VDS-Infobrief 354: 12/2017 Unpolitisch durch Unverständnis

1. Presseschau vom 17. bis 23. März 2017

2. Berichte

3. VDS-Termine

4. Literatur

5. Denglisch

 

 

1. Presseschau vom 17. bis 23. März 2017

Unpolitisch durch Unverständnis


Fotolia / Christian Schwier

Ein Umfrage des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente und des Forschungsinstituts GFS Bern ergab, dass die komplizierte Sprache der Politik Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren abschrecke und vom Wählen abhalte. Laut der Neuen Zürcher Zeitung gab die Mehrheit der Befragten an, dass „die Sprache der Politikerinnen und Politiker zu kompliziert ist, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.“

In einem Artikel für die Legal Tribune Online hat der Juraprofessor Roland Schimmel die Juristensprache auf ihre Komplexität untersucht und erklärt, „wie man einen Satz von Deutsch auf Legalesisch übersetzt und seinen Umfang verdoppelt, ohne einen Funken Inhalt hinzuzufügen“. Sein Fazit: Es werden unnötige Komposita, Adjektive und Abkürzungen verwendet, zudem weise die Juristensprache zu viele Schachtelsätze auf, die das Verständnis behindern können. (easyvote.ch, nzz.ch, lto.de)

Englisch im Kindergarten

Während Denglisch und Anglizismen im deutschsprachigen Alltag überhand nehmen, fordert Ilona Tröls-Holzweber, Bildungssprecherin der SPNÖ (Sozialdemokratische Partei Niederösterreichs), eine Reformierung des Englischunterrichts in österreichischen Kindergärten. Bislang wurde den Kindern Englisch eine Stunde pro Woche spielerisch beigebracht, nun soll die Sprache jederzeit gelehrt und in den Betreuungsalltag integriert werden. Zwar war für den Unterricht bisher ein englischer Muttersprachler vorgesehen, in der Regel übernahmen diesen allerdings nur Studenten, wie Heute.at berichtet. Nun soll die sprachliche Förderung komplett der Wissenschaft entzogen und von den Erziehern direkt übernommen werden. „Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung, die die weitere Bildungszukunft wohl am intensivsten prägt. Befindlichkeiten der Länder haben hier eindeutig hinten anzustehen“, sagt Tröls-Holzweber. (heute.at)

DaF-Lehrer erhalten Festanstellung

Lange mussten sie dafür kämpfen, nun erhalten Lehrer für Deutsch als Fremdsprache in Thüringen eine feste Anstellung in den Landesdienst. Das betrifft beinah alle der momentan 135 tätigen Lehrkräfte.

Besonders in den letzten zwei Jahren ist der Bedarf an DaF-Unterricht enorm angestiegen und häufig mangelte es an geeignetem Personal. Dabei ist für die Ausbildung zum DaF-Lehrer nicht zwingend das gleichnamige Studium erforderlich, vielmehr können auch Absolventen der Philologie nach einer entsprechenden Weiterbildung als Lehrer unterrichten.

Dagegen ist beim Goethe-Institut die Lage der Honorarkräfte noch immer nicht geklärt. Seit Anfang des Jahres prüft die Deutsche Rentenversicherung die jahrelange Praxis des Goethe-Instituts, den Großteil seiner Lehrkräfte nicht fest einzustellen. Wegen des Verdachts auf Scheinselbstständigkeit stellt das Goethe-Institut derzeit keine neuen Honorarverträge aus. (thueringer-allgemeine.de, news4teachers.de, das-parlament.de)

 

Fans enttäuscht

Helene Fischer hat mit „Atemlos“ den deutschsprachigen Schlager auch über das Musikgenre hinaus bekannt – und wieder beliebter – gemacht. Nun erzürnte die Sängerin ihre Fans mit einem englischen Lied bei der Eröffnungsfeier der Special Olympics in Österreich. „Figther“ fungiert als offizielle Hymne der internationalen Veranstaltung und sei aus diesem Grund in Englisch verfasst, schlichtet DER WESTEN. Fischers Fans hingegen befürchten jetzt, dass der Englischanteil des bald erscheinenden neuen Albums zunimmt. (derwesten.de)

2. Berichte

Junge Leute für die deutsche Sprache

Der Verein Deutsche Sprache e. V. hat ab jetzt eine Arbeitsgruppe „Junger VDS“. Die erste Tagung einer Gruppe junger VDS-Mitglieder erbrachte das Ergebnis, dass im VDS besonders die Netzwerkarbeit und die Beschäftigung mit literarischen Themen gerade auch für eine jüngere Zielgruppe interessant sind. Sprecher der neuen Arbeitsgruppe sind Tobias Dietzen (Mainz), Georg Fries (Bamberg) und Lara Schneider (Kaiserslautern). Zur neuen Arbeitsgruppe geht es hier: http://www.vds-ev.de/arbeitsgruppen/1732-junger-vds-thema

3. VDS-Termine

28. März 2017 Region 01 (Dresden, Riesa)
Christoph Kuhn, Schrifsteller: „Total okay und genau. Glossen zur Sprache“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Ortsamt Dresden-Loschwitz, Grundstraße / Ecke Körnerplatz

 

28. März 2017 Region 21 (Hamburger Süden, Lüneburg, Stade)
Mitgliederversammlung mit Wahl der Regionalleitung
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Kulturbahnhof Holm-Seppensen, 21244 Buchholz/Holm-Seppensen

 

29. März 2017 Region 03 (Cottbus)
Mitgliedertreffen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hotel „Zur Sonne“, Taubenstraße 7, 03046 Cottbus

 

29. März 2017 Region 84 (Landshut, Niederbayern)
„Leselupe“ – Literaturstammtisch in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk Landshut e.V.
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Evangelisches Gemeindehaus, Gutenbergweg 16, Landshut

 

30. März 2017 Region 27 (Bremerhaven, Cuxhaven)
Vortrag: Prof. Dr. Rasch (VDS-Rostock): „Wie sprach und spricht man in Deutschland?“
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Atlantic Hotel am Flötenkiel, Nordstraße 80, 27580 Bremerhaven

4. Literatur

Tag der Poesie

2000 rief die UNESCO den Welttag der Poesie erstmals aus, der in diesem Jahr bereits zum 17. Mal am 21. März gefeiert wurde. Der Gedenktag soll vor dem Bedeutungsverlust der Poesie im Zeitalter zunehmender Informationstechnologien warnen und an ihren Stellenwert als wichtiges Kulturgut erinnern. Weltweit finden an dem Tag unter der Schirmherrschaft des Hauses für Poesie in Berlin u. a. Lesungen, Ausstellungen und Preisverleihungen statt. Der NDR hat sich mit einer Abstimmung beteiligt, in der Zuschauer ihre Lieblingsgedichte bestimmen konnten. Die vertonten Gewinner können Sie sich hier anhören.

Mehr Poesie finden Sie auf der Internetplattform lyrikline, die Gedichte aus aller Welt in Originalton, Originaltext und in deutscher Übersetzung zusammengetragen hat.

Jeden Monat veröffentlicht auch die VDS-Seite kultürlich eine Gedichtsanalyse. (epochtimes.de, unesco.de)

Leipziger Buchmesse

Vom 23. bis zum 26. März findet wieder die Leipziger Buchmesse statt – mit „so vielfältiger und produktiver deutschsprachiger Gegenwartsliteratur“ wie seit geraumer Zeit nicht mehr, meint der Tagesspiegel.

Doch vor allem die literarische und journalistische Zensur in der Türkei und die Solidarität mit den dort Inhaftierten hat die Messe zu ihrem diesjährigen Leitthema erklärt. „Demokratie und Freiheit sind in Europa wieder unter einen Druck geraten, den man sich vor Jahren nicht mehr vorstellen konnte“, so der Buchmesse-Direktor Oliver Zille vor der Eröffnung. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels äußerte seine Kritik an der Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel und der Autorin Aslı Erdoğan und wandte sich mit der Forderung zu Handeln an die Bundesregierung. „Für uns ist Meinungsfreiheit ein Menschenrecht, das nicht verhandelbar ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins Alexander Skipis. 2493 Aussteller präsentieren in diesem Jahr Literatur aus 43 Ländern. (tagesspiegel.de, deutschlandradiokultur.de, leipziger-buchmesse.de)

5. Denglisch

Übersetzung, bitte!

Wer ein Unternehmen, ein sogenanntes „Startup“ (laut Anglizismen-Index: Jungunternehmen), gründen möchte, braucht inzwischen vorher einen Einführungskurs in Denglisch. Denn dort hagelt es geradezu englische Fachwörter, bei denen der Laie nur Bahnhof versteht und für die es längst deutsche Entsprechungen gibt. So versteht man unter einem „Elevator Pitch“ beispielsweise schlichtweg eine Verkaufspräsentation zur Werbung neuer Geschäftskunden und ein „Freemium“ ist eine kostenlose Dienstleistung, die bei zusätzlichen Angeboten einen Aufpreis erfordert.

Wie albern Denglisch sein kann, hat auch die ZVW bei ihrer Recherche über Werbesprache zusammengefasst. Da wirbt Bosch z. B. Mit einer „Toolbox App“ und dem flotten Spruch „It’s in your hand“. Und wie eine Kollektion der Modefirma Riani namens „Peacock Stripes“ aussehen mag, lässt sich auch mit viel Fantasie kaum erschließen: „New Tailoring in fließendem Japancrèpe trifft auf grafische Streifen und reiche Winterblumen. Alles ready to wear“. Achso. (gruender.de, zvw.de)

 


 

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Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Anna Beckmann, Lea Jockisch, Holger Klatte

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