Infobrief Nr. 463 (18. Ausgabe in diesem Jahr)

Drucken

1. Presseschau

Die beliebtesten Babynamen

Bild: pixabay / Victoria_BorodinovaPixabay-Lizenz

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat die jährliche Liste der zehn beliebtesten Vornamen veröffentlicht. Bei den Mädchennamen ändert sich nicht viel: Vorne liegt nach wie vor Marie, weiterhin gefolgt von Sophie und Maria. Der im Vorjahr beliebteste Maximilian ist nun durch Paul abgelöst. Neu sind Johanna sowie der aus dem Englischen stammende Henry oder Henri. Auf den Listen der ost- und norddeutschen Bundesländer fallen die vielen Namen älterer Generationen auf, die immer häufiger vorkommen, beispielsweise Mathilda, Frieda oder Greta sowie Karl, Oskar und Anton. für die Listung wertet die GfDS die Daten von über 700 Standesämtern mit insgesamt mehr als einer Million Erst- und Zweitnamen aus. (waz.de, sueddeutsche.de, gfds.de)


Gesetz schreibt ukrainische Sprache vor

Das ukrainische Parlament hat per Gesetz die ukrainische Sprache zur ausschließlichen Amts- und Alltagssprache erklärt. Bei Zuwiderhandlungen werden Geldbußen fällig. Der Gesetzesentwurf verbietet vorsorglich die Einführung weiterer Amtssprachen – schon der Versuch gilt als Aktion zur gewaltsamen Veränderung oder zum Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung. Die Ukraine kennt historisch 79 Sprachen, das Gesetz wird daher kritisiert, zumal Russisch laut einer Studie aus 2008 für 83 Prozent der Bevölkerung die Alltagssprache darstellt. Die Sprecherin des russischen Auswärtigen Amtes Maria Sacharowa bezeichnet den Gesetzesentwurf als „ein Gesetz zur erzwungenen, eigentlich totalen Ukrainisierung“. Juri Boiko, Mitbegründer der ukrainischen Oppositionsplattform „Sa schisn“ („Für das Leben“), kritisiert die Intoleranz gegenüber der sprachlichen Vielfalt: „Ich glaube, dass dieser Gesetzentwurf eine Spaltung der Gesellschaft bewirkt, unsere Beziehungen zu unseren Nachbarn verschlechtert.“ (welt.de)

Kommentar:

Vermutlich ist und bleibt es müßig zu fragen, wer mit welcher Intoleranz wann begonnen habe.


Sprache für Gelähmte

Sprechen ohne Stimme? Künftig soll das möglich sein. Hirnforscher haben ein Gerät entwickelt, das Gedanken in rechnergenerierte Sätze umwandelt. Die Gedanken werden dabei über einen Sensor im Gehirn gemessen. Voraussetzung dafür ist ein intaktes Sprachzentrum im Gehirn, keinerlei Messung von Muskelbewegungen ist erforderlich. Edward Chang von der University of California in San Francisco hofft, dass bald Patienten damit geholfen werden kann, die einen Schlaganfall erlitten oder mit anderen neurologischen Problemen zu kämpfen haben. Getestet wurde das System zunächst an Menschen ohne Sprachprobleme, mit ermutigenden Ergebnissen: Trotz einiger unverständlicher Wörter konnte der grobe Inhalt übertragen werden. (spiegel.de, goettinger-tageblatt.de)


2. Unser Deutsch

Anleinen

Ein Verb, das wir aus dem Umgang mit Hunden kennen. Aus dem Ausdruck ‘an der Leine führen’ wurde das praktikablere Präfixverb anleinen. Seit Mitte der 80er Jahre steigt der Gebrauch rapide an, offenbar seit die Anleinpflicht in einigen Städten und Bundesländern gesetzlich geregelt ist: an reißfester, nicht zu kurzer Leine, mit Bußgeldern bis 150 Euro bei Verstößen. Dazu gehört auch die Pflicht, den Hundekot aufzusammeln und zu entsorgen, den die lieben Haustiere in Grünanlagen und auf Bürgersteigen hinterlassen.

Das Wort anleinen kam mir in den Sinn, als ich im zyprischen Urlaub verschiedenste Hunde, ohne Herrn oder Herrin, durch die Gassen traben sah, sich gegenseitig beschnuppern, sich auf dem Bürgersteig langlegen, von Touristen keine Notiz nehmen. Benachbarte Ladenbesitzer versorgen und beschützen sie. Ein friedliches, verordnungsfreies Hundeleben.

Die Beobachtung ruft nach Besinnung auf das humane Leben. Sind wir nicht ständig angeleint von reißfesten Verordnungen und Gesetzen? Wir schützen uns voreinander durch selbstauferlegte Anleinpflichten. Ach, gäbe es doch einmal einen Tag, nur einen Tag, an dem all diese Umstrickungen gelöst werden von einem erfrischenden ‘Leinen los!’

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


3. Berichte

Lebenszeit im Deutschlandfunk

Barbara Sabarth, eine selbständige Übersetzerin für Polnisch, schickte uns die Kopie ihrer E-Mail, die in der Sendung am 26. April nicht verlesen wurde. Wir dürfen zitieren:

Diese vermeintlich gerechte Sprache ist gar nicht notwendig, um die Gesellschaft zum Thema Gendergerechtigkeit zu sensibilisieren. … Frauen brauchen TATSÄCHLICHE Veränderungen: equal pay, Hort- und Kindergartenplätze, besseren Mutterschutz, Vereinbarkeit von Berufs- und Familenaufgaben, usw. … Ich bin eine FRAU und fühle mich auch als „Kunde“, „Wähler“ oder „Patient“ angesprochen und respektiert. Gendersprache – NOT IN MY NAME!

4. Kultur

Einsprachig oder vielsprachig?

Sprachliche Vielfalt kann Fluch und Segen zugleich sein. In der biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel gilt sie als etwas Übles: Die plötzliche Sprachverwirrung erschwert die Verständigung. Doch ist weltweite Einsprachigkeit nützlicher? Auf den SWR-Festspielen in Schwetzingen wurde sich des Themas angenommen. Der Fall Babel heißt das Stück, das in Form eines Musiktheaters präsentiert wurde. Aus dem babylonischen Mythos wird eine negative Utopie. Die Bewohner einer einsprachigen Welt schauen zurück auf die Zeit der Vielsprachigkeit und stellen fest, dass das Chaos beseitigt ist, aber dafür leben sie in einer kulturell verarmten Zeit.(allgemeine-zeitung.de)


5. Denglisch

Küss und Fahr

In den 60er Jahren sah man in den Vereinigten Staaten erstmals Schilder mit der Aufschrift K+R. Im Gegenzug zum gebräuchlichen Park ‘n Ride ist hier Kiss ‘n Ride gemeint. Ursprünglich bezeichnend für das Phänomen, dass Frauen ihre Männer zur Arbeit ablieferten, ist das Schild heute an Orten zu finden, wo man kurz anhalten darf, um jemanden aussteigen zu lassen und dann direkt weiterzufahren. Im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach findet man etwa 35 K+R-Schilder an Schulen und Kindergärten. Sie werden nun gegen solche mit der Aufschrift Küss und Fahr ausgetauscht. Weitere Vorschläge lauteten Küss und Tschüss sowie Elternhaltestelle, die aber nicht so gut ankamen. Reinhard Jung, der das Austauschen der Schilder anleitete, kritisiert den unnötigen Gebrauch von Anglizismen und hofft, weiterhin viele Leute für sein Anliegen zu sensibilisieren. (allgemeine-zeitung.de)


6. Schnipsel

Weltmeisterdeutsch

Bereits vor Jahren, als er noch kein Weltmeister war, zitierte der VDS Sebastian Vettel auf einem seiner Plakate. Sein Sprachbewusstsein belegt er erneut, als der Interviewer im — gedruckten– Spiegel dieser Woche sagt: „Lassen Sie uns über Respekt reden.“

Darauf Vettel: „Soll ich schnell im Duden nachschauen, was die eigentliche Bedeutung ist? Oder einigen wir uns darauf, dass die Achtung und Wertschätzung einer Person gemeint ist?“


Zweitschnipsel: über E-Mobilität

In Sascha Lobos Beitrag im Spiegel dieser Woche Wie E-Scooter in Deutschland eingeführt werden siehe insbesondere den Abschnitt über den 28. Juni 2019; dieser ergibt aber nur Sinn, wenn man den Artikel von Anfang an liest. (spiegel.de)


7. VDS-Termine

8. Mai, Region 17 (Neubrandenburg, Greifswald)
Mitgliederversammlung
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Hotel Restaurant „Sankt Georg“, St. Georg 6, 17033 Neubrandenburg

9. Mai, Region 65 (Wiesbaden)
Mitgliedertreffen, Vorstandswahl und Vortrag von und mit Herrn Prof. Walter Krämer
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Ristorante Pizzeria Da Calogero (im Bürgerhaus), Rathausplatz 3, 65779 Kelkheim (Taunus)

11. Mai, Region 99 (Weimar, Thüringen)
Mitgliedertreffen mit Wahl der Regionalleitung
Zeit: 15:30 Uhr
Ort: Zum Hamster, Hauptstr. 24, 99100 Großfahner

13. Mai, Region 42 (Wuppertal, Remscheid, Solingen)
Mitgliedertreffen
Zeit: 17:15 Uhr
Ort: Gaststätte „Kaiser-Treff“, Hahnerberger Straße 260, 42329 Wuppertal-Cronenberg

13. Mai, Region 20, 22 (Hamburg)
Mitgliederversammlung
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hotel Ibis Alsterring, Pappelallee 61, 22089 Hamburg

17. Mai, Region 24, 25, 26 (Schleswig-Holstein)
Mitgliederversammlung und Vortrag „Wertschätzend miteinander sprechen: Gewaltfreie Kommunikation“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Sportrestaurant Altenholz, Klausdorfer Str. 78b, 24161 Altenholz

20. Mai, Region 56 (Koblenz)
Mitgliederversammlung und Vortrag von Dr. Werner Langen MdEPDie deutsche Sprache in den Gremien der Europäischen Union
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Kurt-Esser-Haus, Markenbildchenweg 38, 56068 Koblenz

22. Mai, Region 03 (Cottbus)
Mitgliederversammlung
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hotel „Zur Sonne“, Taubenstraße 7, 03046 Cottbus

25. Mai, Region 47 (Duisburg, Moers, Krefeld)
Mitgliedertreffen und Regionalwahl
Zeit: 15:00 Uhr
Ort: Seniorenclub „Em Cavenn“, Albert-Steeger-Str. 27, 47809 Krefeld

28. Mai, Region 01 (Dresden, Riesa)
Sinnvolle und hilfreiche deutsche Werbung oder sinnlose „denglische“ Werbung in Dresdens Handel und Gewerbe am Beispiel.
Jeder bringt ein Beispiel mit (Foto oder Text mit Ortsangabe)
Es könnte eine Aktion in der Altmarktgalerie folgen: „Wie wirkt die Werbung auf die Kunden?“
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Ortsamt Dresden-Loschwitz, Grundstraße 3, 01326 Dresden

IMPRESSUM

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Gelegentlich sind Männer mitgemeint, die übrigen Geschlechter auch. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln manchmal die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Alina Letzel

© Verein Deutsche Sprache e. V.