Infobrief vom 10. September 2021: Rechtschreibkatastrophe im Lehramt

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

1. Presseschau

Rechtschreibkatastrophe im Lehramt

Um die Rechtschreibkenntnisse der Studenten an deutschen Universitäten steht es nicht gut. Seit Jahren hört man von Hilferufen der Professoren, die Schulabsolventen seien nicht studierfähig. In der FAZ kommt jetzt der Stuttgarter Germanist Fabian Bross zu Wort: „Die Situation ist dramatisch, wir sind mitten in einer Rechtschreibkatastrophe.“ Er legte 80 Deutsch-Lehramtsstudenten einen Text vor, den sie zu korrigieren hatten. Die meisten Defizite gab es bei der Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Groß- und Kleinschreibung. Zu viele scheiterten an der Unterscheidung zwischen dass und das. „Besonders auffällig ist, dass sogar die allermeisten Prüfungsarbeiten bis hin zu Bachelor- und Masterarbeiten substanzielle Orthografiefehler enthalten, obwohl sie zu Notenabzügen führen können und es eigentlich Zeit genug für die Korrektur geben sollte“, sagt Christina Noack, Professorin für Didaktik der deutschen Sprache. Bross fordert Eingangstests für Lehramtsstudenten und unterstützende Orthografie-Kurse im Studium. Für diese gibt es an Universitäten kaum Mittel, denn man unterstellt, dass die Rechtschreibung bis zum Abitur sitzt. Ein Teufelskreis, denn die Gefahr besteht, dass die späteren Lehrer Lerninhalte, bei denen sie selbst Schwächen haben, einfach aussparen. (faz.net)


Erneut schwer lesbare Wahlprogramme

Wahlprogramme sind keine leichte Lektüre. Diesen allgemeinen Eindruck bestätigt auch der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. In einer Studie hat er insgesamt 83 Wahlprogramme der 20 Bundestagswahlen seit 1949 untersucht. Sein Fazit: Nur 1994 seien die Wahlprogramme noch schwerer zu verstehen gewesen als heute. Fachjargon, Fremdwörter, lange und verschachtelte Sätze sowie „taktische Unverständlichkeit“ verhindern leichtes Verstehen der Texte. Ein Dauerbrenner sind Anglizismen. Von der SPD wird etwa eine Life-Chain gefordert, die FDP will einen Carbon-Leakage-Schutz. Unverständliche Begriffe sind bei der Union zu finden, die sich für einen Agri-FoodTech-Wagniskapitalfonds ausspricht, oder auch in der Forderung der AfD nach einer supranationalen Remigrationsagenda. Die Wahlprogramme seien noch nie so umfangreich gewesen wie in diesem Jahr, sagt Brettschneider. Das am schwersten verständliche und längste Programm stamme von den Grünen, das am leichtesten verständliche von der Linkspartei. Ein Wort zur taktischen Unverständlichkeit: „Populäre Maßnahmen werden in kurze Sätze mit einer klaren Subjekt-Prädikat-Objekt-Struktur verfasst, unpopuläre Dinge finden sich dann in langen und unverständlichen Sätzen“, sagt Brettschneider. (faz.net, hinter Bezahlschranke)


Sprachenlernen total überflüssig

IT-Forscher und Softwareentwickler wollen das eigenständige Sprachenlernen durch Sprachübersetzungen auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) unter Einsatz von Computerchips ersetzen. Dahinter steckt die Mission, alle Menschen zusammenzubringen indem Sprachbarrieren überwunden werden. Apple-Chef Tim Cook betonte bereits, dass Programmiersprachen zur neuen Lingua Franca werden sollten. Tesla-Gründer Elon Musk forscht an einem Gehirnchip, der es ermöglicht Sprachen wie ein Programm direkt in das menschliche Gehirn herunterzuladen. Der Spracherweb würde somit überflüssig. Der Wunsch nach einer universellen Sprache existiert seit es Sprachforschung gibt. Bisher erfolglos verläuft die Suche nach der einen Ursprache, die alle Menschen verstehen könnten. Der technische Fortschritt verändert das Verhältnis zur Sprache, die Betonung liegt weniger auf der Kultur als auf der Nützlichkeit. Sprache sei ein Werkzeug, das man beliebig formen und einsetzen kann. Kritiker dieser Sprachforschung verweisen auf die Fülle der Sprachen und Dialekte, alle müssten zuerst transkribiert werden. Auch die Datenlage zu diversen einheimischen Sprachen sei einfach zu gering, um herunterladbare KI-Sprachprogramme zu erstellen. Derweil bezeichnet Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Sprachen als „veraltete Software“. Das kann man so sehen, wenn man sich permanent in der Umgebung der sozialen Medien aufhält. Für fremde Kulturen bleibt da nur ein ignorantes Desinteresse. (nzz.ch)


Fluchende Ente

Eine australische Moschusente namens Ripper sorgt für Staunen, nachdem die Zeitschrift New Scientist ein Youtube-Video veröffentlicht hat, in dem die Ente menschliche Sprache nachahmt. Die Ente flucht: „you bloody fool“ (du verdammter Idiot). Dies amüsiert nicht nur Youtube-Zuschauer, es ist auch wissenschaftlich interessant. Menschliche Lautäußerungen zu lernen und nachzuahmen ist nur bestimmten Tiergruppen möglich. Ripper beweist, dass die Moschusente, die nur in Australien vorkommt, zu dieser Kategorie gehört. Normalerweise lernen Wasservögel Pfeiftöne, Ripper ist jedoch in einer Auffangstation geschlüpft und wurde von Hand aufgezogen. Die Ente lernte also die Laute aus der vertrauten Umgebung. Weitere Fälle der Sprachimitation durch Moschusenten sind seitdem bekannt geworden. Das Sprachtalent der Enten blieb zunächst lange Zeit unentdeckt, da ihr Verhalten in der Natur sonst eher aggressiv ist – in Anbetracht dessen also wenig verwundernd, dass „you bloody fool“ zu ihrem Sprachrepertoire zählt. (spiegel.de)


Jiddische Wörter in der deutschen Sprache

Ronen Steinke analysiert in seinem Buch Antisemitismus in der Sprache Lehnwörter aus dem Jiddischen, die es in den deutschen Sprachgebrauch geschafft haben. Begriffe wie meschugge, Tacheles und malochen sind weitbekannt, aber wenige wissen, dass diese Begriffe den Ursprung in der jiddischen Sprache haben. Steinke betont, dass anders als bei Anglizismen, jiddische Lehnworte nicht direkt auffallen, da der Klang dem Hochdeutschen sehr ähnlich sei. Der Zentralrat der Juden erinnert daran, dass Jiddisch als Sprache der Juden in Osteuropa galt. Heutzutage werde die Sprache vor allem durch Überlebende der Schoa sowie durch orthodoxe Juden und Auswanderer gepflegt. Verbreitet wurde die Sprache vor allem durch Flucht und Verfolgung.

Laut der Onlineausgabe des Duden gibt es rund 120 jiddische Wörter in der deutschen Sprache, allerdings warnt Steinke vor der verdrehten Bedeutung mancher Begriffe. So bezeichne Mischpoke im Jiddischen lediglich die Familie, im deutschen Sprachgebrauch werde es eher verwendet, um dubiose Gruppen zu bezeichnen. Laut Steinke liegt der Ursprung dieser Veränderung in dem negativen Bild, das Deutschsprachige einst von Ostjuden hatten. Antisemitismus färbt auf den Sprachgebrauch ab. Das Wort Mauschel hat eine ähnliche Geschichte. Ursprünglich ist es die jiddische Form für den Vornamen Moses, jedoch wird es im deutschen Sprachgebrauch, auch in den Medien, für geheimnisvolles Handeln verwendet. Das Verb mauscheln bedeutete nur, dass man redet wie ein Jude. Ronen Steinke erklärt, auf den antisemitischen Hintergrund einiger Begriffe müsse man hinweisen. Die jiddischen Begriffe seien grundsätzlich eine bunte Bereicherung der Sprache – was übrigens auch für das amerikanische Englisch gilt. (n-tv.de)


2. Gendersprache

Weitere CDU-Landesverbände gegen Gender-Sonderzeichen

Nach dem Kultusministerium in Sachsen fordern nun auch die CDU-Landesverbände in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern die Verbannung der Gender-Sonderzeichen aus den Schulen. Der Hamburger Landesverband der CDU erklärt, dass die Leidtragenden die Schüler seien. Die Gendersprache sei eine „ideologische Kunstsprache“ mit falscher deutscher Grammatik und Rechtschreibung. Auch Michael Sack, Vorsitzender der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, erklärt, dass diese „Kunstsprache“ diejenigen Schüler benachteilige, die sich schwertun, deutsche Grammatik und Rechtschreibung zu lernen. Hamburgs CDU-Chef Christoph-Ploß erläutert, dass die Gendersprache ein Weltbild der gesellschaftlichen Spaltung und Einteilung nach Geschlecht oder sexueller Orientierung vertrete.

In Schleswig-Holstein ist die Verwendung von Gender-Sonderzeichen ebenfalls nicht gestattet. Die Bildungsministerin und CDU-Politikerin Karin Prien verweist auf die geltenden amtlichen Regeln des deutschen Rechtschreibrates, von denen Sonderzeichen wie Genderstern, Binnen-I oder Gender-Gap nicht gedeckt seien. Die Grünen kritisieren derweil Priens Erlass und geben sich erstaunt über ihren Stimmungswandel. Noch im Mai diesen Jahres habe Prien sich gegen ein Verbot ausgesprochen. Es sei zudem „unlogisch“, dass an Hochschulen gegendert werde, den Schülern aber genau dieses verboten werden solle. Statt „Verbotspolitik“ plädieren die Grünen für einen pädagogisch angemessenen Umgang mit dem Thema Diversität und geschlechtergerechter Sprache. (welt.de, welt.de)


3. Unser Deutsch

Frauenkarte

Der Wahlkampf bringt immer neue Wörter zutage, die bisher nur in Nischen der Kommunikation gebräuchlich waren. So die Frauenkarte. Die Moderatorin Sandra Maischberger fragte am 5. August ihren Gast, Robert Habeck, ob bei der Wahl zur Kanzlerkandidatur der Grünen die Frauenkarte eine Rolle gespielt habe. Verdacht der Moderatorin: So war es, aber ich möchte dafür die Bestätigung des Unterlegenen. Wie dieser sich herausgewunden hat, ist hier nicht zu besprechen. Es geht um das neue Wort.

Es ist eine Zusammensetzung, ein sogenanntes Determinativkompositum, in der das erste Glied, Bestimmungsglied genannt, das zweite näher bestimmt. Aber wie ist das Verhältnis der beiden Glieder? Man kann sich das Kompositum als komprimierten Ersatz für eine syntaktische Fügung denken: ‚Karte für Frauen‘ (zum Beispiel ein bestimmtes Kartenspiel), ‚Karte von Frauen‘ (von Frauen verteilt), ‚Karte über Frauen‘ usw. Die Interpretation hängt vom Kontext ab. Hier kommt es auch darauf an, was eigentlich mit Karte gemeint ist. Der Kontext weist auf das Kartenspiel hin, denn es heißt ja die Frauenkarte spielen oder die Frauenkarte ziehen. Wir sehen metaphorisch jemanden einen Trumpf ausspielen, der dem Spiel eine entscheidende Wende gibt. Beim Doppelkopf wäre das die Kreuzdame. Aber so genau ist der Vergleich wohl kaum gedacht. Es geht vielmehr um den programmatischen Vorrang der Frauen in der Besetzung von Posten, um – wie es heißt – der noch vorherrschenden Ungleichheit der Geschlechter entgegenzuwirken. Die Frauenkarte spielen heißt einfach: ‚einer Frau den Vorrang einräumen‘. Das hat offenbar den Ausschlag gegeben bei der Bestimmung von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen. Das Besondere ist hieran: dass die Frau hier selber die Frauenkarte gespielt hat.

Na gut, könnte man sagen, das können die Grünen unter sich ausmachen. Letztlich entscheiden die Wähler, wer Kanzler wird oder Kanzlerin. Tatsächlich verbirgt sich aber hinter dieser Entscheidung ein Prinzip, ein Dogma. Das sehen wir beim Gendern. Im Wahlprogramm der Grünen wird geradezu penetrant jede maskuline Personenbezeichnung von Arzt bis Zuverdiener umgewandelt in feminine Formen mit Genderstern. Es gibt nur noch Ärztinnen, Fahrradfahrerinnen, Kleinbäuerinnen, Zuverdienerinnen usw., eine feministische Radikalkur. Die Entscheidung für eine Anfängerin in politischen Ämtern gegen einen erfahrenen Profi passt in dieses Muster. Ein Robert war von vornherein chancenlos gegen eine Annalena. Allerdings sticht die Frauenkarte nicht immer. Sie kann auch in einem Desaster enden, wie im Saarland. Wegen undemokratischer Verfahren bei der Listenaufstellung wurden die Grünen von den Zweitstimmen in der Bundestagswahl ausgeschlossen.

Horst Haider Munske

Der Autor ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins Deutsche Sprache e.V. Ergänzungen, Kritik oder Lob können Sie schicken an: horst.munske@fau.de


4. Kultur

Kritik am Wahl-O-Mat

Für viele eine große Wahlhilfe, für einige nicht verständlich genug – der Wahl-O-Mat für die kommende Bundestagswahl wurde kürzlich von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht. So sehr damit auch die Auseinandersetzung mit den eigenen politischen Positionen gefördert wird, da gibt es doch etwas, was dem Wahl-O-Mat fehlt, nämlich eine Variante in Leichter Sprache. „Verständliche Wahlinformationen sind dringend notwendig, denn Politik betrifft uns alle“, sagt Peter Neher vom Deutschen Caritasverband, der sich für dieses Anliegen stark macht. Laut Neher sei insbesondere bei dieser Bundestagswahl die Berücksichtigung verschiedener Menschengruppen wichtig, da nun erstmals rund 84.000 Menschen mit Behinderung wählen dürften, die bisher aufgrund von Betreuungsregelungen vom Wahlrecht ausgeschlossen waren. Barrierefreiheit sei deshalb von hoher Bedeutung. Da Wählen ein Bürgerrecht sei, müssten „Menschen mit Behinderung die gleichen Möglichkeiten haben, sich über die Positionen und Angebote der politischen Parteien zu informieren wie Menschen, die keine Einschränkungen haben“, so Neher.

Ebenfalls kritisiert wird die mangelnde Berücksichtigung der Kultur im Wahl-O-Mat. Der Deutsche Kulturrat bedauert , dass keine einzige der insgesamt 38 Fragen sich mit einem kulturpolitischen Thema beschäftige. „Der Wahl-O-Mat 2021 der Bundeszentrale für politische Bildung ist im wahrsten Sinne des Wortes kulturlos. Das ist keine Petitesse, sondern ignoriert die Bedeutung der Kulturpolitik bei der Bundestagswahl“, so Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. (aerzteblatt.de, kulturrat.de)

Anmerkung: Immerhin entspricht das dem Ansehen der Kultur unter Politikern. Man besucht gerne klassische Konzerte, wo man so fotogen aussieht, aber im Interview während der Corona-Einschränkungen fiel stets nach dem Wort „Kultur“ binnen Sekunden das Wort „Freizeit“, na ja, und was die anbelangt, könne man sich ja mal zusammenreißen.


Bücherverbrennungen in Kanada

Während einer Aktion zur Bekämpfung des Rassismus wurden in Windsor (Ontario, Kanada) rund 5000 Bücher mit vermeintlich rassistischen Inhalten verbrannt. Medienberichten zufolge verbrannte die Schulbehörde die Bücher bereits im Jahr 2019, jedoch wurde dies erst jetzt bekannt. Unter den verbrannten Werken befanden sich die Comics Tim in Amerika (Tim und Struppi-Reihe), verschiedene Lucky-Luke Bände, Asterix in Amerika und Pocahontas. Die Schulbehörde rechtfertigte die Entscheidung mit der beleidigenden und stereotypischen Darstellung der Ureinwohner in diesen Comics. Kritisiert wurde der Begriff Rothaut, oder auch die Darstellung von Ureinwohnern als faul, primitiv und gewaltbereit. Die betroffenen 30 französischsprachigen Schulen wollten sich durch diese Aktion mit den Ureinwohnern versöhnen. Premierminister Justin Trudeau reagierte zurückhaltend. Zwar sei er gegen eine Bücherverbrennung, jedoch sei die Versöhnung mit den Ureinwohnern ein wichtiges Anliegen der Regierung. (brf.be, bild.de)


Juristenlatein in neuer Auflage

Wer mit seinem Juristenlatein am Ende ist, kann künftig das gleichnamige Buch zur Hand nehmen: Juristenlatein lautet der Titel der neuen und erweiterten Auflage des Fachbuchs, das Klarheit in der juristischen Terminologie schaffen soll. Diese bleibt nicht immer von selbst im Gedächtnis, sondern ist mitunter komplex und erfordert gute Lateinkenntnisse. Wenn jemand etwa venire contra factum proprium handelt, verhält er sich widersprüchlich. Fachsprachlich ausgedrückt ließe sich auch sagen, er verstößt gegen den Grundsatz von Treu und Glauben. Bekannter hingegen ist die Redewendung nemo iudex sine actor (‚Wo kein Kläger, da kein Richter‘). Die zunehmende Internationalisierung von juristischer Tätigkeit erhöhe den Bedarf an Nachschlagehilfen, heißt es zur entsprechenden Neuerscheinung. Deshalb finden sich unter den knapp 3.000 lateinischen Fachausdrücken und Redewendungen insbesondere Begriffe aus der Terminologie des Internationalen Rechts. (extrajournal.net)


5. Berichte

Tag der deutschen Sprache 2021: Vorträge, Konzerte und Sprachpreisverleihung

Zum 20. Mal wird in diesem Jahr der Tag der deutschen Sprache gefeiert. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hatte ihn 2001 ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Sprache zu fördern und auf ihre Ausdruckskraft und Schönheit hinzuweisen. Außerdem soll grundsätzlich daran erinnert werden, dass alle Sprachen gleichwertig sind; alle sind es wert, gelernt und erhalten zu werden. Die Veranstaltungen in diesem Jahr fallen wegen Corona jedoch kleiner aus.

„Die deutsche Sprache ist facettenreich und ausdrucksstark“, sagt Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS, „dennoch leidet sie im Moment stark unter dem Gendern, das unter dem Vorwand der politischen Korrektheit vor allem Universitäten, öffentlich-rechtliche Medien und städtische Verwaltungen beherrscht.“ Mit dem Tag der deutschen Sprache solle deswegen eine Besinnung auf ihre Schönheit und Lebendigkeit geschehen. „Unsere Gefühle und Gedanken können wir perfekt in unserer Muttersprache ausdrücken“, so Krämer, „dazu brauchen wir keine Anglizismen, die mittlerweile in jedem Bereich unseres Lebens verständliche deutsche Wörter verdrängen.“

Trotz Corona wird der Tag deutschlandweit begangen, zum Beispiel mit der Verleihung des Sprachpreises „Sprachvorbild“ an das Duo Andreas Pasternack/Christian Ahnsehl. In Osnabrück gibt es ein vom VDS gefördertes Literaturkonzert.

Im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln findet eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Titel Gendersprache für alle – wollen wir das? statt, die von der VDS-Regionalgruppe Köln organisiert wird. Unter anderem referieren die Buchautorin Birgit Kelle und die Schauspielerin und Regisseurin Gabriele Gysi.

Am 14. September gibt es in Dresden einen Festakt im Pianosalon im Coselpalais. Ahmad Mesgarha (Staatsschauspiel Dresden) und Olga Nowikowa (an den Flügeln) sind Teil des Programms mit dem Titel Ich verstehe dich schlecht – oder: Was ich Dir schon immer verschweigen wollte.

Alle Termine zum Tag der deutschen Sprache gibt es hier: Tag der deutschen Sprache – Sammeltermin.


Wettbewerb Wiener Wort

Lieben Sie Dialekte? Wir auf jeden Fall! Der Junge VDS in Österreich sucht das schönste Wienerische Wort. Schicken Sie uns Lyrik oder eine Geschichte von maximal 10.000 Anschlägen (mit Leerzeichen) über Wien, worin idealerweise das Wienerische eine Rolle spielt, mit einer Kurzbiographie in einer separaten Datei als .doc oder .odt bis zum 24.10.21 an: wienerworte@gmx.at. Teilnehmen kann jeder junge Mensch zwischen 18 und 35. Der Bezug zur Stadt ist uns wichtiger als ein Wohnsitz in Wien.

Die zehn besten Texte werden in einer Anthologie des Kurzgeschichtenverlags Brot & Spiele veröffentlicht. Zu gewinnen gibt es für diese Autoren außerdem hochwertige Produkte der neuen Wiener Lifestyle-Marke Franz der Kaiser (franzderkaiser.com), von Ledertaschen über Kleidung bis hin zu Whiskygläsern, oder Gutscheine im Wert von 50-400€.

1. Preis: 1.500€ oder der entsprechende Wert in Waren und Gutscheinen.

2. Preis: 1.000€ oder siehe oben.

3. Preis: 500€ oder siehe oben.

4. – 10. Preis: Waren oder Gutscheine im Wert von 50-300€.

Die Preisverleihung findet am 20. November um 18 Uhr im Heurigen Maly (Sandgasse 8, 1190 Wien) statt. Eine Jury kürt die beste Geschichte, das schönste Wort bestimmt das Publikum. Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!


6. Denglisch

Jobsharing

Geteilte Arbeit und doppelte Verantwortung? Das Konzept des Jobsharing ist umstritten, wird aber in einigen Unternehmen bereits angewandt. Jobsharing bedeutet: Statt einer teilen sich zwei Personen die Arbeit beispielsweise eines Geschäftsführers. Auf Deutsch könnte man einfach von einem Führungsduo sprechen – das bekannteste Beispiel ist derzeit die Grünen-Parteiführung aus Annalena Baerbock und Robert Habeck. Das Chemieunternehmen BASF setzt in vereinzelten Bereichen solche Führungsduos ein und befürwortet das denglisch betitelte Konzept mit weiteren Anglizismen: „Die Teams profitieren von dem Know-how zweier Köpfe“, so eine Sprecherin des Konzerns. Jobsharing ist jedoch nicht der einzige Ausdruck, der für dieses Konzept verwendet wird. Auch als Shared Leadership (geteilte Führung) oder Joint Leadership Tandem (gemeinsames Führungsduo) ist das Ganze bekannt – gemeint ist damit immer dasselbe. (aachener-zeitung.de)


Der VDS-Infobrief enthält Neuigkeiten der vergangenen Woche zur deutschen Sprache. Männer sind mitgemeint, das Gleiche gilt für andere Geschlechter. Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln gelegentlich die Meinung der Redaktion.

Redaktion: Oliver Baer, Holger Klatte, Alina LetzelAsma Loukili