zugehörigkeit zu einer Gruppe“ in den Vordergrund stellen. Für die Ladiner, die knapp 4 Prozent der Bevölkerung Südtirols ausmachen, steht das ethnische Kriterium im Vordergrund. (suedtirolnews.it)


Senioren genießen französische Sprache und Lebenskunst

Die Kursana Seniorenresidenz in Hamburg bietet ihren Bewohnern etwas Besonderes. Einmal im Monat findet in der Bibliothek der Residenz ein Französisch-Nachmittag unter dem Namen „Bienvenue au Café“ statt. Betreuungskraft Marta Dittrich lädt dann zum Konversationskurs in französischer Sprache und Lebenskunst ein. Die ausgebildete Schauspielerin serviert Kaffee und Pain au Chocolat und animiert die Senioren, sich auf Französisch vorzustellen. „Bei unserem Kurs geht es überhaupt nicht um Perfektion (…). Vielmehr versuchen wir nicht so ganz ernst, ein bisschen wie die Franzosen zu sein und erfreuen uns an der Illusion, einen Nachmittag in einem Pariser Café zu verbringen“, erklärt Dittrich. Französische Lieder werden gespielt und der Sprachschatz wird selbst im hohen Alter noch verbessert. Dittrich erklärt, dass sich die Bewohner durch Gespräche über die französische Kultur nochmals von einer anderen Seite kennenlernen. (abendblatt.de)


Postkarten auf Saterfriesisch

Im Rahmen der Kampagne „Platt is cool / Seeltersk moaket klouk“ von Seeltersk.de kann man Postkarten auf Saterfriesisch bekommen. Wer Interesse an den kostenlosen Postkarten hat, meldet sich per Mail an wolf@saterland.de und gibt die gewünschte Anzahl sowie Adresse an. (seeltersk.de)


5. Berichte

Arbeitstreffen des Jungen VDS

Rund 30 Mitglieder des Jungen VDS begegneten sich am letzten Wochenende zu einem Arbeitstreffen. Eröffnet wurde das Treffen mit einem Kabarettabend mit Christian Hirdes und Ludger K (Ludger Kusenberg). Im Anschluss daran diskutierten der Wiener Autor Max Haberich und VDS-Geschäftsführer Holger Klatte über Gendersprache. Der zweite Tag begann für die Teilnehmer mit einem Besuch in der DASA-Arbeitswelt Ausstellung über die Geschichte der industriellen Arbeit im Ruhrgebiet. Bei einem vierstündigen Seminar im Hof der VDS-Geschäftsstelle ging es um künftige Angebote für jüngere Sprachinteressierte, neue Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit und die Einbindung des Jungen VDS in andere Gremien. Die Diskussionsrunde mit Max Haberich und Holger Klatte und das Lied „Buchstabensuppe mit Gendersternchen“ sind im Radio-Podcast hier nachzuhören: kontrafunk.radio.

Fotos und einen kurzen Film gibt es hier: facebook.com. facebook.com.


6. Denglisch

Anglizismen senden falsche Signale

Wer sich auf eine Stellenausschreibung als „Manager“ bewirbt, darf nicht immer erwarten, eine leitende Funktion auszuüben. Und ein „Agent“ wird nicht unbedingt mit spannenden Recherche-Aufgaben zu tun bekommen. So hat, zumindest in Stellenanzeigen, das Blähwort „Facility Manager“ den früher üblichen „Hausmeister“ vollständig verdrängt. Ein Kölner Hotel suchte einen „Cleaning Agent“ anstelle einer Reinigungskraft. „Wenn Sie junge, digital affine Talente suchen und einen Sachbearbeiter ausschreiben, wird diese Anzeige kaum jemand lesen“, sagt Karriere-Berater Philipp Kolo. Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung widerspricht: „Es sollte sich erschließen, was die Tätigkeit ist, und die sollte sich spannend anhören. Es gibt Signale, die von Jugendlichen angenommen werden, aber Anglizismen gehören nicht dazu.“ (schwaebische.de)


7. Soziale Medien

Germanistik sucht Kolleg*in

Prof. Esther Ruigendijk von der Universität Oldenburg informierte auf Twitter über eine Stelle, die aktuell in der Germanistik ausgeschrieben wird: „Unsere Germanistik sucht eine(n) neue(n) Kolleg*in! Professur für Grammatik der deutschen Sprache. Wer kommt unsere Sprachwissenschaft in Oldenburg verstärken?“ Der Spott ließ nicht auf sich warten. „Sind Sie sicher, dass dies ein guter Text ist, um für eine Grammatik-Professur zu werben („einen neuen Kolleg*in“)?“ fragte @tonio_walter, „Mir scheint, dass ein Germanistikexperte bei Ihnen wirklich dringend erforderlich ist…“ spekulierte @chessfriend_DU, und @oxensepp ist sich sicher: „Die männliche Form der Kolleg*in ist ja dann folgerichtig der Kolleg, oder?“ Unsere Frage „Darf man sich auch bewerben, wenn man die korrekte Rechtschreibung beherrscht?“ ließ Prof. Ruigendijk bis zum Redaktionsschluss des Infobriefs leider unbeantwortet. (uol.de, twitter.com)


8. Kommentar

3 Minuten in 2-facher Geschwindigkeit

Ich sag, wie’s ist: Ich hasse Sprachnachrichten. Ich hasse sie sogar noch mehr als Möhren und Haare im Waschbecken, denn für Letztere kann man nichts. Aber wer Sprachnachrichten verschickt, muss entweder Langeweile haben oder komplett desinteressiert am virtuellen Gegenüber sein. Wozu muss jemand 3 Minuten lang in sein Handy sprechen, um mir mitzuteilen, dass wir uns morgen doch nicht treffen können? „Sorry, morgen klappt nicht, muss arbeiten“ hätte als Text doch dicke gereicht! 41 Zeichen. Sie erscheinen auf dem Handy-Display, sind schnell mit den Augen zu erfassen, ich muss nicht erst das Ding entsperren, die App aufmachen und auf „Play“ drücken. Und wenn es doch etwas Längeres ist, kann man mich ja anrufen. Dann bekommt man – ganz traditionell! – auch direkt am Hörer eine Antwort. Wie ungemein praktisch! Dazu bin ich meist in Situationen, in denen ich Sprachnachrichten gar nicht abhören kann: Die Kinder sind laut, ich bin auf der Arbeit oder unterwegs, im Ärztewartezimmer, und es sind Fremde neben mir. Ich kann aber IMMER kurz aufs Handy schauen und eine Nachricht lesen. Und wieso sollten Fremde mithören, wenn meine Freundin mir erzählt, dass sie sich wieder über ihre Schwiegermutter geärgert hat? Ich selbst wäre peinlich berührt, diese oder im schlimmsten Fall amouröse Bettgeschichten in der Bahn mithören zu müssen. Akustische Belästigung par excellence. Oder mein geistiges Augenrollen, wenn neben mir jemand seine Geschichte 3 Minuten lang aufzeichnet. Inklusive „äh“, „genau“ und „wo war ich grad“. Ja, ich weiß, man kann bei WhatsApp diese Nachrichen in 2-facher Geschwindigkeit abspielen lassen. Dann hört sich der klangliche Klumpen wenigstens lustig an. Ich ziehe es am Ende lieber vor, unbelästigt zu bleiben. Wer mir eine Sprachnachricht schickt, bekommt den geschriebenen Text „Ich höre keine Sprachnachrichten ab“ zurück. Seit Jahren. Wer dann immer noch was Wichtiges hat, kann es mir schreiben oder zurückrufen – das kann ich wenigstens schnell lesen oder mich zum Telefonieren zurückziehen. Wer das nicht tut, hatte wohl nichts Wichtiges zu sagen. (Doro Wilke) (rnd.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zu verschiedenen Sprachthemen. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Asma Loukili, Dorota Wilke, Jeanette Zangs

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