VDS-Infobrief 431 (37/2018): Erfolgreicher Tag der deutschen Sprache

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1. Presseschau vom 7. bis 13. September 2018

  • Erfolgreicher Tag der deutschen Sprache
  • Mitsingen erwünscht!
  • Unterstützung für Gehörlose

2. Unser Deutsch

  • Asyltourismus

3. Berichte

  • „Pass ma uff, Keule! Mach ma keene Fisimatenten hier!“
  • Verleihung der „Eule“

4. VDS-Termine

5. Literatur

  • Helfer gesucht
  • Reise in die Vergangenheit

 

1. Presseschau vom 7. bis 13. September 2018

Erfolgreicher Tag der deutschen Sprache

© Pixabay, StockSnap, CC0-1.0-Lizenz

Auch in diesem Jahr nahmen zahlreiche Tageszeitungen und Nachrichtenportale den Tag der Deutschen Sprache am 8. September zum Anlass, um über Sprache und ihre Entwicklungen zu berichten. So beklagt beispielsweise der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein auf n-tv.de den Einfluss des Englischen auf die Wirtschaft, und die Nordwest Zeitung stellt dazu fest: „Deshalb ist der Tag der deutschen Sprache an diesem Samstag so wichtig – er macht auf etwas aufmerksam, was wir täglich nutzen, unbedingt brauchen, aber längst nicht genügend schützen: die deutsche Sprache.“ Die Augsburger Allgemeine nutzte den Tag der deutschen Sprache, um auf Wörter zu verweisen, die es nur im Deutschen gibt, beispielsweise Fernweh und Kummerspeck. Und rund um den sogenannten Eurovision Song Contest entbrannte gleich eine ganze Debatte aufgrund einer Forderung der CDU-Politikerin Elisabeth Motschmann, nur noch deutschsprachige Texte von den deutschen Vertretern beim Gesangswettbewerb präsentieren zu lassen. „Wir sollten unsere schöne Sprache selbstbewusster gebrauchen und ihre Bedeutung als Schlüssel für ein gutes Gemeinschaftsleben in unserer Gesellschaft hervorheben“, so Motschmann.
Der Tag der deutschen Sprache wurde 2001 vom Verein Deutsche Sprache gegründet, um ein Bewusstsein für die deutsche Sprache zu schaffen und für Einflüsse aus dem Englischen zu sensibilisieren. Er findet jährlich weltweit am zweiten September statt. (nwzonline.den-tv.deaugsburger-allgemeine.deeurovision.denrz.dezvw.deeurovision.de)

 

Mitsingen erwünscht!

120.000 singende Kinder, 150.000 begeisterte Eltern, Großeltern und Freunde, Lichteffekte, eine mitreißende Stimmung und Lieder, die unter die Haut gehen – das ist die Bilanz der diesjährigen Tournee von Klasse! Wir singen. 2007 vom Braunschweiger Domkantor Gerd-Peter Münden gegründet, entwickelte sich das Sing- und Integrationsprojekt schnell zu einem Selbstläufer. Sein Ziel: Die Tradition des gemeinsamen Singens wieder aufleben zu lassen, Spaß an Liedgut aus aller Welt zu vermitteln sowie Spracherwerb und Integration zu fördern. „Die Stimme“, davon ist Münden überzeugt, „ist das Instrument, das allen Kindern, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, kulturelle Teilhabe ermöglicht.“ Auch 2019 geht Deutschlands größtes Singprojekt, das erst letztes Jahr mit dem Initiativpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet wurde, wieder auf Tour. Von Februar bis Juni bespielt Klasse! Wir singen die großen Hallen in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und erstmals auch Rheinland-Pfalz. Anmelden können sich Chöre und Schulklassen der Stufen 1 bis 7 noch bis zum 1. November 2018. Weitere Informationen zum Liederkanon, Terminen und Standorten sowie zur Anmeldung erhalten Sie hier. (klasse-wir-singen.dewr.devolksfreund.de)

 

Unterstützung für Gehörlose

In armen Ländern und besonders in Krisengebieten bleiben vielen gehörlosen Kindern Behandlungen und die Versorgung durch Hörgeräte verwehrt. Mit fatalen Folgen, denn bei einer Hörbehinderung ist ein Spracherwerb kaum oder nur bedingt möglich, Schulbesuch und gesellschaftlicher Anschluss bleiben auf der Strecke. Nazan Yakar, Hörakustik-Meisterin aus Mannheim, bereist deshalb mit dem Verein Humanitäre Hilfe für Menschen im Osten Regionen, in denen schon eine unbehandelte Mittelohrentzündung zum Hörverlust führen kann oder Bombendetonationen das Gehör dauerhaft geschädigt haben.
Mit ganz anderen Mitteln erhalten auch Hörbeeinträchtigte in Österreich medizinische Hilfe, nämlich in einer eigenen Ambulanz für gehörlose Menschen in Wien. Ärzte und Mitarbeiter können dort mit ihren Patienten in der Gebärdensprache kommunizieren und so beispielsweise Befunde und operative Vorgehensweisen verdeutlichen, die an einer normalen Klinik oft nur durch Dolmetscher für die Betroffenen verständlich seien, berichtet die Wiener Zeitung. Gehörlose Menschen seien nicht behindert, erklärt Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes, allein die gesellschaftliche Ausgrenzung behindere sie in ihrer Teilhabe. (wienerzeitung.atwormser-zeitung.de)

 

2. Unser Deutsch

Asyltourismus

Der Ausdruck schlägt Wellen zwischen den Parteien. Die CSU hat ihn erfunden, rückt aber nun selbstkritisch von ihm ab. Wir fragen: Worin liegt die Wirkung, worin die Provokation des neuen Wortes?
Menschen, die aus Krieg und Terror fliehen, haben Recht auf Asyl in unserem Land. Asyl ist verbürgtes Menschenrecht. Gerne geben wir zurück, was Hunderttausenden Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland in aller Welt gewährt wurde. Allerdings ist zu prüfen, wer es verdient, wer es missbraucht. Der wachsende Zustrom von Wirtschaftsflüchtlingen macht dies dringend. Daran laboriert die Politik mit behördlichem Aufwand, mit Nachsicht hier, mit Härte dort. Ein Tabubereich zwischen hehrem Ziel und verzweifelter Abwehr.
Asyltourismus gibt dem Missbrauch einen Namen, einen polemischen, der die Asylsucher mit Touristen gleichsetzt. Touristen sind Menschen im Urlaub, mit Handy und gefüllter Brieftasche ungehindert unterwegs, die Freiheit und Sicherheit genießend. Sie können auch jederzeit heimkehren in ihr gewohntes Leben. Welcher Kontrast zu all jenen, die zurecht um Asyl bitten! Der verbale Vergleich ist eine grobe Beleidigung. Diese sind natürlich nicht gemeint, sagen die Verteidiger. Aber das Wort ist da, welches jedem Asylbewerber unterstellt, die Behörden zu betrügen, gar Schlimmstes zu planen, zumindest die Regeln für Einwanderer zu missachten.
Wer Asyltourismus in die Debatte wirft, verlässt bewusst die Tabuzone des Herunterspielens und Lavierens in der Migrantenfrage. Man möchte endlich den verbreiteten Missbrauch zu packen kriegen, wenigstens verbal, aber bald auch real mit Kasernierung, schneller Bearbeitung und Abschiebung. Damit offenbart sich die hässliche Seite unseres reichen Landes. Jugendliche werden aus der Schule geholt und in den Abschiebeflieger verfrachtet. Wer Arbeit gefunden hat und Deutsch gelernt, obwohl nur geduldet, ist leicht zu fassen und soll trotzdem gehen. Diese Härte versteht niemand. Die Rede vom Asyltourismus wird zur bitteren Drohung. Das ‚Wir schaffen das‘ wandelt sich zum ‚Wir werfen euch raus‘.
Gibt es hier noch einen anständigen Ausweg? Ja, einen Ausweg, den viele Einwandererländer notgedrungen wählen: All jene, die man jahrelang in unserem Land geduldet hat, die sich eingelebt und integriert haben, deren Kinder Schule und Kindergarten besuchen, sie dürfen bleiben, auch wenn sie nur unsägliche Not zur Flucht aus ihrer Heimat getrieben hat. Sie sind keine Asyltouristen. Wer das anerkennt und praktiziert, nimmt diesem Unwort seinen inhumanen, seinen verfälschenden und drohenden Charakter.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de

 

3. Berichte

„Pass ma uff, Keule! Mach ma keene Fisimatenten hier!“

Ob jeliebt, jehasst oda vajöttad, das Berlinerische ist janz wat Besondered. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) sucht anlässlich des Tages der deutschen Sprache am 8. September das schönste Wort aus der Berliner Mundart. Die Schirmherrschaft über diese Aktion hat Schauspieler Dieter Hallervorden übernommen. Er ist VDS-Mitglied und hat unter anderem schon Asterix-Comics ins Berlinerische übersetzt. VDS-Hauptstadtvertreter Björn Akstinat: „Bis zum 30. September kann jeder, egal ob Ur-Berliner, Zugezogener oder ob er J.W.D. in der deutschen Provinz wohnt, sein Berliner Lieblingswort einsenden“. Schicken Sie Ihren Vorschlag mit Angabe Ihres Namens und Ihrer Adresse einfach an info@vds-ev.de. Zum schönsten Wort der Berliner Schnauze wird das meistgenannte gekürt. Das Ergebnis wird bundesweit veröffentlicht – beispielsweise in den Sprachnachrichten.
Unter allen Teilnehmern werden Sachpreise verlost. (berliner-woche.de)

 

Verleihung der „Eule“

Alle zwei Jahre verleiht die Regionalgruppe Bergisch Land des VDS den Sprachpreis Die Eule. Preisträger war in diesem Jahr Roderich Trapp, der seit 28 Jahren die Glosse in der Samstagsausgabe der Wuppertaler Rundschau schreibt und sich mit Klarheit, Sprachwitz und Ironie über das Weltgeschehen auslässt. Ob es um Politik, die Deutsche Bahn, die Post oder andere Telekommunikationsunternehmen geht – dem „Wortakrobaten“ Trapp fällt jede Woche ein neues Thema ein, welches er mit ausgereifter Formulierungskunst satirisch behandelt. Bei der Preisverleihung hielt Stadtmarketing-Chef Martin Bang die Laudatio und griff zurück auf einen neun Jahre alten Zeitungsausschnitt, in dem Trapp es auf das derzeitige Postkarten-Sortiment mit Motiven aus Wuppertal abgesehen hatte. Erstmalig wurde der Bergische Sprachpreis 2012 verliehen und ging damals an die Striekspöen, die nun wiederum das musikalische Rahmenprogramm der diesjährigen Preisverleihung boten. (wuppertaler-rundschau.dewuppertaler-rundschau.de)

 

4. VDS-Termine

15. September, Region 56 (Koblenz)
Preisverleihung des XI. Wettbewerbs Werbewerke für einfallsreiches Deutsch in der Werbung
Informationen: openpr.de
Zeit: 15:00 Uhr
Ort: Sparkasse Koblenz, Bahnhofstraße 11, 56068 Koblenz

15. September, Region 48 (Münsterland)
„Hoffnungsfunken“ – Eine literarische Reise durch die Zeit
Werke verschiedener Epochen/verschiedene Perspektiven auf das Thema „Hoffnung“ heiter/ernst/lyrisch/philosophisch
Zeit: 17:00 Uhr
Ort: Bürgerscheune Saerbeck, Ferriéres-Str.12, 48369 Saebeck

16. September, Region 50, 51 (Köln)
Verleihung des Lehrer-Welsch-Sprachpreises an Wicky Junggeburth
Zeit: 11:00 Uhr
Ort: Brauhaus Sion, Unter Taschenmacher 5-7, 50667 Köln

19. September, Region 97 (Würzburg)
Regionaltreffen
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Am Stift Haug, Textorstraße 24, 97070 Würzburg

Vorankündigung: 13. Oktober, Region 34 (Kassel)
Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache an Die Fantastischen Vier, die Kampagne Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind des Netzwerks Frühe Hilfen des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Frankfurt am Main und das Bundessprachenamt.
Mitglieder und Freunde des Vereins Deutsche Sprache sind herzlich eingeladen. Einladungen zur Preisverleihung erhalten Sie unter kulturpeis@vds-ev.de oder telefonisch unter 0231/7948520
Zeit: 16:00 Uhr
Ort: Kongress Palais, Holger-Börner-Platz 1, 34119 Kassel

 

5. Literatur

Helfer gesucht

Der Anglizismen-Index ist eine Orientierungshilfe für alle, die deutsche Texte mit englischen oder pseudoenglischen Ausdrücken nicht verstehen oder sie ablehnen, und auch für jene, die Anglizismen in eigenen Texten möglichst vermeiden wollen. Seit der Veröffentlichung der letzten Ausgabe im Jahr 2017 sind zahlreiche Anglizismen im sprachlichen Alltag hinzugekommen, die nur wenige nachvollziehen können und für die neue Entsprechungen nötig werden. Um das Nachschlagewerk stetig aktualisieren zu können, sucht der VDS Mitglieder, die sich aktiv an der Herausgabe des Anglizismen-Index beteiligen und die Betreuung der Publikation übernehmen wollen. Wenn Sie Interesse an diesen Herausforderungen haben, dann melden Sie sich unter alina.letzel@vds-ev.de.

 

Reise in die Vergangenheit

In Oberhausen wird aktuell in Regalen gestöbert und auf Dachböden gewühlt. Unter dem Namen „Wer bietet mehr?“ hat die Westdeutsche Allgemeine zur Suche nach dem ältesten Buch der Stadt aufgerufen und bestaunt nun alte Fundstücke, die die Bewohner einsenden oder in der Redaktion persönlich vorstellen können. Von alten Bibeln über Koch- oder Geschichtsbücher bis hin zu Romanen und Fotoalben ist alles mit dabei. Manche der Bücher stammen vom Trödelmarkt, andere hingegen wurden durch die Generationen weitergegeben und erzählen ihre eigenen Geschichten. Einer der Besucher der Redaktion, Horst Wieshoff, besitzt antike Reiseführer und Landkarten. Er berichtet, dass seine Recherchen ihn sogar schon nach Polen und Russland geführt haben, um den Spuren seines verstorbenen Vaters nachzugehen. Für manch anderen wiederum haben die Bücher einen eher praktischen Nutzen: Bernd Losemann bekam um 1960 von seinem Großvater das Buch „Die Geschichte des Maschinenbauers“ geschenkt und nutzte das Stück später in seiner eigenen Ausbildung. (waz.de)

 


 

Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten und Nachrichten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache.

RECHTLICHE HINWEISE
Verein Deutsche Sprache e. V. Dortmund
Redaktion: Lea Jockisch, Alina Letzel

© Verein Deutsche Sprache e. V.